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29. September 2019

Utensilo mit Blumenhäkelei

Hallo ihr Lieben!

Die Sommerpause der #12ausdemStoffregal Challenge von Selmin ist vorbei und ich freue mich ein kleines bisschen doll. Ich mag dieses gemeinsame Nähen zu einem groben Thema sehr, und auch wenn ich kein großes Stoffregal habe finde ich doch sehr oft zumindest einen Reststoff den ich irgendwie passend nutzen kann. 

Auch beim aktuellen Thema ging es mir so. "Back to nature" sollte es für alle Mitnähenden gehen, und sofort bei Ankündigung des Themas musste ich an ein kleines Häkelprojekt denken, dass schon viele Jahre alt ist. Mindestens fünf. Für einen schäbigen Blumentopf hatte ich aus Wollresten kleine Granny Squares gehäkelt und diese dann später zum Ring geschlossen und um den Topf gelegt. Es war aber leider zu groß, rutschte immer runter und irgendwann habe ich es in mein Nähregal gelegt mit dem Gedanken, dass es sich sicherlich verwenden lässt. Irgendwann. 


Jedenfalls kamen mir diese Blumen in rosa und grün sofort in den Kopf. Es wäre doch schon, im Rahmen dieser Challenge endlich eine Verwendung für sie zu finden, die ihrer Schönheit würdig sind. Ich liebe die Farben zusammen und ärgere mich schon lange, dass es nur im Regal rumliegt. Eine Weile wusste ich nicht, was daraus sinnvolles werden könnte. Erst dachte ich an einen Projektbeutel zum Stricken, aber zum Mitnehmen und herumtragen war mir das Gehäkelte zu empfindlich. Da verhakt sich ja schnell mal ein Schlüssel oder ähnliches und zieht Maschen auf oder reißt etwas durch. Ne, das wäre doch schade.


Woher der rettende Geistesblitz dann kam kann ich gar nicht so genau sagen. Utensilo! Schrie es jedenfalls in meinem Kopf, und schon war die Sache klar. Ein kleiner Beutel, um ihn schön irgendwo in die Wohnung zu stellen und etwas darin zu lagern. Was, das weiß ich bis heute auch noch nicht, aber da findet sich schon was. 


Es mussten nur noch passende Kombistoffe her, damit die Blümchen schön zur Geltung kommen wollte ich es außen möglichst schlicht halten. Von meinem Parka war noch ein Stück Dry Oilskin übrig, was wirklich perfekt war. Der hat nämlich ordentlich Stand, sodass ich weder über Verstärkung noch eine Zwischenschicht nachdenken musste. Von der Breite her passte er auch in etwa zu meinen Vorstellungen, auch wenn ich in der Breite zwei Blumen rausschneiden musste. Aber auch die habe ich aufbewahrt, lassen sich bestimmt nett mal irgendwo draufnähen. 


Ich habe es ja nicht so ganz mit der räumlichen Vorstellung. Da ich einen Boden eingenäht habe und es somit auch Seitenteile gibt, ist der Beutel im Verhältnis zur Breite etwas hoch geworden. Stört mich aber nicht, denn dann klappe ich einfach den Rand ein wenig nach außen. 


Auch für das Futter fand sich ein passender Stoff im Restefach. Kakteen in Blumentöpfen, ebenfalls natur und durch das bisschen rosa und grün auch zum restlichen Stoff passend. Ich mag außerdem helle Stoffe in Taschen und Beuteln, dann sieht man immer alles. Perfekt also!


Alles zusammen harmoniert sehr schön, finde ich. Vielleicht packe ich da meine Mützen rein, oder Handschuhe, und stelle den Beutel in den Flur. Oder ich stelle einen Blumentopf rein, dann wäre es ein lustiger Schritt zurück. Vermutlich wird das Utensilo immer mal wieder anderen Zwecken dienen, aber hauptsächlich Freude bereiten. Das reicht doch schon. 


