2. Oktober 2019

Latzkleid aus Cord und schnelles Musselintuch

Hallo ihr Lieben,



auch dies hier ist eine Geschichte, die mit dem Stoff beginnt. Ich meine, schon im Vorschaubild ist euch der Farbton vermutlich aufgefallen, dieses wunderbare königsblau. Genau so ging es mir im Stoffladen, den ich eigentlich zu einem anderen Zweck aufgesucht hatte. Auf dem Restetisch strahlte mich dann dieses Stück Cord an, etwa ein Meter müsste es gewesen sein und ziemlich dünn und fließend für Cord. In meinem  Kopf war in dem Moment auch schon das fertige Kleidungsstück entstanden: Ein Latzkleid natürlich!


Zuhause angekommen habe ich dann den Stoff gewaschen, wie ich es immer mit neuen Zugängen in meinem Stoffregal mache. Tja, und dann lag der Stoff eine Weile, weil wenn ich quasi schon weiß, wie das Endergebnis aussehen wird, fehlt manchmal ein bisschen der Reiz. Auch das Schnittmuster kenne ich, also eine sichere Sache mit wenig Herausforderung. Dafür muss einfach der richtige Augenblick kommen, wie beim Kochen. Manchmal will man lieber was Neues ausprobieren und manchmal dürfen es die Standard Rezepte mit Geling-Garantie sein. 


Irgendwann im Mai war dann aber der Tag gekommen und ich schnappte mir den Stoff. Eine kleine Neuigkeit wollte ich unbedingt ausprobieren: Anstatt das Latzkleid Cleo von Tilly and the Buttons nur mit einem Beleg an den oberen Kanten zu versehen, wollte ich es gerne komplett mit flutschigem Futter ausstatten. So, stellte ich mir vor, würde es etwas besser fallen und ich müsste es nicht immer über meinen Po runterschieben. Passenden blauen Futterstoff hatte ich noch hier – dachte ich. Ganz hat es nicht gereicht, sodass ich ein altes Seidentuch meiner Oma angeschnitten habe. Davon liegen ein paar in meinem Regal, für eben diesen Zweck, und es ist ein kleiner lustiger Kontrast im inneren des Kleides, den aber sonst niemand sieht. 


Cleo habe ich, wie immer, in Größe 5 genäht. Allerdings habe ich ein paar Änderungen vorgenommen: Der Rock ist ja eigentlich gerade geschnitten und sitzt daher recht eng. Das nervt mich ein bisschen, beim Radfahren und in der Handhabung, weil es sich gerne mal ein wenig verschiebt und ich mich ein bisschen eingeengt fühle. Also habe ich den Rock leicht ausgestellt zugeschnitten, vielleicht ein, zwei Zentimeter. Auch in der Länge habe ich etwas weggenommen, ich nähe sonst immer die Länge die eigentlich für die Version mit Schlitz gedacht ist, aber eben ohne Schlitz, wegen meiner Größe. Das war dann aber bei den letzten doch zu lang, weshalb ich die besagte Länge herausgenommen habe. Trotzdem aber ohne Schlitz. Mag ich nicht. 


Ansonsten habe ich mich aber relativ genau an die Anleitung gehalten. Alles brav abgesteppt, in der vorderen und hinteren Mitte sogar doppelt. Das sieht in Kombination mit dem Cord richtig gut aus, finde ich. Es gibt für das Kleid ja einige Taschenvarianten; ich habe die große für den vorderen Latz gewählt, weil ich die einfach gerne mag, und hinten eine an der rechten Seite aufgenäht. Bei der Arbeit kann ich dort dann nämlich meinen Schlüssel unterbringen, wichtiges und notwendiges Feature für mich!


Zum Kleid trage ich ein ebenfalls genähtes Tuch. Ganz simpel gemacht: Musselin gekauft, 1,30x1,30, die offenen Kanten zweimal umgebügelt und gesteppt. Fertig. Kuschelig und passt zu allem, ich trage es andauernd und halte schon Ausschau nach schönem Musselin für ein weiteres Tuch.
Die Bilder musste ich dann natürlich an dieser passend angesprayten Tiefgaragen-Einfahrt machen. Ich meine, wenn das nicht für mich gemacht wurde, dann weiß ich auch nicht!


