29. März 2020

Stricken ist Therapie

Hallo ihr Lieben,

noch sind es vier Wochen bis zum Umzug. Das, zusammen mit der unglaublich angespannten Situation weltweit, sorgt gerade für eine Menge Chaos. Im Kopf, im Leben. Wie regelmäßig ich in den nächsten Wochen bloggen werde, weiß ich noch nicht. Denn bis zum D-Date in vier Wochen ist noch einiges zu tun, und auch danach ... aber wir werden sehen, bisher habe ich es ja immer geschafft irgendwo ein bisschen Zeit frei zu schaufeln. 
Da bin ich ja auch ein bisschen rigoros. Zeit für meine Hobbies nehme ich mir immer, egal, wie stressig es ist. Das ist dann vielleicht kein ganzer Abend an der Nähmaschine, aber wenigstens eine halbe Stunde stricken brauche ich gerade in trubeligen Zeiten. Ich bin mir sehr sicher, dass mich das vor dem Durchdrehen bewahrt. Und dann bleibt halt der Haushalt liegen, oder es wird ein bisschen später gegessen. Sich um seine eigenen Bedürfnisse zu kümmern ist leider immer noch etwas, das man besser nicht ganz eigennützig erledigt. 

So, wie schlage ich denn nun den Bogen zu diesen konkreten Projekten, die ich euch zeigen möchte? Ich werfe einfach mal ein paar Bilder in die Runde. 


Wollen wir doch mal ein wenig aufdröseln, was am Handarbeiten so für positive Eigenschaften dran hängen. Neben dem sowieso schonmal tollen Gefühl, etwas erschaffen zu haben, ob aus Wolle, Stoff, Holz oder sonst welchen Materialien, ist auch die Bewegung der Hände, das rhythmische beim Stricken zum Beispiel, sehr beruhigend. Das ist tatsächlich nachgewiesen! Nur, falls mal wieder jemand das Stricken schlecht redet ... 
Manchmal kann die Handarbeit auch super ablenken, wenn es zum Beispiel ein kniffliges Projekt ist. Wie dieser Pullover hier, der hat mich gleich zweifach herausgefordert. Von der Designerin gab es nämlich nur ein paar spärliche Notizen mit der Bitte, ihre Idee mal auszuprobieren. Das mache ich ja gerne, wir kennen uns gut und ich verstehe meistens, wo es hingehen soll. Trotzdem war das Pullöverchen hier eine spannende Konstruktion. Bisher gibt es leider noch keine Anleitung, trotz meines sich wiederholenden Quengelns. 


Zweite Herausforderung: Das Garn. Rosa Farbverlauf, zwei Knäul waren es. Hatte ich vom Aussortierten Stash von Sophia übernommen, die weiß schon, dass ich eine kleine Vorliebe für Reste und übrig gebliebene Knäule habe. Nach dem Anstrick manifestierte sich dann aber sofort eine Assoziation, die dem Pullover zu seinem Namen verholfen hat: Leberwurst. Das Knäul sah wirklich schrecklich aus, verstrickt ist es zum Glück deutlich besser. Aber jedes Mal, wenn ich mir das Knäul ansah, musste ich an diesen (von mir verhassten) Brotaufstrich denken. Und natürlich reichte das Garn nicht und ich musste einen anderen Rest dazu kombinieren. Das ist ein Auf und Ab der Gefühle: Erst die Spannung, ob es reicht, immer schneller stricken, dann die Feststellung, dass es definitiv nicht ausreichen wird, leichte Enttäuschung, Frust. Neugier, ob noch was passendes bei den eigenen Resten ist, Freude, wenn dem so ist und Erleichterung, wenn am Ende alles gut wird. 


Für mich ist einer der größten Vorteile des Handarbeitens aber, dass ich dadurch individuelle, persönliche Geschenke machen kann. Schon immer schenke ich unglaublich gerne, für mich ist das zum Beispiel an Weihnachten das allerbeste. Und dann noch etwas selbst zu machen, das ist doch der ultimative Kick! Für meine liebe Strickfreundin Saskia habe ich daher ein kleines Set zusammen gestellt, aus (mal wieder) Restgarn von Sophia hergestellt. Eine Mütze mit Lace Muster ist es geworden, und passende kleine Söckchen. Das war quasi eine Kooperation unseres kleinen Dreier-Stricktreffs: Sophia hat das Garn geliefert, ich habe es verarbeitet und Saskia hat sich um den Träger gekümmert :)


Ich sagte ja schon, dass ich gerne Schenke: Deshalb ist noch eine ganz einfache Pumphose aus Reststoffen entstanden, sowie ein weiteres Paar Babysocken, denn ein paar Wochen zuvor hatte Saskia mir ihre Sockenwollreste überlassen. Und wenn da nicht der Gedanke naheliegt, passende Babysocken zu ihren zu stricken, dann weiß ich auch nicht. Das Oberteil oben rechts in der Ecke hatte ich vor Ewigkeiten schonmal hier vorgestellt. 


