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6. Januar 2021

Konfetti Pullover

 Hallo ihr Lieben, 

schön, wenn ihr über den ersten Me Made Mittwoch des Jahres zu mir gefunden habt, da freue ich mich! Ich hoffe, ihr bleibt ein wenig? :) 

Ich habe heute ein Projekt mitgebracht, dass ich schon Anfang des Jahres (Februar) genäht habe, dann aber nicht ganz mit dem Ergebnis zufrieden war und der Änderungs-Stapel um ein Stückchen höher wurde. Im Sommer fehlte die Notwendigkeit, aber mit Herbstanbruch habe ich mich dann endlich daran gemacht. Aber fangen wir mal ganz entspannt vorne an.


Ein gemütlicher Sweater stand schon sehr lange auf meiner Näh-Liste. Ich habe zwar so einige, aber keiner davon hat eine Bauchtasche und einen Schlauchkragen, und genau das wollte ich. Ein Teil, wo man die kalten Hände verstecken und die Nase reinmümmeln kann. Den Stoff dafür hatte ich schon ein Jahr zuvor bei 1000Stoff bestellt, ich mochte das schwarz mit den bunten Konfetti-Fusseln sehr. Von innen ist der Sweat angeraut, also perfekt für den Kuschel-Pulli. Passendes Bündchen gab es dann bei Stoff+Stil, Kordel im Nähladen vor Ort, Ösen in meinem Vorrat. So Kleinkram vergesse ich ja immer bei Bestellungen und muss dann alles nach und nach zusammensuchen.

Der Schnitt stand aber von Anfang an klar, Bloom aus der LMV Mai/Juni 2017 in Größe 40 habe ich schon einige Male für mich genäht und liebe den Schnitt sehr. Für den Bequemlichkeitsfaktor habe ich den Körper um 3cm verlängert und die Schnittteile für Rücken und Vorderteil etwa 1cm vom Bruch entfernt angelegt. So ergibt sich insgesamt 4cm Mehrweite am Körper ohne komplizierte Anpassungen.

Der Sweater hat weder eine Bauchtasche, noch einen Kragen, sondern wird einfach mit Bündchen abgeschlossen. Da sowohl Bauchtaschen als auch Schläuche unisex sind, habe ich die Schnittteile dafür vom Mr. Comet genommen, den ich schon mehrfach für die Männer in meiner Familie genäht hatte. Die Bauchtasche habe ich in Größe L gewählt, den Kragen in XXL, so war es auch immer bei den Herrenpullovern - und passt ja auch gut! Ich hatte zuvor aber den Halsausschnitt ausgemessen, wollte da ja auch nichts unter großem Dehnen anbringen, das hätte Fältchen gemacht und nicht gut ausgesehen.

Nach der Fertigstellung dann die Ernüchterung: Der Pullover saß zwar gut, der Schlauchkragen hatte aber zu wenig Stand. Er hing mir quasi wie ein Lätzchen nach vorne runter und wärmte dadurch auch nur meinen Nacken ein wenig. Den gewünschten Effekt konnte ich also nicht erzielen. Das hat mich dann doch sehr geärgert, weil ich mich ansonsten sehr wohl gefühlt habe in dem Pullover. Nach der schon erwähnten Bedenkzeit habe ich dann kurzerhand den Kragen abgeschnitten, und weil ich die Ösen mit Snap-Pap hinterlegt hatte und die obere Kante mit 3fach Geradstich abgesteppt ließ sich da auch einfach nichts mehr retten, der Kragen wanderte in die Tüte. Ich hatte zum Glück noch Stoff übrig und konnte somit einen neuen Kragen zuschneiden. Dieser wurde zum einen ca. 5cm höher, zum anderen habe ich ihn auch komplett nochmal aus dickem, flauschigen Sweat zugeschnitten, der noch in meiner Reste-Schublade war. Der neue Kragen besteht jetzt also aus drei Lagen Sweat und hat damit, wie ihr oben sehen könnt, definitiv genug Stand.

Meine Overlock musste allerdings ganz schön kämpfen, um diesen dicken Kragen wieder an den Pullover zu nähen. Wir haben beide geschwitzt... Ich war jedenfalls sehr glücklich mit dem Ergebnis und merke mir den Trick des Fütterns mit Sweat definitiv. 

Zum Pullover trage ich übrigens meine Ginger Jeans, die jegliche Albernheiten mitmacht:

Jetzt fehlt mir nur noch eine kuschelige Sweat-Jacke und ich bin ausgestattet, was bequeme und warme Oberteile angeht. 