Mit meinen Abänderungen bin ich insgesamt sehr zufrieden. Es trägt sich angenehmer als meine anderen beiden Latzkleider, weil da einfach mehr Bewegungsfreiheit für Beine und Po ist.
Das Kleid schicke ich zum Me Made Mittwoch, das ist noch immer meine liebste Linkparty, weil sie einfach so groß und voll schöner, hochwertiger Kleidung ist. Ich hoffe ich schaffe es heute noch irgendwann, dort ein wenig herumzustöbern.




Happy sewing, 

Julia







29. September 2019

Utensilo mit Blumenhäkelei

Hallo ihr Lieben!

Die Sommerpause der #12ausdemStoffregal Challenge von Selmin ist vorbei und ich freue mich ein kleines bisschen doll. Ich mag dieses gemeinsame Nähen zu einem groben Thema sehr, und auch wenn ich kein großes Stoffregal habe finde ich doch sehr oft zumindest einen Reststoff den ich irgendwie passend nutzen kann. 

Auch beim aktuellen Thema ging es mir so. "Back to nature" sollte es für alle Mitnähenden gehen, und sofort bei Ankündigung des Themas musste ich an ein kleines Häkelprojekt denken, dass schon viele Jahre alt ist. Mindestens fünf. Für einen schäbigen Blumentopf hatte ich aus Wollresten kleine Granny Squares gehäkelt und diese dann später zum Ring geschlossen und um den Topf gelegt. Es war aber leider zu groß, rutschte immer runter und irgendwann habe ich es in mein Nähregal gelegt mit dem Gedanken, dass es sich sicherlich verwenden lässt. Irgendwann. 


Jedenfalls kamen mir diese Blumen in rosa und grün sofort in den Kopf. Es wäre doch schon, im Rahmen dieser Challenge endlich eine Verwendung für sie zu finden, die ihrer Schönheit würdig sind. Ich liebe die Farben zusammen und ärgere mich schon lange, dass es nur im Regal rumliegt. Eine Weile wusste ich nicht, was daraus sinnvolles werden könnte. Erst dachte ich an einen Projektbeutel zum Stricken, aber zum Mitnehmen und herumtragen war mir das Gehäkelte zu empfindlich. Da verhakt sich ja schnell mal ein Schlüssel oder ähnliches und zieht Maschen auf oder reißt etwas durch. Ne, das wäre doch schade.


Woher der rettende Geistesblitz dann kam kann ich gar nicht so genau sagen. Utensilo! Schrie es jedenfalls in meinem Kopf, und schon war die Sache klar. Ein kleiner Beutel, um ihn schön irgendwo in die Wohnung zu stellen und etwas darin zu lagern. Was, das weiß ich bis heute auch noch nicht, aber da findet sich schon was. 


Es mussten nur noch passende Kombistoffe her, damit die Blümchen schön zur Geltung kommen wollte ich es außen möglichst schlicht halten. Von meinem Parka war noch ein Stück Dry Oilskin übrig, was wirklich perfekt war. Der hat nämlich ordentlich Stand, sodass ich weder über Verstärkung noch eine Zwischenschicht nachdenken musste. Von der Breite her passte er auch in etwa zu meinen Vorstellungen, auch wenn ich in der Breite zwei Blumen rausschneiden musste. Aber auch die habe ich aufbewahrt, lassen sich bestimmt nett mal irgendwo draufnähen. 


Ich habe es ja nicht so ganz mit der räumlichen Vorstellung. Da ich einen Boden eingenäht habe und es somit auch Seitenteile gibt, ist der Beutel im Verhältnis zur Breite etwas hoch geworden. Stört mich aber nicht, denn dann klappe ich einfach den Rand ein wenig nach außen. 


Auch für das Futter fand sich ein passender Stoff im Restefach. Kakteen in Blumentöpfen, ebenfalls natur und durch das bisschen rosa und grün auch zum restlichen Stoff passend. Ich mag außerdem helle Stoffe in Taschen und Beuteln, dann sieht man immer alles. Perfekt also!


Alles zusammen harmoniert sehr schön, finde ich. Vielleicht packe ich da meine Mützen rein, oder Handschuhe, und stelle den Beutel in den Flur. Oder ich stelle einen Blumentopf rein, dann wäre es ein lustiger Schritt zurück. Vermutlich wird das Utensilo immer mal wieder anderen Zwecken dienen, aber hauptsächlich Freude bereiten. Das reicht doch schon. 


Übrigens habe ich auf einer Seite die Grannys nicht ganz passend aufgenäht, sodass sie an der Seitennaht versetzt aufeinander treffen. Da wollte ich aber nicht wirklich mit dem Nahttrenner hantieren, und es sollte ein schnelles Projekt bleiben. Vermutlich muss ja auch immer ein Teil vom Utensilo an einer Wand stehen, dann wird es eben dieser. Manchmal muss man sich ja auch selbst ein bisschen austricksen. 