Noch ein positiver Aspekt des Handarbeitens: Die Community. Leute, das ist der Wahnsinn. Gerade über die sozialen Medien entsteht da ein Zusammenhalt, der unglaublich ist. Jetzt, in diesen verrückten Zeiten, entstehen überall virtuelle Näh- und Stricktreffs, wie fantastisch ist das denn! Noch dazu sind die alle, durch die Bank, unglaublich nett. Ihr könnt euch sicher sein, wenn ihr euch mit einer Frage an die Community wendet, bekommt ihr einen Haufen Antworten. 
Oder, noch besser: Wenn euch das Garn ausgeht, dann kommen direkt liebe Leute und senden einem ihre Reste zu. So geschehen mit diesem Pullover, den ich aus Resten von Lamana Puno gestrickt habe. Selbe, nicht veröffentlichte Anleitung wie beim ersten Pullover, übrigens. Die Reste kommen von Christiane, die damit nichts mehr anzufangen wusste. Es wollte aber leider nicht reichen, und dieses Mal hatte ich auch nichts passendes zuhause. Auf Instagram nachgefragt, und innerhalb von ein paar Stunden gleich zwei Angebote bekommen. Lina hat mir dann ein Restchen vom selben Garn geschickt und ich konnte den Pullover vollenden (okay, die Fäden sind noch nicht vernäht, aber hey ...).


Solche Dinge machen mich sehr glücklich. Ich werde ja ganz euphorisch hier, alleine schon beim Tippen! 

Was sind für euch die positiven Aspekte vom Handarbeiten? Erzählt doch mal!


Happy creating, 

Julia

11. März 2020

Projekttaschen mit Sichtfenster

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich ein (oder vier?) Projekt dabei, das glaube ich für euch gar nicht mal so super interessant zum verfolgen ist. Es gibt kein Schnittmuster, auf das ich verweise, die Materialien waren auch alle schon vorhanden. Dafür regt es die Kreativität an, schätze ich, und kann euch als Inspiration dienen. Und das ist doch auch eine feine Sache, oder?

Wie so oft, brauche ich ein bisschen Vorlaufzeit um euch den Zusammenhang zu erklären. Das Stricken habe ich ja von meiner Mama gelernt, und wenn möglich, stricken wir auch sehr gerne zusammen. Zwei Freundinnen von ihr stricken ebenfalls gerne, und weil ich bald wieder in meinen Heimatort ziehe, kam schnell der Gedanke auf, dass wir zu viert einen kleinen Stricktreff auf die Beine stellen könnten. So weit, so gut. 

Besagte Freundinnen waren mit meiner Mutter im letzten Jahr auch auf einer Handarbeitsmesse. Von dort bekam ich dann ein Bild von einer Projekttasche, die mit einer Art Sichtfenster ausgestattet war, man konnte also reinschauen. Alle drei fanden dies wohl ziemlich gut, und Mama fragte, ob ich sowas wohl mal irgendwann nähen könnte. Das habe ich bestätigt. 

Dann haben wir vom Wohlfühlstricktreff (schönster Name, oder?) beschlossen, uns schon vor meinem Umzug regelmäßig zu treffen. Und mit dem ersten Termin stand dann natürlich auch meine persönliche Deadline für die Projekttaschen fertig; ich meine, die Vorstellung, dass wir dort alle mit einer Tasche sitzen die uns ganz klar als Mitglieder eines tollen Clubs auszeichnet ... ihr versteht, dass ich das unbedingt wollte?


Ich habe mir also Gedanken gemacht. Gemessen und gemalt, wie es aussehen könnte und welche Proportionen mir gefallen, was mir wichtig ist. Ich mag Kordelzug lieber als Reißverschluss, ich mag eine kleine Innentasche, ich mag es außen Schlicht, ich mag zusätzliche Henkel. Die anderen drei mussten das dann einfach auch so mögen, es sollte ja eine Überraschung sein, also wollte ich nicht nachfragen. 
Beim Material habe ich ein wenig herumgesucht. Für den Außenstoff kamen ein paar Reste aus meinem Regal in Frage. Eigentlich wollte ich erst vier verschiedene machen, mit gleichem Futter, aber dafür reichte es nicht, und so sind sie alle gleich geworden was den Außenstoff angeht. Das geblümte rechts im Bild ist ein alter Bademantel von mir, den ich doch nicht so gerne anziehe. Die größte Herausforderung war dann das Sichtfenster. Ich wollte ungerne losziehen und Plastik einkaufen, wo ich doch eigentlich aktiv versuche, dieses Material so wenig wie möglich zu konsumieren. Recht schnell kam mir dann der Gedanke, dass doch Bettwäsche oä oft in so "Taschen" eingepackt sind deren Material sich dafür eignen könnte. Kurz bei Mama nachgefragt, ja, da war noch sowas vorhanden von Auflagen für die Gartenliegen. Perfekt. 

Unten links im Bild seht ihr meinen kleinen Prototypen. Denn das Plastik ist ja einlagig, während ich die Tasche schon gefüttert haben wollte. Deshalb musste ich ein wenig schauen, in welcher Reihenfolge da was genäht und abgesteppt wird. Leider hat der Prototyp nicht ganz ausgereicht, aber dazu später.


