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1. Juli 2020

Ein Schnitt mit vielen Gesichtern {Ogden Cami}

Hallo ihr Lieben,

ich war ja Anfang des Jahres ein bisschen schlau. Da wusste ich nämlich schon, dass das Jahr turbulent werden wird und es vermutlich besser ist, wenn ich mir die ersten Mittwoche jedes Monats markiere, um den Me Made Mittwoch nicht zu vergessen und rechtzeitig einen Beitrag schreiben zu können. Diese kurze Voraussicht hat sich schon mehrfach bezahlt gemacht, so auch in diesem Monat. Gerade wenn der erste Mittwoch auch noch der erste Tag im Monat ist, kommt es doch immer wieder überraschend. Ich bin doch bestimmt nicht die einzige, die immer noch an den Handknöcheln abzählt, ob ein Monat nun 30 oder 31 Tage hat?

Im letzten Jahr habe ich ja (für mich überraschend) das Ogden Cami lieben gelernt. Dünne Träger und V-Ausschnitt waren über lange Zeit in meinem Schrank nicht existent, mittlerweile vermehren sie sich aber rasant. Aus den beiden vom letzten Jahr sind mittlerweile schon viereinhalb geworden! Und die Neuzugänge stelle ich euch jetzt mal vor. 


Da wäre das schwarze Ogden Cami, eher zurückhaltend und schlicht, könnte man sagen. Dafür aber sehr anpassungsfähig, lässt sich wirklich zu allem kombinieren, jedes Wetter, Rock, Hose, egal, das Top macht alles mit. 


Alle hier vorgestellten Teile habe ich übrigens ohne Verlängerung in Größe 12 zugeschnitten und genäht, da hat sich seit dem letzten Mal nichts geändert. 
Eigentlich ist der Schnitt ja für Webware gedacht, aber ich hatte halt noch so schön fließenden schwarzen Jersey über, der eignet sich perfekt für ein schönes Top, fand ich. Weil es nur ein Reststück von Leggings war, musste ich etwas puzzlen und habe nun eine Mittelnaht im Rückenteil. Das fällt aber bei schwarz ja quasi nicht auf, und weil das Top so locker sitzt, spüre ich es auch nicht. 


Ansonsten habe ich alles gemacht, wie in der Anleitung vorgesehen, also mit Belegteilen genäht und so weiter, keine Jersey-mäßigen Anpassungen gemacht. 
Damit der Ausschnitt nicht zu tief wird, soll immer erstmal nur ein Ende vom Träger befestigt und dann bei einer Anprobe die finale Länge der Träger entschieden werden. Das habe ich hier ganz besonders bedacht, denn die Träger könnten sich ja auch noch ein wenig dehnen, bei dem Material. Bisher sieht aber alles ganz passend aus. 


Zum Glück ist der hintere Ausschnitt dem vorderen bis auf ein paar mm ziemlich ähnlich. Ich hatte nämlich unglücklicherweise das Vorderteil mit Mittelnaht zugeschnitten. Einmal kurz nicht aufgepasst, da war es schon passiert. So trage ich das Top jetzt immer "falsch herum", weil ich die Naht vorne natürlich nicht so gerne haben möchte. Weiß aber nur ich - und jetzt ihr. 


Das Detail mit den gedoppelten Trägern habe ich mir von einem Sport-BH abgeschaut. Gibt dem Ganzen das gewisse etwas, finde ich, und war gar nicht schwer. Ich habe das Top nun schon öfter getragen und mich immer sehr wohl darin gefühlt. Schade ist nur, dass der Stoff überhaupt keine gute Qualität ist und schon pillt. War ein Kauf über Kleinanzeigen und ist deshalb nicht weiter schlimm, aber eben schade. Zum Glück kann ich es ja nochmal nachnähen. 


Die nächste im Bunde ist dieses verruchte Stück. Falls ihr euch fragt, warum ich es nur auf dem Bügel zeige: Der Ausschnitt ist sehr tief. Ich wollte mir für diesen Sommer gerne ein Nachthemd nähen; ein paar Jahre hatte ich mal eines (auch hellblau) das ich sehr mochte, und nun über viele Jahre nicht. Dabei ist das Gefühl recht angenehm, finde ich. Weil ich den Schnitt mag und er so flott genäht ist, hatte ich ihn mir für dieses Projekt auserkoren und wollte ihn einfach verlängern. Passender Stoff war auch da, ein Meter hellblauen Viskose-Leinens schien mir perfekt, denn das Material ist super weich, kühlt angenehm und fließt so schön. Und knittert, wie ihr seht, bügeln war heute nicht drin. 


Neben der notwendigen Verlängerung auf das, was der Stoff maximal hergab (also ein Meter minus der Streifen für die Träger und Ausschnitte) habe ich noch ein wenig mehr abgeändert. Denn für mein Nachthemd wollte ich die Belege gerne eliminieren, das wäre irgendwie unbequem und unschön gewesen, außerdem war der Stoff ja knapp. Stattdessen habe ich alle Ausschnitte mit Schrägband aus dem Stoff eingefasst und bin dabei wie folgt vorgegangen: Ich habe zunächst die beiden Halsausschnitte separat eingefasst, dann die Seitennähte geschlossen. Dann habe ich im Armausschnitt angefangen, diesen einzufassen, und habe den Schrägbandstreifen am Ausschnitt vorbei geführt, dort einfach aufeinandergesteppt und hinten dann wieder angeschlossen. So sind die Träger entstanden und alle offenen Enden verpackt. Kleid gesäumt, fertig war es! Falls ich das nochmal wiederhole, würde ich die Armausschnitte ordentlich nach oben versetzen. Es sitzt so locker, dass da Nachts alles sonst wohin wandert und ich mir morgens was überziehen muss, wenn ich in die Nähe von Fenstern komme. Passend für den Sommer, aber eben auch etwas unpraktisch. 


