13. Dezember 2017

Medalje Kofte - Kofteboken

Hallo ihr Lieben!



Es ist schon lange her, dass ihr hier etwas gestricktes in Erwachsenengröße zu sehen bekommen habt. Daraus schließt mancher vielleicht, dass ich mehr nähe und daher weniger Zeit zum Stricken finde, aber dem ist nicht so. Während ich das Nähen für seine schnellen Ergebnisse liebe, hat Stricken doch eine ganz andere Bedeutung. Es ist gemütlich, ich kann mich auf dem Sofa mit Decke, Tee und Kerzenschein einmummeln, eine schöne Serie schauen und dabei Masche um Masche stricken. Nähen dagegen ist zumindest in meinem Fall unbequem, mein Stuhl ist zu hoch für den Tisch an dem ich nähe, dementsprechend habe ich schnell Rückenschmerzen. Dann noch das dauernde aufstehen, auf den Boden setzen um größere Sachen zu stecken, in die Küche latschen um dort zu bügeln ... ne, nicht bequem. Trotzdem toll, aber eben in einem anderen Bereich. 
Weil Stricken für mich mehr mit Gemütlichkeit und Entspannung verbunden ist, versuche ich natürlich auch, es ruhig angehen zu lassen. Das zu stricken, wonach mir gerade ist. Dann liegt die angefangene Socke mal ein paar Wochen, weil ich grad so Lust auf diese Mütze habe, was solls. Erfahrung zeigt, dass ich jedes Projekt irgendwann fertigstelle, und irgendwann heißt innerhalb von einigen Monaten. UFOs (= unfertige Objekte) gibt es bei mir nicht. 


Aus dieser entspannten Haltung heraus kommt es dann auch manchmal dazu, dass ich antizyklisch stricke. Beispiel für dieses verrückte Wort? Diese Strickjacke habe ich von Ende Februar bis Ende Mai gestrickt. Dann war es natürlich deutlich zu warm für eine Wolljacke, also kam sie in den Schrank. Und dementsprechend ist sie schon ewig fertig, wird euch aber heute erst präsentiert. Und auch da gab es ein Hindernis: Der Kragen war nicht wirklich gut geworden. Zu viele Maschen, sodass er nicht anlag, sondern viel mehr abstand. Das sah überhaupt nicht gut aus, und ich wusste schon, dass ich den nochmal neu stricken muss. Den Sommer über habe ich mich gesträubt vor der Arbeit: Das richtige Fadenende finden, aufribbeln, Maschen neu aufnehmen, stricken, wieder annähen, da es sich um ein doppeltes Halsbündchen handelt, das innen umgeschlagen und festgenäht wird. 
Dann kam mein Dezemberurlaub und mit ihm meine kleine Liste. Wenn ich nämlich im Urlaub nicht wegfahre, versuche ich einige ungeliebte Aufgaben zu erledigen. Darauf stand unter anderem der Kragen dieser Jacke. Als es dann gestern mal wieder schneite und schneite, fiel der Groschen: Wie toll wäre es, meine Jacke im Schneetreiben zu fotografieren! Also ging es der Kofte an den Kragen. Erfolgreich, er liegt nun deutlich besser, nur leider hatte es aufgehört zu schneien, sodass mein Konzept nicht ganz aufgegangen ist.


Nunja, was solls. Vielleicht kann ich das noch nachholen, mir fällt nämlich gerade auf, dass ich keinerlei Detailbilder vom Innenleben gemacht habe, und die sind ja durchaus interessant. 
Aber nun mal zurück zum Anfang, ich erzähl hier von meinen kleinen Komplikationen und ihr wisst gar nicht, wie die Jacke entstanden ist. 
Im Februar rief Sophia zum #Kofteimrudel auf, ein gemeinsames Kofte-stricken, also eine Jacke oder ein Pullover im Norwegermuster. Da Sophia mich stets mit Inspiration versorgt, hatte ich schon vorher mal einen Blick in ihre Kofteboken geworfen und war sofort Feuer und Flamme, wälzte die Bücher, erhielt schließlich eigene, direkt importiert aus dem Schwedenurlaub, denn in Deutschland sind sie deutlich teurer. (Kofteboken, Kofteboken 2). Nach langem Überlegen entschied ich mich dann für die Medalje Kofte. Ich wollte ein durchgehendes Muster, nicht zu weihnachtlich, nicht zu blumig. Medaillen also. Das Garn ist Lamana Como, reine Merinowolle, aber nicht wie gewohnt super glatt, sondern tatsächlich mit ein wenig "Gripp", was für eine Kofte schon auch wichtig ist, schließlich wird hier später ins Gestrick reingeschnitten. Farblich habe ich mich nach laaangem Überlegen - es gibt so tolle Kombinationen - für Bordeaux und mittelgrau entschieden.


Gestrickt wird die Jacke zunächst in Schläuchen mit diversen Umfängen von unten herauf. Ich habe mit den Ärmeln begonnen, um schnell ins Muster hereinzukommen. Diese werden dann erstmal beiseite gelegt und der Körper, ebenfalls in der Runde, gestrickt. Wenn eine gewisse Höhe erreicht ist, die ich natürlich im Vergleich zur Anleitung deutlich verlängert habe, wird alles auf eine Nadel gefummelt und mit Hilfe von Raglanabnahmen auf den Halsausschnitt zugearbeitet. Dann wird der Steek in der Mitte aufgschnitten, Knopfleisten und zuletzt das Halsbündchen angestrickt. Klingt alles ziemlich easy, so als Text. Dass ich drei Monate dafür gebraucht habe, beweist das Gegenteil, so eine komplett gemusterte Kofte nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Natürlich hatte ich alle Zeit der Welt, wusste ich ja, dass ich die Jacke erst im kommenden Winter anziehen würde. So habe ich auch mal das ein oder andere Projekt dazwischen geschoben. 