Danke, Selmin, dass ich durch die Challenge diese schönen Granny Squares endlich sinnvoll einsetzen konnte. 

Happy sewing, 

Julia

26. September 2019

Der große T-Shirt Schnitt Vergleich

Hallo ihr Lieben!

Nähkarrieren beginnen ja oft mit den einfacheren Dingen. Ein Kissenbezug, ein Beutel, ein Utensilo. Oder ein Rock vielleicht, mit Gummibund oder Bündchen. Möglichst wenig Anpassung und Zubehör wie Reißverschlüsse oder Knöpfe. So war es auch bei mir. Dann kam der Spaß am Ausprobieren und die Projekte wurden komplizierter. Blusen, Jacken, Jeanshosen. Das fordert heraus, das macht Spaß. Da bleiben die Basics oft ein wenig auf der Strecke ... seit Jahren erzähle ich hier schon, dass ich unbedingt neue Shirts benötige. Tatsächlich war das lange der Bereich meiner Garderobe, in dem ich noch die meisten gekauften Teile hatte. Ich habe keine neuen Shirts mehr nachgekauft, hatte aber noch genug gekaufte und die meisten haben auch ziemlich lange gehalten. Seit bestimmt einem Jahr trage ich die meisten davon aber nur noch widerwillig weil Pilling, gelbe Flecken unter den Achseln oder eigentlich vom Schnitt her gar nicht so mein Fall. Ich habe das Problem also endlich angegangen, vor fast einem Jahr habe ich den ersten Schnitt gekauft. 


Das war die Shirtbox Extralang von EllePuls. Ich fand es super, dass so viele Varianten dabei sind und optisch sahen die Beispiele im Netz aus, als könnten sie meinem Bedarf entsprechen: Leicht tailliert, insgesamt etwas lockerer und mit eingesetzten Schultern, also weder Raglan noch angeschnittene Ärmel, also solche, wo das Schnittteil wie ein T aussieht und es keine extra Ärmel gibt. Für engere Shirts nutze ich immer das Schnittmuster Agnes von Tilly and the Buttons, aber das ist eben ziemlich körpernah, und sowas mag ich nicht immer und zu allem tragen. Gerade im Sommer nicht. 
Zurück zur Shirtbox. Nach dem Drucken, Abpausen und Ausschneiden habe ich mir einen Jersey aus dem Regal gegriffen den ich hauptsächlich wegen der Farbe gekauft hatte. Zum Nähen brauche ich nichts sagen denke ich, es wird genäht wie jedes andere Shirt auch: Schulternähte schließen - Halsbündchen dran - Ärmel rein - Seitennähte schließen - Säume. 
Ich habe Größe 42 gewählt, die passte laut Maßtabelle zu mir. Nach der ersten Anprobe habe ich am Saum 5 cm wieder abgeschnitten, so extrem lang wollte ich es dann doch nicht. Insgesamt war das Ergebnis aber eher aus der Kategorie "Mäh". Keine Begeisterung wollte aufkommen, die Ärmel sind irgendwie ein bisschen länger als mir gefallen würde und der Sitz ... auf dem rechten Bild könnt ihr sehen, dass es an der Schulter hinten Falten wirft und insgesamt die Schulternaht auch zu weit außen sitzt. Und das bei mir mit meinen breiten Schultern! Ich war also wenig hingerissen, wollte dem Schnitt aber noch eine Chance geben. Immerhin alles nur kleine Problemchen, die sich durch Anpassungen ändern lassen. 


Weil ich für den Winter zum Drunterziehen für Wollpullis gerne noch ein Shirt mit Rollkragen haben wollte, ging es also als nächstes an die Variante. Ich habe eine Nummer kleiner zugeschnitten, also Größe 40, weil es ja untendrunter gerne etwas enger sitzen darf und die Ärmel um ein paar Zentimeter gekürzt. Erleichtert war ich schonmal, dass mein Kopf durch den Rollkragen passte - der Jersey scheint sich dafür gut zu eignen. Aber auf den Bildern könnt ihr am Faltenwurf schon erkennen: Auch das Shirt sitzt nicht. Es ist an der Brust zu eng, die Schultern schieben sich komisch hoch. Wieder "Mäh".


