15. Mai 2012

Engelchen und Teufelchen



Gestern Abend habe ich mit dem Herzmann im Ersten "Den DM-Check" gesehen. Noch jemand?

Erstmal, mal wieder eine interessante Folge aus dieser Reihe. Sie haben auch schon HM und McDonalds und so getestet. Es kann nie schaden, zu wissen, was hinter solch bekannten Marken steckt, denke ich.

Das Ergebnis gestern: Dm hat eine super Kundenfangstrategie, ist preislich (in den Läden selbst, nicht aber deutschlandweit) konstant günstig, Qualitativ akzeptabel und von der Fairness verbesserungsfähig.

Eigentlich gar nicht so schlecht. Aber die Fairness. Sofort flüstert einem das Teufelchen zu, wie egoistisch man sei, beschwört Bilder von mageren arbeitenden Kindern die für einen Hungerlohn unsere Produkte herstellen. Hilfe! Nein, das will ich nicht!

So auch im Fall dm, bzw. der Inhaltsstoffe der Produkte, die dort verkauft werden. Als Beispiel wurde Palmöl genannt, für das Quadratkilometer um Quadratkilometer Wald gerodet, Leute verjagt werden. Nein, das gefällt mir ganz und gar nicht. Leute, die ohnehin schon nichts haben werden auch noch aus ihren kläglichen Hütten vertrieben, nur damit ich in superdupertollem Badeöl baden kann? Ne, dachte ich mir, ab jetzt nix mehr mit Palmöl. Doch der nächste Kommentar machte meinen Vorsatz dann gleich wieder zunichte. Palmöl sei oft auch schon in anderen Inhaltsstoffen drin, beispielsweise Glycerin.

Na toll. Wenn man sich jetzt eine x-beliebige Shampoo-, Bodylotion-, Handcreme- oder sonstwas -tube packt und die Inhaltsstoffe liest, stellt man schnell fest: Um jemanden bei stille Post zu ärgern sind die super geeignet (falls man selbst überhaupt aussprechen kann, was dort steht), aber verstehen was es bedeutet? Keinesfalls.

Ich habe mir jetzt mal eine Handcreme genommen. Auch dort: Glycerin. Und andere lustige Dinge wie Ethylhexyl Stearate, Butyrospermum Parkii Butter und was weiß ich. Wie stelle ich nun fest, ob ich diese Produkt ohne schlechtes Gewissen verwenden darf? Natürlich kann ich Mr. Google sagen, und dieser liefert mir auch sofort Informationen. Letzteres beispielsweise ist Sheabutter. Sicherlich finde ich nach einigem Gesuche auch Anmerkungen zu dem Anbau und den Arbeitsbedingungen bei der Herstellung.
Aber! Ich kann doch nicht alles googeln? Und sicherlich gibt es für jedes Produkt solche und solche Firmen. Die einen, die fair sind, und die anderen, die es eben nicht sind. Woher weiß ich, dass mein Produkt nun fair ist?
Außerdem: Ich muss die Sachen ja erst kaufen, um mich dann über die Inhaltsstoffe informieren zu können. Alles merken ist unmöglich, aufschreiben viel zu umständlich.

Naturkosmetik! Mögen nun einige rufen, das ist doch die Lösung!
Klar, die kümmern sich zumindest mehr um die Inhaltsstoffe als alle anderen Marken. Aber weiß ich, dass es nun wirklich besser ist? Es sind trotzdem Dinge in den Produkten die hergestellt werden müssen. Woher weiß ich, dass sie keine Kinder dafür beschäftigen? Oder steht Naturkosmetik drauf um schlechte Gewissen wie meines zu beruhigen und einen Preis zu rechtfertigen?

Nicht leicht, muss ich sagen. Denn eigentlich habe ich wenig Lust, mir beim Shampookauf erstmal einen Tag Zeit zu nehmen um Informationen zu sammeln. Es ist viel einfacher, das nächstbeste zu kaufen und die armen Arbeiter aus dem Kopf zu streichen. Da liegt wohl auch das Problem, die typische Bequemheit. Das "mich-betrifft-das-nicht"-Denken.

So auch mit Kleidung. Ich weiß, dass HM in Bangladesh und Vietnam produziert und die Arbeiter dort vermutlich nicht vor Freude in die Luft springen, wenn sie arbeiten gehen dürfen. Aber wenn ich jetzt zu Esprit gehe, kostet das Ganze viel mehr, wird aber auch dort produziert. Da bezahle ich dann die Marke und eine bessere Verarbeitung.

Aber nie, nie, nie wird im Fernsehen oder sonstwo über das Gegenteil berichtet. Ich kenne keine Marke, die in Deutschland produziert (damit ist Kleidung gemeint) und die wirklich zu 100% "clean" ist. Warum ist das so? Gerade so etwas sollte doch unterstützt werden!
Vielleicht habt ihr ja die Ahnung? Oder Tipps? Wie ich das böse Teufelchen zum Schweigen bringe?

Liebe Grüße,

Tüt

Kommentare:

  1. Also einen Tipp zu Firmen, die in Deutschland produzieren habe ich LEIDER auch nicht.
    Aber ich hab grad heute morgen auch einen Bericht zu dem Markencheck geschrieben. Bei Facebook ist dm näher auf die Palmöl-Problematik eingegangen und sagt aus, dass sie Hersteller bevorzugen, die zertifiziertes Palmöl aus fairem Anbau benutzen.
    Schau doch mal vorbei, da siehst du das ganze Zitat von dm!

    http://cuchilla-pitimini.blogspot.de/2012/05/ard-markencheck-dm.html

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  2. In der Schweiz gibt es Marken, die wirklich zu 100% Schweizerprodukt sind. Aber dort ist wieder das Problem, dass sie unglaublich teuer sind und nicht besonders modern. Tja... ich kann dir leider nicht mit besseren Ideen weiterhelfen.

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    1. Ja, das ist wirklich doof. Ich habe nunmal nicht viel Geld solange ich noch Studentin bin. Da fallen teure Marken einfach weg. Aber danke für den Hinweis!

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