Die letzte im Bunde ist fröhlicher und eigentlich schon ganz alt. Im Zusammenhang mit dem Umzug habe ich nämlich auch sehr viel sortiert, ausgemistet, verkauft und verschenkt. Unter anderem habe ich die aussortierten Kleider meiner Mutter und mir bei Kleiderkreisel eingestellt und dabei ist auch das ein oder andere Teil in mein Nähzimmerchen gewandert. Entweder, weil es nicht mehr gut genug war um verkauft zu werden, oder, weil ich den Stoff so schön fand, dass ich daraus selbst etwas haben wollte. Und das hier war so ein Kandidat. 


Ein Vorher-Foto könnt ihr am Freitag im Rahmen des Flickenfreitags auf meinem Instagram-Profil sehen. Es war auch vorher schon ein Top, allerdings recht hoch geschlossen, mit breiten Trägern und kleinen Fältchen am Ausschnitt. Nicht wirklich mein Stil, aber das knallige Türkis und die Herzen haben es mir einfach angetan. Ich dachte direkt an das Ogden Cami, auf Grund der beiden Lagen des Ursprungstops. Vorsichtig habe ich also alles auseinander geschnitten um möglichst wenig vom Stoff zu verlieren. Das Schildchen war noch drin, so weiß ich jetzt, dass ich Viskosejersey und Seide trage. Fühlt sich auch beides wirklich toll an!


Auch hier musste ich natürlich ein bisschen tricksen, das Futter ist nun etwas weniger breit als der Außenstoff, da es aber dehnbar ist, macht das gar nichts aus. Die Länge kam so gerade hin, und die Träger konnte ich auch noch irgendwie auf die Restchen auflegen und zuschneiden. Genäht war es dann ganz flott, der Saum war ja bei beiden Lagen schon fertig, so musste ich nur die Seitennähte schließen, beide Teile am Ausschnitt zusammenfügen und die Träger mit einnähen. Aus alt mach neu, in diesem Fall sehr gut gelungen, finde ich. 


Während die letzten beiden Teile erst vor zwei Wochen entstanden sind, gibt es das schwarze Top schon seit dem letzten Jahr. Es wollte aber nicht alleine auf den Blog und hat noch auf Gesellschaft gewartet, hihi. 

So, nun beende ich mal meine Albernheiten hier und schaue, wer noch so dabei ist beim Me Made Mittwoch. 

Happy sewing, 

Julia


14. April 2020

Gefütterte Lederjacke aus alten Jacken

Hallo ihr Lieben,

endlich konnte ich mir mal ein wenig Zeit freischaufeln um diesen Blogbeitrag zu verfassen. Im Moment ist bei mir einfach irre viel los, der Umzug naht mit großen Schritten und auf der Baustelle ist noch immer so viel zu tun. Da war in den letzten zwei Wochen neben Arbeiten, Essen und Duschen eigentlich keine Zeit mehr für irgendetwas anderes. Mittlerweile haben wir aber gut vorgearbeitet, sogar die Wohnung ist schon halb leer. Hoffentlich wird es jetzt also ein wenig entspannter. Ich habe schon eine Woche nicht gestrickt, das fühlt sich unglaublich seltsam an und ist mir noch nie passiert. 
Es kann gut sein, dass es auch in den nächsten Tagen ruhig bleibt hier auf dem Blog. Keine Ahnung, wie das mit dem Internet so klappt, ihr kennt das sicherlich. Und wenn wir erstmal drin sind im Haus gibt es ja auch weiterhin viel zu tun ... also wundert euch nicht. 

Soweit zum Prolog, kommen wir mal zur Sache, das interessiert euch ja auch gar nicht so sehr.



Ich habe mir ein Motorrad gekauft! Okay, Spaß beiseite, auf die Idee würde ich nie kommen. Aber es stand so schön passend da, fühlte sich als genau das passende Foto Zubehör an zu meiner Jacke, da musste ich ein schnelles Bild knipsen (lassen). Der Freund hat mich davon abgehalten, auf die Maschine zu steigen. Vermutlich auch besser so, bei meiner Tollpatschigkeit, und ist ja auch einfach fremdes Eigentum.


Da erzähle ich euch was von zur Sache kommen und tue es doch nicht. Verrücktes Huhn ich. Also gut, auf den Bildern seht ihr ein Projekt, das mich seit langem mal wieder so richtig herausgefordert hat. Entstanden ist es beim Probenähen für Lotte & Ludwig, also handelt es sich bei dem Beitrag, den ihr lest, um Werbung, denn ich habe für den Schnitt ja nichts bezahlt. Der Aufruf zum Probenähen kam genau im passenden Moment um die Ecke, denn für zwei Hochzeiten im Sommer (die hoffentlich stattfinden werden...) habe ich mal wieder geplant, mir mein Outfit selbst zu nähen, und für oben drüber wollte ich gerne eine kurze Jeansjacke nähen (Also, am Körper kurz, nicht an den Armen. Das sähe ja ganz furchtbar seltsam aus). Der Schnitt ist im Prinzip ein klassischer Jeansjackenschnitt mit allen bekannten Details: Seitentaschen, Kragen, vielen Absteppungen, Manschetten, Brusttaschen.


Neben der klassischen und ungefütterten Variante gibt es aber auch die Möglichkeit, die Jacke zu füttern, ganz 80er Jahre mäßig mit Teddyfell zum Beispiel. Und natürlich eignen sich neben Jeans auch alle anderen festen Stoffe, zum Beispiel Cord, Canvas, Oilskin oder auch Leder. Ha, Leder! So kommen wir wieder zurück zu meiner speziellen Jacke. Nachdem für mich ja schon feststand, dass ich eine kurze Jacke aus Jeans nähen wollte, habe ich überlegt wie eine gefütterte Variante für mich aussehen könnte. Nochmal Jeans war mir zu öde, mit Cord stehe ich auch ein wenig auf Kriegsfuß. Durch ein anderes Projekt hatte ich vor kurzem über Dinge nachgedacht, die ich aus alten Lederjacken nähen könnte und so hat sich wohl die Verbindung in meinem Gehirn gebildet, zack, ich wollte eine gefütterte Lederjacke. Und weil ich Leder als Material toll finde, aber nichts kaufen möchte wofür ein Tier seine Haut hergeben muss, habe ich mich auf Kleinanzeigen nach gebrauchten Jacken umgeschaut. Denn noch trauriger, dass eine Kuh, ein Lamm oder sonst irgendein Wesen stirbt finde ich ja, wenn das daraus entstandene Produkt auf den Müll landet und nicht genutzt wird. Deshalb kann ich guten Gewissens Leder Second Hand verarbeiten.