Übrigens habe ich auf einer Seite die Grannys nicht ganz passend aufgenäht, sodass sie an der Seitennaht versetzt aufeinander treffen. Da wollte ich aber nicht wirklich mit dem Nahttrenner hantieren, und es sollte ein schnelles Projekt bleiben. Vermutlich muss ja auch immer ein Teil vom Utensilo an einer Wand stehen, dann wird es eben dieser. Manchmal muss man sich ja auch selbst ein bisschen austricksen. 


Danke, Selmin, dass ich durch die Challenge diese schönen Granny Squares endlich sinnvoll einsetzen konnte. 

Happy sewing, 

Julia

27. Mai 2019

Rest- und kleine Stoffstücke sinnvoll verwerten

Hallo ihr Lieben!

Der Mai hat es ganz schön in sich. Irgendwie rast er vorbei, und ich frage mich, woran das liegt. Zwei Gründe habe ich gefunden: Der Me Made May raubt mir zumindest gedanklich ganz schön viel Zeit, sodass ich auf Bilder machen und Bloggen nur wenig Lust habe. Außerdem hatte ich bis Ende des Monats nur drei freie Tage, sodass ich die wenige Freizeit lieber mit Menschen oder den Hobbies direkt verbracht habe, anstatt darüber zu schreiben. 

So kommt es auch, dass ich für das aktuelle Thema der #12ausdemStoffregal Challenge leider kein fertiges Teil zu zeigen habe. Zugeschnitten ist es schon, aber ich kam einfach nicht zum Nähen. Trotzdem wollte ich etwas zur Challenge beitragen und habe daher mal ein bisschen zusammengesammelt, was ich alles bisher aus einem halben Meter Stoff (oder weniger) genäht habe. So gibt es zumindest ein bisschen Inspiration, denn ich persönlich bin immer sehr stolz, wenn ich auch kleine Stoffe noch sinnvoll verwenden kann. 


Kleidung

Die naheliegensten Dinge zuerst. Während es bei der Oberbekleidung ein bisschen knifflig ist, gibt es bei Unterteilen gleich mehrere Möglichkeiten, auch kleine Stoffe zu ihrem wohlverdienten Platz im Scheinwerferlicht zu führen. Ich nähe liebend gerne Shorts, die lassen sich sowohl im Sommer mit nacktem Bein, als auch im Übergang und Winter mit Strumpfhosen tragen. Es gibt super viele Schnittmuster, für ganz klassische Shorts, oder etwas sportlichere, die wiederum zur Kombination von Stoffen einladen, sodass auch die kleinsten Stücke verwendet werden können. 

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Außerdem bietet auch der Minirock eine einwandfreie Möglichkeit der Stoffresteverwertung. Da kann es sogar mit schmalen Stücken hinhauen, falls keine Taschen benötigt werden. Und wenn ihr nicht wie ich mit 1,80 Metern sowieso jedes Kleidungsstück verlängern müsst, könnt ihr vielleicht sogar einen normalen, etwas ausgestellten Rock aus einem halben Meter nähen. 
Gerade im Fall von kleinen Stoffstücken lohnt es sich auch immer, die Schnittmusterteile herumzuschieben und kreativ zu werden. Wäre eine zusätzliche Mittelnaht schlimm, anstatt das Teil im Bruch zuzuschneiden? Ist der Fadenlauf hier super wichtig, oder eher eine Empfehlung? Da eröffnen sich oft neue Möglichkeiten. 

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Ich hatte ja schon erwähnt, dass es bei der Oberbekleidung schlecht aussieht mit kleinen Stoffstücken. Das einzige, was mir eingefallen ist, sind Trägertops wie das Ogden Cami zum Beispiel. Der Körper wird nicht zusammn mit den Trägern zugeschnitten, sodass es mit einem halben Meter funktioniert. So ein Top wäre auch mein Beitrag für die Challenge gewesen ... 




