8. Januar 2013

Ein Mädchen wird missbraucht



Dass ich in den Ferien häufiger zum Lesen komme, habt ihr ja hier schon gesehen.
Deshalb habe ich heute noch ein Buch für euch, dass ich ebenfalls um Weihnachten herum gelesen habe. 

Ich bin nicht mehr eure Tochter von Monika B. 




Es ist kein seichtes Buch, meine Lieben:

Monika ist ein echtes Wunschkind. Sie soll die gutbürgerliche Familie komplettieren. Doch hinter der heilen Fassade spielt sich Unfassbares ab. Von Anfang an wird Monikas Leben von sexuellen Übergriffen bestimmt. Was der Großvater an dem Kleinkind begeht, setzt sich in jahrelangen Vergewaltigungen durch den Vater und die Brüder fort. Erst nach dem Freitod ihres jüngeren Bruders Georg, der nicht mit ansehen kann, was mit seiner geliebten Schwester geschieht, gelingt es Monika, sich aus dieser Hölle zu befreien.


Harter Tobak, meine Damen. 
Oft werde ich bei solchen oder ähnlichen Büchern gefragt, wie ich so etwas lesen kann. 
Nunja, prinzipiell schonmal wie jedes andere Buch auch, aufmachen und die Buchstaben aneinanderbauen. Natürlich steckt hinter der Frage etwas anderes: Wie man mit dem beschriebenen Grauen weiterkommt, warum man so etwas überhaupt lesen will.

Aber gerade darin sehe ich das Problem: Die Augen werden verschlossen.
Ich habe im Pädagogikunterricht in der Schule eine Reihe zu sexuellem Missbrauch gehabt und mich vorher eigentlich gar nicht damit beschäftigt.
Und das ist das Problem.
Es ist ein Tabuthema. Es ist kein schönes Thema, aber dadurch, dass es ein Tabu ist, sind viele Kinder in Gefahr.
Das zeigt dieses Buch auch ganz deutlich. Monika versucht trotz intensiver Drohungen immer wieder, sich Vertrauenspersonen zu öffnen. Sie sagt, der Vater fasse sie an, tue ihr weh. Was sagen diese Leute, ihre Tanten, Omas? "Du dreckiges Kind, wie kommst du darauf deinem Vater so wehzutun ..." usw. Schrecklich, wenn man es liest, aber so passiert es leider alltäglich. Angehörige wollen nicht wahrnehmen, dass ihnen so vertraute Personen anders sind, als sie scheinen. Dabei können Kinder in so einem Alter gar nicht lügen, haben eigentlich gar keine Worte für die Dinge, die ihnen zustoßen. Sie dürften eigentlich überhaupt nichts von Sex wissen. Und warum sollte ein Kind grundlos seinen Vater mit so etwas beschuldigen?

Für so etwas sind solche Bücher gut. Dafür sind sie geschrieben.
Monika B. wollte bestimmt kein Geld machen. Sie wollte, dass Menschen erfahren, wie es bei einer von außen perfekt erscheinenden Familie aussehen kann.
Sie will, dass Leute ihre Augen offen halten. 
Ich glaube, einem Kind kann kaum schrecklicheres geschehen. Und ein Kind zeigt auch deutlich, was ihm geschieht.
Monika beispielsweise fängt mit sechs oder sieben Jahren wieder an, ins Bett zu machen. Sie spielt sexuelle Spiele mit ihren Puppen und Kuscheltieren, sie kann nicht schlafen, alles Zeichen die zeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist. 

Aber jemand der diese Zeichen nicht kennt, kann niemals helfen. Und das fände ich irgendwie schade. 

Warum ich also solche Bücher lese? Natürlich ist da ein bisschen Interesse dabei. Nicht an den grausigen Taten, um Himmels Willen. Eher, wie sie das durchsteht, was ihr zustößt. Am Psychologischen, sozusagen. Ein Thriller-Liebhaber liest Thriller ja auch nicht, weil er die Morde geil findet. Sondern weil es spannend ist, packend, verstörend.


Ich fände es toll, wenn über sexuellen Missbrauch mehr informiert wird. Denn jeder, der mit Kindern zu tun hat kann dann vielleicht helfen, einem Kind doch noch eine schöne Kindheit zu bescheren, und kein Leben voller Selbstzweifel, Selbsthass, Selbstverletzung.


In diesem Sinne, atmet tief durch und lasst euch von diesem Text nicht den Abend verderben!


Kommentare:

  1. Ich habe das Buch auch erst im Frühjahr gelesen. Ich studiere Kindheitspädagogik und im Rahmen des Seminars zum sex. Missbrauch hatte eine Mitstudentin das Buch in ihrem Referat vorgestellt, ich habs mir am Ende bestellt und gelesen.
    Es ist das erste Buch wo ich ab und an Pause machen musste und erstmal tief einatmen. :o(
    Es ist aber auch ein Mutmacher, für ebenfalls Betroffene sich Hilfe zu suchen und endlich ein befreiteres Leben zu führen.

    lg
    zelakram.blogspot.com

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  2. Ich verstehe das sehr gut. In den Winterferien habe ich das Buch "Living dead Girl" gelesen, dass von einem Mädchen handelt, dass entführt wird und über mehrere Jahre missbraucht wird. Viele waren geschockt, dass ich so ein Buch lese, aber als ich diesen Post gelesen hab dachte ich mir: Genau so ist es, besser hätte ich es nicht sagen können.
    Liebe Grüße, Lina
    kunstastisch.blogspot.com

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