Die Fotos haben wir übrigens auf einer Geocaching-Runde gemacht; der Freund hat mir ein GPS-Gerät zu Weihnachten geschenkt und jetzt erkunden wir so langsam dieses neue Hobby. Es lohnt sich dabei auf jeden Fall, etwas bisher unfotografiertes anzuziehen und die Kamera einzupacken, da tauchen doch immer mal wieder schöne Locations auf!

Danke auch an meine liebe Freundin Kathrin fürs Döneken machen, endlich mal kein erzwungenes Lachen auf den Bildern :) 


Happy sewing, 

Julia



1. April 2020

Wanda - La Maison Victor

Hallo ihr Lieben,

für den heutigen Blogpost habe ich echt alles gegeben. Die Arbeit ist auf Grund der aktuellen Situation gerade sehr gewöhnungsbedürftig, die Renovierungsarbeiten zusätzlich eine große Menge zu tun. Trotzdem wollte ich unbedingt beim Me Made Mittwoch dabei sein. Die Bilder habe ich kurz nach Sonnenaufgang am Dienstag gemacht, den Text hier schreibe ich jetzt am späten Dienstagabend. Wer genau hinschaut, sieht den Frost auf den Bildern, ich habe ganz schön gebibbert! Aber, wer schöne Blogposts will, muss leiden. 


Mein Outfit besteht aus einem schon etwas älteren Picea Cardigan, den ich immer noch häufig trage und super gemütlich und kombinierbar finde. Dazu das Musselintuch, auch so ein Allrounder, allein schon wegen der Farbe. Neu ist das untendrunter. 


Bei diesem Kleid hat alles mit dem Stoff angefangen. Vor einiger Zeit habe ich bei Instagram gefragt, ob jemand Sockenwollreste abzugeben hat, aus denen ich so gerne Babysöckchen stricke. Daraufhin meldete sich Christiane bei mir und wollte direkt auch ein paar andere Stoff- und Wollreste an die Frau bringen. Da habe ich nicht nein gesagt, ich liebe es einfach aus Resten noch etwas schönes zu machen, das motiviert mich viel mehr als ein neuer Stoff oder Wolle. Mit dabei waren diese 1,6m Streifenjersey in grau weiß. Von der Haptik sehr schön, weich fallend und hochwertig. 


Deshalb sollte es ein Kleid werden, für ein Shirt viel zu schade. Konkrete Pläne hatte ich nicht sofort, dachte an ein simples T-Shirt Kleid mit kurzen Ärmeln. Als ich dann aber den Stoff anpackte und loslegen wollte, widerstrebte es mir aus unerfindlichen Gründen. Kurz zuvor hatte ich alle meine Schnitte bei Pinterest katalogisiert, auch die aus Zeitschriften. Dabei war ich auf Wanda aus der La Maison Victor 05/16 gestoßen, ein Kleid, das ich schon seitdem ich die Zeitschrift habe gerne nähen wollte. Problemchen: 2,5m Stoff wurden gefordert. Ich weiß ja, dass ich echt gut bin im Schnittmustertetris, also möglichst wenig Stoff verschwenden und alles platzsparend zuschneiden, aber einen ganzen Meter weniger? Hui, da wurde mir glatt ein bisschen flattrig. Trotzdem habe ich es gewagt, den Schnitt in Größe 40 abgepaust (ohne Verlängerung wie sonst üblich) und tatsächlich habe ich alles zugeschnitten bekommen. 


Okay, die Bindebänder sind gestückelt und der Beleg am Hals ist aus einem anderen Stoff, aber beides sind Eigenschaften, die mich absolut nicht stören. Das Nähen war dann mal wieder spannend. Für mich liegen die Anleitungen der La Maison Victor ja relativ mittig zwischen Burda und Indie Schnitten. Zwar mit deutlich mehr Bildern und ausführlicher, aber einen Fehler finde ich eigentlich immer und irgendwie gibt es oft Stellen, die mir unklar sind. So auch hier: In der Anleitung wurden die Bindebänder einlagig verarbeitet, im Zuschneideplan aber doppelt zugeschnitten. Ich habe dann letztendlich das gemacht, was ich persönlich besser fand, und zwar ordentliche Bindebänder. Klar, bei Jersey wäre einlagig auch kein Problem gewesen, die Enden hätten sich eingerollt und nix würde ribbeln, aber trotzdem widerstrebt es mir sehr. 


In der Konstruktion erinnert mich das Kleid ein wenig ans Kielo Wrap Dress mit seinen seitlichen Flügelchen, die durch das Binden erst für den schönen Effekt des Kleides sorgen. Etwas fummeliger zu nähen waren sie, dafür gibt es durch die Streifen einen spannenden Versatz dort. Achso, und einen V-Ausschnitt hat das Kielo natürlich auch nicht, wobei der ja recht einfach abzuändern ist. 