Aber glaubt nicht, dass es nun nicht möglich ist, Oberteile aus kleinen Stoffstücken zu nähen! Denn ein ganz wichtiger Faktor fehlt bisher: Das Kombinieren von Stoffstücken. Für gemütliche Sweater mache ich das zum Beispiel total gerne, das bricht die große Fläche ein bisschen auf und sieht lässig aus. Geht genau so für Shirts, Longsleeves etc. Wer da (wie ich) nicht so befähigt ist in der Vorstellung ob es aussieht: Umrisse aufmalen, Buntstifte rauskramen und verschiedene Kombinationsmöglichkeiten zeichnen. Da wird mir immer schnell klar, was geht und was nicht.

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Als letzter Punkt der Erwachsenenkleidung bleibt noch die Unterwäsche. Da habe ich selbst noch keine Erfahrung mit, aber aus einem halben Meter lässt sich sicherlich sogar ein schönes Set nähen. 


Andere Möglichkeiten

Abseits von Kleidung stehen einem viele weitere Optionen offen. Habt ihr Kinder oder werdende Eltern im Bekanntenkreis? Babykleidung, eine Patchworkdecke oder Kuscheltiere sind schnell genäht und brauchen nur wenig Stoff. 

Wenn es keine Kinder im Umfeld gibt: Es gibt unzählige Gruppen, die für Sternenkinder und Frühchen nähen. Hier könnt ihr euch entweder aktiv beteiligen und mitnähen, oder die kleinen Stoffstücke spenden, da freuen sich die Ehrenamtlichen auch sehr. 

Kleine Geschenke sind sowieso oft gute Möglichkeiten für Stoffverbrauch. Ein Utensilo, gefüllt mit schönen Dingen, ein Leseknochen, Taschentuchhüllen. Vielleicht ein Kissenbezug?

Der aktuelle "Trend" zu mehr Nachhaltigkeit bietet ebenso super viele Möglichkeiten, kleine Stoffstücke zu verwenden. Macht doch mal Bienenwachstücher selbst! Das Bienenwachs könnt ihr online oder bei einem Imker bekommen, und Baumwollstoffe hat doch jeder noch im Regal. Oder ihr näht kleine Beutel und Säckchen, für Brötchen und Brot, Obst und Gemüse oder den Einkauf im Unverpackt-Laden. 

Und zum Schluss das, womit vermutlich jede/r Zweite seine/ihre Nähkarriere beginnt: Taschen und Täschchen. Endlose Möglichkeiten, auch immer ein gutes Geschenk, viel Platz für Kreativität. 

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Ich hoffe, mein kleiner Überblick hat euch ein bisschen inspiriert oder motiviert. Gibt es noch etwas, das ich vergessen habe? Was näht ihr am liebsten aus kleinen Stoffstücken?
Hoffentlich komme ich bald dazu, mein schon zugeschnittenes Top zu nähen und hier nachzureichen. Wäre doch zu schade drum!


Happy sewing,

Julia











27. Februar 2019

Polygamer Pullover

Hallo ihr Lieben,

schön, dass ihr hergefunden habt. 


Das zweite Motto der #12ausdemStoffregal Challenge von Selmin aka Tweed and Greet lautet "Zwei, wie für einander gemacht". Ähm. Na gut, schon auf den ersten Blick ist klar, dass mein Pullover da eigentlich nicht reinpasst. Eigentlich! Denn ich habe ihn schon vor zwei Wochen genäht und damit mehr als genug Zeit gehabt, meine Argumente zu sammeln. Seid ihr bereit?