Ein wenig frustriert habe ich mich dem Thema verweigert und ein halbes Jahr geschmollt. Ich wollte keine Anpassungen machen. Es musste doch möglich sein, einen Schnitt zu finden der ohne große Anpassungen einfach sitzt und gefällt? Es ist immerhin nur ein schlichtes Shirt! Aber: Der Druck wuchs. Im Sommer habe ich mir dann erneut den Mut genommen und einen neuen Schnitt ausprobiert: Das Buch "Alles Jersey - Tops und Shirts" bietet unzählige Möglichkeiten. Langarm, kurzarm, alles dazwischen, verschiedene Ausschnitte und Säume. Ich habe das ganz schlichte Shirt mit Rundhalsausschnitt gewählt, gerader Saum und Größe 40, an der Hüfte 42. Um nicht weiter Stoffe zu "Mäh"-Shirts zu vernähen habe ich erst einen Rest genommen (von diesem Kleid. Deshalb ist das Rückenteil auch einmal horizontal und unten nochmal vertikal geteilt). Und siehe da: Das sitzt! Nachträglich habe ich noch ein paar Änderungen vorgenommen, die Bilder sind die Nachher-Version. Die Größenerweiterung an der Hüfte habe ich wieder etwas reduziert, das stand tatsächlich richtig ab. Ich habe auch den Saum neu gemacht und dabei um ein oder zwei Zentimeter gekürzt. Und den Halsausschnitt vertieft, im Rahmen meines Flickenfreitags, da könnt ihr auf Instagram den Vergleich sehen. Tja, und dann war ich ganz schön happy!


So happy, dass ich direkt in den nächsten Stoffladen gestürmt bin und mir Stoffe für weitere Shirts gekauft habe. Na gut, ich war zu anderem Zweck dort, aber die Streifenstoffe sprachen mich sehr an. Dieser hier ist super weich anzufassen, ich muss mir dann immer den Bauch streicheln wenn ich es trage, das sieht eventuell etwas Banane aus. Bei diesem Shirt habe ich das Vorder- und Rückenteil etwa 1cm vom Bruch entfernt erst angelegt, sodass es etwas breiter und damit lockerer wird. Mir war nach Herumspielen, und das Experiment ist geglückt. Dadurch ist auch der Halsausschnitt etwas weiter, aber auch das gefällt mir. Weil die Streifen so schmal sind habe ich einen Rest Bündchen in passendem Grau für den Halsauschnitt gewählt. 


Das letzte Shirt ist dieses blau/weiß gestreifte. Auch hier habe ich etwas Weite hinzugefügt, aber nur 0,5cm vom Bruch weg (also insgesamt 2cm mehr). Dafür habe ich die Seitennähte begradigt, also die Einkurvung für die Taille rausgenommen. Das Halsbündchen habe ich so zugeschnitten, dass ein blauer Streifen rundum mittig liegt. Sieht gut aus, oder? Und hier habe ich tatsächlich zum ersten Mal erfolgreich die Zwillingsnadel benutzt. Ich hatte das vor Jahren mal ausprobiert, war aber so gar nicht zufrieden, weshalb es unter "funktioniert mit meiner Maschine nicht" abgespeichert war. Weil ich aber weder den Dreifachgeradstich noch Zickzack wirklich schön finde, habe ich es gewagt und an einem Stoffstück herumprobiert. Tja, war wirklich einfach im Endeffekt! Und sieht so toll aus. 


Denise hatte mir diesen Schnitt empfohlen, dafür und für deine Beharrlichkeit danke ich dir sehr! Wir haben schon bei einigen Nähtreffs nebeneinander genäht, und während sie meine meistens eher komplizierten Projekte bewunderte war ich immer absolut begeistert darüber, mit welcher Hingabe sie ein einfaches Shirt genäht hat. Da kam ein Label ins Rückenteil, auf einem extra Stück Stoff, Größe und Co wurden aufgestickt und später die Naht mit einem schönen Streifen versteckt. Ich fand das sehr toll, wusste aber, dass ich das nicht wollte. Wofür, sehe doch nur ich beim Anziehen! Tja, in dem Buch war es beschrieben und ich dachte mir, Ausprobieren schadet ja nicht. Nun ... es sieht so schön aus, ich werde nie wieder ein Shirt anders nähen können als mit dem Stoffstreifen über der Naht hinten. Mist. 


Auch wenn es ganz schön fummelig ist und gar nicht so leicht die Größe der Nahtzugabe und die Breite des Streifens aufeinander abzustimmen und dann noch die spätere Absteppung von außen passend zu haben - es sieht so schön aus! Verflixt!