Meine fertige Kofte mag ich sehr. Noch sitzt sie etwas spack, aber ich habe sie auch noch nie getragen und gehe davon aus, dass das mit der Zeit noch ein wenig nachlässt. Da ich Jacken aber eigentlich immer offen trage, stört mich das auch nicht so. Die Ärmel sind in ihrer Länge perfekt, was mich sehr glücklich macht. Mal nicht über das Ziel hinausgeschossen vor lauter Angst, wieder freie Handgelenke zu haben. 


Das Garn ist übrigens ziemlich toll für so eine Kofte. Ich habe sie nach der Fertigstellung gedämpft, sodass sie schon leicht angefilzt ist, sprich, die Maschen haben sich miteinander ein wenig verbunden, dass Material ist ziemlich dicht und hat eine total interessante Struktur. Ich bin gespannt, wie es sich auf lange Zeit verhält mit der Jacke. 


Wie immer hat mir das Stricken viel Freude gemacht. Muster zu stricken ist nochmal was ganz anderes als einfarbig, irgendwie beruhigt es mich total, Reihe für Reihe zu sehen, wie sich wieder ein Bild zusammensetzt. Meiner Mama habe ich die Bücher vorgelegt mit er Bitte, dass sie sich doch eine Kofte aussucht, die ich ihr dann stricken kann. 


Falls ihr bis hierhin durchgehalten habt: Vielen Dank! Ich hoffe, ihr könnt mit allen Begrifflichkeiten hier etwas anfangen, sonst fragt gerne nach. 
Meine Kofte habe ich auch auf Ravelry verewigt, dort gibt es auch noch andere Projekte zur Anleitung, falls ihr das Modell mal in anderen Farben sehen wollt. 

Beim Me Made Mittwoch zeigt Nina heute einen tollen Rock, der mich tatsächlich überlegen lässt, ob ich es nicht doch nochmal mit Röcken probieren soll. Bisher ziehe ich einfach lieber ein Kleid aus dem Schrank, damit ist man dann sofort fertig...




8. Dezember 2017

Hat Kreativität ein Ende?

Hallo ihr Lieben!

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag erst morgen früh (Samstag) schreiben. Jetzt bin ich aber gerade, nachdem ich wie ein Kind im Schlafanzug (mit Jacke drüber) in den Schnee geflitzt bin, sehr elektrisiert und muss diese Energie loswerden, bevor es ins Bett geht. Also gebe ich sie hier weiter.

Und ja, Schnee versetzt mich in einen kindlichen, unglaublich erfreuten Status. Es wäre so schön, wenn wir dieses Jahr mal wieder viel Schnee hätten hier im Münsterland!

Ich habe jetzt ungefähr fünf Minuten in die Luft gestarrt und überlegt, wie ich eine Überleitung zu Kreativität bekomme. Dabei ist nichts herausgekommen, wie ihr wohl merkt, also muss es so gehen. Meine liebe Strickfreundin Sophia ist ja definitiv der kreative Kopf unseres kleinen Stricktreffs. Immer wieder steckt sie mich mit neuen Ideen an, es sprudelt beinahe. Beispiel gefällig? Aus dem Garn Pairfect von Regia hat sie nicht nur wie vorgesehen Socken gestrickt. Sondern auch Handschuhe, Babymützen eine Babyhose und jetzt eben auch eine Latzhose. 


Diese Idee, welche wie gewohnt bei mir auslöst, dass ich das Design probestricke, kam passenderweise mit einer anderen lustigen Begebenheit zusammen. 
Mit Regia Pairfect strickte ich ein Paar Socken. Kurz vor Schluss der zweiten Socke begegnete ich einem Knoten. Nun habe ich mich mitnichten darüber geärgert, bin ich doch erfahrene Strickerin und weiß, dass das Garn nicht endlos vom Schaf runtergerollt werden kann. Eher belustigt schickte ich Sophia ein Bild nach dem Motto "War ja klar, dass ich mal wieder einen Knoten finde", denn in der Tat scheine ich ein Radar dafür zu haben. Sie reagierte aber relativ nüchern und empfahl mir, dies dem Kundenservice von Schachenmayr mitzuteilen, da das Garn gar keine Knoten haben solllte. Tatsächlich: Die Banderole verspricht Knotenfreiheit, welche für zwei identische Paar Socken ja vielleicht auch notwendig ist. Ich schrieb also eine freundliche Mail und bekam ebenso freundlich Ersatz versprochen. Damit hatte ich nicht gerechnet, denn bei meiner Version handelte es sich um die Degrade Farbe, und ob da nun ein winziges bisschen fehlt fällt nun wirklich nicht auf. Aber natürlich sagte ich nicht nein und bekam wenig später dieses Knäul - Überraschung! Ich hatte damit gerechnet, dieselbe Farbe, die ich gerade erst in ein Paar Socken verstrickt hatte, nun nochmal zur Latzhose verarbeiten zu "müssen". Doch als hätte Schachenmayr es geahnt, schickten sie mir ein viel kinderfreundlicheres Knäul zu, noch dazu neu für mich, wodurch das Stricken deutlich schneller voran ging. Vielen Dank!


Zur Latzhose selbst: Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Weiterentwicklung der Pairfect Pants. Man kommt mit einem einzigen Knäul aus, und je nach Garn entsteht wie hier ein sehr buntes Modell oder aber eines mit Streifen an den Beinen und schlichtem Körper. Oder oder oder, wenn man von der Pairfect abweicht ist natürlich alles möglich, bei der Masse an Sockengarnen. Aber gerade mit Pairfect macht es schon ziemlich Spaß. 
Ich habe den natürlichen Verlauf des Garns ein wenig auseinandergenommen und schreibe es für euch mal auf, falls jemand Interesse hat. 
Begonnen habe ich die Beinbündchen mit dem Anfang, die Beine dann bis zum Beginn des Fersenteils auch erstmal gestrickt. Die Ferse ist dann eigentlich wieder schlicht blau, diesen Teil habe ich abgewickelt, ebenso den darauffolgenden roten Teil und später für Latz und Träger verwendet, um eine Art Rahmen zu erzielen. Für den Körper habe ich dann zuerst den grünen Teil des Garns (=Fußteil) verwendet. Das waren ein paar mehr Fäden zu vernähen, hat sich aber gelohnt meiner Meinung nach.


