1. Februar 2016

Gelesen im Januar 2016

Hallo ihr Lieben,

es ist mal wieder Zeit für den monatlichen Einblick in meine abendlichen Leseabenteuer. Von Buch Nummer eins kann ich grad kein Bild liefern: Es liegt bei meinem Brüderchen, der es mir traditionell zu Weihnachten geschenkt hat. Ich bestehe nämlich darauf, dass Menschen, die mir Bücher schenken, dort auch etwas hineinschreiben. 

Hjorth und Rosenfeld - Das Mädchen, das verstummte

Band Nummer vier aus der Buchreihe um Sebastian Bergman und das Team der Reichsmordkommission. Die Autoren kommen aus Skandinavien - das schießt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um was lesenswertes handelt, schonmal weit nach oben. 
Wer hätte es gedacht, auch hier geht es mit einem Mord los. Eine gesamte Familie wird ausgelöscht, die Suche nach dem Mörder beginnt. Erst nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass noch jemand anwesend war - ein Kind, und dieses muss den Mörder gesehen haben. Ein Lauf gegen die Zeit beginnt, denn auch der Täter hat mittlerweile diese Entdeckung gemacht, was man als Leser schön auf die Nase gebunden bekommt. Ich mag ja nicht zu viel verraten, deshalb eher kryptisch: Schon nach der Hälfte hatte ich ein "Ende"- Gefühl. Der Mörder war zwar nicht gefunden, aber es gab eine Art Spannungsauflösung, ein kleiner Teil war geschafft, Erleichterung, Ausatmen. Natürlich ging es dann doch noch wieder hoch auf der Nervenkitzelkurve. 
Nebenbei geht es außerdem auch immer ein bisschen um das Private der teilhabenden Personen - der eine heiratet bald, ist sich dort aber nicht ganz sicher, die andere hat mit ihrer Familie gebrochen, zwei wissen nicht ob sie sich wollen oder nicht und der gute Herr Bergmann knapst immer noch am Verlust seiner Frau und vor allem Tochter. 
Ich habe das Buch gerne gelesen und freue mich auf den nächsten Band. Es ist mal keine von diesen Reihen, wo jedes Buch ein bisschen weniger gut ist als das vorherige.



Susan Abulhawa - Während die Welt schlief

Meine Mama hatte mir empfohlen, dieses Buch zu lesen. Es wäre sehr interessant und man würde viel erfahren, was man noch nicht wüsste.
Ihr schaut euch das Bild jetzt so an, assoziiert vielleicht, dass es irgendwo im Süden spielt, denkt an einen netten Roman, ein süßes Mädchen auf einer Schaukel, Sonne, nette Farben - nix da. Es sind ungefähr 100 Seiten, dann wendet sich das Blatt.
Über vier Generationen wird hier die Geschichte Israels und Palästinensas erzählt, aber ohne irgendetwas zu beschönigen. Ich weiß ja nicht wie euer Stand in dem Bereich ist, meiner war gleich null und ich bin schockiert.
Die Erzählung beginnt in den 40er Jahren bei einer glücklichen Familie, die von den Früchten ihres Landes lebt. Sie haben zwei Söhne, von deinen einer ein Mädchen aus dem Dorf heiratet, die wiederum zwei Söhne bekommen. Zu diesem Zeitpunkt werden sie dann von ihrem Land vertrieben, landen letztlich in einem Flüchtlingslager, verlieren ihren kleinen Jungen, bekommen dort ein Mädchen, Amal. Amal ist die Figur, die der Leser am längsten begleitet. Sie wächst im Flüchtlingslager auf, findet Freunde, erlebt schreckliche Massaker durch die Juden. Verliert ihre Familie, Freunde, irgendwie alle. Sie geht zum Studieren nach Amerika, kehrt aber doch zurück, findet die große Liebe, bekommt eine Tochter. 
Ich habe das Buch ein bisschen verschlungen, die letzten 120 Seiten gestern Abend, und dann musste ich ein bisschen weinen. Ich war entsetzt, dass ich nichts über diesen Krieg wusste. Aber der Geschichtsunterricht in der Schule endet ja auch mit dem zweiten Weltkrieg. 
Ich denke, die Erzählung ist recht einseitig - die Juden haben nicht grundlos gegen die Araber gekämpft, ein Krieg besteht ja immer aus mindestens zwei Parteien. Aber man fühlt mit, mit dem kleinen Mädchen Amal und später der erwachsenen Frau. Das Buch ist sehr gut geschrieben, ganz besondere Wortwahl. Ich empfehle es allen! Man fühlt sich einfach informiert danach, auch wenn es natürlich ein Roman ist. Aber ganz aus der Luft gegriffen ist es nicht, und einige Literaturquellen werden ebenfalls gegeben.




Kommentare:

  1. Skandinavische Krimis kann ich ja nicht lesen, jenseits von Agatha Christie sind mir die Taten meist zu widerwärtig um mich freiwillig damit zu beschäftigen *zumindest auf Papier brauch ich etwas mehr heile Welt* ;-)
    Aber das Buch über die Palästinenser klingt echt gut. Kann dir in der Richtung nur das Buch "Es war einmal ein Land" empfehlen. Die ganze Situation da unten ist mir auch erst im Politikunterricht in Schweden aufgegangen, das deutsche Schulsystem schweigt sich da tatsächlich drüber aus. Und obwohl ich sicherlich zu den interessierteren Zeitgenossen gehöre habe ich den Balkankrieg überhaupt erst an der Uni richtig auf den Schirm bekommen :-o Ich finde das im Nachhinein immer noch beschämend...

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  2. Puuuh, das zweite Buch ist bestimmt nicht leichte Kost. Aber ich setze es mir trotzdem mal auf meine immer länger werdende Lese-Liste. Denn ich muss gestehen, dass da mein Vorwissen auch gleich Null beträgt. Und wenn man bei einem Roman immer auch noch etwas lernt, finde ich das gar nicht verkehrt.

    Liebe Grüße :)

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