Entgegen meiner Befürchtungen finde ich die Länge des Kleides gut, so wie sie ist. 5cm mehr hätten sicherlich auch nicht geschadet, aber ich finde es auf jeden Fall nicht zu knapp. Mal sehen, wie es im Sommer ohne Strumpfhose wird. Auch die Ärmellänge passt mir so gut. Alle Säume habe ich mit der Zwillingsnadel abgesteppt nachdem ich die Kanten mit der Overlock versäubert habe. Das war übrigens das erste Kleidungsstück, was ich mit Hilfe der Overlock genäht habe! Super spannend und wird mir alleine deshalb in Erinnerung bleiben. 


Der Halsausschnitt wird mit einem Beleg versäubert. Mehr eigentlich nicht. Ich habe nur die Stirn gerunzelt, finde ich doch so schmale Belege schon bei Webware schwierig, aber bei Jersey? Meine Befürchtungen haben sich dann bei der ersten Anprobe bestätigt, der Belege macht was er will und purzelt munter bei jeder Bewegung aus dem Ausschnitt heraus. Ich habe dann mal was neues ausprobiert, anstatt ihn einfach festzusteppen habe ich per Hexenstich den Beleg innen im Kleid befestigt. Diesen Stich sollte ich laut Anleitung nämlich für die Säume nehmen, da fand ich es sinnvoll, ihn auch am Ausschnitt anzuwenden. Bisher habe ich das noch nie gemacht, vielleicht liegt es also an fehlender Übung, aber: Unsichtbar finde ich das nicht, es gibt schon kleine sichtbare Spuren rundherum am Ausschnitt. Auf den Bildern fällt es mehr auf als in Bewegung, aber es hat mich dann doch ausreichend gestört, als dass ich es bei den Säumen nicht mehr wiederholt habe. Vermutlich auch etwas, das bei Webware oder dickeren Stoffen besser funktioniert? Vielleicht sind ja Hexenstich-Erfahrenere unter euch. 

So, das war alles, was mir so zum Kleid eingefallen ist. Könnte lückenhaft sein, mein Projektheft mit allen Notizen ist schon in Kartons verpackt in der neuen Bleibe, ich habe nur das aktuelle Heft hier, und da ich das Kleid im Januar genäht habe ... nun ja. Wenn mir beim Nachsehen noch etwas einfällt, werde ich es nachtragen. 


Ich hoffe, ich finde innerhalb der nächsten Tage die Zeit, eure Beiträge beim Me Made Mittwoch zu durchstöbern. Das macht wirklich Spaß jedes Mal.

Happy sewing, 

Julia



4. März 2020

Gemütliches Strickkleid nähen

Hallo ihr Lieben,

am heutigen Me Made Mittwoch im März (war nicht gestern erst Silvester?) habe ich ein super gemütliches und somit bequemes Strickkleid im Gepäck bzw. an mir.


Den gestreiften Strickstoff habe ich letztes Jahr im März bei 1000 Stoff gekauft, einfach weil er so weich aussah und ich sowohl grau an sich als auch Streifen sehr mag. Eigentlich war damals mein Plan, noch schnell einen Sweater aus dem Stoff zu nähen, aber dann wurde es doch recht flott wärmer und der Stoff blieb den Sommer über liegen. Im Herbst fehlte dann die Inspiration, was ich aus dem Stoff nähen könnte, bzw welcher Schnitt es werden sollte, und so lag er dann wieder eine Weile. 


Im Dezember machte es dann endlich klick: Ein Strickkleid, das wäre doch famos. So könnte ich viel aus dem Stoff rausholen, gemütliche Kleider für den Winter sind im Schrank sowieso kaum vorhanden, langärmlig schon gar nicht. Perfekt! Fehlte nur noch der Schnitt. Ich habe eine Weile im Netz gesucht und bin dann doch da gelandet, wo ich so oft lande: Pattern Hack. Mein geliebter Schnitt für den Sweater Bloom aus der LMV habe ich schon öfter mal vernäht: Als schlichten roten Pullover, mit andersfarbigen Ärmeln, in einer Color Block Version, zuletzt mit Säumen aus einem alten Hemd und tatsächlich auch schon mal als Kleid, allerdings mit kurzen Ärmeln und aus Sweat. Ich würde mal sagen, den Schnitt kenne ich mittlerweile recht gut. Also habe ich ihn auch hier wieder herangezogen.