Fun Fact: Linkes Bein habe ich zuerst gestrickt, das rechte dann zunächst unter Migräne und später Drogen Migränemedikation. Verrückt, wie sich anscheinend meine Fadenspannung und damit das Muster komplett verändert hat!
Mein Projekt könnt ihr natürlich bei Ravelry finden, und wenn ihr die Latzhose nachstricken wollt: Die Anleitung gibt es ebenfalls dort.





6. Dezember 2017

Bloom in Bordeaux

Hallo ihr Lieben!




Manchmal braucht es ein bisschen Zeit, bis ich ein bestimmtes Projekt umsetze. Das kann verschiedene Gründe haben: 12 Tage Dienst am Stück und zusätzliche soziale Aktivitäten - muss ja auch mal sein / Stricken reizt gerade mehr / andere Projekte haben Priorität / der Spaßfaktor ist eher gering. 
Ich glaube, bei diesem Pullover lag es an letzterem: Schnitt kannte ich und konnte mir aus dem unifarbenen Stoff auch ziemlich gut vorstellen, wie es später aussieht. Quasi ein Projekt ohne Risiko oder Spannung. Deshalb lag der Sweatshirtstoff von Stoff und Stil erstmal einige Wochen herum, bis ich ihn anrührte. Vielleicht musste er auch noch ein wenig reifen oder bei mir ankommen, wer weiß.




 Den nötigen Anstupser gab dann der Pullover von fetzich, den sie vor zwei Wochen zeigte. Quasi die Verwirklichung meiner Vorstellung, der Stoff sieht dem meinen sehr ähnlich und der Schnitt ist derselbe, den ich nutzen wollte. Ich sah den Beitrag und war neidisch auf den Pullover. Wie gut, dass ich nähen kann: Ein paar Tage später war mein Exemplar ebenfalls fertig. Und keine Angst, ich habe nicht mehrere Tage an diesem Pullover genäht, es war nur eine Weile lang keine Zeit dafür verfügbar.


Beim Zuschnitt konnte ich dann mal wieder üben, aus der Not heraus erfinderisch zu werden. Ich hatte nur 1,3 Meter bestellt, und egal wie ich es drehte und wendete, den Ärmel konnte ich nicht im Fadenlauf zuschneiden. Im Endeffekt ziemlich egal, denn der Sweatshirtstoff ist gar nicht elastisch. Ich habe den Ärmel also quer zum Fadenlauf zugeschnitten und an allen Teilen ein wenig mehr Nahtzugabe gewählt. Außerdem habe ich das Saumbündchen verbreitert, denn gedehnt an den Körper annähen war ja nicht.


Die ersten Nähte sind dann ratzfatz gemacht: Schultern, Ärmel, Seitennähte. Schonmal ein Pullover, nur noch nicht ganz so schick. Erste Anprobe: Meine Verlängerung von 10cm ist Unsinn. Pullover die nicht tailliert sind und dann über die Hüfte hinausgehen gefallen mir an mir nicht, machen mich zu einem unförmigen Klumpen. Also die Verlängerung fast komplett wieder abgeschnitten. Saum- und Ärmelbündchen waren relativ problemlos dran. 


Und dann kam das Halsbündchen. Mit Ach und Krach ohne Falten drangequetscht - wir erinnern uns, der Stoff dehnt sich nicht - sogar vorher mit weitem Stich geheftet, beim Überziehen dann feststellen: Der steht ab. Das sieht überhaupt nicht aus. Und das Etikett habe ich auch vergessen. Ein wenig Fluchen meinerseits, dann habe ich den Pullover erstmal über Nacht zur Ruhe gelegt. Das ist in so Momenten oft besser, sonst wird es nämlich nur noch schlimmer. Am nächsten Tag konnte ich dann halbwegs geduldig das Bündchen abtrennen ohne den Stoff zu beschädigen, ein neues im schrägen Fadenlauf zuschneiden (so lässt sich nämlich auch bei Webware ein wenig Flexibilität erschummeln) und annähen. Sitzt viel besser, und an das Etikett habe ich auch gedacht. Das kleine weiße Ding im Nacken erleichtert das Anziehen ungemein, ich muss nicht erst gucken, auf welcher Seite der Ausschnitt tiefer ist um herauszufinden, wo vorne ist. 


Pullover angezogen, und: Verliebt! Er ist noch besser, als ich ihn mir vorgestellt habe, unglaublich bequem und zum Glück auch nicht zu eng. Die Ärmel sind genau passend lang, rutschen aber so erstmal nicht über die Hände, außer ich ziehe sie dahin. Für meine Verhältnisse ist er eher schon etwas kurz, cropped, wie man neudeutsch wohl sagt. Aber auch das gefällt mir überraschenderweise sehr. 


Jetzt habe ich euch die ganze Zeit gar nicht verraten, welcher Schnitt das ist: Der Pullover Bloom aus der La Maison Victor 2/17 in Größe 40. Ich habe ihn schonmal in grau-weiß genäht und trage diese Version ebenfalls häufig, also habe ich da wohl einen Schnittmuster-Liebling entdeckt.

Mit meinem Pullover geselle ich mich zu anderen tollen Näherinnen auf dem Me Made Mittwoch Blog, auf dem es heute um das Motto "Fails" geht, bei dem ich offensichtlich nicht teilnehme. Da hätte ich zwar auch was zu zeigen, wusste aber gar nicht, dass es heute das Motto ist.


28. November 2017

Warum es hier so ruhig ist und Babykleidung

Hallo ihr Lieben!