Nach einiger Sucherei habe ich zwei Jacken von ein- und derselben Verkäuferin gefunden, die dann auf meine Bitte hin die Lederarten verglichen hat. Sie sagte, dass sie sich recht ähnlich seien, was mir ausreichte. Für zwei Jacken in XL habe ich mit Versand 22€ bezahlt, Teddystoff und Knöpfe kamen neu dazu, weil auf Grund des Probenähens ja die Zeit ein wenig eilte, sonst hätte ich es auch hier Second Hand versucht. Außerdem dachte ich mir zu dem Zeitpunkt schon, dass die Geschäfte bald schließend werden und hatte so ein "jetzt noch schnell"-Gefühl, was sich bestätigt hat.


Bei so komplizierten Projekten und vor allem beim Probenähen macht es immer Sinn, ein Nesselteil zu nähen, also aus günstigem Stoff die Stücke einmal grob zusammenzutackern. Details wie Taschen und Kragen kann man weglassen, auch reicht oft ein Ärmel aus. Das habe ich in diesem Fall gemacht und daraufhin beschlossen, dass eine 42 für mich gefüttert passen sollte. Damit bin ich aber eher auf der knapperen Seite gelandet, gerade über der Brust spannt es schon ein wenig. Ich hoffe, dass das Material sich da noch ein wenig nachgiebig zeigt; aber wenn ihr dicken Außenstoff und Teddyfutter habt nehmt lieber eine Nummer größer, das passt ja auch ganz gut zur Gesamtoptik.


Bisher klingt alles recht geschmeidig, oder? Tja, ich will ja keine Tatsachen hier verschleiern, also mal Butter bei die Fische. Ich habe mit der Futterjacke begonnen; denn durch die kurze Version kannte ich das Schnittmuster schon und konnte das Futter recht flott runterrattern. In der Probenähgruppe hatten viele berichtet, dass es in ihren Nähecken (oder -zimmern) aussehe, als hätten sie einen Teddybären brutal zerstückelt. Daraufhin habe ich direkt nach dem Zuschnitt alle Teile einmal unter der Overlock durchgezogen. Damit ging es wirklich gut und ich habe kaum Fussel entdeckt.


Nach der Futterjacke kam dann der Zuschnitt der Außenjacke, und da habe ich wirklich gekämpft. Zuerst mussten ja die beiden Jacken zerlegt werden. Ich habe das Futter entfernt und dann vorsichtig entlang der Nähte geschnitten. Bei manchen Stoffen lohnt es sich vielleicht, die alten Nähte aufzutrennen; bei Leder sieht man aber die Einstichstellen und kann diese Bereiche sowieso nicht wiederverwenden, also habe ich mir die Mühe gespart. Ich hatte dann je Jacke die Ärmel, Vorderteile, Rückenteile, Passen und Krägen. Und was habe ich gepuzzlet, um daraus alle benötigten Teile für die Jacke herauszuschneiden! Ein paar Details waren mir nämilch wichtig: Ich wollte gerne eine Rückennaht übernehmen und so wenig schiefe Nähte wie möglich einbauen. Am Ärmel habe ich zum Beispiel eine Quernaht, die nicht durch den Schnitt entstanden ist, sondern weil ich die Schnittteile so auflegen musste das eine alte Naht übernommen wurde. Der Saum sollte auch möglichst nicht gestückelt werden müssen, ebenso wie die Manschetten. Es war ein Kampf, hat aber am Ende geklappt.


Auch das Nähen selbst war kein Spaziergang. Ich bete meine alte Pfaff ja für ihre Robustheit an, aber hier sind wir gemeinsam an unsere Grenzen gegangen. Wir haben im Nachtdienst genäht, was das Ganze nochmal erschwert hat, da bin ich nämlich zum einen unmotivierter, zum anderen einfach nicht so konzentriert. Aber tagsüber ging es nach dem Schlafen direkt auf die Baustelle, also musste die Nacht herhalten. Zwei Nächte mit je 5-6 Stunden war ich beschäftigt bis endlich das Futter drin war, zu Hause musste dann nur noch der Saum abgesteppt und die Knöpfe befestigt werden. Aber bis ich an diesem Punkt war, habe ich einiges an Nerven gelassen. Die vielen Lagen Leder haben meine Maschine wirklich heiß laufen lassen und ich bin stolz, dass nur eine Nadel gebrochen ist.


Natürlich kann Leder auch nicht gebügelt werden, damit die Absteppungen schön werden  musste ich also sehr langsam arbeiten und den Stoff immer richtig drücken und ziehen. Auch das war am Ende wirklich anstrengend. Am schwierigsten waren die Stellen, wo ich Nähte der Ursprungsjacken übernommen hatte. Die trafen dann im schlimmsten Fall auf neue Nähte und mussten abgesteppt werden ... ich habe sehr viel am Handrad gedreht bei diesem Projekt. Noch ein Aspekt, der das Nähen für mich weniger erfreulich gemacht hat: Die Jacken hatten einen Eigengeruch. So wie manche Sachen aus Second Hand Läden, die riechen einfach so fremd, die muss ich mehrmals waschen bis ich mich darin wohlfühle. Versteht ihr, was ich meine?


Neben den Seitentaschen, die dann doch einfacher waren als gedacht, habe ich mich bei den Brusttaschen für die Fake-Variante entschieden. Unter den Taschenklappen befindet sich also nichts. Hierzu hatte ich eine lustige Unterhaltung mit einem Kollegen, der sich darüber mokierte. Ich habe dann geäußert, dass man doch sowieso nichts in solche Taschen packt, woraufhin er entgegnete, dass er immer sein Portemonnaie oder Schlüssel dort verstaut. Ich habe mich dann korrigiert, das "Frau" Brusttaschen nicht nutzt, er hat dann eingelenkt, das würde vermutlich komisch aussehen, so einseitig ausgebeult.