Ich habe mir dann die einzelnen Maße für die rechteckigen Schnittteile notiert, alles vier Mal zugeschnitten und vier kleine Stapel gebastelt. Im Endeffekt ging es so auf, dass alle Taschen den gleichen Außenstoff und die gleichen Henkel haben, zwei geblümt gefüttert sind und eine Innentasche aus dem Außenstoff haben und zwei mit dem Außenstoff gefüttert sind und eine geblümte Tasche haben. 


Mein Projekttaschen sollten dann ein kleines und doch sehr wichtiges Detail haben, was ich beim Prototypen nicht bedacht hatte: Einen Boden. Damit ging mein vorheriger Plan leider nicht auf, und es gibt nun doch eine sichtbare Nahtzugabe am Boden der Projekttasche. Ich kann euch nicht erklären, wo das Problem lag, das ist dieser Moment zwischen dem Wenden, wo alles herauskommen könnte. Jedenfalls war es mir nicht anders möglich, wobei ich gut mit einer Nahtzugabe am Boden der Tasche leben kann. Und den anderen ist es nicht aufgefallen, also ... 


Natürlich sind auch alle vier Taschen mit meinem Logo ausgestattet. Sie sind jetzt nicht super stabil, stehen nicht von alleine, dafür ist der Stoff zu dünn. Dafür sind sie groß, da passt locker ein dicker Strickpullover rein, und schön sind sie, also, das muss ich mir schon selbst eingestehen. 


Die drei anderen Wohlfühlstricktreff-Mitglieder waren hellauf begeistert, so sehr, dass es mir schon fast wieder unangenehm war. Ich bin ja nicht so gerne im Mittelpunkt, generell ... aber natürlich habe ich mich sehr gefreut über ihre Freude und das Lob. Bisher haben sie die Taschen auch jedes Mal dabei gehabt, hoffentlich nicht aus Pflichtgefühl, hihi. 


Ich nutze sie auch sehr gerne, das reinschauen können ist ein nettes Feature, was ich nicht unbedingt brauche, aber mal was anderes ist. Mir gefällt vor allem die Farbkombination und die Henkel, sowas haben meine anderen Projekttaschen nicht, und ich habe mir ja doch schon so einige genäht. Die sind aber alle schon in einem Karton verpackt ... Nur diese hier ist noch in Benutzung. 

Genäht habe ich sie übrigens schon im Oktober ... eigentlich wollte ich die ganze Zeit Bilder im mit Wolle gefüllten Zustand machen, aber dazu kam es bisher nicht, also Schluss mit warten.

Habt ihr auch schonmal Beutel für eure Strickprojekte genäht oder reichen euch die guten alten Jutebeutel? Oder strickt ihr nur zuhause und habt einen Korb? Erzählt doch mal. 


Happy sewing, 

Julia

6. März 2020

Flickenfreitag im März - Wollsocken flicken

Hallo ihr Lieben,

mein letzter Beitrag zum Flickenfreitag kam bei euch ziemlich gut an. Einige schrieben, dass sie es traurig finden, dass der Flickenfreitag nur auf Instagram stattfindet; sie gerne mit ihrem Blog daran teilnehmen würden. Das hat mich zum Nachdenken angeregt, und ich habe auf Instagram mal nachgefragt, wie die dortigen Teilnehmer es so sehen. Einige gaben an, dass sie mit ihrem Instagram-Beitrag nicht an einer Linkparty teilnehmen würden, dass sie für ein gestopftes Loch keinen extra Blogpost schreiben würden und andere Gründe, die ich absolut nachvollziehen kann. Andere wiederum überlegten, extra für eine solche Aktion ihren Blog wieder zu entstauben und hallo, das lasse ich mir doch nicht zweimal sagen!

Deshalb gibt es nun folgende Vereinbarung (mit mir selbst): Immer am ersten Freitag im Monat werde ich hier auf dem Blog einen Beitrag zum Flickenfreitag veröffentlichen, wenn es mir möglich ist auch mit einer kleinen Anleitung zu meinem eigenen Flickwerk, sodass ihr vielleicht noch einen Mehrwert habt. Mit in dem Beitrag wird eine Linkparty vorhanden sein, die den ganzen Monat offen ist. Alle anderen Flickenfreitage finden auf Instagram statt, ihr könnt aber eure Beiträge trotzdem im Monats-Blogpost verlinken. Ist das verständlich? Ich werde das Ganze mal ein paar Wochen laufen lassen und schauen, wie es angenommen wird. Falls ihr noch andere Ideen oder Vorschläge habt, bin ich da ganz offen für!

Wollen wir also starten? Ich habe heute eine Wollsocke mit Loch für euch. Das ist ja immer wieder ein Erlebnis, wenn ich auf meinen Socken laufe und plötzlich merke, dass es so kühl ist an einer Stelle. Dann weiß ich meistens schon, dass da wieder was zu flicken ist. Ist auch immer die selbe Stelle, am Fußballen ... 


 Ich habe meinen Flick-Prozess fotografisch festgehalten, möchte aber auf gar keinen Fall so tun, als wisse ich, was ich da mache. Ich habe das von niemandem gelernt, weder Oma noch in einem Kurs, sondern mache einfach, was mir so einfällt. Es soll also eher ein "How I do it" als ein "How to do it" sein, wenn ihr versteht.
Zum Socken flicken benötigt ihr die Socke mit dem Loch, Sockenwolle, eine Schere, Nadeln in der gleichen Stärke in der ihr die Socken gestrickt habt, oder auch eine kleiner, eine Vernähnadel.