Also. Meine Auswahl, was Projekte angeht die Stoffe aus dem Regal nutzen, ist ja wirklich eher begrenzt. Ich habe einfach nicht so viele Stoffe und muss arg kreativ werden, um ein Kleidungsstück zu kreieren und die ursprüngliche Bedingung der Challenge zu erfüllen: Lang gehegten Stoffschätzen eine Bestimmung zuzufügen. Denn die meisten Stoffe sind erst seit kurzem bei mir, schon verplant und quasi im Kopf vernäht. Es gibt, davon abgesehen, nur Reststücke die ohne konkreten Plan hier wohnen dürfen. 
Zwei, wie füreinander gemacht, das zielt ja (passend im Februar) auch irgendwie auf eine Beziehung ab. Aber wer sagt, dass das nur mit zweien funktioniert? Manchmal ist ein dritter Part nötig, damit es perfekt wird. Oder die Beziehung ist fortgeschritten und hat Nachwuchs produziert. Ja, wir werden etwas abwegig, aber: Ihr seht, worauf ich hinauswill. 
Und, zu guter letzt: In meinem Kopf war der Pullover schon fertig, und zwar aus nur zwei Stoffen. Blau als Hauptfarbe, mit einem grauen Streifen quer über die Brust, rundherum, auch an den Ärmeln. Das Auflegen der Schnittteile auf die Stoffreste konfrontierte mich dann mit der Realität: Nicht möglich. Und da kam der dritte Part ins Spiel, für meine Ménage à trois.


Zum Glück fand sich ein weiteres Überbleibsel aus Sweat in meinem kleinen feinen Reste Bestand, und mit ordentlich basteln und rechnen passte es alles so gerade zusammen. Aber gehen wir ruhig ein bisschen ins Detail (viel kann ich sonst nämlich nicht erzählen zum Pullover). 


Nur vom blauen Stoff weiß ich noch das Ursprungs-Projekt: Ein Pullover für meinen Papa, den ich euch noch vorstellen muss. Also, den Pullover. Papa kennt ihr schon. Die anderen Stücke sind aber vermutlich ebenfalls von Pullover übrig gelieben. 
Das verwendete Schnittmuster ist Bloom aus der La Maison Victor 2/17, den habe ich zuvor schon mal aus Resten, ebenfalls für eine Challenge von Selmin, und einmal ganz in Bordeaux genäht. Fun fact: Der Pullover wird eigentlich mit dekorativen seitlichen Reißverschlüssen genäht, ist aber von den meisten ohne umgesetzt worden. 
Um diese Teilung zu produzieren habe ich alle Schnitteile bis auf die Bündchen nochmal aus Folie abgepaust, dann lange herumgemessen und schließlich so auseinander geschnitten, wie meine Stoffstücke es hergaben. Von blau war am meisten übrig, also habe ich dort auch den größten Block genommen. Das helle grau war ebenfalls recht viel und vor allem breit, kam also oben an Körper und Ärmel. Ein wenig habe ich noch darauf geachtet, wo die Teilungen liegen, denn eine Naht direkt auf der Brust sieht meistens komisch aus. Um alles so hinzubekommen wie ich wollte, musste ich teilweise den Fadenlauf ein bisschen ignorieren ... bisher scheint das aber noch keinen Nachteil zu haben. 


Wie zuvor auch habe ich Größe 40 zugeschnitten, in diesem Fall aber um 4cm nach unten verlängert, weil der zuletzt genähte Pullover mir doch etwas kurz war. Bei Bewegung wie Arme hoch rutscht ja gerne alles nach oben, das wollte ich ein wenig in Grenzen halten. 
Für die Bündchen musste ich dann nochmal kreativ werden. Im genau passenden Farbton war noch genug für den Saum übrig, aber nicht mehr für die Ärmel. Hier habe ich also absichtlich (!) im schrägen Fadenlauf aus dem Sweat Bündchen zugeschnitten, denn der Sweat ist ohne Elasthan und damit nicht wirklich dehnbar. Mit diagonalem Fadenlauf entsteht zumindest ein bisschen Flexibilität. 
Für das Halsbündchen habe ich dann ein dunkelgraues Bündchen gewählt, dass dem mittleren Streifen recht nahe kommt. Sah besser aus als hellgrau, fand ich. Und gefällt mir am fertigen Stück bisher auch recht gut. 


Sowieso: Dieser Pullover ist so bequem und gemütlich, ich habe ihn bisher oft und gerne getragen. Auch, wenn ich meine Ursprungsidee mit nur einem Streifen nicht umsetzen konnte, bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und noch zufriedener, drei weitere Stoffreste aus meinem Regal umfunktioniert zu haben. 