Ende der Woche beginnt er endlich, der Advent. Meine allerliebste Zeit im Jahr, das war schon immer so. Kannenweise Tee, überall warme Lichter, Kerzen, die geheimnisvolle, leicht ungeduldige Stimmung. Einfach herrlich. 
Wie in jedem Jahr bin ich schon seit Wochen in meinen persönlichen Weihnachtsvorbereitungen, plane Geschenke, kaufe Material. Einige Sachen sind schon gestrickt, nun muss nur noch genäht werden. Ich habe im Dezember noch Urlaub und viele freie Tage, sodass ich mich auf gemütliche Produktionsstunden freuen kann. Mein Ziel ist es, dass jeder meiner Lieben etwas selbst gemachtes von mir geschenkt bekommt. 

Und das erklärt dann auch, warum es hier so still ist: Ich kann nichts davon zeigen! Es lesen zwar nicht alle Empfänger von Geschenken meinen Blog, aber wer weiß, wie es das Schicksal so will. Und nichts wäre schlimmer, als wenn die Person ihr Geschenk schon kennt. Denn während ich die Vorbereitungen auf Weihnachten sehr genieße, fiebere ich doch letztlich auf den Moment hin, wenn ich beim Auspacken die (hoffentlich) erfreuten Gesichter sehe. Was unter anderem dazu führt, dass ich zwar Anfang Dezember schon alle Geschenke geplant habe, aber völlig ratlos bin, wenn ich gefragt werde, was ich mir wünsche. Ich schenke einfach sehr, sehr gerne. 

Zum Glück habe ich aber noch ein paar Sachen in der Warteschleife, die ich euch jetzt zeigen kann, damit es hier nicht vollkommen gespenstisch wird.


Während ich im Dezember viel frei haben werde, war der November ziemlich voll. Mir war daher nicht nach großen, aufwändigen Projekten, sondern nach Kleinigkeiten für zwischendurch. Das heißt dann immer: Babyzeug. Beide Teile habe ich bei einem Nähtreff mit der lieben Nele genäht, die mir sogar passende Kam Snaps schenkte, sodass ich die Jacke vollenden konnte. So ein Glück!


Der Schnitt für die Jacke ist der Bi-Ba-Butzemann aus dem Buch "Nähen und Stricken für die Kleinsten", gewählt habe ich die kleinste Größe 56. Die Jacke ist für Webware konzipiert, hat eine Zipfelkapuze und wird mit Schrägband gesäumt, sodass sie bei entsprechend passendem Verschluss auch als Wendejacke fungieren kann. 


Der einfarbige Stoff ist ein Rest von einem Sweat ohne Stretch, der gemusterte war ein altes Kleid, welches mir nicht mehr passte. Ich fand das Muster aber immer so schön, dass ich das Kleid nicht wegtun konnte. In der Kombination mit dem Waldgrün finde ich den Stoff wirklich super schön und bin froh, dass ich es aufgehoben habe. Die Haptik der Jacke ist auch toll, sie fühlt sich richtig warm an, wie gefüttert. Und die Teilungsnähte aus dem Kleid liegen nun richtig passen in den Vorderteilen der Jacke, auch das sieht ziemlich gut aus. 


Das Schrägband habe ich aus einem Jeansrest selbst gemacht um das Blau aus den kleinen Blüten wieder aufzunehmen. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. 
Wenn ich solche Reste Vernichtungs Aktionen starte, dann nehme ich mir oft irgendeinen Stoff aus dem Regal und schaue, welche Schnittteile darauf passen. Ich versuche dann, den ausgewählten Stoff möglichst komplett aufzubrauchen, so entstehen häufig mehrere Teile aus einem Stoffstück. So auch hier: 


Ein Schlafsack! Ebenfalls Größe 56, ebenfalls aus dem oben genannten Buch, der Schnitt nennt sich "Wolke Sieben". Der Schlafsack ist komplett gefüttert, da habe ich leider kein Foto von, aber ich habe einen Rest hellblauen Flanell gewählt und für den oberen Teil kleine bunte Katzen. Für die Einfassung wollte ich mal etwas anderes probieren und habe Falzgummi genommen. Das hatte ich mal in der Vermutung bestellt, dass ich aus meinen Jerseyresten Unterwäsche für mich nähe ... das ist nicht passiert, aber die goldenen Sterne auf dem Band passen thematisch ja super zu einem Schlafsack. 


Verschlossen wir der Schlafsack auf zweierlei Wegen: Einmal mit Kam Snaps oben, und dem offensichtlichen Reißverschluss. Der war übrigens auch über, für ein Projekt hatte ich zwei verschiedene bestellt, weil ich mir mit der Farbe noch nicht sicher war. 

Ich weiß gar nicht, ob so kleine Babies überhaupt Schlafsäcke anziehen, aber notfalls funktioniert der auch als Puppenschlafsack, bei der kleinen Größe. 

So, ich verziehe mich wieder in meine Weihnachtswichtelwerkstatt und melde mich hoffentlich bald wieder. Trotzdem wird es bis Weihnachten wohl eher ein wenig ruhiger werden hier.




15. November 2017

Von kurz- und langfristigen Projekten

Hallo ihr Lieben!

Nachdem mein Outfit in der letzten Woche so gut bei euch angekommen ist und ihr mich in den Kommentaren habt wissen lassen, dass ihr gerne eine Kombination aus bereits bekannten Teilen seht, habe ich mir für heute etwas ähnliches überlegt. Allerdings in diesem Fall eine erfrischende Mischung aus alt und neu, Garn und Stoff. So, wie es an fast allen Tagen auch an mir landet eben. 


Genau so werde ich gleich und auch morgen zur Arbeit fahren. Dabei ist der Großteil des Outfits selbst gemacht: Shirt, Weste und Tuch sowie nicht sichtbare Wollsocken. Bei dem Shirt handelt es sich um den Schnitt Agnes von Tilly and the Buttons, das Shirt habe ich hier schon einmal vorgestellt. Es ist durch die Farbe wirklich rundum einsetzbar und sehr praktisch. 


