19. Januar 2021

Rückblick 2020

Hallo ihr Lieben, 

so, ich habe es endlich geschafft und alles, was ich im Rahmen des Rückblicks zeigen will auf dem Blog untergebracht. Das ist zwar immer noch nicht alles, was in 2020 entstanden ist, aber eben die Teile, die mir besonders viel bedeuten oder auf die ich insgesamt stolz bin. 

Es gibt auch schon einige anderes Jahresrückblicke auf dem Blog, falls ihr mal stöbern wollt: Aus 2016, 2017, 2018, 2018-2, 2019. In diesem Jahr teile ich meine Kleidung mal wieder in die schönen Oscars von Nina ein; wie im letzten Jahr alles nochmal anzuziehen, da fehlte mir einfach die Lust zu, obwohl ich es toll fand. Aber 2020 ist eben anders, in allen Bereichen. 

Das am häufigsten getragene Kleidungsstück (Hauptdarsteller:in) ist bei mir wohl zum einen das schlichte Basicshirt in hellblau, ich meine, das muss ich nicht weiter erläutern, oder? Und zum anderen, ein Überraschungs-Sieger, das Kleid Wanda. Ich habe immer wieder danach gegriffen und mich jedes Mal so wohl darin gefühlt, wenn mir mal wieder ein schöner Jersey über den Weg läuft, werde ich mir ein weiteres Kleid nähen. 

 
 
Der beste Kombipartner (Nebendarsteller:in) war für mich wohl das Ogden Shirt. Das geht zur Hose, zum Rock, ganz egal. Ich habe schon einige Tops nach diesem Schnitt genäht und werde es vermutlich auch immer wieder tun. Bis ich für alle Gelegenheiten eines habe :) 



Die aufwändigste Verarbeitung (beste Regie) wird ebenfalls doppelt besetzt, gleich zwei große Projekte haben mir in diesem Jahr so einiges abverlangt. Da wäre zum einen die Draufgängerin, ein Jackenschnitt, den ich aus zwei alten Lederjacken und Teddyfell zu einer ziemlich coolen Jacke genäht habe. Aber alleine alle Teile aus dem vorhandenen Material herauszubekommen war schon ein Kampf, und das Nähen, nun ja, viele dicke Stellen und halt Leder, ihr könnt es euch vorstellen? 

Dagegen war die Regenjacke fast ein Klacks, aber trotzdem hier aufzuführen. So Jacken sind eben nicht innerhalb von zwei Tagen genäht, da kommt erst ein Probeteil, dann die Überlegung zu Details, welche Taschen will ich, was ist mir wichtig, und dann das Nähen, was durch Futter und Co. auch immer viel Zeit in Anspruch nimmt. 


Mein Lieblingsschnittmuster (bester Schnitt) in diesem Jahr sollte auch das Ogden gehen, das staubt gleich doppelt ab. Ich habe es aber auch drei Mal genäht, im Jahr davor zwei Mal, alles vor lauter Freude darüber, dass ich damit zwei Irrtümer aufgedeckt habe: Dass ich V-Ausschnitt und dünne Träger an mir nicht mag. Da muss ich natürlich aufholen, was ich all die Jahre verpasst habe!

Die beste Anleitung (Drehbuch) hat für mich Svenja von Lotte&Ludwig mit dem Springinsfeld geschrieben. Ihre Anleitungen mag ich sowieso - bin damit aber auch ins Nähen hineingewachsen. Trotzdem: Sie sind immer voll von Wissen und anschaulichen Bildern, und bei den letzten Schnitten gibt es auch immer wieder motivierende Seiten, das ist einfach toll. Noch dazu erinnert mich der Schnitt an das herrliche Probenähen, wo wir alle Videos von der Passform gemacht haben und viele lustige Unterhaltungen entstanden sind. 

Auch für andere habe ich in diesem Jahr so einiges genäht. Der Freund bekommt regelmäßig schlichte Shirts, Papa und Bruder bekamen Jogginghosen. Das allerschönste Stück (Ehrenoscar) war aber definitiv die Weste für meinen Papa. 


Dank so einiger Lost Place Touren gab es in diesem Jahr auch so einige Bilder, die ich nicht mit Fernauslöser und Stativ gemacht habe, sondern die von lieben Menschen gemacht wurden. Das wird dann einfach authentischer und macht auch mehr Spaß, was man auf den Bildern sieht, finde ich. Die schönsten Bilder (beste Kamera) sind deshalb für mich sowohl von meinem Crop Top als auch vom Springinsfeld entstanden - hier sogar gemeinsam mit einer Freundin, die den Schnitt ebenfalls genäht hat. 



Die besten visuellen Effekte gehen an meinen Hoodie - einfach, weil der hier noch keinen Platz gefunden hat, aber einen großen in meinem Herzen. Es war ein wenig Mühe nötig, damit er sich dort einnisten konnte, aber nach der Kragenkorrektur sind wir nun ein Herz und eine Seele. 


Ich bin noch immer nicht im Bereich Cosplay unterwegs, Karneval ist in diesem Jahr ja leider *hust* ausgefallen - deshalb ist für mich das beste Kostümdesign das Hinterland-Hochzeitsgastkleid. Es gibt nicht viele Events, an die ich mich aus 2020 erinnere, aber die zwei Hochzeiten, die ich damit verbinde, die haben sich eingebrannt, und ich zehre immer noch davon. Die letzte, Ende September, war auch die letzte Gelegenheit zu tanzen und unter vielen Menschen zu sein. Das ist jetzt nicht was, was ich dauernd brauche, aber es tut manchmal einfach gut. 


Ein Tutorial (Dokumentarfilm) gab es in diesem Jahr auf dem Blog von mir nicht - dafür ist der #flickenfreitag auf Instagram ein bisschen gewachsen, darunter findet ihr ganz viele kleine Tutorials. 