In meinem letzten Beitrag zur Challenge kündigte ich noch großspurig an, dass ich versuchen wollte je Motto ein Teil aus Resten, eines für mich und eine Änderungsarbeit zu nähen. Wer nun tadeln will, Obacht! Denn eigentlich kombiniert der Pullover gleich zwei dieser Absichten (Reste und für mich) und ist damit nochmal auf andere Weise passend zum Motto. Und auch geändert habe ich, bin aber noch nicht so zufrieden, dass ich es herzeigen mag. Vielleicht fällt mir noch eine weitere Verbesserung ein, damit ich das Projekt auch gerne trage. 


Für den heutigen Beitrag hat netterweise der Herzmann mal wieder die Bilder geschossen. Das ist ja doch einfacher, als mit Stativ und Co loszuzockeln, und auch spontaner möglich. Ganz kreativ war er zudem auch: Kletter doch mal in den Baum da! Und macht dann ein Foto, als ich wieder rauskletter ...


So. Abgang. Ich schaue mal, was andere für perfect matches gefunden haben. Dazu ist die Facebookgruppe auch super!

PS: Ha, mir ist noch ein Grund für "wie für einander gemacht" eingefallen! Der Pullover passt perfekt zu Selmin: Sie liebt blau und Streifen! Haha!


Happy sewing, 

Julia

27. Januar 2019

Drei Projekte für #12ausdemStoffregal

Hallo ihr Lieben!

Das neue Jahr fing für mich nähtechnisch sehr ruhig an. Eine wirkliche Motivation wollte nicht aufkommen, nachdem ich für Weihnachten viele große Geschenke genäht hatte. Mein Schrank ist gut gefüllt und mit Jahresbeginn habe ich auch meinen Feed bei IG ausgemistet: Kaum noch Marken oder große Namen, die mir Schnitte und Stoffe andauernd unter die Nase reiben. So fehlt der Überfluss an Inspiration und ich komme ein bisschen zur Ruhe. 



Super passend dazu kam dann Selmin mit ihrer #12ausdemStoffregal Challenge um die Ecke. Einen Monat lang soll es um unterschiedliche Themen gehen, die alle darauf abzielen, dass wir uns mit unserem Stoffvorrat ein wenig auseinandersetzen. Dabei muss nicht zwangsläufig genäht werden, vielleicht nur geplant, organisiert oder weitergegeben. Ich habe für mich beschlossen, diese Challenge so weit es geht auszunutzen. Wer mich kennt, stutzt jetzt vermutlich: Was willst du denn aus deinem minimalen Stoffregal nehmen? Recht habt ihr! Aber wie so oft, alles ist Interpretationssache. Ich möchte mir das Motto des jeweiligen Monats vornehmen und am liebsten auf dreierlei Wegen bearbeiten: Ein neues Projekt, Resteverwertung, Änderungsstück.


Vielleicht sollte ich das näher erläutern?
Mein Schrank ist an und für sich ganz gut gefüllt. Ein paar Teile könnte ich noch gebrauchen, und vielleicht geben in diesem Jahr andere den Geist auf und Ersatz wird nötig. Aber trotzdem ist Hauptziel meines Nähjahres: Entschleunigung. In dem Tempo wie bisher sollte ich nicht weiternähen, sonst ersticke ich in Kram. Dafür gibt es einen kleinen Stapel an Sachen, bei denen ich kleine Änderungen vornehmen muss damit sie wieder zu Lieblingsteilen werden können. Denn einfach spenden bringe ich bei selbst genähten Sachen nicht immer übers Herz, wenn ich sie kaum getragen habe. Und Käufer gibt es dafür leider kaum. Ganz zu Beginn der Challenge habe ich außerdem meine beiden Reste-Regalfächer neu geordnet und bin nun inspiriert, auch hier ein paar kleine Sachen zu nähen.