Mein Strickkleid sollte auf jeden Fall keine Bündchen bekommen, ich habe also die Ärmel etwas verlängert. Außerdem wollte ich es locker sitzend und mit nicht ganz so hohem Ausschnitt, deshalb habe ich den Bruch vom Vorder- und Rückenteil jeweilt 2cm vom Stoffbruch weggelegt. So gibt es ein wenig mehr Weite. Nach unten hin habe ich das Kleid leicht ausgestellt, aber nur minimal. Die Länge war ganz einfach dadurch bestimmt, was der Stoff hergab (1,3m waren es), aber ich finde sie tatsächlich perfekt. 


Im Rückenteil gibt es eine Naht, ihr könnt sie erahnen. Da war der Stoff einfach zu knapp um beide Teile im Bruch anzulegen. 


Die Ärmelsäume und den vom Rock habe ich einfach versäubert, umgebügelt und mit der Zwillingsnadel festgesteppt. Ein bisschen krumm und schieft ist es geworden, aber zum Glück bin ich meistens die einzige, die so nah an die Nähte kommt und diese auch noch kritisch betrachtet. 


Den Halsausschnitt wollte ich etwas stabilisieren, also habe ich diesen mit einem Streifen Schrägband aus Viskose versäubert. Die lag hier noch, war weiß, passte also farblich gut und ist schön dünn, sodass der Ausschnitt nicht plötzlich wulstig wird. 


Und mit ein bisschen Stückeln und puzzlen habe ich die letzten Reste dieses schönen Stoffes noch in drei Stirnbänder nach dem Freebook Frau Stina verarbeitet. Zwei davon habe ich an liebe Freundinnen verschenkt und eines behalten. Ich bin eigentlich kein Fan von Stirnbändern, mir ist das meistens zu kalt. Aber ich trage oft einen hohen Dutt und darüber ne Mütze sieht .. interessant aus. Da ist mir ein Stirnband dann doch oft lieber. Wer schön sein will muss leiden und so ... 


Habt ihr vielleicht noch eine Schnittempfehlung für mein nächstes Strickkleid? Oder sollte ich bei der Pattern Hack Variante bleiben? Kennt ihr noch andere so universell nutzbare Schnittmuster?

Happy sewing, 

Julia

21. Februar 2020

#Flickenfreitag - Upcycling aus einem alten Hemd

Hallo ihr Lieben,

seit einigen Wochen beschäftige ich mich immer mehr mit dem Thema Kleidung flicken und verändern, sodass sie wieder (zu mir) passt. Auf Instagram habe ich den #flickenfreitag ins Leben gerufen und zeige dort jeden Freitag eine kleine Korrektur, Änderung oder ähnliches. Mittlerweile machen auch viele andere mit, worüber ich mich sehr freue! Nicht nur im Aspekt der Nachhaltigkeit ist das Reparieren eine tolle Sache; es übt auch die Vorstellungskraft und natürlich sorgt es für deutlich mehr Wertschätzung der eigenen Kleidung gegenüber. 

Das sorgt dafür, dass ich mich zum einen über jedes Loch in meiner Kleidung freue, weil das bedeutet, dass ich etwas neues ausprobieren kann, und mir keine Gedanken darüber machen muss, was ich am nächsten Freitag so zeigen könnte. Ich schaue mir meine schon existierenden und Loch-freien Stücke immer kritischer an, hinterfrage, wie ich sie noch besser machen könnte, damit ich sie noch lieber trage. Im Gegensatz dazu habe ich mich vor zwei Wochen von Latzkleidern getrennt, die ich zwar sehr liebe, aber doch eigentlich einen Ticken zu eng sind. Zum Glück konnte ich sie sofort weiter verkaufen, weggeben hätte mir doch ein wenig im Herzen wehgetan. 

Eine dieser kritischen Inspektionen meines Kleiderschrankes hat das Hemd hervorgewühlt, das ich ursprünglich für meinen Bruder genäht und dann ein wenig für mich abgeändert hatte. Ich habe es einige Male getragen, aber irgendwie merkte ich dann am Sitz doch, dass es ein Herrenhemd ist, um die Brust und Hüfte ein bisschen zu wenig Platz bietet. Außerdem ist der Stoff offenbar mit einem recht hohen Polyester Anteil, sodass ich schnell darin geschwitzt und vor allem gerochen habe. Und das gefällt ja wohl niemandem. Bei Sindy hatte ich vor Ewigkeiten mal den tollen Pullover gesehen, den sie mit Manschetten und Kragen eines alten Hemdes gesäumt hatte, und diese Erinnerung kam nun wieder hoch. 