Die beste Maske bleibt leider auch ohne Foto. Ich nähe von Anfang an die Anleitung von Nähtalente, das war im Frühjahr die erste, die aufgetaucht war bei meiner Suche und mich an die Einwegmasken erinnerte, und bei der bin ich dann auch geblieben. Wenn ich die obere Kante leicht unter die Brillengläser schiebe beschlagen diese nicht, sie ist bequem und rutscht nicht. Allerdings verwende ich kein Gummiband, sondern Jerseyband, das war halt noch hier. Ist auch hinter den Ohren sehr angenehm. Gemeinsam mit drei ebenfalls nähenden Kolleginnen/Freundinnen haben wir uns Weihnachtsstoffe gekauft und daraus wirklich schöne Masken genäht. Ich habe allerdings bisher vergessen, ein Foto zu machen, und da ich eben eine kleine Mini-OP im Gesicht hatte, möchte ich auch keines mehr nachreichen. Stellt euch einfach Rentiere, schöne Sprüche, viel Grün und Gold vor. 

Der größte Reinfall (Goldene Himbeere) geht in diesem Jahr an eine weitere Draufgängerin, die es nichtmal auf den Blog geschafft hat. Schon der zweite Versuch, mir eine taillenlange Jacke für über Kleider zu nähen, der nicht geglückt ist. Aber über eine Flohmarktgruppe hat sie eine neue, erfreute Besitzerin gefunden, das ist wohl nicht weiter schlimm.

Abseits von dem, was ich hier gezeigt habe, ist natürlich noch einiges anderes entstanden, vor allem natürlich aus Wolle, die findet (noch) keinen Platz im Rückblick, aber da Nina hier auch immer mehr versinkt, hoffe ich aufs nächste Jahr :) 

Da wäre noch gewesen:

Mein grüner Pullover sowie der für meine Mama aus grauem Flausch, mein rostrotes Latzkleid und der Hoodie für den Freund. 

Und so einiges hat es bisher noch nicht auf den Blog geschafft, es fehlt dann doch oft die Zeit. Geschenke, zum Beispiel: vier T-Shirts, zwei Kissen, ein Körnerkissen, ein Stoff-Schwein, Socken, Jogginghosen. Die Hundeschwester hat ein paar Dinge bekommen. Aus meinem Schrank fehlt hier noch eine Mütze und ein Stirnband, ein Schwung Leggings und Bustiers, ein Portemonnaie und ein Rucksack.

Und gerade zu Anfang des Jahres habe ich viele Wollreste in Babykleidung verwandelt, außerdem auch einige Dinge für kleine Würmchen in meinem Umfeld genäht.

Ich habe nicht genau nachgezählt, denke aber, dass es in diesem Jahr deutlich weniger Projekte gab als in den Jahren davor. Aber das war zu erwarten; wir sind umgezogen und haben viel renoviert, die Nähmaschine war ein paar Wochen in der Wartung und meine Materialien einige Wochen in Kisten. Ich hatte oft nicht den Kopf für große Projekte, deshalb ist viel kleines, notwendiges entstanden. 

Ein mir wichtiges Ziel habe ich aber auch in diesem Jahr weiter verfolgen können: Ich habe nur wenig Material neu gekauft. Gerade bei Wolle wüsste ich bis auf zwei Knäule nicht, dass ich überhaupt neues Garn gekauft hätte, das meiste kam über Kleinanzeigen oder war von mir geribbeltes. Auch viele Stoffe habe ich gebraucht gekauft oder eben schon hier gehabt. So darf es gerne weitergehen. Was 2021 angeht, lasse ich mich überraschen. Ob es Anlässe gibt, für die sich das Nähen lohnt, oder ob ich weiter die langweiligen Lücken im Schrank fülle (Stichwort Unterwäsche). Ein paar konkrete Pläne habe ich schon, auf die ich mich auch sehr freue. Aber sonst lasse ich mich von Schnitten und Stoffen überraschen und inspirieren. Ich bin mir jedenfalls sehr sicher, dass das Nähen und Stricken mir sehr geholfen hat, dieses bescheidene Jahr so gut durchzustehen. 

In diesem Sinne, 

happy knitting, happy sewing, 

Julia 


15. Januar 2021

Hoodie Luke und Weste Wooldlöper

 Hallo ihr Lieben, 


heute möchte ich einen Teil dessen zeigen, was ich zum Weihnachtsfest genäht und verschenkt habe. Ich bin nämlich sehr stolz drauf und ebenso glücklich, dass sie passen und gefallen. 

 
Da wäre als erstes diese Weste für meinen Papa. Ich habe ihn ja jetzt schon öfter benäht, bisher hauptsächlich mit Pullovern, die er auch fleißig und gerne trägt. Deshalb war ich ein bisschen ratlos, was es zu Weihnachten geben sollte. Da er aber jeden Morgen eine Steppweste überzieht, wenn er zur Arbeit fährt (also, sobald es etwas kühler wird), dachte ich, die langeweilige gekaufte könnte ich doch mal durch eine viel schönere, hochwertigere genähte ersetzen. 
 

 Gesagt - getan! Das Schnittmuster stand sofort fest, die Wooldlöper von Rabaukowitsch habe ich schon so oft gesehen und jedes Mal einfach unglaublich schön gefunden. Ein wenig unklar war ich mir dann mit der Größe, denn mein Papa ist im Gegensatz zum Rest der Familie ja etwas kleiner. Aber da berät das Ebook ziemlich gut, sodass ich mich entschieden habe, 4cm am Körper zu kürzen. Es hätten auch ein wenig mehr sein dürfen, aber besser zu lang, als zu kurz, oder? Ansonsten habe ich eine 48 genäht, den Rücken in einer 50er Weite, um dem Bäuchlein ein wenig Platz zu lassen.