Kommen wir doch direkt zur Umsetzung! Für den Januar war das Monatsthema "Struktur". Toll, da ist mir sofort eine Menge zu eingefallen. Und selbst wenn ich keine Idee gehabt hätte, hätten mir die zahlreichen Projekte, die in der Facebook Gruppe geteilt wurden, inspiriert.  Angefangen habe ich mit einem Rest Kunstleder, das mich sowieso schon länger störte. Es nimmt einfach viel Platz weg, und die Anwendungen für Kunstleder sind ja doch eher gering: Taschen. Oder Taschen. Zumindest bei so einem kleinen Stück. Ich habe mir deshalb das Gratis Schnittmuster Geo-Bag von Pattydoo heruntergeladen, das sah als Pluspunkt auch noch ziemlich interessant aus in der Konstruktion.


Das einzige Schnittteil ist ziemlich spannend und auf den ersten Blick würde keiner glauben, dass daraus eine Tasche wird. Weil mein Reststück nicht so groß war, musste ich eine Naht auf der Unterseite hinzufügen, da ich das Schnittteil nicht im Bruch zuschneiden konnte. Das stört aber überhaupt nicht. Für das Futter habe ich ebenfalls mein Resteregal erleichtert und ein altes Tuch, ich glaube noch von meiner Oma, angeschnitten. Es handelt sich, soweit ich weiß, um ein Seidenmalerei-Tuch, sowas hat meine Mama auch mal gemacht. Sehr spannende Technik, ich durfte selbst mal ein wenig herumprobieren. Jedenfalls erinnert mich das Tuch daran, ob meine Oma das selbst gestaltet hat oder meine Mama für sie weiß ich nicht, aber das lässt sich ja recherchieren. Wenn man es genau nimmt, herrscht nun also auch in der Tasche Struktur, denn ähnlich wie bei Window Color werden die Umrisse der Formen mit einer besonderen Farbe aufgetragen, die sich haptisch etwas vom Rest abhebt. Die Kombination der Stoffe gefällt mir total gut. Und richtig glücklich war ich ja über meine Reißverschluss-Manipulation, denn auch der kommt aus meinem Vorrat, herausgetrennt aus einem alten Mantel. Für die Tasche wird eigentlich endlos Reißverschluss benötigt, auf den man die Schieber etwas anders aufzieht, sodass sie sich im geschlossenen Zustand in der Mitte treffen können. Das ging bei meinem zwei Wege Mantelverschluss ja nicht so gut, da hätten beide Schieber am Ende rumgegammelt. Ich dachte mir dann, ein bisschen Mut schadet nicht, habe die Stopper an einem Ende abgeschnitten und beide Schieber runtergezogen. Dann habe ich ein Reißverschlussband gekürzt und die Schieber so wieder aufgezogen, wie ich es wollte. Hat geklappt! Da war ich selbst ein bisschen erstaunt, wie einfach das war, aber so sieht es schon auch klasse aus. Wofür ich die Tasche nutze weiß ich selbst noch nicht, vermutlich als Projektbeutel für Socken und ähnliche, kleine Projekte. Denn schick ist sie und praktisch auch, da gibt es keine Flecken, kann man auch super mal auf einem feuchten oder dreckigem Untergrund abstellen. 