Genau so etwas wollte ich! Blusen trage ich sowieso gerne unter Pullovern, in diesem Fall würde aber das nervige zurecht zuppeln entfallen. Außerdem kein stinkiges Schwitzen mehr, da der Stoff nur noch an den Säumen mit mir in Berührung kommt. Fehlte nur noch der passende Stoff für den Pullover, wie ihr wisst, habe ich da keinen wirklichen Vorrat. Wie so oft in letzter Zeit habe ich zu erst bei Ebay Kleinanzeigen geschaut, da ich grauen Sweatstoff haben wollte, war ich mir sicher, dort etwas passendes zu finden. Und das habe ich, 2mx1,5m eines tollen melierten Sweatshirtstoffs, von innen flauschig, von außen mit schöner Struktur. 


Nach der vorbildlichen Wäsche habe ich aus dem Stoff dann meinen Standard Pullover Schnitt zugeschnitten, den Bloom von La Maison Victor. Den habe ich hier zum vierten Mal genäht, immer noch nicht ein einziges Mal mit seitlichen Reißverschlüssen wie im Schnittmuster vorgesehen. Aber das wäre auch wohl zu viel des Guten. 
Die Bündchen brauchte ich nicht, da ich ja alle offenen Säume mit den Teilen aus dem Hemd versäubern wollte. Erstmal habe ich dann das Grundgerüst genäht, also Schulter- und Seitennähte geschlossen. 


Und dann wurde herumprobiert, eine feste Anleitung kann ich euch gar nicht geben. Ich wusste, dass ich das Hemd am Saum rundum sichtbar haben wollte, habe also entsprechend den Teil abgeschnitten. Dann Pulloversaum und Hemdsaum rechts auf rechts zusammengenäht, versäubert und dann den Pullover nochmal nach innen umgeschlagen, sodass eine Art Saum entsteht und es aussieht, als ob das Hemd darunter hervorschaut. 


Das klingt ziemlich kompliziert, solltet ihr es aber mal nachahmen, wird es sich von selbst erklären wenn ihr vor den einzelnen Teilen sitzt. 


Bei den Ärmeln wollte ich mir die Möglichkeit offen halten, diese noch aufknöpfen und umschlagen zu können, somit habe ich sie ein gutes Stück über der Manschette abgeschnitten und auf die gleiche Weise in die Ärmel genäht. Trage ich sie nun geschlossen, sind die Ärmel kuschelig lang. Aufgeknöpft und umgeschlagen ist es für Hausarbeit und Co praktischer und insgesamt etwas schicker. 


Beide Varianten trage ich gerne und wechsele sich häufig im Laufe des Tages ab. 
Blieb zum Schluss noch der Kragen, an dem habe ich mich etwas ausgebissen. Weil ich nicht ganz wusste, wie ich den aus dem Hemd schneiden sollte damit nachher alles passt, habe ich das Hemd einfach in den Pullover geschoben, alles so festgesteckt wie es aussehen sollte, mit Kreide rundherum angezeichnet und dann entsprechend abgeschnitten. 


Zuerst hatte ich den Kragen geschlossen, also mit überlappender Knopfleiste in den Halsausschnitt genäht. Nur der alleroberste Knopf stand offen. Die Ernüchterung kam dann bei der ersten freudigen Anprobe: Nur mit ordentlich Zerren ging der Pullover über meinen Kopf, und beim Ausziehen dachte ich kurz, dass ich mich jetzt da drausschneiden müsste. Also habe ich den Kragen nochmal rausgetrennt und leicht geöffnet eingenäht. Jetzt komme ich problemlos rein und raus, und zum Glück gefällt mir das auch optisch gut. 



Auf Instagram werde ich euch gleich noch ein wenig mitnehmen in den Nähprozess des Pullovers, falls das euch interessiert. Ansonsten bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit und wünsche euch ein schönes Wochenende!

Happy sewing, 

Julia

17. Oktober 2019

Blaue Kurzjacke Carol

Hallo ihr Lieben,

na schaut mal, was ich heute mitgebracht habe!


Na gut, so kann man nicht so viel erkennen. Ziehe ich es doch erstmal richtig an, was?


Schon besser. Nun könnt ihr sie in vollem Umfang sehen, meine Sommer-/Übergangsjacke. Eigentlich dachte ich ja bis zum letzten Frühling, dass ich im Bereich Jacken nun auf jeden Fall ausreichend ausgestattet bin. Für die wärmere Jahreszeit habe ich eine uralte Jeansjacke sowie eine von meiner Mama übernommene schwarze Jacke. Beide lassen sich nicht schließen und sind daher wirklich was für warmes Wetter. Dann wäre da noch mein erster Wind und Wetter Parka sowie meine Khaki-farbene Jacke mit Spitzenfutter. Bleibt eigentlich kein Wunsch offen. Bis ich ungefähr zum dritten Mal fröstelnd in einer meiner grünen Hosen und offener Jacke auf dem Rad saß, weil weder Mint noch Khaki mit einer der Jacken mit Reißverschluss zu kombinieren waren.