Euch noch nicht näher bekannt sind Weste und Tuch. Fangen wir mit ersterem an. Diese Weste war ein absolutes spontan Projekt und tatsächlich innerhalb von Minuten fertig. Dabei lag der Stoff eine ganze Weile in meinem Regal, gefunden hatte ich dieses Reststück bei meinem Lieblings Stoffladen hier in Münster. 70cm in der Höhe, 1,40 in der Breite. Nicht genug für einen Pullover oder so, deshalb lag er dann auch im Regal, denn was kann man sonst noch anstellen mit einem von innen so flauschigen Stoff? Eben. Tja, und dann erinnerte ich mich aus irgendeinem zufälligen Grund an eine Weste meiner Mama: Zipfelig, ohne jegliche Säume. Müsste eigentlich mit diesem Stoff auch gehen, fand ich, und nahm das Stück mit um es auf Mamas Weste aufzulegen. Die war tatsächlich auch aus einem Rechteck konstruiert und hatte zwei Löcher für die Arme, fertig. 


Ich habe also meine Schulterbreite ausmessen lassen, den Wert halbiert, mein Stoffstück in den Bruch gelegt und die Position der Armlöcher markiert. Professionell habe ich sie eine Handbreit vom oberen Ende begonnen, so war es bei dem Kaufstück auch. Die Armlöcher in den Stoff geschnitten, noch etwas geformt, fertig ist die Weste. Super schnell gemacht, das neue kuschelige Stück. Kann ich nur empfehlen für etwas größere Reste, zum Beispiel Sweat, Walk oder andere dickere Stoffe. Am besten natürlich mit Flausch innen, damit der Rücken schön warm ist. Andererseits: Aus einem dünnen, fließenden Stoff für den Sommer auch super vorstellbar. 


Objekt Nummer zwei, der Schal, ist etwa zur selben Zeit angefangen worden wie die Weste - hat aber deutlich länger gebraucht bis zur Fertigstellung. Stricken ist nunmal viel weniger effektiv als Nähen, zumindest was die schnellen Ergebnisse angeht. Dafür entspannt es mich deutlich mehr, und das Tuch erfüllt mich mit mehr Stolz als die schnell erarbeitete Weste. Eigentlich auch logisch.
Das Tuch ist nach der Anleitung Ramble von Andrea Mowry entstanden und besteht aus Ribbelwolle. Das Ribbel ist kein euch unbekanntes Tier, viel mehr habe ich hier Garn ein zweites Mal verwendet. 


Vor mehr als zwei Jahren habe ich den Foolproof Schal gestrickt und danach kaum getragen. Die Merinowolle war einfach zu sehr ausgeleiert und der Rundschal passte nicht mehr gut um meinen Hals. Ich brauche Schals ja eng anliegend, fahre ich doch an den meisten Tagen mit dem Rad von A nach B. Also habe ich den Schal aufgeribbelt, inklusive zweistündigen Niesens - Hausstauballergie funktioniert offenbar auch bei fliegenden Fusseln von Wolle. Mit dem Ramble Tuch habe ich dann mein erstes Brioche Stück gestrickt, eine Technik, die in letzter Zeit überall auftaucht. Dabei handelt es sich eigentlich um das altbekannte Patent, nur in aufregenderen Formen als Rippen. Ind iesem Fall sind es Blätter, zumindest sehe ich das so. Brioche eignet sich besonders für Tücher, da es auf beiden Seiten gut aussieht. Oben seht ihr die linke Seite, unten die rechte. Auf der einen tritt der helle Ton mehr hervor und die Krausrippen sind von der linken Seite zu sehen. Es gibt meiner Meinung nach schon eine "schönere" Seite, nämlich die mit den ordentlichen Krausrippen. Trotzdem stört es hier nicht, wenn sich mal ein Stück der linken Seite zeigt, was bei Tüchern ja unvermeidlich ist. 


Begonnen wird das Tuch mit den Krausrippen, das war nicht schwer und zog sich eine Weile, weil wenig spannend und Reihen immer länger werdend. Dann kam der Brioche Part des Tuches und ich war erstmal aufgeschmissen. So viele verrückte Abkürzungen, das Prinzip hatte ich auch erst nicht verstanden, zwei Reihen habe ich gestrickt, aber es sah nicht gut aus. Ein wenig recherchiern und nachdenken, und dann klickte es irgendwann und machte tatsächlich nach den ersten Reihen auch Spaß. 


Ähnlich wie bei Fair Isle Mustern dauerte es auch hier ewig, bis sich mir der Sinn hinter der Abfolge von Stichen erschloss. Ich mache ja immer stumpf nach Anleitung bei sowas und verstehe erst bei der xten Wiederholung, warum ich gerade mache, was ich mache, und wie sich das Gesamtbild zusammenfügt. Könnt ihr mir folgen? Jedenfalls erkannte ich irgendwann, dass sich von 4 Reihen eigentlich 3 vollkommen selbst erklären und ich die Anleitung dafür nicht benötige, schonmal eine große Erleichterung. 


Insgesamt habe ich drei Wiederholungen des Brioche Musters gestrickt. Eventuell hätte das Garn noch für eine weitere gereicht, aber das Tuch ist mir so schon groß genug. Also habe ich den Rest in Babykleidung verstrickt, natürlich ...


Das Tuch ist trotz seiner geringen Höhe sehr wärmend, weil der Brioche Teil einfach so super fluffig ist. Es fasst sich toll an und fällt sehr schön, finde ich. Auf jeden Fall ist das Garn hier deutlich besser aufgehoben als in dem Ursprungs Schal. Sollte dieses Tuch noch ausleiern, ist das nicht weiter schlimm, denn hier ist die Länge ja nicht so entscheidend. 
Das Gesamtoutfit ist farblich eher schlicht - ihr seht aber auch nicht meine bunten Wollsocken hervorblitzen auf den Bildern. Und so fühle ich mich eigentlich sehr wohl, manchmal auch ohne einen Farbklecks. Dafür kann ich mir gleich meinen roten Mantel und eine bunte Mütze überschmeißen. 