Meine ewige Suche hat nun also endlich ein Ende und ich kann nach und nach die gammeligen Shirts ersetzen. Bisher ist schon für jedes neue eins rausgeflogen und entweder direkt im Müll gelandet oder bei den Sportsachen (da bin ich nicht so pingelig). 

Jetzt bin ich super interessiert: Was ist eurer liebester Schnitt für T-Shirts?

Happy sewing, 

Julia


Verlinkt mit Sewlala, Nähfrosch


11. September 2019

Blumenblüschen

Hallo ihr Lieben!

Manchmal dauert es ja ein bisschen, bis die zündende Idee für ein Stoffstück einschlägt. Das kommt bei mir zwar nicht so häufig vor, weil ich meistens den Stoff konkret für ein Projekt kaufe, aber ab und an ist es so, dass der Stoff auf einem anderen Weg zu mir findet. So ist es mit einer Kiste Handarbeitszubehör geschehen, die aus einer Haushaltsauflösung zu mir kam. Viele Stricknadeln und Wolle habe ich gespendet, ein paar Garne behalten und in Einkaufsnetze und Socken verstrickt. Mit dabei war auch eine bestickte Tischdecke, die jedoch nie fertig wurde. Eine blumige Bordüre sollte es wohl werden, zweieinhalb Seiten waren auch fertig, aber die letzte eben nicht. 


Den freien Stoff aus der Mitte der Tischdecke hatte ich schon für ein anderes Stickprojekt benutzt, ein oder zwei der Blümchen mal als Akzente auf Projekte aufgenäht. Die zündende Idee kam dann aber vor ein paar Wochen: Eine Bluse mit der Bordüre in der vorderen Passe! Wow! In meinem Kopf sah es sofort perfekt aus, ich wusste auch schon, dass ich nur einen kleinen Stehkragen und keine Ärmel wollte. Und am besten einen weißen Stoff dazu. Hier bin ich ein kleines Risiko eingegangen: Zum Stoffkauf habe ich das bestickte Stück mitgenommen, das war aber schon ganz schön angegelbt. Auf gut Glück kam dann weißes und hellblaues Leinen mit, der Gedanke dahinter: Vielleicht wird ja das alte Stück durchs Waschen wieder weiß, dann kombiniere ich es mit dem weißen Stofff. Wenn nicht, mit blau, dann fällt das "vergilbte" nicht so auf. Wie ihr sehen könnt, hat die Wäsche ordentlich Arbeit geleistet.


Welcher Schnitt es werden würde war mir auch schnell klar: Rosa von Tilly and the Buttons ist eine Bluse oder ein Hemdblusenkleid mit vorderer und hinterer Passe, also genau das, was ich benötigte. Der Zuschnitt war dann ein wenig knifflig, denn eigentlich wollte ich, dass die Richtung der Blumenranken nicht gleich, sondern gespiegelt verläuft. Das war aber schlichtweg nicht möglich, sodass sie nun in eine Richtung zeigen. Ein bisschen schade, weil es eben in meinem Kopf anders war, aber nicht weiter schlimm. 
Ich habe Größe 5 gewählt, so ist auch mein Kleid aus dem Schnitt. Einzige Änderung ist die Schulterbreite, hier habe ich oben ca. 2,5 cm weggenommen und dann zum Armloch hin auslaufen lassen, damit es nicht so seltsam breit ist oben an den Schultern. Mit dem Endmaß bin ich sehr zufrieden!


In geschlossener Version gefällt mir die Blues an mir nicht so gut, was sehr schade ist, denn dann kommen die Blümchen in voller Pracht ans Licht. Übrigens habe ich mal wieder ganz klassisch zwei gleiche Vorderteile produziert, was ich natürlich erst festgestellt hatte, nachdem die Naht der beiden Vorderteile schon genäht, versäubert und abgesteppt war... zum Glück ist Leinen ja nicht nachtragend und hat mir die Trennaktion ganz gut verziehen. 


So ganz optimal sitzt der Saum nicht, fällt mir gerade auf. Leider sind die Bilder auch nicht ganz so schön, wie geplant. Ich habe nämlich mal etwas neues ausprobiert und verschiedene Kombinationen angezogen, bin dafür aber lieber drinnen geblieben, wodurch die Bildqualität auf Grund von Mangel an Licht leiden musste. Man kann nicht alles haben, nicht wahr?