Schaut euch das Loch genau an. Bei mir ist es durchgescheuert, auch etwas aufklaffend. Wenn ihr euch konzentriert, könnt ihr die einzelnen Maschenglieder erkennen, die wie kleine "V" aussehen. An denen orientiere ich mich immer.


Lasst unter dem Loch mindestens eine noch stabil aussehende Reihe Platz und nehmt dann darunter Maschen auf. An beiden Seiten ebenfalls großzügig in den noch nicht abgenutzten Teil der Socke gehen, sonst kommt ihr im Verlauf des Lochs an die dünnen Stellen und nichts hält. Ich nehme immer nur das rechte Maschenglied auf die Nadel. 


Dann kann auch schon gestrickt werden. Weil es eh nicht unsichtbar wird, mache ich mir auch keine Mühe farblich passendes Garn zu finden sondern nehme, was gerade da ist. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Ihr strickt hoch, bis der Flicken groß genug ist und näht die Seitenkanten später mit dem Anfangs- und Endfaden fest. Oder, ihr nehmt in jeder Reihe eine Masche aus dem Socken mit auf und strickt eure Randmasche damit zusammen. Das ist weder fotografisch noch schriftlich erklärbar, aber wenn ihr euch auf meinem Instagram-Profil mal dieses Highlight anschaut, könnt ihr es vielleicht erahnen, da habe ich gefilmt wie ich es mache.


Dann bleiben am Ende nämlich nur die letzten Maschen auf der Nadel, die dann an die Socke genäht werden müssen. Fertig!
Es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten, Socken zu flicken oder zu stopfen. Diese Art erzeugt natürlich durch ihre Kanten eine spürbare Stelle, was einige vielleicht stören könnte oder an manchen Stellen unangenehm drückt oder scheuert. Für mich hat es aber bisher immer super funktioniert, und es sieht schön aus. In diesem Fall nicht ganz so, weil ich etwas schief geworden bin, wie ihr unten sehen könnt. Aber darum geht es beim Flicken auch einfach nicht. Klar, wenn das richtig gut gemacht ist und quasi unsichtbar, ist es ein extra Pluspunkt. Aber der hauptsächliche Faktor ist doch, dass da kein Loch mehr ist, das ein Kleidungsstück wieder brauchbar ist, nicht in den Müll wandert und man vielleicht auch noch seine Fähigkeiten verbessert hat.


Traut euch, unperfekt zu sein. Es ist richtig schön entspannt.

So, und nun bin ich sehr gespannt, wer alles dabei ist. Ich freue mich über jeden Beitrag, ob von Instagram oder mit Blogpost, Facebook oder was auch immer es noch gibt. Hauptsache, wir können hier sammeln, was repariert wurde.

Happy mending, 

Julia




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4. März 2020

Gemütliches Strickkleid nähen

Hallo ihr Lieben,

am heutigen Me Made Mittwoch im März (war nicht gestern erst Silvester?) habe ich ein super gemütliches und somit bequemes Strickkleid im Gepäck bzw. an mir.


Den gestreiften Strickstoff habe ich letztes Jahr im März bei 1000 Stoff gekauft, einfach weil er so weich aussah und ich sowohl grau an sich als auch Streifen sehr mag. Eigentlich war damals mein Plan, noch schnell einen Sweater aus dem Stoff zu nähen, aber dann wurde es doch recht flott wärmer und der Stoff blieb den Sommer über liegen. Im Herbst fehlte dann die Inspiration, was ich aus dem Stoff nähen könnte, bzw welcher Schnitt es werden sollte, und so lag er dann wieder eine Weile. 


Im Dezember machte es dann endlich klick: Ein Strickkleid, das wäre doch famos. So könnte ich viel aus dem Stoff rausholen, gemütliche Kleider für den Winter sind im Schrank sowieso kaum vorhanden, langärmlig schon gar nicht. Perfekt! Fehlte nur noch der Schnitt. Ich habe eine Weile im Netz gesucht und bin dann doch da gelandet, wo ich so oft lande: Pattern Hack. Mein geliebter Schnitt für den Sweater Bloom aus der LMV habe ich schon öfter mal vernäht: Als schlichten roten Pullover, mit andersfarbigen Ärmeln, in einer Color Block Version, zuletzt mit Säumen aus einem alten Hemd und tatsächlich auch schon mal als Kleid, allerdings mit kurzen Ärmeln und aus Sweat. Ich würde mal sagen, den Schnitt kenne ich mittlerweile recht gut. Also habe ich ihn auch hier wieder herangezogen.


Mein Strickkleid sollte auf jeden Fall keine Bündchen bekommen, ich habe also die Ärmel etwas verlängert. Außerdem wollte ich es locker sitzend und mit nicht ganz so hohem Ausschnitt, deshalb habe ich den Bruch vom Vorder- und Rückenteil jeweilt 2cm vom Stoffbruch weggelegt. So gibt es ein wenig mehr Weite. Nach unten hin habe ich das Kleid leicht ausgestellt, aber nur minimal. Die Länge war ganz einfach dadurch bestimmt, was der Stoff hergab (1,3m waren es), aber ich finde sie tatsächlich perfekt. 