All meine Mühen haben sich aber gelohnt, ich bin sehr glücklich mit meiner Jacke und habe sie auch schon ein paar Mal getragen bevor es so plötzlich und übergangslos Sommer wurde. Mittlerweile ist es wieder etwas frischer, vielleicht habe ich also noch ein paar Möglichkeiten die Jacke auszuführen bevor es zu warm dafür wird. Aber dann kann ich ja die andere aus dem Probenähen entstandene hervorholen. 

So, nun die hilfreichen Links für euch zum Schluss: Zur Jacke trage ich komplett selfmade: Da wäre die Jeans und hier das Shirt. Die Draufgängerin gibt es als Ebook und Papierschnitt, viele weitere Beispiele findet ihr auf Instagram unter #draufgängerebook oder in der Facebookgruppe von Lotte und Ludwig. Aktuell läuft noch das Probenähen für die Kinder-Variante, danach wird es noch eine für Herren geben und am Schluss dann sicherlich ein Gesamtpaket der Schnittmuster, falls ihr eure ganze Familie einkleiden wollt. Die Anleitung führt euch da auf jeden Fall sehr detailliert durch, wenn ihr also auf der Suche nach einer kleinen Herausforderung seid: Los geht's!


Happy sewing, 

Julia

11. März 2020

Projekttaschen mit Sichtfenster

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich ein (oder vier?) Projekt dabei, das glaube ich für euch gar nicht mal so super interessant zum verfolgen ist. Es gibt kein Schnittmuster, auf das ich verweise, die Materialien waren auch alle schon vorhanden. Dafür regt es die Kreativität an, schätze ich, und kann euch als Inspiration dienen. Und das ist doch auch eine feine Sache, oder?

Wie so oft, brauche ich ein bisschen Vorlaufzeit um euch den Zusammenhang zu erklären. Das Stricken habe ich ja von meiner Mama gelernt, und wenn möglich, stricken wir auch sehr gerne zusammen. Zwei Freundinnen von ihr stricken ebenfalls gerne, und weil ich bald wieder in meinen Heimatort ziehe, kam schnell der Gedanke auf, dass wir zu viert einen kleinen Stricktreff auf die Beine stellen könnten. So weit, so gut. 

Besagte Freundinnen waren mit meiner Mutter im letzten Jahr auch auf einer Handarbeitsmesse. Von dort bekam ich dann ein Bild von einer Projekttasche, die mit einer Art Sichtfenster ausgestattet war, man konnte also reinschauen. Alle drei fanden dies wohl ziemlich gut, und Mama fragte, ob ich sowas wohl mal irgendwann nähen könnte. Das habe ich bestätigt. 

Dann haben wir vom Wohlfühlstricktreff (schönster Name, oder?) beschlossen, uns schon vor meinem Umzug regelmäßig zu treffen. Und mit dem ersten Termin stand dann natürlich auch meine persönliche Deadline für die Projekttaschen fertig; ich meine, die Vorstellung, dass wir dort alle mit einer Tasche sitzen die uns ganz klar als Mitglieder eines tollen Clubs auszeichnet ... ihr versteht, dass ich das unbedingt wollte?


Ich habe mir also Gedanken gemacht. Gemessen und gemalt, wie es aussehen könnte und welche Proportionen mir gefallen, was mir wichtig ist. Ich mag Kordelzug lieber als Reißverschluss, ich mag eine kleine Innentasche, ich mag es außen Schlicht, ich mag zusätzliche Henkel. Die anderen drei mussten das dann einfach auch so mögen, es sollte ja eine Überraschung sein, also wollte ich nicht nachfragen. 
Beim Material habe ich ein wenig herumgesucht. Für den Außenstoff kamen ein paar Reste aus meinem Regal in Frage. Eigentlich wollte ich erst vier verschiedene machen, mit gleichem Futter, aber dafür reichte es nicht, und so sind sie alle gleich geworden was den Außenstoff angeht. Das geblümte rechts im Bild ist ein alter Bademantel von mir, den ich doch nicht so gerne anziehe. Die größte Herausforderung war dann das Sichtfenster. Ich wollte ungerne losziehen und Plastik einkaufen, wo ich doch eigentlich aktiv versuche, dieses Material so wenig wie möglich zu konsumieren. Recht schnell kam mir dann der Gedanke, dass doch Bettwäsche oä oft in so "Taschen" eingepackt sind deren Material sich dafür eignen könnte. Kurz bei Mama nachgefragt, ja, da war noch sowas vorhanden von Auflagen für die Gartenliegen. Perfekt. 

Unten links im Bild seht ihr meinen kleinen Prototypen. Denn das Plastik ist ja einlagig, während ich die Tasche schon gefüttert haben wollte. Deshalb musste ich ein wenig schauen, in welcher Reihenfolge da was genäht und abgesteppt wird. Leider hat der Prototyp nicht ganz ausgereicht, aber dazu später.


Ich habe mir dann die einzelnen Maße für die rechteckigen Schnittteile notiert, alles vier Mal zugeschnitten und vier kleine Stapel gebastelt. Im Endeffekt ging es so auf, dass alle Taschen den gleichen Außenstoff und die gleichen Henkel haben, zwei geblümt gefüttert sind und eine Innentasche aus dem Außenstoff haben und zwei mit dem Außenstoff gefüttert sind und eine geblümte Tasche haben. 


Mein Projekttaschen sollten dann ein kleines und doch sehr wichtiges Detail haben, was ich beim Prototypen nicht bedacht hatte: Einen Boden. Damit ging mein vorheriger Plan leider nicht auf, und es gibt nun doch eine sichtbare Nahtzugabe am Boden der Projekttasche. Ich kann euch nicht erklären, wo das Problem lag, das ist dieser Moment zwischen dem Wenden, wo alles herauskommen könnte. Jedenfalls war es mir nicht anders möglich, wobei ich gut mit einer Nahtzugabe am Boden der Tasche leben kann. Und den anderen ist es nicht aufgefallen, also ... 


Natürlich sind auch alle vier Taschen mit meinem Logo ausgestattet. Sie sind jetzt nicht super stabil, stehen nicht von alleine, dafür ist der Stoff zu dünn. Dafür sind sie groß, da passt locker ein dicker Strickpullover rein, und schön sind sie, also, das muss ich mir schon selbst eingestehen. 