Die Armlöcher und den Saum habe ich übrigens mit einem Streifen Viskose verstürzt, die ich dann nochmal nach innen umgeschlagen und abgesteppt habe. Das hat mir am besten gefallen, sowas wie Armlöcher zweimal umschlagen ist ja unmöglich bei der Rundung, und ich wollte es optisch schön schlicht, damit alle Aufmerksamkeit auf den Blümchen ruht. Und das tut sie! Das erste Mal habe ich die Bluse zum Geburtstag der Mama getragen und sehr viele Komplimente dafür erhalten, da war ich richtig stolz. Und die Dame, die die Blumen gestickt hat, hat sich sicherlich auch gefreut, zumindest stelle ich mir das immer vor. 


Nun zu den Kombinationen. Direkt eingefallen ist mir meine grüne Strickjacke, wegen der Farbe. Nur verschwinden darunter die Stickereien fast komplett ... 


Schon besser ist es da, die Farbe in der Hose wieder aufzugreifen. Meine Khaki farbene Stoffhose gefällt mir zur Bluse sehr gut. 


Etwas schicker mit Blazer und Minirock (in echt wäre da eine Strumpfhose drunter, aber der Aufwand ...) aber auch hier sind die Blumen eher nebensächlich. 


Und zuletzt nochmal mit geblümten Rock und reingesteckt. Obwohl sich die Bluse also ganz gut schichten lässt, glaube ich, dass sie in die Kiste mit den Sommersachen wandern wird. Die schönen Blümchen sind mir einfach zu schade, um unter Jacken und Pullovern zu verschwinden. Dann freue ich mich lieber im Sommer wieder darüber. 


Happy sewing, 

Julia

4. September 2019

Kielo Wrap Dress als Hochzeitsgastkleid

Hallo ihr Lieben,

schön, dass es euch hierher verschlagen hat. Ich habe auch etwas besonderes für euch, denn Anlasskleidung findet man in meinem Schrank und auch auf diesem Blog ja eher weniger. Ich versuche meistens, durch geschickte Kombination etwas eleganteres zu tragen anstatt besondere Sachen zu haben, die ich dann im Alltag nicht anziehen kann und nur einmal im Jahr aus dem Schrank hole. Der vergangene Sommer wartete aber direkt mit zwei Hochzeitseinladungen auf, sodass ich es gerechtfertigt fand, dafür ein Kleid zu nähen. 


Ein paar Wochen lang habe ich überlegt, welcher Schnitt es sein soll. Im besten Fall etwas, dass sich auch für den Alltag umwandeln lässt. Irgendwann landete ich dann beim Kielo Wrap Dress, ein Kleid, dass ich total schön finde, je nach Stoffwahl eine ganz andere Wirkung hat und auch im täglichen Leben total gut funktioniert. Gut, vielleicht nicht in der langen Version, aber kürzen geht ja schließlich immer. 


Noch schwieriger war für mich die Stoffwahl. Ich wollte Jersey, um ungeniert beim Essen zuschlagen zu können und es bequem zu haben. Ich wollte auch ein Muster, weil einfarbig ja doch ein wenig langweilig ist. Wer mich kennt weiß, dass Muster und ich eine ganz heikle Beziehung ist. Ich habe da genaue Vorstellungen, mag vieles nicht und kann auch nicht von meinen Ideen abweichen. Nach langem Stöbern fand ich dann bei Stoff und Stil einen Jersey, der mir zusagte. Bestellt und gewaschen wollte ich dann auch schnell zuschneiden, nur um festzustellen, dass meine Kalkulation nicht aufgegangen war. Ich hatte 2m bestellt, was eigentlich reichen sollte. Naja, wenn das Muster nicht eine Richtung gehabt hätte! Der Freund fand zwar, dass auf dem Kopf stehende Flamingos im Rückenteil absolut akzeptabel wären, aber wenn ich schon mal ein Hochzeitsgastkleid nähe, dann soll es mich auch rundum zufrieden stellen! Grummelnd schob ich also noch ein wenig die Schnittteile hin und her bis ich akzeptieren konnte, dass es mit diesem Stoff nix werden würde.