So manifestierte sich flott der Wunsch nach einer neuen Jacke. Und weil es schon Mai war, also nicht mehr viel Zeit zum Herumtrödeln, habe ich mich für einen erprobten Schnitt entschieden: Noch einmal wurde es die Jacke Carol aus der La Maison Victor (Ausgabe 5/17). Ich mag die Optik, und auch wenn ich sonst lieber Parkas und längere Jacken bevorzuge reicht im Sommer oder Übergang so eine kurze Jacke völlig aus.
Genäht habe ich, wie beim letzten Mal, die Größe 40 mit einer Verlängerung von 5cm. Sonst hätte ich das Gefühl, dass sie vorne viel zu kurz ist. Hinten wäre es auf Grund der Rundung vermutlich nicht so schlimm, aber im Endeffekt habe ich auch gar nicht darüber nachgedacht, sondern einfach die Schnittteile vom letzten Mal wieder rausgekramt.


Ebenso habe ich wie bei der letzten Jacke die selbst konstruierten Blenden wieder aus dem Außenstoff zugeschnitten. Zum einen sieht das einfach nochmal hochwertiger aus; zum anderen kann dadurch auch nicht ein buntes Futter hervorblitzen. Und in meinem Fall gibt es da eine Menge zu sehen, das ganze Projekt ist nämlich aus bereits vorhandenen Stoffen entstanden. 
Für den Außenstoff habe ich ein großes Stoffstück vom Tauschtisch einer Annäherung angeschnitten. Der Stoff ist auf der einen Seite ein ganz bisschen weich, wie Feincord, auf der anderen glatt und hat ein bisschen was von Dry Oilskin, ist nur deutlich weniger steif. Das Blau hat einen total schönen Farbton und eignet sich super für so eine Jacke.


Das Futter besteht aus zwei verschiedenen Stoffen. Für den Körper habe ich das letzte größere Stück Baumwolle angeschnitten was herumlag, so wurden es fröhliche Flamingos auf grauem Grund. Während Baumwolle am Körper schön gemutlich ist und der Jacke auch noch etwas Form gibt, sollte es an den Ärmeln etwas flutschiges sein, das macht das Anziehen deutlich leichter. Hier habe ich ein altes Tuch angeschnitten, das, glaube ich, noch von meiner Oma ist. Genau für solche Zwecke hatte ich es aufgehoben, denn farblich ist das absolut nicht mein Geschmack. So ein Ärmelfutter bekommt aber im Regelfall ja niemand zu Gesicht, von daher habe ich es skrupellos für dieses Projekt verwendet.


Der Reißverschluss war noch von einem anderen Jackenprojekt übrig, wenn ich da nämlich online bestellen muss nehme ich meist mehrere Farben, damit ganz sicher ein passender dabei ist. Kordel und Ösen waren ebenfalls noch vorhanden und die Jacke dadurch sehr schnell genäht. Ich habe kaum in die Anleitung geschaut, das war echt super entspannend, einfach so vor sich hin zu nähen.


Zur Auflockerung mal ein bisschen Blödsinn für zwischendurch:


Im Original hat die Jacke aufgesetzte Taschen, die ich aber schon bei meiner ersten Version verworfen und stattdessen simple Nahttaschen verwendet habe. Da diese sich bewährt haben und wieder erwarten noch nie etwas herausgefallen ist, habe ich mich auch hier dafür entschieden. Sie sind mit dem Außenstoff gefüttert und daher wenig spannend, auf dem Bild möchte ich euch nur meine schönen kleinen Naht-Raupen zeigen, die ich oben und unten vom Tascheneingriff aufgenäht habe damit dieser nicht so schnell einreißen kann. Und hübsch sieht es auch noch aus.


Der Tunnelzug an der Kapuze ist übrigens laut Schnittmuster nicht vorgesehen. Ich nähe aber mittlerweile keine Jacken mehr ohne, da ich hauptsächlich Fahrrad fahre macht alles andere einfach keinen Sinn. Oft genug halte ich bei Regen die Kapuze meines Wind und Wetter Parka fest und ärgere mich über den Regen, der mir in den Ärmel läuft, die langsam einfrierende Hand und den schwer werdenden Arm. Deshalb werden mittlerweile ganz ohne Nachzudenken Jacken ohne Tunnelzug sofort mit einem ausgestattet. Dazu nähe ich nach dem Absteppen der Kante der Kapuze einfach noch eine Naht daneben, meistens so 1-2cm, je nach Größe von Tunnel und Kordel. Die Öse wird schon vor dem Zusammennähen eingeschlagen, und dann muss nur noch die Kordel eingefädelt werden.