Die drei anderen Wohlfühlstricktreff-Mitglieder waren hellauf begeistert, so sehr, dass es mir schon fast wieder unangenehm war. Ich bin ja nicht so gerne im Mittelpunkt, generell ... aber natürlich habe ich mich sehr gefreut über ihre Freude und das Lob. Bisher haben sie die Taschen auch jedes Mal dabei gehabt, hoffentlich nicht aus Pflichtgefühl, hihi. 


Ich nutze sie auch sehr gerne, das reinschauen können ist ein nettes Feature, was ich nicht unbedingt brauche, aber mal was anderes ist. Mir gefällt vor allem die Farbkombination und die Henkel, sowas haben meine anderen Projekttaschen nicht, und ich habe mir ja doch schon so einige genäht. Die sind aber alle schon in einem Karton verpackt ... Nur diese hier ist noch in Benutzung. 

Genäht habe ich sie übrigens schon im Oktober ... eigentlich wollte ich die ganze Zeit Bilder im mit Wolle gefüllten Zustand machen, aber dazu kam es bisher nicht, also Schluss mit warten.

Habt ihr auch schonmal Beutel für eure Strickprojekte genäht oder reichen euch die guten alten Jutebeutel? Oder strickt ihr nur zuhause und habt einen Korb? Erzählt doch mal. 


Happy sewing, 

Julia

21. Februar 2020

#Flickenfreitag - Upcycling aus einem alten Hemd

Hallo ihr Lieben,

seit einigen Wochen beschäftige ich mich immer mehr mit dem Thema Kleidung flicken und verändern, sodass sie wieder (zu mir) passt. Auf Instagram habe ich den #flickenfreitag ins Leben gerufen und zeige dort jeden Freitag eine kleine Korrektur, Änderung oder ähnliches. Mittlerweile machen auch viele andere mit, worüber ich mich sehr freue! Nicht nur im Aspekt der Nachhaltigkeit ist das Reparieren eine tolle Sache; es übt auch die Vorstellungskraft und natürlich sorgt es für deutlich mehr Wertschätzung der eigenen Kleidung gegenüber. 

Das sorgt dafür, dass ich mich zum einen über jedes Loch in meiner Kleidung freue, weil das bedeutet, dass ich etwas neues ausprobieren kann, und mir keine Gedanken darüber machen muss, was ich am nächsten Freitag so zeigen könnte. Ich schaue mir meine schon existierenden und Loch-freien Stücke immer kritischer an, hinterfrage, wie ich sie noch besser machen könnte, damit ich sie noch lieber trage. Im Gegensatz dazu habe ich mich vor zwei Wochen von Latzkleidern getrennt, die ich zwar sehr liebe, aber doch eigentlich einen Ticken zu eng sind. Zum Glück konnte ich sie sofort weiter verkaufen, weggeben hätte mir doch ein wenig im Herzen wehgetan. 

Eine dieser kritischen Inspektionen meines Kleiderschrankes hat das Hemd hervorgewühlt, das ich ursprünglich für meinen Bruder genäht und dann ein wenig für mich abgeändert hatte. Ich habe es einige Male getragen, aber irgendwie merkte ich dann am Sitz doch, dass es ein Herrenhemd ist, um die Brust und Hüfte ein bisschen zu wenig Platz bietet. Außerdem ist der Stoff offenbar mit einem recht hohen Polyester Anteil, sodass ich schnell darin geschwitzt und vor allem gerochen habe. Und das gefällt ja wohl niemandem. Bei Sindy hatte ich vor Ewigkeiten mal den tollen Pullover gesehen, den sie mit Manschetten und Kragen eines alten Hemdes gesäumt hatte, und diese Erinnerung kam nun wieder hoch. 


Genau so etwas wollte ich! Blusen trage ich sowieso gerne unter Pullovern, in diesem Fall würde aber das nervige zurecht zuppeln entfallen. Außerdem kein stinkiges Schwitzen mehr, da der Stoff nur noch an den Säumen mit mir in Berührung kommt. Fehlte nur noch der passende Stoff für den Pullover, wie ihr wisst, habe ich da keinen wirklichen Vorrat. Wie so oft in letzter Zeit habe ich zu erst bei Ebay Kleinanzeigen geschaut, da ich grauen Sweatstoff haben wollte, war ich mir sicher, dort etwas passendes zu finden. Und das habe ich, 2mx1,5m eines tollen melierten Sweatshirtstoffs, von innen flauschig, von außen mit schöner Struktur. 


Nach der vorbildlichen Wäsche habe ich aus dem Stoff dann meinen Standard Pullover Schnitt zugeschnitten, den Bloom von La Maison Victor. Den habe ich hier zum vierten Mal genäht, immer noch nicht ein einziges Mal mit seitlichen Reißverschlüssen wie im Schnittmuster vorgesehen. Aber das wäre auch wohl zu viel des Guten. 
Die Bündchen brauchte ich nicht, da ich ja alle offenen Säume mit den Teilen aus dem Hemd versäubern wollte. Erstmal habe ich dann das Grundgerüst genäht, also Schulter- und Seitennähte geschlossen. 


Und dann wurde herumprobiert, eine feste Anleitung kann ich euch gar nicht geben. Ich wusste, dass ich das Hemd am Saum rundum sichtbar haben wollte, habe also entsprechend den Teil abgeschnitten. Dann Pulloversaum und Hemdsaum rechts auf rechts zusammengenäht, versäubert und dann den Pullover nochmal nach innen umgeschlagen, sodass eine Art Saum entsteht und es aussieht, als ob das Hemd darunter hervorschaut. 


Das klingt ziemlich kompliziert, solltet ihr es aber mal nachahmen, wird es sich von selbst erklären wenn ihr vor den einzelnen Teilen sitzt. 


Bei den Ärmeln wollte ich mir die Möglichkeit offen halten, diese noch aufknöpfen und umschlagen zu können, somit habe ich sie ein gutes Stück über der Manschette abgeschnitten und auf die gleiche Weise in die Ärmel genäht. Trage ich sie nun geschlossen, sind die Ärmel kuschelig lang. Aufgeknöpft und umgeschlagen ist es für Hausarbeit und Co praktischer und insgesamt etwas schicker. 