Ein paar Tage später bin ich also zu Stoffe Volkermann gefahren, denn nochmal online bestellen war zeitlich nicht mehr drin. Dort stöberte ich wie immer ziemlich ausführlich, denn deren Auswahl ist fast jedes Mal genau meins. Neben zwei Streifenstoffen für Shirts stand ich dann auch ziemlich lange vor diesem geblümten Jersey auf senfgelbem Hintergrund. Lange, weil ich eigentlich sicher war, dass es der Stoff ist, aber der Preis mich in Schockstarre verharren ließ. Ich kam auf knapp 90€ bei den benötigten 2,5 Metern ... beschloss aber dann, dass es das Wert war. Qualität hat ihren Preis, und so ein Kleid nähe ich ja auch nicht alle Tage. An der Kasse dann die Überraschung: 20% auf alle Jersey Drucke! Da kam ich ziemlich gut weg und war bestätigt, dass es Schicksal war, dass der Stoff mich gefunden hat.


Zuhause habe ich das Kleid dann ziemlich zügig runter genäht, es wurde ja auch langsam eng. Größe 40 habe ich genäht und am Saum 2cm dazu gegeben, mehr war nicht drin und nach Anhalten des Schnitteils auch nicht notwendig. Ich wollte ja auch nicht drüber stolpern!
Außerdem habe ich den Halsausschnitt ca. 6cm vertieft, im Original finde ich es zu hoch geschlossen. 


Die Ausschnitte sind alle mit nach innen verstürzten Jersey Streifen aus dem gleichen Stoff versäubert, das sieht schön schlicht aus und gibt den Kanten Halt. 


So wie auf den oberen Bildern habe ich es bei beiden Hochzeiten getragen: Mit Birkenstocks (besitze weder hohe noch schicke Schuhe und war eh später barfuß) und mit Wickelung nach vorne. Persönlich mag ich das einfach lieber. Aber es gibt da ja auch noch die andere Variante:



Dann gibt es vorne ein Schleifchen und hinten die Wickelung. Kann je nach Lust und Laune geändert werden, ein großer Pluspunkt des Schnittes!


Gerne würde ich auch nochmal probieren, ob sich der Schlitz auch in die Seitennaht verlegen lässt. Ein bisschen gefangen fühlt es sich nämlich trotzdem an, auch wenn hinten eigentlich genug Platz ist. Aber da die Seitennaht ja in die Wickelung übergeht weiß ich nicht, wie das aussehen würde. Vielleicht nähe ich ja nochmal ein drittes Kleid und kann es ausprobieren. 


Ich habe mich jedenfalls sehr wohl gefühlt in meinem Kleid und auch viele liebe Komplimente bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Die meisten wussten ja schon, dass ich mein Kleid selbst nähen würde und waren trotzdem erstaunt und begeistert, das erfreut ein nähendes Herz ja sehr. 
Ob es für immer lang bleiben wird weiß ich noch nicht. Jetzt muss es wohl bald in die Kiste mit den Sommersachen, im nächsten Jahr kann ich dann ausprobieren, ob es so lang getragen wird oder eher im Schrank herumhängt, dann kürze ich es nachträglich noch. Wir werden sehen. 

Insgesamt war dieses Anlasskleid also ein absoluter Erfolg. Passt zu mir, ist nicht zu schick geworden und hat glücklich gemacht. Wie ist das bei euch? Auch schon mal etwas eleganteres genäht? Ebenfalls versucht, die Brücke zwischen Schrankleiche und Alltagskleidung zu spannen?

Vielleicht findet sich ja auch beim monatlichen Me Made Mittwoch was festliches, ich werde später mal vorbei schauen. 

Happy sewing, 

Julia

29. August 2019

Sommerkleider für Mama

Hallo ihr Lieben,

bevor uns der Sommer endgültig verlässt, muss ich euch unbedingt noch etwas zeigen. Und das ist nicht übertrieben, denn beide Teile sind schon so lange genäht, dass ich froh über mein kleines Notizbuch sind, sonst könnte ich kaum etwas dazu erzählen. Bühne auf für meine Mama!


Zwei Jahre sind diese Bilder nun schon alt, zu dem Zeitpunkt habe ich das Kleid nämlich genäht, aber dann war der Sommer vorbei, der nächste kam, mit ihm ein neues Kleid, ich wollte beide zusammen zeigen, aber zack, Sommer wieder vorbei, keine Bilder gemacht. Jetzt haben wir es endlich geschafft!
Meine Mama hatte viele, viele Jahre "das rote Kleid". Ein Kleid, dass den Sommer stofflich ausdrückt. Unzählige Familienurlaube war es mit dabei, wurde zuhause getragen sobald es warm genug war. Mama hat das Kleid an? Es ist Sommer. Kein besonderes Kleid, rot mit Muster, Spaghettiträger, schön luftig. Über die Jahre wurde es dann aber immer mehr zum zuhause Kleid. Mama trägt lieber Ärmel oder zumindest breite Träger, und recht kurz war es auch. Letztendlich bat sie mich darum, einen Rock aus dem Kleid zu machen, damit sie dieses konservierte Sommer-Feeling noch weiter erleben kann. Dafür bekam ich das Kleid, und habe vor dem Zerschneiden ein wenig vorhandene Schnittmuster aufgelegt, um es an ihre Wünsche angepasst neu nähen zu können. 