 Zu Anfang stand aber natürlich die Materialsuche. Ganz entgegen meinen Erwartungen wurde ich im Stoffladen vor Ort fündig und konnte diesen tollen Walk aus Schurwolle sowie einen wunderbaren weichen Baumwollfleece für das Futter kaufen. Nur die Kordelenden habe ich bestellt, alles andere dort gekauft. Ich war sofort verliebt in die Stoffkombi; blau trägt mein Papa gerne und grau geht ja eh immer. Und alles so weich und warm und ohne Plastik! Herrlich.

 Der Zuschnitt war ganz schön fusselig und fummelig, hatte ich den Stoff doch recht knapp bemessen für die Aufteilung, die mir vorschwebte. Aber zum Glück hat alles gepasst und auch das Niesen war irgendwann dann beendet. Ich habe allerdings ernsthaft überlegt, mit Mundschutz zu nähen, damit es nicht so in der Nase kitzelt. Die Dinger hat man ja aktuell massig zuhause. Die Anleitung ist super bebildert und gut verständlich. Nur bei den Ärmelbündchen habe ich Mist gebaut und es mir zu einfach gemacht. Das geht aber auch in meinen Kopf nicht rein, was da wie ineinander verdreht werden muss. Jedenfalls war da der Nahttrenner involviert...

 Zwei dieser Wonder Clips und eine Nadel hat das Projekt zerstört, meine Overlock ist auch über ihre Grenzen hinaus gekommen, sodass ich letztlich einige Stellen mit der Nähmaschine genäht habe. Aber das Ergebnis macht das alles wieder wett. Ich war so zufrieden mit der Weste, hätte sie meinem Papa nicht gefallen, ich hätte sie einfach selbst genommen.

 Aber sie gefällt ihm, also muss ich mir wohl irgendwann mal eine nähen. Oder erstmal einen Fleecepullover aus diesem schönen Stoff, da gab es noch weitere Farben. Naja, dafür müsste aber erstmal dieser Lockdown beendet sein, sonst komme ich an das Material nicht ran. Was nicht schlimm ist, hier liegt noch genug zu vernähen und in meinem Kopf rattert es auch sehr wild herum. 

Noch einen weiteren Mann habe ich benäht, dabei hatte ich mir geschworen, das nicht wieder zu tun, nachdem das letzte Projekt (ein Hemd) ein Reinfall war. Saß nicht, obwohl ich den Schnitt in der Größe schonmal genäht hatte. Noch dazu habe ich einen sehr kritischen Freund, was Passform, Farben und Haptik angeht. Aber irgendwie konnte ich nicht anders und wollte gerne einen kuscheligen Hoodie für ihn nähen. Sollte der nicht zusagen, würde er zumindest zum chillen im Haus geeignet sein. Oder, wie bei der Weste, in meinen Schrank wandern.

Ich habe also einen grau melierten Sweat mitgenommen, von innen schön flauschig und ansonsten herrlich neutral. (Fast) passender Bündchenstoff und dann noch eine Kordel von Stoff und Stil, die genau so aussieht wie in gekauften Pullovern oder Sweatjacken.

Bisher hatte ich nur Mr.Comet als Schnittmuster für einen Herrenhoodie ausprobiert, der kam bisher gut an, war aber mit den Raglanärmeln und Einsätzen an den Seiten nicht das, was ich mir hier vorgestellt hatte. Also habe ich Luke von Pattydoo gekauft; Shirt Max passt und gefällt dem Freund nämlich gut, also warum nicht direkt bei der Designerin bleiben, die ihm zusagt? Eben.

Eine kleine persönliche Note konnte ich mir aber nicht verkneifen und habe auf Etsy dieses schöne Herz-Bügelbild gekauft. Ich fand die Idee total gut, aber ratet mal, wer die mühsam genähten Zick-Zack-Stiche wieder aufgetrennt und dann im Internet recherchiert hat, wie man ein Bügelbild wieder vom Stoff bekommt? Jup. Also, wer Interesse hat, es war ein 5er Set und ich hätte noch 4 übrig...

Nachdem ich ein paar Pullover ausgemessen habe, habe ich mich für XL entschieden, damit es auf jeden Fall gemütlich und locker sitzt. Ansonsten habe ich entlang der Kurzanleitung genäht, ich hasse Videoanleitungen abgrundtief und habe zum Glück schon genug Pullover genäht, damit mir die Schritte klar sind. Bei der Kapuze habe ich allerdings eine kleine Änderung gemacht, damit es keine sichtbare Nahtzugabe im inneren gibt: Ich habe erst die Futterkapuze rechts auf links innen angenäht, dann die Nahtzugabe der äußeren Kapuze nach innen umgeschlagen und auf die noch offene Kante gesteckt, dann abgesteppt. So mache ich es bei Hemd/Blusenkragen zum Beispiel auch. 

Ich freue mich, wenn ich die beiden in ihren neuen Kleidungsstücken sehe und hoffe, dass sie viel getragen werden. Nichts macht mich glücklicher! 

Happy sewing, 

Julia




6. Januar 2021

Konfetti Pullover

 Hallo ihr Lieben, 

schön, wenn ihr über den ersten Me Made Mittwoch des Jahres zu mir gefunden habt, da freue ich mich! Ich hoffe, ihr bleibt ein wenig? :) 

Ich habe heute ein Projekt mitgebracht, dass ich schon Anfang des Jahres (Februar) genäht habe, dann aber nicht ganz mit dem Ergebnis zufrieden war und der Änderungs-Stapel um ein Stückchen höher wurde. Im Sommer fehlte die Notwendigkeit, aber mit Herbstanbruch habe ich mich dann endlich daran gemacht. Aber fangen wir mal ganz entspannt vorne an.


Ein gemütlicher Sweater stand schon sehr lange auf meiner Näh-Liste. Ich habe zwar so einige, aber keiner davon hat eine Bauchtasche und einen Schlauchkragen, und genau das wollte ich. Ein Teil, wo man die kalten Hände verstecken und die Nase reinmümmeln kann. Den Stoff dafür hatte ich schon ein Jahr zuvor bei 1000Stoff bestellt, ich mochte das schwarz mit den bunten Konfetti-Fusseln sehr. Von innen ist der Sweat angeraut, also perfekt für den Kuschel-Pulli. Passendes Bündchen gab es dann bei Stoff+Stil, Kordel im Nähladen vor Ort, Ösen in meinem Vorrat. So Kleinkram vergesse ich ja immer bei Bestellungen und muss dann alles nach und nach zusammensuchen.

