2. Juni 2021

Basics mit einer Prise Glück

Hallo ihr Lieben, 

 

heute möchte ich mal von einem Phänomen beim Nähen berichten, das so tatsächlich in allen Kleidungsbereichen vorkommt: Ich habe kaum gute Basic Schnitte. Also, so Standards, die schlicht und einfach sind, wenig Spaß machen aber dann doch am häufigsten angezogen werden. Es gibt noch immer keinen T-Shirt Schnitt, der mich restlos überzeugt, ich suche weiter nach einer guten Leggings, kurze Hose. Ein wenig habe ich mir das also als Thema für dieses Jahr gesetzt, denn obwohl im Bereich Basics die alte Kaufkleidung noch am längsten hergehalten hat, setzt auch da langsam der Verschleiß ein. 

Nachdem ich recht zufriedenstellend einen Schnitt für Unterhosen gefunden habe (übrigens etwas, von dem ich vor einem Jahr noch behauptet habe, dass ich es nie nähen würde ...) packte mich dann doch wieder die Motivation. Am ärgsten sah es im Bereich Tops aus, also trägerlose Jersey Oberteile. Und die trage ich eigentlich das ganze Jahr, im Sommer einfach so, im Winter untendrunter. Bedarf also groß, Bestand eher minimal. Und vor allem ausgeleiert, ausgedünnt usw. 


Ich durfte dann bei meiner Suche nach einem Schnitt feststellen, dass es das, was ich suche, gar nicht sooo oft gibt. Gerade die großen englischsprachigen Schnittmusterhersteller scheinen ihren Fokus eher auf besondere oder aufwändigere Kleidungsstücke gelegt zu haben. Ich wollte ein Top mit Rundhalsausschnitt, leicht tailliert, nicht hauteng aber auch nicht zu locker. 

Fündig wurde ich dann aber beim Schnittmuster Studio mit der Frau Juno. Obwohl die Namensgebung, also das Frau vor jedem Schnitt, mir stark auf die Nerven geht, sahen die Modellfotos genau nach dem aus, was ich suchte. Also bin ich flott in die Stadt gedüst, habe Baumwolljersey in schwarz und grau besorgt (damals noch an der Tür auf der Straße stehend, jetzt könnte ich auch wieder selbst rein gehen!) und nach dem Vorwaschen direkt mit dem Zuschnitt losgelegt. 

 

Laut meinen Maßen lag ich bei Größe L, für meine zusätzliche Länge habe ich wie folgt ein wenig mehr zugegeben: Jeweils einen Zentimeter an den Trägern und der Taille, der Ausschnitt schien mir ein wenig zu hoch, und dann zwei Zentimeter am Saum. 

 

Das Nähen selbst war dann natürlich kein Hexenwerk, wie es ja so oft mit Basics ist sind die schon fast langweilig. Schulter- und Seitennähte schließen, Bündchenstreifen an die Ausschnitte und Saum, fertig. Abgesteppt habe ich aber mit dem dehnbaren Nähgarn Seraflex, das war eine große Freude! Und in schwarz und grau wird es bei mir auch ständig genutzt werden, also eine gute Sache. So konnte ich die Ausschnitte einfach mit Geradstich absteppen und musste weder mit Zickzack, noch mit der Zwillingsnadel kämpfen. 

Das schwarze Top saß schon wirklich sehr gut, nur der Ausschnitt sollte noch ein bisschen tiefer sein, sodass ich beim grauen Top nochmal ca. 3cm rausgeschnitten habe, einfach einen kleinen Halbmond. Eine weitere Änderung gab es da noch, der Stoff erschien mir nämlich deutlich weniger dehnbar, sodass ich den Schnitt 1cm vom Stoffbruch weggelegt habe, um etwas mehr Raum zu gewinnen. Es gab da mal ein Shirt, das ich kaum angezogen bekam, einfach weil der Stoff weniger flexibel war ... nun ja, hier hätte ich es mir sparen können, es sitzt nicht ganz so gut. Eventuell nähe ich einfach ein kleines Fältchen in den Ausschnitt, oder es wird eher ein Top zum Drunterziehen, mal sehen. 