Im Rückenteil gibt es eine Naht, ihr könnt sie erahnen. Da war der Stoff einfach zu knapp um beide Teile im Bruch anzulegen. 


Die Ärmelsäume und den vom Rock habe ich einfach versäubert, umgebügelt und mit der Zwillingsnadel festgesteppt. Ein bisschen krumm und schieft ist es geworden, aber zum Glück bin ich meistens die einzige, die so nah an die Nähte kommt und diese auch noch kritisch betrachtet. 


Den Halsausschnitt wollte ich etwas stabilisieren, also habe ich diesen mit einem Streifen Schrägband aus Viskose versäubert. Die lag hier noch, war weiß, passte also farblich gut und ist schön dünn, sodass der Ausschnitt nicht plötzlich wulstig wird. 


Und mit ein bisschen Stückeln und puzzlen habe ich die letzten Reste dieses schönen Stoffes noch in drei Stirnbänder nach dem Freebook Frau Stina verarbeitet. Zwei davon habe ich an liebe Freundinnen verschenkt und eines behalten. Ich bin eigentlich kein Fan von Stirnbändern, mir ist das meistens zu kalt. Aber ich trage oft einen hohen Dutt und darüber ne Mütze sieht .. interessant aus. Da ist mir ein Stirnband dann doch oft lieber. Wer schön sein will muss leiden und so ... 


Habt ihr vielleicht noch eine Schnittempfehlung für mein nächstes Strickkleid? Oder sollte ich bei der Pattern Hack Variante bleiben? Kennt ihr noch andere so universell nutzbare Schnittmuster?

Happy sewing, 

Julia

27. Februar 2020

Abenteuerliches Sockenstricken

Hallo ihr Lieben,

im Angebot habe ich heute drei Paar Socken und zwei Geschichten. Habt ihr Lust, sie zu hören? Dann lehnt euch zurück und scrollt weiter. 


In meiner Strickwelt gibt es ja einen ganz routinierten Umgang mit Sockenwolle. Zuerst wird aus dem Knäul das geplante Projekt gestrickt, ob Socken oder Babyhose oder Mütze ist dabei zweierlei. Was fast alle Projekte gemeinsam haben: Es bleibt etwas übrig. Und dieses übrige verstricke ich dann in ein Paar Babysöckchen. Mit denen beschenke ich schon seit Jahren alle frisch gebackenen Eltern im Bekannten- und Freundeskreis, da ist also ständig Nachschub von Nöten. Aber meistens bleibt auch dann noch ein winziges bisschen übrig. Und das habe ich gesammelt. Über mehrere Jahre. 


Bis das Sockenwoll-Reste-Glas irgendwann an die 100g auf die Waage brachte. Dann konnte ich endlich mein lange geplantes Projekt starten: Kunterbunte Sockenwollrestesocken. Sagt das mal drei mal schnell hintereinander: Sockenwollrestesocken, Sockenwollrestesocken, Sockenwollrestesocken. 
Mit dem Start zog es sich dann aber doch ein bisschen, denn ich wollte ja zwei gleiche Socken, musste also die Restchen alle halbieren. Das waren viele Restchen! Ich meine, am Ende waren es 160 Fädchen die ich vernäht hatte, also pro Rest zwei Fädchen, macht 80, ich hatte also 40 Garnreste die ich halbiert habe. Und weil ich da schon so schön mit einer Ordnungstätigkeit beschäftigt war, die mir, muss ich ja ehrlich sagen, meistens viel Freude bringt, habe ich das Ganze auch noch grob nach Farben sortiert: Neutral-orange/gelb-rot-rosa/lila-grün-blau.


Und dann habe ich einfach losgelegt. Von der Spitze an, mit einem Faden für die Afterthought-Ferse habe ich nach oben gestrickt. Und irgendwann Zunahmen gemacht, weil es ja so viel Garn war, dass es auf jeden Fall ziemlich lange Socken werden würden. Die erste Socke war noch ziemlich witzig zu stricken, spannend, dass alle paar Minuten ein neues Fädchen kam und sich die Farben geändert hatten. Als sie dann endlich fertig war, war ich trotzdem erleichtert. Und hatte nur mäßig Lust auf die zweite, weshalb ich auch insgesamt ganz schön lange an den Socken gestrickt habe, fünf Monate auf den Kopf. 


Zuerst war ich von den fertigen Socken nur mäßig begeistert. Das war schon alles ganz schön bunt und nicht unbedingt das, was ich mir unter schön vorstelle. Aber was solls, aus einem Haufen Wollreste ist ein Paar Socken geworden, nicht jammern. Bis ich sie dann das erste Mal anhatte, und plötzlich schockverliebt war. Gerade zu Strumpfhose, also Röcken und Kleidern und Shorts, sind diese Socken meine absoluten Lieblinge. Ich mag es, wie sie sich über den Schuhen stauchen (weil bis zum Anschlag hochgezogen nicht so wirklich gut aussieht) und könnte sie andauernd tragen. Auch das kunterbunte gefällt mir dann super, anscheinend habe ich solche Socken schon lange gebraucht. Was soll ich sagen, das Glas mit den bunten Resten füllt sich in freudiger Erwartung...