Mit einem blöden Grinsen verabschiede ich mich an dieser Stelle und hoffe, mein heutiges Outfit kann einmal mehr zeigen, wie ich meine Sachen so kombiniere.

Ich geselle mich nun zu Zuzsa auf dem Me Made Mittwoch Blog, die dort ein wunderhübsches Kleid präsentiert.



12. November 2017

Update No. 12

Hallo ihr Lieben!

Ganz zu Beginn, bevor ich mit dem eigentlichen Inhalt dieses Beitrags beginne, möchte ich mich für eure zahlreiche und umfassende Reaktion auf meinen letzten Post bedanken. Es war unglaublich bereichernd, eure Meinung zu dem Thema zu lesen und mit euch in den Dialog zu treten. Ich habe mich irre gefreut und gar nicht glauben können, wie viele von euch so umfangreich geantwortet haben. Das gibt mir ganz viel, danke!

Nun kommen wir zum Update, dem regelmäßigen Beitrag in dem ich euch über meine aktuellen Projekte informiere. In diesem Fall mit recht wenig Bildern und etwas mehr Worten. 


Neu im Schrank
 


Mein erstes Strickstück mit Brioche oder auch Patent Muster ist fertig! Es wird hier schon fleißig getragen, ist nach dem Waschen nochmal deutlich offener und weicher geworden. Natürlich folgt hier noch ein einzelner Beitrag, ich möchte nur schonmal ein wenig die Spannung steigern. Die Anleitung nennt sich Ramble Shawl, gestrickt habe ich mit Merinogarn von Drops. 

Außerdem ist noch ein Haufen Babykleidung fertig geworden. Das Nähen dieser kleinen Stücke entspannt mich gerade sehr und bereitet mir viel Freude. Ich kann ein wenig herumprobieren mit verschiedenen Techniken, Verzierungen etc und es kommt immer etwas niedliches dabei herum. Noch dazu arbeite ich mit vorhandenen Materialien, der Restevorrat schrumpft und das Konto hat kurze Pause, bevor es in den Vorweihnachts-Marathon geht. Denn wie in jedem Jahr gebe ich mir Mühe, für jeden meiner Lieben etwas selbst gemachtes herzustellen. 


Auf den Nadeln
 


Neben Socken und Pullover, die beide seit dem letzten Mal, dass ich sie gezeigt habe nicht gewachsen sind, habe ich noch etwas neues angestrickt: Eine Variation des Bodys Emil, nämlich ein Emilpullover, wenn man so wil. Die Streifen sind irre schnell gestrickt und auch hier ist das Ergebnis einfach zu süß. Danach werde ich mich dann wieder meinem Pullover widmen, denn der nächste ist imaginär schon in der Entstehung. Da ich aber nicht so wahnsinnig bin zwei Pullover gleichzeitig zu stricken, wird zuerst der dunkelblaue fertig gestellt. Den Großteil habe ich eigentlich auch schon gestrickt, meine Unlust ist vermutlich eher darin begründet, dass er so lange lag und wir uns erst wieder ein wenig eingrooven müssen bevor es Spaß macht. 


Unter der Nadel
 


Wie schon erwähnt, Babyzeug. In diesem Fall ein Strampler aus Jeansrest, die Bündchen sind ebenfalls mal übrig geblieben und auch die Paspel an der Tasche liegt hier schon ewig herum. Der Schnitt ist aus dem Buch Nähen und Stricken für die Kleinsten und nennt sich Honigkuchenpferd. Es fehlen nur noch die Knöpfe oben und ein Abschluss der offenen Kanten, dann kann auch dieser süße Anzug in die Geschenke-Kiste wandern. 

Ich bin gespannt, wann mir wieder danach ist für mich zu nähen. Grad habe ich nur vage Pläne zu zwei Stoffen, da fehlt eigentlich noch ein Aha-Moment damit ich loslege. Ich schätze als nächstes nähe ich eine ärmellose Bluse, darauf habe ich schon mehr Lust, viel Bügeln und Webware und so. 
Außerdem schiele ich ja noch auf einen bestimmten Jersey, ziehe aktuell aber immer rechtzeitig den Finger von der Maus um nicht zu bestellen. Geld sparen heißt auch, Spontankäufe zu reduzieren und ein wenig zu überlegen, bevor es dann doch in den Einkaufskorb wandert. 

So viel zu meinen aktuellen Beschäftigungen. Und bei euch so?


Wie immer verlinke ich diesen Beitrag sowohl bei Marisas Auf den Nadeln als auch bei Marias Nähplausch. 





 

8. November 2017

Ein Herbstoutfit inklusive Entschleunigung

Hallo ihr Lieben!

Für den heutigen Me Made Mittwoch habe ich mal nichts neues, wie sonst eigentlich immer, sondern eine Kombination aus Teilen, die ihr schon kennt. Und das spiegelt wunderbar wieder, womit ich mich schon länger beschäftige, wenn es um meine Handarbeiten geht.


Schon seit Beginn dieses Jahres gebe ich mir Mühe, beim Stricken und Nähen mehr acht zu geben auf mich, auf das Projekt selbst, auf den Prozess. Das alles ist mir nämlich über die Jahres des Handarbeitens und Bloggens ein wenig verloren gegangen. Der Reiz, jede Woche etwas neues zu zeigen, immer wieder etwas neues auszuprobieren, fertig zu werden damit man etwas neues anfangen kann, war und ist groß. Aber das bedeutet auch Stress und Druck: Bald ist Mittwoch, schnell noch die Fotos von der neuen Hose machen. Ohje, auf meiner Liste steht nur noch Kleinkram, jetzt aber mal gucken ob ich noch einen Pullover nähen kann in den nächsten Tagen. Ganz so schlimm war es nicht, aber es ging in die Richtung, und das gefiel mir nicht mehr.