Beide Varianten trage ich gerne und wechsele sich häufig im Laufe des Tages ab. 
Blieb zum Schluss noch der Kragen, an dem habe ich mich etwas ausgebissen. Weil ich nicht ganz wusste, wie ich den aus dem Hemd schneiden sollte damit nachher alles passt, habe ich das Hemd einfach in den Pullover geschoben, alles so festgesteckt wie es aussehen sollte, mit Kreide rundherum angezeichnet und dann entsprechend abgeschnitten. 


Zuerst hatte ich den Kragen geschlossen, also mit überlappender Knopfleiste in den Halsausschnitt genäht. Nur der alleroberste Knopf stand offen. Die Ernüchterung kam dann bei der ersten freudigen Anprobe: Nur mit ordentlich Zerren ging der Pullover über meinen Kopf, und beim Ausziehen dachte ich kurz, dass ich mich jetzt da drausschneiden müsste. Also habe ich den Kragen nochmal rausgetrennt und leicht geöffnet eingenäht. Jetzt komme ich problemlos rein und raus, und zum Glück gefällt mir das auch optisch gut. 



Auf Instagram werde ich euch gleich noch ein wenig mitnehmen in den Nähprozess des Pullovers, falls das euch interessiert. Ansonsten bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit und wünsche euch ein schönes Wochenende!

Happy sewing, 

Julia

27. Januar 2019

Drei Projekte für #12ausdemStoffregal

Hallo ihr Lieben!

Das neue Jahr fing für mich nähtechnisch sehr ruhig an. Eine wirkliche Motivation wollte nicht aufkommen, nachdem ich für Weihnachten viele große Geschenke genäht hatte. Mein Schrank ist gut gefüllt und mit Jahresbeginn habe ich auch meinen Feed bei IG ausgemistet: Kaum noch Marken oder große Namen, die mir Schnitte und Stoffe andauernd unter die Nase reiben. So fehlt der Überfluss an Inspiration und ich komme ein bisschen zur Ruhe. 



Super passend dazu kam dann Selmin mit ihrer #12ausdemStoffregal Challenge um die Ecke. Einen Monat lang soll es um unterschiedliche Themen gehen, die alle darauf abzielen, dass wir uns mit unserem Stoffvorrat ein wenig auseinandersetzen. Dabei muss nicht zwangsläufig genäht werden, vielleicht nur geplant, organisiert oder weitergegeben. Ich habe für mich beschlossen, diese Challenge so weit es geht auszunutzen. Wer mich kennt, stutzt jetzt vermutlich: Was willst du denn aus deinem minimalen Stoffregal nehmen? Recht habt ihr! Aber wie so oft, alles ist Interpretationssache. Ich möchte mir das Motto des jeweiligen Monats vornehmen und am liebsten auf dreierlei Wegen bearbeiten: Ein neues Projekt, Resteverwertung, Änderungsstück.


Vielleicht sollte ich das näher erläutern?
Mein Schrank ist an und für sich ganz gut gefüllt. Ein paar Teile könnte ich noch gebrauchen, und vielleicht geben in diesem Jahr andere den Geist auf und Ersatz wird nötig. Aber trotzdem ist Hauptziel meines Nähjahres: Entschleunigung. In dem Tempo wie bisher sollte ich nicht weiternähen, sonst ersticke ich in Kram. Dafür gibt es einen kleinen Stapel an Sachen, bei denen ich kleine Änderungen vornehmen muss damit sie wieder zu Lieblingsteilen werden können. Denn einfach spenden bringe ich bei selbst genähten Sachen nicht immer übers Herz, wenn ich sie kaum getragen habe. Und Käufer gibt es dafür leider kaum. Ganz zu Beginn der Challenge habe ich außerdem meine beiden Reste-Regalfächer neu geordnet und bin nun inspiriert, auch hier ein paar kleine Sachen zu nähen.


Kommen wir doch direkt zur Umsetzung! Für den Januar war das Monatsthema "Struktur". Toll, da ist mir sofort eine Menge zu eingefallen. Und selbst wenn ich keine Idee gehabt hätte, hätten mir die zahlreichen Projekte, die in der Facebook Gruppe geteilt wurden, inspiriert.  Angefangen habe ich mit einem Rest Kunstleder, das mich sowieso schon länger störte. Es nimmt einfach viel Platz weg, und die Anwendungen für Kunstleder sind ja doch eher gering: Taschen. Oder Taschen. Zumindest bei so einem kleinen Stück. Ich habe mir deshalb das Gratis Schnittmuster Geo-Bag von Pattydoo heruntergeladen, das sah als Pluspunkt auch noch ziemlich interessant aus in der Konstruktion.


Das einzige Schnittteil ist ziemlich spannend und auf den ersten Blick würde keiner glauben, dass daraus eine Tasche wird. Weil mein Reststück nicht so groß war, musste ich eine Naht auf der Unterseite hinzufügen, da ich das Schnittteil nicht im Bruch zuschneiden konnte. Das stört aber überhaupt nicht. Für das Futter habe ich ebenfalls mein Resteregal erleichtert und ein altes Tuch, ich glaube noch von meiner Oma, angeschnitten. Es handelt sich, soweit ich weiß, um ein Seidenmalerei-Tuch, sowas hat meine Mama auch mal gemacht. Sehr spannende Technik, ich durfte selbst mal ein wenig herumprobieren. Jedenfalls erinnert mich das Tuch daran, ob meine Oma das selbst gestaltet hat oder meine Mama für sie weiß ich nicht, aber das lässt sich ja recherchieren. Wenn man es genau nimmt, herrscht nun also auch in der Tasche Struktur, denn ähnlich wie bei Window Color werden die Umrisse der Formen mit einer besonderen Farbe aufgetragen, die sich haptisch etwas vom Rest abhebt. Die Kombination der Stoffe gefällt mir total gut. Und richtig glücklich war ich ja über meine Reißverschluss-Manipulation, denn auch der kommt aus meinem Vorrat, herausgetrennt aus einem alten Mantel. Für die Tasche wird eigentlich endlos Reißverschluss benötigt, auf den man die Schieber etwas anders aufzieht, sodass sie sich im geschlossenen Zustand in der Mitte treffen können. Das ging bei meinem zwei Wege Mantelverschluss ja nicht so gut, da hätten beide Schieber am Ende rumgegammelt. Ich dachte mir dann, ein bisschen Mut schadet nicht, habe die Stopper an einem Ende abgeschnitten und beide Schieber runtergezogen. Dann habe ich ein Reißverschlussband gekürzt und die Schieber so wieder aufgezogen, wie ich es wollte. Hat geklappt! Da war ich selbst ein bisschen erstaunt, wie einfach das war, aber so sieht es schon auch klasse aus. Wofür ich die Tasche nutze weiß ich selbst noch nicht, vermutlich als Projektbeutel für Socken und ähnliche, kleine Projekte. Denn schick ist sie und praktisch auch, da gibt es keine Flecken, kann man auch super mal auf einem feuchten oder dreckigem Untergrund abstellen. 