Der Schnitt stand aber von Anfang an klar, Bloom aus der LMV Mai/Juni 2017 in Größe 40 habe ich schon einige Male für mich genäht und liebe den Schnitt sehr. Für den Bequemlichkeitsfaktor habe ich den Körper um 3cm verlängert und die Schnittteile für Rücken und Vorderteil etwa 1cm vom Bruch entfernt angelegt. So ergibt sich insgesamt 4cm Mehrweite am Körper ohne komplizierte Anpassungen.

Der Sweater hat weder eine Bauchtasche, noch einen Kragen, sondern wird einfach mit Bündchen abgeschlossen. Da sowohl Bauchtaschen als auch Schläuche unisex sind, habe ich die Schnittteile dafür vom Mr. Comet genommen, den ich schon mehrfach für die Männer in meiner Familie genäht hatte. Die Bauchtasche habe ich in Größe L gewählt, den Kragen in XXL, so war es auch immer bei den Herrenpullovern - und passt ja auch gut! Ich hatte zuvor aber den Halsausschnitt ausgemessen, wollte da ja auch nichts unter großem Dehnen anbringen, das hätte Fältchen gemacht und nicht gut ausgesehen.

Nach der Fertigstellung dann die Ernüchterung: Der Pullover saß zwar gut, der Schlauchkragen hatte aber zu wenig Stand. Er hing mir quasi wie ein Lätzchen nach vorne runter und wärmte dadurch auch nur meinen Nacken ein wenig. Den gewünschten Effekt konnte ich also nicht erzielen. Das hat mich dann doch sehr geärgert, weil ich mich ansonsten sehr wohl gefühlt habe in dem Pullover. Nach der schon erwähnten Bedenkzeit habe ich dann kurzerhand den Kragen abgeschnitten, und weil ich die Ösen mit Snap-Pap hinterlegt hatte und die obere Kante mit 3fach Geradstich abgesteppt ließ sich da auch einfach nichts mehr retten, der Kragen wanderte in die Tüte. Ich hatte zum Glück noch Stoff übrig und konnte somit einen neuen Kragen zuschneiden. Dieser wurde zum einen ca. 5cm höher, zum anderen habe ich ihn auch komplett nochmal aus dickem, flauschigen Sweat zugeschnitten, der noch in meiner Reste-Schublade war. Der neue Kragen besteht jetzt also aus drei Lagen Sweat und hat damit, wie ihr oben sehen könnt, definitiv genug Stand.

Meine Overlock musste allerdings ganz schön kämpfen, um diesen dicken Kragen wieder an den Pullover zu nähen. Wir haben beide geschwitzt... Ich war jedenfalls sehr glücklich mit dem Ergebnis und merke mir den Trick des Fütterns mit Sweat definitiv. 

Zum Pullover trage ich übrigens meine Ginger Jeans, die jegliche Albernheiten mitmacht:

Jetzt fehlt mir nur noch eine kuschelige Sweat-Jacke und ich bin ausgestattet, was bequeme und warme Oberteile angeht. 

Die Fotos haben wir übrigens auf einer Geocaching-Runde gemacht; der Freund hat mir ein GPS-Gerät zu Weihnachten geschenkt und jetzt erkunden wir so langsam dieses neue Hobby. Es lohnt sich dabei auf jeden Fall, etwas bisher unfotografiertes anzuziehen und die Kamera einzupacken, da tauchen doch immer mal wieder schöne Locations auf!

Danke auch an meine liebe Freundin Kathrin fürs Döneken machen, endlich mal kein erzwungenes Lachen auf den Bildern :) 


Happy sewing, 

Julia



2. Januar 2021

Wolliges zu Weihnachten

 Hallo ihr Lieben, 


und ein frohes neues Jahr! Ich werde im Laufe des Monats nochmal kurz auf 2020 zurückblicken, lediglich näh- und stricktechnisch, alles andere gibt es ja schon genug. Dafür müssen aber noch ein paar Dinge hier gezeigt werden, damit es sich zumindest halbwegs vollständig anfühlen kann, das Jahr abzuschließen. 

Schon in normalen Jahren mache ich ja sehr viele Geschenke selbst, das könnt ihr unter dem Tag "Geschenke" auch ganz gut nachverfolgen. Aber in diesem absolut verrückten und einzigartigem Jahr habe ich das ganze wirklich auf die Spitze getrieben. Ich wollte so gut es mir möglich war vermeiden, in Geschäfte gehen zu müssen, und ein Schließen des Einzelhandels war ja auch schon absehbar. Deshalb gab es in diesem Jahr für meine Lieben hauptsächlich kreative Geschenke. Ich habe genäht, gestrickt, gebastelt, gemalt, geklebt, gewachst. Da war wirklich alles dabei. Sogar Makramee! Davon gibt es leider keine Bilder, ebenso von vielen anderen Kleinigkeiten, weil ich mich hier dann doch auf das Nähen und Stricken beschränken will. Aber ein paar Dinge werden sich doch ein wenig einschleichen, sodass ich euch zumindest davon erzählen kann, wenn schon nicht zeigen. 

Und weil meine Blog-Zeit noch immer begrenzt ist, werden es ein paar Sammelbeiträge. Heute also all das, was aus Wolle entstanden ist. 