Schließlich habe ich aus ganz anderen Gründen angefangen zu stricken und später zu nähen: Weil mir das Handarbeiten selbst so viel Freude bereitet. Weil ich mich dabei entspannen kann. Weil es wunderbar befriedigend ist, die Aneinanderreihung von Maschen zu betrachten, eine ordentliche Naht nach der anderen zu nähen, zu bügeln. Immer mal wieder innezuhalten und zu sehen, was man da mit seinen eigenen Händen erschafft. Herrlich. Dass ich es am Ende anziehen kann und es besser passt als gekaufte Kleidung: Extra Bonus. Aber: Mein Schrank ist gut gefüllt. Hier und da kann ich noch gekaufte Dinge ersetzen oder ein paar kleine Lücken füllen, aber das kann ich gemütlich angehen lassen.


Warum also lasse ich mich doch so schnell dazu verleiten, mich selbst zu stressen? Ich glaube, das liegt an der Vielfalt von Inspiration und Verlockungen. Angebote gibt es immer und überall, ob bei Schnittmustern, Stoffen oder Garnen. Denen kann ich gut widerstehen, aber trotzdem bringen sie ein Gefühl von "neu" mit sich. Ebenso wie soziale Medien, die Kleidung der Menschen die ich tagtäglich sehe, einfach alles, von dem man so geflutet wird. Möglichkeiten ohne Ende, das Hirn brennt durch und macht gedanklich eine immer länger werdende Liste. Und da ist er wieder, der Druck. Fertig werden, nächstes Projekt. 
Aber bevor es ganz so schlimm wird, mache ich mir lieber bewusst, dass ich das für mich mache. Kein Geld damit verdiene und niemandem etwas schuldig bin. 


Und, dass es völlig Schnurz ist, dass ihr sowohl Hose als auch Cardigan in diesem Beitrag schon kennt. Dafür habe ich die Hose super erfolgreich vom Sommer in den Herbst transferiert. Dieses Outfit hat mich ein paar Tage lang sehr glücklich gemacht. Und statt die Hose zu fotografieren, die noch ganz neu genäht ist, habe ich mich für dieses "alte" Outfit entschieden, um meine da oben runtergeschriebene Faselei zur Achtsamkeit zu unterstützen. Mich selbst zu bestärken, bevor ich wieder in einen kleinen Wahn gerate. 


Mit ausgelöst hat diesen aktuellen Denkprozess auch, dass ich meine Ausgaben der letzten zwei Jahre mal grob auskalkuliert habe. Denn für die nächsten Jahre steht bei uns eine große Investition an, und daher werden aktuell Pläne geschmiedet, es wird gerechnet und überlegt. Eben auch, wie viel ich für dieses Hobby ausgebe. Ich habe mir da nie wirklich drüber Gedanken gemacht, denn ich habe in beiden Bereichen, dem Nähen und dem Stricken, keinen Vorrat. Was ich habe, verarbeite ich, und dann wird neues besorgt. Und trotzdem kommt da eine nette Summe bei rum, logischerweise. Diese muss ich nicht unbedingt verringern, aber trotzdem überlege ich gerade bewusst, ob ich Teile nähe, weil ich sie brauche, oder weil es Spaß macht. Mein Schrank ist klein, wie ihr wisst, und viel geht nicht mehr rein. 


Daher widme ich mich aktuell ein wenig mehr meinen Resten, kombiniere diese zu schöner Babykleidung und entschleunige mich selbst in meinem Hobby. Damit es genau das bleiben kann: Erholsam, glücklich machend, beruhigend. 
Vielleicht sollte ich in dem Zuge auch einfach öfter meine Outfits hier zeigen, anstatt fieberhaft neues zu planen. Denn Handmade trage ich tagtäglich, die meisten Teile seht ihr hier aber nur ein einziges Mal, wenn sie brandneu sind. Irgendwie auch Quatsch. 


So, das war es mit dem nächtlichen Gedankensprudel. Es würde mich sehr interessieren, ob ihr dieses Verhalten von euch auch kennt. Produziert ihr auch mehr, als ihr braucht? Näht ihr manches Teil eher für den Blog, als für euch? Ertappt ihr euch dabei, immer schneller zu stricken und dabei auf die Wolle für euer nächstes Projekt zu schielen? Wenn ja: Stört euch das, oder gehört es einfach dazu?


Auf den Bildern trage ich übrigens neben Kaufshirt und -strumpfhose meine Chataigne Shorts von Deer and Doe, die tatsächlich in dieser Kombination super funktioniert. Da habe ich gar nicht mit gerechnet, freue mich daher umso mehr. Ich mag es, wenn Teile in allen Jahreszeiten funktionieren. Der Farbklecks obenrum ist mein Portage Cardigan von Melissa Schaschwary, heiß geliebt und gerne zu allem möglichen kombiniert. Sitzfalten und wirre Frisur gehören mit zum Outfit, versteht sich von selbst, oder? :)




4. November 2017

Kunstleder Rucksack für den Stadtbummel

Hallo ihr Lieben!

Während ich im nähen jeglicher Oberbekleidung schon recht versiert bin, ist mir neben Wäsche ein weiteres Gebiet noch sehr fremd: Das Nähen von Taschen. Bei allem anderen entstand irgendwann der Wunsch, es mal selbst auszuprobieren, gepaart mit Unzufriedenheit der in Geschäften verfügbaren Waren. Zum Beispiel zu kurze Jacken. Die endlose Suche nach einer passenden Jeans. 
Bei Taschen habe ich dieses Problem nicht: Ich bin zum einen recht minimalistisch, mir reichen meine drei Umhängetaschen eigentlich aus. Dazu ein großer Rucksack für mehr Gepäck. Außerdem zweifelte ich immer daran, ob ich (Kunst)Leder mit meiner Haushaltsnähmaschine wohl gut verarbeiten könnte. Und trotzdem habe ich mir einen Rucksack genäht. 


Wie stolz ich auf das Ergebnis bin, ist wohl an meinem Grinsen erkennbar, oder?