Also Punkt 1 Resteverwertung hat erfolgreich geklappt. Gehen wir weiter zu den nächsten beiden: Was neues und was geändertes. Hat was von diesem Braut-Spruch, oder? 
Geändert habe ich meine Lupin Jacke von Deer and Doe. Seitdem ich sie genäht hatte (was immerhin fast zwei Jahre her ist), habe ich sie genau einmal getragen. Ich habe mich darin einfach nicht wohl gefühlt. Konnte nicht mal fest machen, woran das lag. Zu zwei Flohmärkten hatte ich sie dabei, aber auch dort fand sich niemand, der sie adoptieren wollte. Also muss sie bei mir bleiben! Irgendwann packte mich die Lust, dieses Stück anzugehen, und ich habe mir nochmal den Hashtag zu diesem Schnittmuster auf Instagram angeschaut. Super Inspirationsquelle übrigens! Jedenfalls wurde mir dann recht zügig klar, dass mir die Armabschlüsse quer liegen. Irgendwie ist da zu viel los, nicht meins. Und weil ich nicht zögere, wenn es eine Chance gibt ein ungeliebtes Teil wieder tragbar zu machen, habe ich kurzerhand meine Schere geholt und die Ärmel auf 3/4 Länge gekürzt. Einmal so übergezogen, noch ohne neue Abschlüsse, und direkt gemerkt: Das ist es. So finde ich sie schön, trage ich sie gerne. Das Futter habe ich noch ein bisschen mehr gekürzt, damit sich der Außenstoff etwas nach innen zieht und das Futter nicht rauslugt, dann die beiden offenen Kanten neu verstürzt und einmal abgesteppt. Und schon ist sie fertig, meine neue, tolle Jacke. Ich trage sie super gerne zu Anlässen wie Geburtstagen, über ein Shirt und zu Jeans zum Beispiel, aber auch im Sommer wird sie sicher toll sein zu Kleidern. Ich freue mich so, dass diese Veränderung geklappt hat!


Und zuletzt mein neues Projekt, ebenfalls mit drauf auf den Bildern. Eine weitere Shorts habe ich mir genäht, denn meine neu entfachte Shorts Liebe aus dem letzten Jahr braucht Futter. Dafür auserkoren habe ich mir einen Stoffrest, den ich auf der Annäherung Süd mitgenommen hatte. Genau die richtige Menge für eine Shorts war es, und auch beim Schnitt war ich mir schnell sicher: Die Port Trousers in der Shorts Version habe ich schon einmal genäht, aber hier noch nicht gezeigt, trage sie gerne, hauptsächlich wie hier: Über einer Strumpfhose. Angezogen und doch bequem ist der Look, wie ich finde. 


Ein bisschen lugt der grüne Futterstoff hervor, den ich für den Reißverschlussdings benutzt habe, aber irgendwie mag ich das. Knopf und Reißverschluss sind aus dem Fundus, somit habe ich für alle hier gezeigten Projekte nichts neues gekauft. Toll, oder? 


Vielleicht braucht ihr noch ein paar Infos zur Shorts: Genäht habe ich Größe 42 mit zweimal 1cm Zusatzlänge (1x im Schritt, 1x am Saum). Den Saum habe ich zweimal breit nach innen umgeklappt. Außerdem musste ich vorne die Schrittnaht etwas abändern, quasi von unter dem Reißverschluss bis zum Saum etwas abgeflacht, damit es keine komischen Falten gibt. 
Den Bund der Hose habe ich doppelt verstärkt, also jedes Bundteil einmal. So sitzt die ziemlich gut und leiert über den Tag auch nicht aus. 
Ansonsten gibt es zur Hose eigentlich nicht viel zu berichten. Die Vorder- und Hintertaschen werden nur aufgesteppt, das geht zügig und ist einfach. Gürtelschlaufen gibt es auch, obwohl ich wohl kaum einen Gürtel darin tragen werde. Das Schnittteil zu den Schlaufen habe ich übrigens etwas verschmälert, ich mag breite Schlaufen nicht so gerne.



Das waren sie, meine drei Projekte zum Thema "Struktur". Ich bin super zufrieden mit allen dreien und freue mich, bisher durchzuhalten was meinen Vorsatz von Entschleunigung angeht. Um trotzdem nähen zu können rattert die Nähmaschine aktuell ein paar Frühchenstrampler herunter, denn Stoffspenden habe ich mehr als genug und die brauchen die Sachen dringender als ich neue Klamotten. 

Ich bin total gespannt, welches Thema uns Selmin am 1. Februar vorstellt und hoffe sehr, auch dazu wieder Dinge zu finden, die ich abändern oder aus Resten nähen kann. 

Happy sewing!

Julia

20. April 2015

Kleinigkeit zum Wochenstart: Utensilos aus alter Hose

Hallo ihr Lieben,

willkommen im Frühling. Es geht nun so richtig los, die Blätter und Blüten sprießen um die Wette, die Sonne strahlt. Ich habe letzte Woche mit meiner Mama zusammen ein kleines Wollshopping gemacht, die Kreation der Sommergarderobe beginnt also ebenfalls. 