Ein bisschen muss dieses Bild auch symbolisch stehen, denn neben dem abgebildeten Sockenpaar sind noch zwei weitere unterm Tannenbaum gelandet. Die habe ich aber fotografisch nicht festgehalten, also dürft ihr euch nun ein Paar in Größe 48 vorstellen, aus 6-fach Sockenwolle in anthrazit, die Beine sind im 2x2 Rippenmuster gestrickt, was ich dann oben auf dem Fuß fortgeführt habe. Meinen Bruder (dessen große Füße damit beglückt wurden, mein dankbarster Socken-Abnehmer) erinnern sie an die Bundeswehr-Socken, die er von unserem Opa geerbt hat. Und sind damit perfekt! Das andere unfotografierte Paar ist in Größe 43 für meine Mama, aus einer grau/weinrot melierten Wolle, 8-fach, also richtig dick. Das war insgesamt eine sehr gute Idee, mal dickere Socken zu verschenken, weil das Stricken somit deutlich schneller ging. Alle drei Knäule Sockenwolle habe ich übrigens gebraucht bei Ebay Kleinanzeigen erstanden. Super Sache!

Das Paar auf dem Bild ist für eine Freundin, die ich zu Weihnachten bewichteln durfte. Sie hatte bereits ein Paar von mir, das ich im Auftrag gestrickt hatte, so kannte ich die Schuhgröße. Die Farben passen total gut zu ihr, sie hat einen Cardigan quasi mit genau den Farbtönen. Und die Freude war wirklich groß, da ihr Freund sonst immer ihre Wollsocken stibitzt, bei dem Farbschema aber sicherlich die Finger davon lassen wird. Dazu gab es einen kleinen Schlüsselanhänger und Glühwein-Marmelade. 

Die Socken liegen auf einem weiteren Geschenk, für eine andere Freundin. Eine Leinwand, die ich noch hier hatte, das Bild aber nicht mehr mochte, habe ich schwarz überstrichen und dann den Sternenhimmel am Tag ihrer Geburt aufgemalt. Später wurden durch die Sterne dann die Birnen einer Lichterkette geprökelt. Diese Lichterkette hat mich unglaubliche Nerven gekostet, schließlich hatten ja auch die Baumärkte zu, aber ich bin noch pünktlich damit fertig geworden.

Noch knapper war nur dieses schöne Stück. Ich habe quasi schweißgebadet am 22. abends abgekettet, den Pullover am nächsten Morgen vor dem Spätdienst gewaschen und zum Trocknen auf die Fußbodenheizung gelegt und konnte ihn dann am nächsten Tag gerade noch rechtzeitig einpacken. Nervenkitzel, ich sage es euch. Aber zum Anfang:

Jetzt, wo ich umgezogen bin und ich meine Eltern fast jeden Tag sehe, lernen sie auch den Inhalt meines Kleiderschrankes besser kennen. Ich trug dann bei einem Besuch bei ihnen meinen schwarzen Kumulus Pullover und Mama lobte diesen, wollte ihn mal überziehen. Ich erinnert sie, dass ich die Anleitung auch für sie schonmal gestrickt hatte, nur aus dickerem Garn. Das fällt aber natürlich ganz anders. Jedenfalls war sie begeistert vom Sitz und erwähnte, dass sie ja leider so ungern dünnes Garn verstrickt, obwohl die daraus entstehenden Projekte deutlich tragbarer wären, weil weniger warm. Ja, und dann ist alles weitere logisch, oder? Wir haben zusammen Garn ausgesucht - ich hatte ja ein bisschen gehofft, dass sie sich rosa oder hellblau aussucht, Farben, die ich sonst nie verstricke ... naja, es wurde dann halt grau, damit habe ich mich dann auch sehr wohl gefühlt.

Angeschlagen hatte ich schon Anfang November direkt nach dem Kauf der Wolle. Dann waren aber andere Geschenke wichtiger, denn ich wusste, meine Mama würde nicht erwarten, den Pullover an Weihnachten schon zu haben, und sich auch über einen halb fertigen Pullover mit Nadeln drin freuen. Also habe ich zunächst die Socken gestrickt, viel genäht und gebastelt und mich dann dem Pullover gewidmet. (Seht ihr den neidischen Blick von der Hündin, die auch raus will? ...)

Das Garn, Schachenmayr Alpaca Cloud, lässt sich wunderbar verstricken, auch wenn ich dieses dünne, fusselige Garn zweifädig zu verstricken wirklich nicht oben auf meiner Lieblings-Liste stehen habe. Es ist super warm und weich, eine tolle Alternative zu Mohair. Die Lauflänge ist quasi gleich, sodass ich nach meiner Maschenprobe die gleiche Größe wie für mich stricken konnte (M). Die einzige Veränderung, die notwendig war, war dementsprechend die Länge. Ich kann nicht sagen, um wie viel ich den Körper verlängert habe, da ich gar nicht weiß, was die Anleitung vorschläg. Da der Pullover vom oberen Ausschnitt herabgestrickt wird, habe ich ihn einfach regelmäßig angezogen und anhand dessen die Länge bestimmt. Laut Mama ist sie perfekt.

Bei den Ärmeln habe ich wieder mal die Abnahmen etwas versetzt: Statt jede 9. Runde habe ich jede 10. genommen und war ganz überrascht, als ich den Pullover nach Ende der Abnahmen anprobierte und tatsächlich auch schon eine perfekte Länge erreicht hatte. Also abgekettet und den zweiten ... das Abketten geschieht übrigens mit I-Cord, meinem persönlichen Endgegner. Das dauert halt ewig und wird irgendwie nie so ordentlich, wie ich es gerne hätte, schwer auszuhalten. Dank dem flauschigen Flausch hier sieht man aber davon kaum etwas, zum Glück!

Vom Garn sind fast zwei Knäule übrig geblieben, sodass ich meinen Plan, aus Mohair-Resten mal eine Mütze zu stricken, nun auf einen Pullover ausgeweitet habe. Dafür bin ich im Strick-Freundinnen-Kreis schon auf Reste-Suche gegangen und fündig geworden, denn ein lila Restchen findet einfach keinen Platz in meinem Schrank, das geht nicht. 