Kommen wir zum nächsten Paar Socken, das ich in petto habe. Auch die haben eine langwierige Geschichte. Letztes Jahr im März war ich das erste Mal auf der H+H in Köln. Das war eine ingesamt spannende Erfahrung, wie immer hauptsächlich im Gedächtnis geblieben durch die Menschen, mit denen man dort unterwegs ist. Die Messe ist eine Händlermesse, man kann also keine Materialien kaufen. Manche Aussteller dort sind aber so freundlich, neue Qualitäten oder Farben zum Ausprobieren anzubieten, und so kam ich zu einem Knäul Wolle plus passender Anleitung. Dementsprechend ist dieser zweite Teil des Beitrags nun Werbung, denn weder das Garn noch die Anleitung habe ich bezahlt. 


Bei dem Knäul handelte es sich um Merida von Lamana, ein schönes, meliertes Merinowollgarn das in 50g Knäulen daherkommt. Die Anleitung war für eine Socke mit Rautenmuster, nichts kompliziertes. Direkt nachdem die Restesocken abgeschlossen waren, habe ich dann diese blauen Socken angeschlagen und die erste auch recht flott gestrickt. Bei Socken mit Muster beeile ich mich ja immer etwas, damit ich das Muster nicht wieder vergesse nachdem ich es verinnerlicht habe und ohne auf die Anleitung zu schauen stricken kann. 


Bei 50g war natürlich klar, dass das Garn irgendwann alle ist bevor die zweite Socke fertig gestrickt ist. So kam es dann auch, und ich wandte mich an Lamana um mal freundlich zu fragen, ob ich von denen Nachschub bekommen könnte, da mich eine Socke ja nicht ganz so weit bringt. Leider habe ich bis heute keine Antwort auf meine Email bekommen, was ich schon ein wenig schade finde. Selbst ein "Nein, geschenkter Gaul und so" hätte ich besser gefunden als gar keine Antwort. Da ich aber weiterhin zwei Füße besitze, habe ich mir das Garn dann auf dem üblichen Weg besorgt, ist ja kein Drama, und die Socke endlich fertig gestrickt. 


Und dann, ihr müsstet es nach der ersten Hälfte des Beitrags schon erahnen: Habe ich passende Babysocken gestrickt, sogar im Muster. Die sind schon niedlich, oder? Einfarbige Sockenwollreste sammele ich übrigens auch, da werden irgenwann ziemlich coole Ringelsocken draus, aber das dauert noch ein bisschen. 

Bis dahin, 

happy knitting, 

Julia

21. Februar 2020

#Flickenfreitag - Upcycling aus einem alten Hemd

Hallo ihr Lieben,

seit einigen Wochen beschäftige ich mich immer mehr mit dem Thema Kleidung flicken und verändern, sodass sie wieder (zu mir) passt. Auf Instagram habe ich den #flickenfreitag ins Leben gerufen und zeige dort jeden Freitag eine kleine Korrektur, Änderung oder ähnliches. Mittlerweile machen auch viele andere mit, worüber ich mich sehr freue! Nicht nur im Aspekt der Nachhaltigkeit ist das Reparieren eine tolle Sache; es übt auch die Vorstellungskraft und natürlich sorgt es für deutlich mehr Wertschätzung der eigenen Kleidung gegenüber. 

Das sorgt dafür, dass ich mich zum einen über jedes Loch in meiner Kleidung freue, weil das bedeutet, dass ich etwas neues ausprobieren kann, und mir keine Gedanken darüber machen muss, was ich am nächsten Freitag so zeigen könnte. Ich schaue mir meine schon existierenden und Loch-freien Stücke immer kritischer an, hinterfrage, wie ich sie noch besser machen könnte, damit ich sie noch lieber trage. Im Gegensatz dazu habe ich mich vor zwei Wochen von Latzkleidern getrennt, die ich zwar sehr liebe, aber doch eigentlich einen Ticken zu eng sind. Zum Glück konnte ich sie sofort weiter verkaufen, weggeben hätte mir doch ein wenig im Herzen wehgetan. 

Eine dieser kritischen Inspektionen meines Kleiderschrankes hat das Hemd hervorgewühlt, das ich ursprünglich für meinen Bruder genäht und dann ein wenig für mich abgeändert hatte. Ich habe es einige Male getragen, aber irgendwie merkte ich dann am Sitz doch, dass es ein Herrenhemd ist, um die Brust und Hüfte ein bisschen zu wenig Platz bietet. Außerdem ist der Stoff offenbar mit einem recht hohen Polyester Anteil, sodass ich schnell darin geschwitzt und vor allem gerochen habe. Und das gefällt ja wohl niemandem. Bei Sindy hatte ich vor Ewigkeiten mal den tollen Pullover gesehen, den sie mit Manschetten und Kragen eines alten Hemdes gesäumt hatte, und diese Erinnerung kam nun wieder hoch. 