Die Kapuze bietet auf jeden Fall genug Platz für einen Dutt und meinen Schädel, von daher ist es ziemlich praktisch, sie ein wenig zuziehen zu können bei Regen oder Wind.


Vielleicht ist es euch noch nicht aufgefallen, aber ein kleiner Fehler ist mir bei der Jacke passiert. Man schneidet hier nämlich erst zwei gleiche Vorderteile zu, nur um an dem einen dann die Blende für den Reißverschluss abzuschneiden, die braucht es ja nur an einem Vorderteil, nicht an beiden. Tja, und weil ich einfach nicht mit Begriffen wie "linkes Vorderteil" zurecht komme ... ich meine, wie soll ich mir das auch merken, ob es links wenn man drauf schaut meint oder links wenn ich es trage und an mir herunterschaue? Jedenfalls war es leider zu spät und die Blende schneller ab, als ich kontrollieren konnte ob es die richtige ist. Zum Glück aber, bevor ich es bei der Kapuze anders machen konnte, denn auch da wird vorne ein kleines Stück abgeschnitten. So passte es zumindest zusammen ... der Fehler ist funktional natürlich überhaupt nicht einschränkend. Er zeigt mir nur bei jedem Tragen, was für Gewohnheitsmenschen wir sind. Wenn ich die Jacke schließe oder öffne komme ich mir echt grobmotorisch vor. Sucht euch mal eine Männerjacke und zieht die an, dann versteht ihr, was ich meine. Männerkleidung schließt nämlich links auf rechts, während Frauenkleidung rechts auf links schließt. Ist bei Blusen/Hemden und Jacken so, und obwohl das vielleicht einem Teil von euch noch nie aufgefallen ist, sobald ihr ein "falsch" schließendes Kleidungsstück zu machen wolltet, würdet ihr es merken.


Da ich aber auch schon die ein oder andere Bluse besitze bei der mir derselbe Fehler passiert ist, habe ich nur resigniert mit den Schultern gezuckt und mich dagegen entschieden, das Vorderteil nochmal neu zuzuschneiden. Passenderweise trage ich unter der Jacke auf den Bildern das für mich umfunktionierte Herrenhemd, welches auch falsch herum schließt. Knöpfe sind übrigens nochmal eine viel größere Herausforderung als ein simpler Reißverschluss, lasst es euch gesagt sein!


So, da bin ihc aber froh, dass ich es noch geschafft habe euch die Jacke zu zeigen bevor sie zum Winterschlaf in die Kiste kommt. 
Und nun bin ich gespannt, zu hören ob euch das mit dem Schließen schon mal aufgefallen ist und wie euch die Jacke gefällt. 

Happy sewing, 

Julia


PS: Das Tuch ist mein viel geliebtes Goosebumps Tuch!

Verlinkt mit Nähfrosch und Sewlala

27. Februar 2019

Polygamer Pullover

Hallo ihr Lieben,

schön, dass ihr hergefunden habt. 


Das zweite Motto der #12ausdemStoffregal Challenge von Selmin aka Tweed and Greet lautet "Zwei, wie für einander gemacht". Ähm. Na gut, schon auf den ersten Blick ist klar, dass mein Pullover da eigentlich nicht reinpasst. Eigentlich! Denn ich habe ihn schon vor zwei Wochen genäht und damit mehr als genug Zeit gehabt, meine Argumente zu sammeln. Seid ihr bereit?


Also. Meine Auswahl, was Projekte angeht die Stoffe aus dem Regal nutzen, ist ja wirklich eher begrenzt. Ich habe einfach nicht so viele Stoffe und muss arg kreativ werden, um ein Kleidungsstück zu kreieren und die ursprüngliche Bedingung der Challenge zu erfüllen: Lang gehegten Stoffschätzen eine Bestimmung zuzufügen. Denn die meisten Stoffe sind erst seit kurzem bei mir, schon verplant und quasi im Kopf vernäht. Es gibt, davon abgesehen, nur Reststücke die ohne konkreten Plan hier wohnen dürfen. 
Zwei, wie füreinander gemacht, das zielt ja (passend im Februar) auch irgendwie auf eine Beziehung ab. Aber wer sagt, dass das nur mit zweien funktioniert? Manchmal ist ein dritter Part nötig, damit es perfekt wird. Oder die Beziehung ist fortgeschritten und hat Nachwuchs produziert. Ja, wir werden etwas abwegig, aber: Ihr seht, worauf ich hinauswill. 
Und, zu guter letzt: In meinem Kopf war der Pullover schon fertig, und zwar aus nur zwei Stoffen. Blau als Hauptfarbe, mit einem grauen Streifen quer über die Brust, rundherum, auch an den Ärmeln. Das Auflegen der Schnittteile auf die Stoffreste konfrontierte mich dann mit der Realität: Nicht möglich. Und da kam der dritte Part ins Spiel, für meine Ménage à trois.