Dazwischengeschoben habe ich dann aber doch noch ein kleines Nähprojekt. Die Mama des Herzmanns feierte nämlich am Wochenende ihren Geburtstag, und da komme ich ja nicht umhin, eine Kleinigkeit zu nähen. Die Idee dafür lieferte sie uns sorgar selbst, vor Monaten hatte sie mir mal einen Ausschnitt aus einer Zeitung gegeben: Aus alten Jeans wurden dort Utensilos und ähnliche Dinge genäht. 


Eine Jeans haben wir in unserem Stapel nicht mehr gefunden, aber eine graue Hose hatte der Herzmann, die eh nicht mehr gut saß. Wir haben also ein wenig zusammen überlegt, Kombistoff gefunden (links Ikea, rechts Stoffladen, beides karierte Baumwolle) und die Größen festgelegt, und dann habe ich fröhlich herumgeschnipselt und genäht. Für das größere Körbchen wollte ich gerne die Taschen wiederverwenden, das hat auch ganz gut geklappt. Beim nächsten Mal würde ich allerdings den Futterstoff direkt einschlagen und an den Bund annähen, der ist schließlich schon ordentlich abgeschlossen. So wie ich es diesmal gemacht habe ist er eben halb eingeklappt, das ist an manchen Stellen ziemlich wuchtig.

Genäht habe ich übrigens nach der Anleitung von Farbenmix.
Gefüllt haben wir die Körbchen mit einer Pflanze und ein wenig Leckereien. Und das Ganze ist super angekommen, sie hat sich sehr gefreut und mehrfach bei mir bedankt; allen Gästen von den Körbchen berichtet. So soll es doch sein. Nun hat sie den Popo ihres Sohnes immer auf dem Tisch ;)





18. November 2014

Upcycling: Aus langem Schlafanzug mach kurz

Hallo ihr Lieben,

am heutigen Dienstag habe ich mal wieder etwas Genähtes zu zeigen. Nicht in dem Sinne, dass ich etwas völlig neues genäht habe, sondern eher im Sinne einer Veränderung. Leider habe ich kein Vorher-Bild zur Verfügung, deshalb müsst ihr nun eure Phantasie ein ganz bisschen anstrengen. Stellt euch einen Schlafanzug vor, der schon recht alt ist. Dementsprechen vor allem an den Beinen zu kurz, Hochwasseralarm. Außerdem fehlen zwei Knöpfe am Oberteil, die restlichen springen immer auf. Den einen Teil unseres Haushalts freut das sehr, den anderen nicht so. Weil er ja schließlich ein langer Schlafanzug ist, wird er doch im Winter getragen, und da möchte man vollständig bekleidet sein. Also, ich jedenfalls.

Deshalb habe ich mir das gute Stück vorgenommen und radikal verändert. Nämlich einen kurzen Schlafanzug draus gemacht. Ja, das habt ihr alle schon nach der Überschrift gewusst, aber ein bisschen Hintergrundwissen muss doch auch mal sein.


Schlechte Fotos weil wegen Fotograf der nur noch im Dunklen zuhause ist, bitte entschuldigen. Ich beschreibe euch noch kurz mein Vorgehen: An der Schlafanzughose habe ich die Beine abgeschnitten und dann aus einem der Beine zwei lange, etwas breitere Streifen zugeschnitten. Die habe ich zu Schrägband gebügelt und benutzt, um den Saum am Bein hübsch zu bekommen. Dabei habe ich sogar Falten gelegt und so. Schon war die Hose fertig. Beim Oberteil bin ich ähnlich verfahren: Ärmel ab, ordentlich umnähen, fertig. Dann habe ich noch alle Knöpfe abgetrennt, einen zusätzlichen am Schildchen gefunden und alle wieder ordentlich festgenäht. Jetzt sollte es geschlossen bleiben, und wenn nicht, ists auch nicht so dramatisch, weil ich ihn erst wieder im Sommer tragen werde.

Ich hätte das Teil bügeln können ... habe ich aber nicht, damit müsst ihr nun leider klarkommen. Ein bisschen mehr Alltagsgefühl hier, okay?
Für ein Teil, dass schon in meiner "Müllkiste" lag, ist doch noch ordentlich was herausgekommen, oder nicht? So wird er mich wohl ein paar weitere Jahre begleiten. 


Verlinkt beim Upcycling-Dienstag




30. Mai 2014

Verlängerung

Hallo ihr Lieben!

Gleich nachdem ich beschlossen hatte, von nun an wieder zu nähen, und zwar mit der mütterlichen, etwas moderneren und darum einfacheren Maschine habe ich ja einiges an Stoff gekauft. Gestern habe ich dann meinen ersten Versuch gewagt, mit nur einer ganz kleinen Ausbesserung. Es geht um diese Hose:






Ich habe sie in Portugal gekauft, damals hingen sie überall, diese Hosen. Es war ziemlich schwer für mich eine mit einer halbwegs akzeptablen Länge zu finden. Bei dieser dachte ich, einen Kompromiss gefunden zu haben, aber nach ein paar mal tragen stand fest: Nö. Ist mir zu kurz. Sieht doof aus, so überm Knöchel schwebend. 
Dann ist mir erstmal nichts mehr eingefallen, erst Monate später: Ich könnte doch unten ein Bündchen drannähen? 
Es hat nochmal ein paar Monate gedauert bis ich endlich welches gekauft hatte. Und dann war es gar nicht so schwer. Ich habe noch nie Bündchen vernäht und war ein bisschen verwirrt anfangs, aber eigentlich ist das gar nicht so schwer. Da das Bein unten echt sehr weit ist, musste ich das Bündchen unglaublich weit ziehen und alles ist sehr krumm geworden. Aber das sieht man nicht, also stört es mich nicht. Und nun das Ergebnis.



Die grauen Socken waren ein sehr kluger Schachzug, aber man sieht es ja trotzdem. Und ich bin ziemlich glücklich mit meiner neuen alten Hose. Es kann nun wieder ausgiebigst und sehr bequem gegammelt werden. Ist das schön.

(Entschuldigt die grausamen Bilder, ich muss mich an die Fotosituation in der Heimat noch ein wenig gewöhnen. :D )