Genau so etwas wollte ich! Blusen trage ich sowieso gerne unter Pullovern, in diesem Fall würde aber das nervige zurecht zuppeln entfallen. Außerdem kein stinkiges Schwitzen mehr, da der Stoff nur noch an den Säumen mit mir in Berührung kommt. Fehlte nur noch der passende Stoff für den Pullover, wie ihr wisst, habe ich da keinen wirklichen Vorrat. Wie so oft in letzter Zeit habe ich zu erst bei Ebay Kleinanzeigen geschaut, da ich grauen Sweatstoff haben wollte, war ich mir sicher, dort etwas passendes zu finden. Und das habe ich, 2mx1,5m eines tollen melierten Sweatshirtstoffs, von innen flauschig, von außen mit schöner Struktur. 


Nach der vorbildlichen Wäsche habe ich aus dem Stoff dann meinen Standard Pullover Schnitt zugeschnitten, den Bloom von La Maison Victor. Den habe ich hier zum vierten Mal genäht, immer noch nicht ein einziges Mal mit seitlichen Reißverschlüssen wie im Schnittmuster vorgesehen. Aber das wäre auch wohl zu viel des Guten. 
Die Bündchen brauchte ich nicht, da ich ja alle offenen Säume mit den Teilen aus dem Hemd versäubern wollte. Erstmal habe ich dann das Grundgerüst genäht, also Schulter- und Seitennähte geschlossen. 


Und dann wurde herumprobiert, eine feste Anleitung kann ich euch gar nicht geben. Ich wusste, dass ich das Hemd am Saum rundum sichtbar haben wollte, habe also entsprechend den Teil abgeschnitten. Dann Pulloversaum und Hemdsaum rechts auf rechts zusammengenäht, versäubert und dann den Pullover nochmal nach innen umgeschlagen, sodass eine Art Saum entsteht und es aussieht, als ob das Hemd darunter hervorschaut. 


Das klingt ziemlich kompliziert, solltet ihr es aber mal nachahmen, wird es sich von selbst erklären wenn ihr vor den einzelnen Teilen sitzt. 


Bei den Ärmeln wollte ich mir die Möglichkeit offen halten, diese noch aufknöpfen und umschlagen zu können, somit habe ich sie ein gutes Stück über der Manschette abgeschnitten und auf die gleiche Weise in die Ärmel genäht. Trage ich sie nun geschlossen, sind die Ärmel kuschelig lang. Aufgeknöpft und umgeschlagen ist es für Hausarbeit und Co praktischer und insgesamt etwas schicker. 


Beide Varianten trage ich gerne und wechsele sich häufig im Laufe des Tages ab. 
Blieb zum Schluss noch der Kragen, an dem habe ich mich etwas ausgebissen. Weil ich nicht ganz wusste, wie ich den aus dem Hemd schneiden sollte damit nachher alles passt, habe ich das Hemd einfach in den Pullover geschoben, alles so festgesteckt wie es aussehen sollte, mit Kreide rundherum angezeichnet und dann entsprechend abgeschnitten. 


Zuerst hatte ich den Kragen geschlossen, also mit überlappender Knopfleiste in den Halsausschnitt genäht. Nur der alleroberste Knopf stand offen. Die Ernüchterung kam dann bei der ersten freudigen Anprobe: Nur mit ordentlich Zerren ging der Pullover über meinen Kopf, und beim Ausziehen dachte ich kurz, dass ich mich jetzt da drausschneiden müsste. Also habe ich den Kragen nochmal rausgetrennt und leicht geöffnet eingenäht. Jetzt komme ich problemlos rein und raus, und zum Glück gefällt mir das auch optisch gut. 



Auf Instagram werde ich euch gleich noch ein wenig mitnehmen in den Nähprozess des Pullovers, falls das euch interessiert. Ansonsten bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit und wünsche euch ein schönes Wochenende!

Happy sewing, 

Julia

5. Februar 2020

Manches wird erst im zweiten Versuch gut

Hallo ihr Lieben,

schon hat das neue Jahr seinen zweiten Monat auf uns zugeworfen. Das übliche "wie die Zeit rast"- Gerede erspare ich euch, auch, wenn es sich genau so anfühlt. Aber das ist ja hier kein philosophischer Blog, sondern einer, in dem es um selbstgemachte Kleidung geht. Und genau so ein Teil habe ich heute für euch, was ein Zufall.


Wir müssen jedoch alle ein wenig zurückspulen, um die Geschichte zu diesem Pullover in Gänze genießen zu können. Sie beginnt nämlich schon in 2016, also vor vier Jahren. Zu dieser Zeit habe ich die Wolle gekauft, aus der der Pullover im Bild gestrickt wurde. Die, die mich kennen, werden nun schon die Lunte riechen. Kann ja nicht sein, dass Julia Wolle so lange liegen lässt, die hat doch gar keinen Stash. Richtig! Ich habe das Garn damals gekauft und direkt verstrickt, in einen Cardigan mit Kapuze. Der hat mir aber leider so gar nicht gefallen. Er war labberig, die Kapuze zog alles immer nach hinten, geschlossen sah er auch nicht aus und offen rutschte alles hin und her. Zusammengefasst: Ich zog den Cardigan nicht an.