Wie war es bei euch in diesem Jahr, habt ihr auch Geschenke selbst gemacht? Oder viel bestellt? Euch am letzten Tag durch die Geschäfte geschlagen? Gutscheine? Erzählt doch mal. 

Und wer möchte, findet die Projekte auch hier auf Ravelry


Happy knitting, 

Julia



2. Dezember 2020

Regenjacke nähen - Dunnerkiel

 Hallo ihr Lieben, 


vier Jahre ist es her, dass ich meine erste Regenjacke nähte (und verkündete, dies nicht wieder zu tun ... so irrt man sich, vergangenes Selbst!). Sie hat mir gute Dienste geleistet, entsprach jetzt aber schon eine ganze Weile so gar nicht mehr meinem Geschmack. Das Gelb zu grell, die Jacke zu eng, einige kleine Schwachpunkte, die halt auftreten, wenn man ein Kleidungsstück zum ersten Mal näht. Und eine Regenjacke nur widerwillig anzuziehen ist sehr unpraktisch. Wie oft ich gehofft habe, dass es trocken bleibt und eine andere Jacke anzog, nur um wenig später zu merken, wie es langsam auf den Schultern durchsoppt ... nicht gut. Da musste eine neue her, die Freude macht und gerne getragen wird!

Schon im Frühjahr habe ich mich also ein wenig umgeschaut, zusammen mit einer Freundin, die ebenfalls eine Regenjacke nähen wollte. Da kam als erstes die Schnittfrage auf. Den Wind und Wetter Parka hatte ich mit fünf Malen endgültig genug genäht und wollte mal etwas anderes ausprobieren. Trotzdem sollte es Parka-Länge behalten, damit beim Radfahren auch der Hintern trocken bleibt, sollte die Regenhose mal nicht dabei sein. Relativ zügig landeten wir beim Dunnerkiel von Rabaukowitsch. Die Optik hat uns beiden zugesagt und der Schnitt war beiderseits schnell gekauft. Besagte Freundin hatte sich schon bei einem vorherigen Besuch bei Stoff und Stil in das rauchblau eines Regenjackenstoffs verliebt, und als sie das nächste Mal da war, bekam ich dann einen Anruf, ob ich nicht auch Stoff mitgebracht haben möchte. Ich habe mich nach einem kurzen Blick auf die Website für das Rot entschieden, ganz so schlicht muss es ja doch nicht sein, und zu meinem Fahrrad passt das Rot perfekt. Dachte ich. Als der Stoff dann hier war, kam erstmal Ernüchterung auf: Eher knallrot als so satt dunkelrot wie online dargestellt. Ich weiß ja, dass rote Töne schwierig einzufangen sind (das habe ich bei den Bildern für diesen Beitrag mal wieder gemerkt), aber so extrem abweichend? Nunja, gekauft ist gekauft, ich legte ihn erstmal zur Seite, weil andere Dingen anstanden. 


Und dann kam der Sommer, mit gewohnt wenig Regen, und wenn doch, war es definitiv zu warm für eine Regenjacke. Das Projekt rutschte also auf der Bedarfs-Liste recht weit nach unten. Erst die ersten Herbstschauer riefen die Erinnerung an das komplett vorhandene Material wach. Anfang November habe ich dann endlich die Zähne zusammengebissen und losgelegt. Ich habe oft Probleme, wenn ich so klare Projekte, die eigentlich schon im Kopf fertig sind, aufschiebe. Da fehlt dann die Motivation ... nun ja, ich habe sie mir zurückgekämpft, und das war es wirklich, ein Kampf. So eine Jacke ist nun mal nicht eben kurz genäht.

Angefangen habe ich damit, den Schnitt zu kleben und auszuschneiden, dann ein Probeteil zu nähen (bestehend aus Vorder- und Rückenteil sowie einem Ärmel). Dabei habe ich ganz verwundert festgestellt, zwar wie üblich die Taille um 3cm nach unten verlegen zu müssen, aber die Ärmel, die passen. Wirklich! Ärmel verlängere ich sonst immer um mindestens 5cm, oft auch mal 8cm, das ist also schon eine ganz verrückte Sache gewesen. Ich habe die Ärmel nicht verlängert, schärfe hiermit aber allen, die den Schnitt nähen wollen, ein, die Armlänge zu checken, normal große Frauen müssen hier sicherlich kürzen. Ansonsten haben meine Maße gut in eine 42 gepasst, und die habe ich dann auch zugeschnitten.

Danach dann der Zuschnitt, auch nicht unbedingt einfach, weil zum einen viele Teile, zum anderen musste für das Futter das ursprüngliche Schnittteil in Beleg und Futterteil zerlegt werden. Schade, denn eigentlich schneide ich immer lieber das Futter zuerst zu. Sollte hier etwas schief gehen oder ich etwas nicht bedacht haben, ist das meistens günstiger als der Außenstoff ... nunja. Zum Glück ist alles gut gegangen und ich konnte ein paar Tage später anfangen.

Das Nähen selbst lief entspannt und sortiert statt, das war zwar meine erste Anleitung aus dem Hause Rabaukowitsch, aber nach ein paar Seiten kam ich gut damit zurecht. Jede*r Designer*in hat ja so seine/ihre Eigenarten, die man erstmal kennenlernen muss, finde ich. Begonnen habe ich mit dem Futter, denn auch hier gilt das Prinzip: Versteht man etwas falsch, ist es einfacher, Teile neu zuzuschneiden oder etwas zu korrigieren. Gerade wenn der Außenstoff so beschaffen ist, dass er lieber nicht aufgetrennt werden sollte!

Die Außenjacke lief dann auch wie geschmiert und als alles verbunden war, war ich schonmal sehr zufrieden. Sah alles so aus, wie ich es mir gewünscht hatte, und saß vor allem auch sehr gut! 