Ich wusste, dass es relativ gerade werden sollte, also kein ausgestellter Rock. Statt Spaghettiträgern mit Ärmeln, wenn auch kurzen. Rundhalsausschnitt. Von den vorhandenen Schnittmustern passte das Agnes Shirt von Tilly and the Buttons am besten, sowohl von den Vorstellungen her als auch vom ursprünglichen Kleid. Also habe ich munter getüftelt, nachdem ich den perfekten Stoff bei Michas Stoffecke gefunden hatte. Rot mit Muster in Erwachsen und nicht zu großflächig war gar nicht so leicht, sage ich euch!


Vorne und hinten hat das Kleid einen tiefen Rückenausschnitt bekommen. Die Ärmel sind eher kleine Flügelchen, so gibt es unter den Armen nicht zu viel Stoff und Hitzestau. Mittlerweile hätte ich den Saum der Ärmel anders verarbeitet, damals habe ich ihn aber einfach knapp nach innen umgeschlagen und abgesteppt. Der Halsausschnitt ist mit einem Belegstreifen nach innen versäubert, das sieht so schön schlicht aus.


Meine Mama hat sich damals sehr über das Kleid und vor allem meine Gedanken dahinter gefreut. Ein wenig eng ist es ihr dann doch, figurbetonter als sie es sonst trägt. Trotz zahlreicher Komplimente von verschiedenen Personen ist sie etwas zögerlich, es anzuziehen. Aber gut, dann habe ich die Chance noch ein neues rotes Kleid zu nähen, da beschwere ich mich doch nicht!


Spulen wir ein Jahr weiter, Sommer 2018. Ich trug zu einem gemeinsamen Stadtbummel mein Farrow aus Leinen und Mama äußerte Interesse. Direkt in der nächsten Umkleide gab ich es ihr zum Überziehen, das Interesse wuchs und schon standen wir im nächsten Stoffladen und suchten nach einem passenden Stoff. Diese traumhafte Viskose ist uns in die Hände gefallen, wenn die nicht nach Sommer aussieht, dann weiß ich auch nicht weiter. Mamma Mia, portugiesische Fliesen, die Synapsen glühen förmlich. 


Da ihr mein Kleid passte, habe ich auch für sie die Größe 10 genäht. Praktisch, brauchte ich den Schnitt nicht neu abpausen. Ich habe ihn um 10 cm verlängert, bei mir waren es nur fünf, aber genau die fünf Zentimeter ist Mama auch größer als ich (1,85m). Einzig den Halsausschnitt habe ich etwas nach unten versetzt, da es ihr im Original etwas zu erdrückend war und auch nicht zur Vorstellung vom Sommerkleid passte.


Dementsprechend musste ich auch den Beleg neu zeichnen, das war aber kein großer Aufwand. Wie immer hat sich die Viskose artig nähen lassen, lediglich bei den Taschen wurde es durch das große Flutschverhalten etwas knifflig und sie stehen leicht nach außen auf. Da der Stoff aber sowieso bei jedem Hauch von Luft in Bewegung ist, fällt das nicht groß auf. Ebenso wenig das nicht passende Muster in der vorderen Mitte, da habe ich tatsächlich nicht dran gedacht. Durch das wilde Muster fällt es aber nicht auf, wenn man nicht darauf hingewiesen wird, oder?


Pünktlich zu ihrem Geburtstag im letzten Jahr konnte ich es ihr überreichen und erhalte seitdem immer mal wieder Bilder per Whats App, wenn sie es trägt. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber sowas macht mich immer sehr stolz und glücklich.


Im Nacken wird das Kleid mit einem kleinen Haken geschlossen, hier musste ich ein paar extra Nähte setzen damit der Beleg aus der leichten Viskose sich nicht rauszieht.


Ich bin so froh, dass Mama meine Nähkunst in Anspruch nimmt und sich so darüber freut. Und so toll darin aussieht, richtig?

Danke, Mama. 


Happy sewing, 

Julia