Also Punkt 1 Resteverwertung hat erfolgreich geklappt. Gehen wir weiter zu den nächsten beiden: Was neues und was geändertes. Hat was von diesem Braut-Spruch, oder? 
Geändert habe ich meine Lupin Jacke von Deer and Doe. Seitdem ich sie genäht hatte (was immerhin fast zwei Jahre her ist), habe ich sie genau einmal getragen. Ich habe mich darin einfach nicht wohl gefühlt. Konnte nicht mal fest machen, woran das lag. Zu zwei Flohmärkten hatte ich sie dabei, aber auch dort fand sich niemand, der sie adoptieren wollte. Also muss sie bei mir bleiben! Irgendwann packte mich die Lust, dieses Stück anzugehen, und ich habe mir nochmal den Hashtag zu diesem Schnittmuster auf Instagram angeschaut. Super Inspirationsquelle übrigens! Jedenfalls wurde mir dann recht zügig klar, dass mir die Armabschlüsse quer liegen. Irgendwie ist da zu viel los, nicht meins. Und weil ich nicht zögere, wenn es eine Chance gibt ein ungeliebtes Teil wieder tragbar zu machen, habe ich kurzerhand meine Schere geholt und die Ärmel auf 3/4 Länge gekürzt. Einmal so übergezogen, noch ohne neue Abschlüsse, und direkt gemerkt: Das ist es. So finde ich sie schön, trage ich sie gerne. Das Futter habe ich noch ein bisschen mehr gekürzt, damit sich der Außenstoff etwas nach innen zieht und das Futter nicht rauslugt, dann die beiden offenen Kanten neu verstürzt und einmal abgesteppt. Und schon ist sie fertig, meine neue, tolle Jacke. Ich trage sie super gerne zu Anlässen wie Geburtstagen, über ein Shirt und zu Jeans zum Beispiel, aber auch im Sommer wird sie sicher toll sein zu Kleidern. Ich freue mich so, dass diese Veränderung geklappt hat!


Und zuletzt mein neues Projekt, ebenfalls mit drauf auf den Bildern. Eine weitere Shorts habe ich mir genäht, denn meine neu entfachte Shorts Liebe aus dem letzten Jahr braucht Futter. Dafür auserkoren habe ich mir einen Stoffrest, den ich auf der Annäherung Süd mitgenommen hatte. Genau die richtige Menge für eine Shorts war es, und auch beim Schnitt war ich mir schnell sicher: Die Port Trousers in der Shorts Version habe ich schon einmal genäht, aber hier noch nicht gezeigt, trage sie gerne, hauptsächlich wie hier: Über einer Strumpfhose. Angezogen und doch bequem ist der Look, wie ich finde. 


Ein bisschen lugt der grüne Futterstoff hervor, den ich für den Reißverschlussdings benutzt habe, aber irgendwie mag ich das. Knopf und Reißverschluss sind aus dem Fundus, somit habe ich für alle hier gezeigten Projekte nichts neues gekauft. Toll, oder? 


Vielleicht braucht ihr noch ein paar Infos zur Shorts: Genäht habe ich Größe 42 mit zweimal 1cm Zusatzlänge (1x im Schritt, 1x am Saum). Den Saum habe ich zweimal breit nach innen umgeklappt. Außerdem musste ich vorne die Schrittnaht etwas abändern, quasi von unter dem Reißverschluss bis zum Saum etwas abgeflacht, damit es keine komischen Falten gibt. 
Den Bund der Hose habe ich doppelt verstärkt, also jedes Bundteil einmal. So sitzt die ziemlich gut und leiert über den Tag auch nicht aus. 
Ansonsten gibt es zur Hose eigentlich nicht viel zu berichten. Die Vorder- und Hintertaschen werden nur aufgesteppt, das geht zügig und ist einfach. Gürtelschlaufen gibt es auch, obwohl ich wohl kaum einen Gürtel darin tragen werde. Das Schnittteil zu den Schlaufen habe ich übrigens etwas verschmälert, ich mag breite Schlaufen nicht so gerne.



Das waren sie, meine drei Projekte zum Thema "Struktur". Ich bin super zufrieden mit allen dreien und freue mich, bisher durchzuhalten was meinen Vorsatz von Entschleunigung angeht. Um trotzdem nähen zu können rattert die Nähmaschine aktuell ein paar Frühchenstrampler herunter, denn Stoffspenden habe ich mehr als genug und die brauchen die Sachen dringender als ich neue Klamotten. 

Ich bin total gespannt, welches Thema uns Selmin am 1. Februar vorstellt und hoffe sehr, auch dazu wieder Dinge zu finden, die ich abändern oder aus Resten nähen kann. 

Happy sewing!

Julia