Ein Zustand, den ich in meinem Kleiderschrank nicht lange zulasse. Nicht getragenes wird entweder verkauft, verschenkt, gespendet oder umgewandelt, sodass es wieder getragen wird. Und das ist bei wolligen Kleidungsstücken das allerbeste: Es lässt sich mit ein wenig Arbeit von ganz vorne wieder beginnen! Während bei genähten Teilen der Stoff nunmal maximal in seine Einzelteile zerlegbar ist und sich dann oft nur noch für Kinderkleidung eignet, kann bei Wolle geribbelt werden und bis auf ein paar Meter das Ursprungsmaterial konserviert. Und genau so habe ich es hier gemacht, den ollen Cardigan geribbelt, das Garn zum Strang gewickelt, gewaschen und neu aufgewickelt. Und dann habe ich nach einer passenderen Anleitung gesucht.


Lustigerweise lief diese mir ziemlich flott über den Weg, und in meinem Geiste manifestierte sich sofort das entsprechende Bild vom fertigen Produkt. Das würde ganz schön gut in meine Garderobe passen, wäre aber auch mal etwas anderes. Die Cumulus Bluse von PetiteKnit kommt mit einem V-Ausschnitt daher, etwas, das es so in meinem Schrank nicht gibt. Ich mag sie nämlich eigentlich nicht, warum auch immer. Aber das hier ist ja auch kein so wirklich spitzer V-Ausschnitt, er ein leicht abgerundeter. Ist auch egal, ich wusste sofort, dass er genau das werden muss. Da konnte ich mir auch 3/4 Ärmel sehr gut vorstellen, falls das Garn nicht reichen sollte.


Um meinen kleinen Tagtraum zu erreichen war aber erst ein wenig Arbeit nötig, weil mein Garn so gar nicht zur vorgesehenen Maschenprobe passte. Ich musste mir also anhand einer anderen Größe meine eigene kleine Anleitung ausrechnen, was gar nicht so leicht war. Im Prinzip läuft das so: Ich suche raus, welche Größe ich gerne am fertigen Teil hätte, hier war es Größe M wenn ich mich recht erinnere. Und dann lege ich los: x Maschen sollen angeschlagen werden, in der Maschenprobe sind das y Zentimeter. Für meine eigene individuelle Maschenprobe bedeutet das also z Maschen. Und so weiter, die ganze Anleitung entlang. Zum Glück habe ich das schon einige Male gemacht und habe daher ein wenig Übung.


Das Stricken selbst war eigentlich ein Kinderspiel. Die Anleitung habe ich ja noch im vorletzten Jahr zu einem Pullover für meine Mama verstrickt, wusste also, wie es ablief. Was ich aber ja gar nicht haben kann, ist der Krimi, ob das Garn reicht. Nachdem die Ärmel abgeteilt waren habe ich erst ein wenig Körper gestrickt, dann einen Ärmel angefangen, dann doch den Körper zuerst zu Ende gestrickt. Auf die minimale Länge, die ich aushalten kann, was noch besser geworden ist, als ich gedacht hätte. Dadurch, dass der Pullover so schön weit ist gefällt mir die kurze Länge total gut, und tief sitzende Hosen trage ich eh nicht, somit ist immer alles auch ordentlich bedeckt (mal ganz davon abgesehen, dass ich ja eh mindestens ein Top unter dem Pullover trage). Zum Schluss habe ich dann das Garn halbiert und die Ärmel so lang gestrickt, wie eben möglich.


Sie haben jetzt eine kreative Zwischenlänge, so drücke ich es aus. Aber auch das stört mich überhaupt nicht. Sobald ich die Arme hebe, rutschen die recht weiten Ärmel eh zurück. Ich habe den Pullover auch schon mit einer langärmligen Bluse drunter getragen, das sieht dann auch echt gut aus wenn die Manschetten noch so hervorschauen. 
Ein kleiner Liebesbeweis an meine Traumvorstellung war zum Schluss noch der I-Cord als Abschluss überall. Der sieht ja wirklich toll aus, finde ich, aber ich HASSE es, ihn zu stricken. Iiih-Cord, heißt es in meinem Kopf. 
Nachdem der Pullover fertig war, habe ich ihn nochmal ordentlich gedämpft. Damit hoffe ich, dem zum Pilling neigenden Garn ein wenig Einhalt zu gebieten. Das Material fühlte sich danach auf jeden Fall deutlich weniger labberig und flexibel an, allein dafür war es die Mühe schon wert.


Ich bin mir sehr sicher, dass es die richtige Entscheidung war, den Cardigan aufzuribbeln und das Garn nochmal zu verstricken. Den Pullover mag ich deutlich lieber, ich habe in den vergangenen Jahren noch mehr über Wolle, meinen Geschmack und meine Garderobe gelernt und so etwas viel besser zu mir passenderes aus dem Garn herstellen können. Hurrah!

Meinen Pullover schicke ich zum Me Made Mittwoch und bin gespannt, ob es dort vielleicht noch mehr gestrickte Teile gibt. Carola zeigt jedenfalls ein sehr lässiges Outfit!

Happy knitting, 

Julia