Zum Glück fand sich ein weiteres Überbleibsel aus Sweat in meinem kleinen feinen Reste Bestand, und mit ordentlich basteln und rechnen passte es alles so gerade zusammen. Aber gehen wir ruhig ein bisschen ins Detail (viel kann ich sonst nämlich nicht erzählen zum Pullover). 


Nur vom blauen Stoff weiß ich noch das Ursprungs-Projekt: Ein Pullover für meinen Papa, den ich euch noch vorstellen muss. Also, den Pullover. Papa kennt ihr schon. Die anderen Stücke sind aber vermutlich ebenfalls von Pullover übrig gelieben. 
Das verwendete Schnittmuster ist Bloom aus der La Maison Victor 2/17, den habe ich zuvor schon mal aus Resten, ebenfalls für eine Challenge von Selmin, und einmal ganz in Bordeaux genäht. Fun fact: Der Pullover wird eigentlich mit dekorativen seitlichen Reißverschlüssen genäht, ist aber von den meisten ohne umgesetzt worden. 
Um diese Teilung zu produzieren habe ich alle Schnitteile bis auf die Bündchen nochmal aus Folie abgepaust, dann lange herumgemessen und schließlich so auseinander geschnitten, wie meine Stoffstücke es hergaben. Von blau war am meisten übrig, also habe ich dort auch den größten Block genommen. Das helle grau war ebenfalls recht viel und vor allem breit, kam also oben an Körper und Ärmel. Ein wenig habe ich noch darauf geachtet, wo die Teilungen liegen, denn eine Naht direkt auf der Brust sieht meistens komisch aus. Um alles so hinzubekommen wie ich wollte, musste ich teilweise den Fadenlauf ein bisschen ignorieren ... bisher scheint das aber noch keinen Nachteil zu haben. 


Wie zuvor auch habe ich Größe 40 zugeschnitten, in diesem Fall aber um 4cm nach unten verlängert, weil der zuletzt genähte Pullover mir doch etwas kurz war. Bei Bewegung wie Arme hoch rutscht ja gerne alles nach oben, das wollte ich ein wenig in Grenzen halten. 
Für die Bündchen musste ich dann nochmal kreativ werden. Im genau passenden Farbton war noch genug für den Saum übrig, aber nicht mehr für die Ärmel. Hier habe ich also absichtlich (!) im schrägen Fadenlauf aus dem Sweat Bündchen zugeschnitten, denn der Sweat ist ohne Elasthan und damit nicht wirklich dehnbar. Mit diagonalem Fadenlauf entsteht zumindest ein bisschen Flexibilität. 
Für das Halsbündchen habe ich dann ein dunkelgraues Bündchen gewählt, dass dem mittleren Streifen recht nahe kommt. Sah besser aus als hellgrau, fand ich. Und gefällt mir am fertigen Stück bisher auch recht gut. 


Sowieso: Dieser Pullover ist so bequem und gemütlich, ich habe ihn bisher oft und gerne getragen. Auch, wenn ich meine Ursprungsidee mit nur einem Streifen nicht umsetzen konnte, bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und noch zufriedener, drei weitere Stoffreste aus meinem Regal umfunktioniert zu haben. 


In meinem letzten Beitrag zur Challenge kündigte ich noch großspurig an, dass ich versuchen wollte je Motto ein Teil aus Resten, eines für mich und eine Änderungsarbeit zu nähen. Wer nun tadeln will, Obacht! Denn eigentlich kombiniert der Pullover gleich zwei dieser Absichten (Reste und für mich) und ist damit nochmal auf andere Weise passend zum Motto. Und auch geändert habe ich, bin aber noch nicht so zufrieden, dass ich es herzeigen mag. Vielleicht fällt mir noch eine weitere Verbesserung ein, damit ich das Projekt auch gerne trage. 


Für den heutigen Beitrag hat netterweise der Herzmann mal wieder die Bilder geschossen. Das ist ja doch einfacher, als mit Stativ und Co loszuzockeln, und auch spontaner möglich. Ganz kreativ war er zudem auch: Kletter doch mal in den Baum da! Und macht dann ein Foto, als ich wieder rauskletter ...


So. Abgang. Ich schaue mal, was andere für perfect matches gefunden haben. Dazu ist die Facebookgruppe auch super!

PS: Ha, mir ist noch ein Grund für "wie für einander gemacht" eingefallen! Der Pullover passt perfekt zu Selmin: Sie liebt blau und Streifen! Haha!


Happy sewing, 

Julia