Ein paar Dinge, die ich von der letzten Regenjacke gelernt und deshalb hier umgesetzt habe: Armbündchen, zum Beispiel. Brauche ich sonst in Jacken nicht, weil entweder ist es warm, oder bei Kälte trage ich zügig Handschuhe, da mir sonst auf dem Rad die Finger abfallen. Reinziehen tut es also nicht. Aber: Regen auf Regenbekleidungsstoff kommt zwar nicht durch den Stoff, bleibt aber darauf. Gerade beim Radfahren kriecht so die Nässe nach und nach über die nassen Handrücken den Beleg hinauf in die Jacke hinein, und das ist sehr unangenehm. Deshalb gab es Bündchen, die werden zwar auch nass, halten aber alles ein bisschen auf und an Ort und Stelle. Wie die hinzuzufügen sind, ist in der Anleitung erklärt.


Eine Innentasche habe ich der Jacke auch spendiert. Die nutze ich sonst eigentlich nicht, aber bei Regen habe ich mein Handy mit Kopfhörern dann doch ungerne außen an der Jacke, sondern lieber drinnen im trockenen. Also habe ich diese Tasche gebastelt und bin tatsächlich auch ein bisschen stolz, dass es so geklappt hat, wie ich wollte. 

Ich habe außerdem alle Tunnel ins Innere der Jacke verlegt, den an der Kapuze und den an der Taille. Das sorgt für weniger Nähte außen an der Jacke, und Nähte sind immer die Schwachstellen bei Regenjacken, wo das Wasser hineinkommen kann. Für den Tunnel an der Taille muss ich mir noch eine Lösung überlegen, die Öse liegt recht nah am Reißverschluss, sodass das Band ein wenig im Weg ist beim Schließen der Jacke. Für den Kordelzug in der Kapuze habe ich mir bei Melanie von 500daysofsewing die Lösung mit dem Gummi und Kordelstopper abgeschaut, um bei Regen den ganzen Bums enger machen zu können. Das hätte ich mir allerdings auch ein bisschen sparen können, denn ich bin vernünftig geworden und fahre nun mit Helm. Fantastischerweise passt die Kapuze noch über den Helm, sodass ich trotzdem einen trockenen Kopf und Nacken habe, aber enger gemacht werden muss sie dann natürlich nicht. Und sitzt auch stramm genug, um nicht herunterzurutschen.

Auch wenn ich Nähte schöner finde, die von außen abgesteppt sind, habe ich hier darauf verzichtet, wann immer es möglich war. Ihr wisst schon, Wasser und so. Dafür habe ich Nahtabdichtband aufgebracht: An den Schultern, der Naht im Nacken und im oberen Teil der Kapuze. Das hatte ich noch von der letzten Regenjacke hier, also warum nicht, dachte ich mir. Der Reißverschluss der Jacke ist übrigens ein wasserdichter von Snaply, hatte ich bisher auch noch nicht, scheint aber gut zu funktionieren und passt farblich sehr gut zum Futter der Jacke. 

 
Und zum Schluss noch mein kleines Extra, für das ich mir selbst jetzt schon sehr dankbar bin: Ich habe mir die Mühe gemacht und den Untertritt vom Reißverschluss bestickt. "No rain, no flowers" sagt es, ist eigentlich nur für mich da und erfüllt voll seinen Zweck: Dass ich mich nämlich nicht ärgere über den Regen, sondern meinen Weitblick übe. Und eigentlich passt das auch ganz gut zu mir, ich bin gut darin, auch im Schlechten das Gute zu sehen und positiv zu bleiben. Gerade in diesen aktuell sehr turbulenten Zeiten etwas, das hilft und unterstützt werden will. Ich habe den Spruch mit einem Folienstift vorgeschrieben, in der festen Überzeugung, dass ich den mit Nagellackentferner wieder runterbekomme. Nunja, die Schrift hat jetzt halt einen Schatten. Ebenso der kleine Leder-Patch auf dem Arm, der musste dahin weil irgendwie der Stoff dünn war? Das Licht schien so durch .. jedenfalls habe ich hier einen kleinen Regenschirm aufgenäht, und auch hier ist das Vorgezeichnete noch sichtbar. Damit setze ich mich irgendwann noch auseinander, bis dahin freue ich mich über die neue Jacke, mit deren Rot ich mich jetzt auch gut angefreundet habe. 

Ich verlinke meine Jacke zum Me Made Mittwoch, wo sie in guter Gesellschaft sein sollte.

Happy sewing, 

Julia


4. November 2020

Folksy

Hallo ihr Lieben, 

schön, dass wir uns an diesem Me Made Mittwoch wieder lesen! Wie geht es euch? Bedeutet der aktuelle Lockdown mehr Zeit für die kreativen Hobbies? Bei mir nur minimal, arbeiten muss ich ja trotzdem und pendeln, also fallen nur Verabredungen und das Bouldern weg. Erzählt gerne mal in den den Kommentaren, wie es bei euch aussieht.

 

Heute trage ich neben meiner schon etwas älteren Ginger Jeans einen neuen Pullover. Nach ziemlich langer Zeit habe ich mal wieder ein Kleidungsstück für mich fertig gestrickt. Vor dem Umzug war in der Renovierungsphase keine Gehirnkapazität für ein großes Projekt wie dieses, daher habe ich eher Reste in Babyzeug verstrickt. Aber als wir dann in der neuen Bleibe waren, habe ich direkt diesen Pullover angeschlagen, darauf hatte ich mich schon so lange gefreut!