Inspiration - Die fand ich bei Nina auf ihrem Blog vervliest und zugenäht, denn sie hat den Rucksack dort gezeigt und erzählt, dass es gar nicht so schwer war wie gedacht. Seitdem schwebte die Idee in meinem Hinterkopf herum und ich fing an, nach Begründungen zu suchen. Rucksäcke haben gegenüber Umhängetaschen ja den großen Vorteil, dass sie weniger im Weg sind und komfortabler. Und ich besitze ja nur den großen Rucksack, für den ganz normalen Arbeitstag völlig übertrieben. Ja, und so dachte ich dann vor mich hin, und als ich dann bei meiner letzten Jacke nochmal gemerkt habe, wie viel Freude mir längerwierige Nähprojekte machen, auch wenn sie anstrengend sind, habe ich mir das Material zusammenbestellt. 


Material - Ich habe alles notwendige bei Stoff und Stil gefunden: Kunstleder, Futterstoff, Karabiner, Reißverschlüsse, D-Ringe und diese netten Schieber. Das Leder fühlt sich gut an und scheint mir für eine Tasche genau die richtige Dicke zu haben. Zusätzlich habe ich noch Vlieseline gekauft und damit alle Futterteile bebügelt, so wird es in der Anleitung empfohlen. Obwohl ich Vlieseline ja gar nicht zuschneiden mag, war das in diesem Fall gar nicht das schlimmste: Viel ätzender waren die Teile aus dem Außenstoff. Winzigste Schnitteile sollten im Stoffbruch zugeschnitten werden, was bei meinem Stoff schwer war, denn der legte sich maximal in eine Kurve, nix mit Bruch. Nadeln stecken geht ja auch nicht, also habe ich es so gut es ging versucht, war nach den drölfzig Teilen aber trotzdem erstmal entnervt und habe für den Tag Schluss gemacht.


Das Nähen  - Damit habe ich dann am nächsten Tag begonnen. Meine Hoffnung, dass zuerst das Futter zusammengefügt wird und ich darüber schonmal in Ruhe in die Anleitung reinkomme, hat sich nicht erfüllt, es ging direkt mit den Außentaschen los. Also durchatmen, Ledernadel raussuchen und ab dafür. Es klappte alles erstaundlich gut und ich war super motiviert. Alle Absteppungen habe ich mit dickem schwarzen Garn und langer Stichweite, 4 glaube ich, gemacht. Das sieht sofort professioneller aus und hält bestimmt auch länger. Ich nähte also fröhlich vor mich hin, Schritt für Schritt, eine kurze Naht nach der anderen. Bis es dann an der Reihe war, den oberen Teil zu schließen. An der Stelle gab es dann so viele Schichten an Futter, Kunstleder und Vlieseline, dass ich den Teil nicht mehr unter die Nähmaschine bekam. Mit ziehen und Zerren habe ich es versucht, zwei Nadeln zerstört und dann mit Handnaht und Fingerhut inklusive Wutanfall weitergemacht. Das rächt sich schon jetzt, die Naht oben ist nicht so stabil, dort hängt aber das ganze Gewicht. Den Vorschlag aus dem Ebook, mit einem Hammer die Lagen etwas zu plätten, habe ich versucht, hat aber nicht funktioniert. Schade! Deshalb weiß ich auch aktuell nicht, wie ich es löse. Eventuell mit einer dickeren Ledernadel und ein wenig Gewalt, mal sehen. 


Die Anleitung - Fand ich in Ordnung. Die Designerin hat in ihrem Shop noch nicht so viele Schnittmuster, deshalb vermute ich, dass sie noch nicht so erfahren ist in diesem Bereich. Schriftlich war alles gut verständlich, aber die Bilder fand ich an einigen Stellen nicht gut. Entweder war es zu weit weg um wirklich was zu erkennen, oder die Stoffe waren ungünstig gewählt. Und manche Nähte waren einfach nicht gut genäht. Alles kein Drama, aber ich habe an einigen Stellen die Bilder vergrößert und viel nachgedacht, bevor ich mich getraut habe zu nähen. Wiederum positiv finde ich die Variationen, die einem möglich sind: Drei Träger Varianten und die Möglichkeit einer zusätzlichen Tasche im Rückenteil des Rucksacks. 


Besonderheit - Was mich daran hindert, nur noch mit den bequemeren Rucksäcken rumzulaufen: Die Paranoia, dass ich nicht mitbekomme wenn ihn jemand öffnet und meine Wertsachen rausholt. Ich hab schließlich keine Augen auf dem Hinterkopf. Dafür bietet dieser Rucksack einen ganz besonderen Clou: Den Karabiner am Ende des Reißverschlusses kann man nicht nur unten an der Tasche befestigen, sondern auch oben, versteckt unter der Lasche (warum auch immer ich auf dem Bild den Karabiner am Reißverschlussfuß befestigt habe, so gehört es nicht). Somit ist der Reißverschluss verborgen und der Weg für die Langfinger deutlich beschwerlicher. Juhu!


Fazit - Der Herzmann sagte, der Rucksack sähe aus wie gekauft. Das machte mich schonmal sehr stolz. Auch von Kollegen und Freunden habe ich schon viel Zusprache bekommen. Ich bange noch um die Haltbarkeit der oberen Naht, ansonsten glaube ich aber, wird er gute Dienste Leisten. Ein bisschen getäuscht habe ich mich in der Größe. Vom Fassungsvermögen schaffen zwei meiner Handtaschen deutlich mehr, und durch die Form des Reißverschlusses lässt sich der Rucksack auch eher umständlich befüllen. Mein ursprünglicher Wunsch, an Tagen an denen ich zusätzlich zum normalen Tascheninhalt auch noch mein Mittagessen, Obst und Strickzeug einpacke den Rucksack nutzen zu können, hat sich wohl leider erledigt. Kein Weltuntergang, denn damit habe ich wohl die Berechtigung, noch einen Rucksack zu nähen. Wie schade. 


Er macht ganz schön was her, finde ich. Es erstaunt mich immer wieder, was sich aus plattem Stoff, Nadel und Faden so schaffen lässt. 

Anleitung: Delari Bag
Pullover: Handgestrickt