Die Anleitung Folksy von Melody Hoffmann schlummerte zu dem Zeitpunkt schon länger in meiner Warteliste bei Ravelry mit dem Plan, diesen irgendwann zu stricken. So wie die anderen unzähligen Projekte dort. Tatsächlich kam die Idee aber aus dem Garn heraus auf mich zu, und das führt in diesem Pullover schon sein zweites Leben. Das erste verbrachte es in Form dieses Pullovers, der aber aus mehreren Gründen einfach nicht mehr gefiel: Ich hatte, ohne die Nadelstärke zu verändern, im Laufe des Körpers immer lockerer gestrickt, der Anblick der Maschen am Saum hat mir überhaupt nicht gefallen, ebenso wie die dadurch enstandene A-Form. Auch saß der Halsausschnitt sehr hoch und eng, und das Garn piekste mich in meinen leider sehr empfindlichen Hals. In einem Rettungsversuch hatte ich den Halsausschnitt von oben geöffnet und etwas geribbelt, hatte dadurch aber einfach einen weiten U-Boot Ausschnitt. Es war einfach nicht mehr zu retten, also habe ich den kompletten Pullover geribbelt.

Nach dem Waschen und Trocknen lag das Garn dann also länger in meiner Schublade. Und passte irgendwann so perfekt zu einem Rest Regia Sockenwolle, dass ich wusste, daraus muss etwas werden. Kurzer Blick in die Warteliste und der Kreis schloss sich zum neuen Projekt: Dem Folksy Sweater in grün und beige. Super motiviert hatte ich angeschlagen, habe die Zacken mit Freude gestrickt, die Noppen mit weniger davon, mich aber über die Optik sehr gefreut. Und dann festgestellt, dass ich die untere Zackenreihe falsch gestrickt hatte. Auf den Bildern seht ihr, dass die weiten und engeren Stellen quasi gegenüber liegen, bei meinem ersten Versuch war das versetzt, die Spitze der unteren zeigte in den Hohlraum der oberen, wenn das verständlich ist. Ich habe mich kurz ein wenig geärgert, und dann geribbelt. Und das sollte nicht das letzte Mal sein ...

Zum Glück stricke ich sehr gerne mehrfarbig, eigentlich hat es sogar Spaß gemacht, die Zacken nochmal zu stricken. Danach war es dann auch schon vorbei mit der zweiten Farbe und ging einfarbig weiter. Der Körper strickte sich flott weg, dann ging es los mit den Ärmeln.

Seit ich das Sockenwunder kenne, stricke ich Ärmel ja eigentlich ganz gerne. Ist man erstmal bei den Ärmeln, ist das Projekt nämlich schon über die "halb fertig" Grenze geschritten und die Neugier auf das fertige Projekt ist groß. Ich musste jedoch nach etwa der Hälfte des Ärmels feststellen, dass sich das Garn dort ringeln wollte, also durch seine nicht ganz gleichmäßige Färbung Ringe aus dunkel und hell bildete. Das bei Handfärbungen übliche Stricken mit zwei Knäulen, also jede oder jede zweite das Garn zu wechseln, brachte auch nicht den gewünschten Erfolg. Und so habe ich aus einer dumpfen Erinnerung das Helical Knitting gelernt. Ich versuche, es zu erklären, aber eine kurze Suche in eurer Suchmaschine bring vermutlich verständlichere Videos zu Tage.

Beim Helical Knitting wird auch mit zwei Knäulen gestrickt, aber der Wechsel zwischen den beiden findet nicht immer am Anfang der Runde an, sondern wird jede Runde um drei Maschen versetzt. Ich stricke also mit Knäul 1 bis drei Maschen vor dem Faden von Knäul 2, hebe die drei Maschen ab ohne sie zu stricken und stricke dann mit Knäul 2 weiter, bis 3 Maschen vor Knäul 1, usw. Das braucht etwas Gewöhnung und ein bisschen Aufmerksamkeit, sonst hat man die drei Maschen aus Versehen mit gestrickt. Das merkt man dann aber direkt am Maschenbild bzw an der Fadenspannung, nicht weiter schlimm. Dafür gibt es keinen sichtbaren Übergang, der sich sonst immer wie eine Naht an meinen Ärmeln entlangzog. Und eben auch keine Ringel! Für das Stricken mit zwei verschiedenen Farben und Ringeln soll es wohl auch super sein, da es keinen Versatz gibt. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

Angefeuert durch die neue Technik wurden die Ärmel dann flott fertig, obwohl ich ja den einen erst wieder halb aufmachen musste. Dann kam der Pullover in sein verdientes Bad und auf die Fußbodenheizung und war fertig. Und ich liebe ihn! Er sitzt hervorragend, die Länge ist perfekt (die bestimme ich durch wiederholtes Anprobieren, Angaben aus der Anleitung ignoriere ich immer). Oh, ein Satz noch zu den Ärmeln: Ich verlängere die immer schon während der Abnahmen um eine Reihe. Wenn ich alle 8 Runden zwei Maschen abnehmen soll, mache ich das alle 9 Runden. Nur am Ende den Ärmel zu verlängern ist nämlich unsinnig, ich habe zwar lange Arme, aber die sind logischerweise auch anders proportioniert und nicht einfach ab Mitte Unterarm so dünn wie mein Handgelenk. Bei Strickpullovern geht das meistens klar, wenn man erst nach den Abnahmen die fehlende Länge hinzufügt, aber für mich macht es so mehr Sinn und ich muss nicht mehr so lange Stücke ohne Abnahmen stricken.

Das herrliche Grün ist übrigens Rowan Fine Art in Hornbeam, die Kontrastfarbe Schachenmayr Regia in Holz. Die Anleitung ist mit einer weiteren Kontrastfarbe geschrieben, ich habe mich aber nur auf diese beiden beschränkt. Auch die Bündchen sind nicht in dem Holz gestrickt, davon hatte ich nicht so viel. Im Nachhinein eine super Entscheidung, ich mag es so minimalistisch, wie es ist. Auch, wenn ich dazu noch einen Strang von dem Rowan nachbestellen musste, den hatte Sophia aber glücklicherweise noch übrig.


 So, nun haben die vielen Worte ihr Ende gefunden. Ich verlinke euch das Projekt noch auf Ravelry, falls ihr mir dort ein Herzchen hinterlassen wollt, und werde dann gleich beim Frühstück mal schauen, was für inspirierende Projekte ich so finden kann beim Me Made Mittwoch. 

Happy knitting, 

Julia