 

Weil Basics nähen zwar im Ergebnis viel Freude bringt, beim Nähen aber nicht so sehr, habe ich mich im Anschluss mit einem deutlich interessanteren Projekt belohnt: Der Tasche voll Glück von Lotte&Ludwig. Beim Aufruf zum Probenähen habe ich noch abgewunken, ich finde diese quer über der Brust getragenen Bauchtaschen nämlich eigentlich nicht schön. Eine Freundin von mir hat aber mitgemacht, und einen Tag habe ich ihr ein wenig geholfen, dazwischen ein wenig beraten, war also schon im Thema drin. Und Stück für Stück ist mir aufgefallen, dass es zum einen ein perfektes Geschenk ist, zum anderen eine super Lösung für mein Pendel-Problem. Es nervt mich nämlich sehr, dass ich jedes Mal meinen Rucksack absetzen muss um an mein Ticket/Schlüssel/Dienstausweis usw. zu kommen. Gerade im Sommer, wenn ich keine Jacke mit Taschen trage, ist ja wirklich alles im Rucksack, auch das Handy. Und mir dämmerte, dass so eine Bauchtasche die perfekte Lösung wäre. 

Long story short, nach einem kleinen Ausflug zu meinen Resten ist diese Tasche hier entstanden und seitdem bei jeder Fahrt zur Arbeit mein treuer Begleiter. Sie beherbergt Handy, Schlüssel fürs Haus und die Arbeit, Portemonnaie und mein Strickzeug und ist einfach unglaublich praktisch! So kann ich auch schon am Gleis ein paar Maschen stricken, während ich auf den Zug warte, und alles wichtige ist griffbereit. 

 

Der Außenstoff lag hier noch in meiner Resteschublade. Ich habe lange bezüglich der Farbe überlegt, wollte etwas eher schlichtes haben, aber Jeans oder schwarz war mir dann doch zu öde. Kurz dachte ich über Bordeaux nach, aber ich glaube, mit Khaki habe ich eine gute Wahl getroffen. Das Futter ist ein altes Hemd meines Vaters, das ich behalten habe weil ich das Muster so schön fand. Es passt einfach perfekt zum Außenstoff, finde ich! Die kleinen Gurtband-Reste hatte ich auch da, ebenso wie die Reißverschlüsse. Die passen jetzt nicht zueinander, aber das ist mir ziemlich egal. Das lange Gurtband ist tatsächlich ein alter Gürtel vom Freund, so einer mit D-Ringen, den es oft bei kurzen Hosen dabei gibt. Farblich quasi Bestimmung, oder? Ich hatte also bis auf die Karabiner, D-Ringe und die Leiterschnalle alles zuhause, und diese Teile waren dank Impfausweis auch schnell besorgt.

Von der Aufteilung habe ich es sehr schlicht gehalten. Es gibt die (wirklich schöne) Fronttasche nicht, auch nicht die Klappe davor. Innen gibt es ebenso keine Tasche, nur die an der Rückseite habe ich für mein Handy bestimmt. Ich habe insgesamt auch die kleine Version der Tasche genäht, da hatte ich den Vorteil, sie bei meiner Freundin schonmal anprobieren zu können. Die Große finde ich selbst für meine Körpergröße zu wuchtig, aber das ist vermutlich ebenso Gewöhnung wie die Tasche selbst. 

Leider ist mir beim Nähen ein kleiner Fehler unterlaufen, obwohl ich dachte, darauf zu achten, öffnen die Reißverschlüsse zu verschiedenen Seiten. Auch bei Rucksäcken habe ich gelernt, dass ich eine Seite bevorzuge, weil ich sie immer über dieselbe Schulter auf- und absetze, und auch hier, die Tasche würde ich eigentlich vom Gefühl her auf der anderen Schulter tragen. Dann ist die Öffnung vom vorderen Reißverschluss aber unten, was unpraktisch ist. Ein wenig schade, aber erstaunlicherweise habe ich mich da schnell umgewöhnt.

Habt ihr eure Basic-Schnitte schon gefunden? Welche sind es? Und belohnt ihr euch nach "langweiligen" Nähprojekten auch mit etwas spannenderem?

Meine Tops und Tasche verlinke ich beim heutigen Me Made Mittwoch im Juni und freue mich auf das lange Wochenende, wenn ich die anderen Beiträge lesen kann. 

Happy sewing, 

Julia


5. Mai 2021

Streifenkumulus - Verwertung für Mohair Reste

 Hallo ihr Lieben, 

und Willkommen zum Me Made Mittwoch im Monat Mai! So viele "M" in einem Satz, ich komme mir ganz poetisch vor. 

Mein heutiges Kleidungsstück vereint ja ganz viel, was ich mag. Reste verwerten, zum Beispiel, da bin ich recht gut drin, vor allem bei Wolle. Normalerweise stricke ich aus den Überbleibseln von anderen Projekten ja Babysachen, die lassen sich so schön verschenken (oder aufbewahren).

Allerdings ist Mohair-Garn genau wie andere Fasern mit viel Flausch nicht wirklich geeignet für Babykleidung. Die einzelnen Fasern können sich nämlich vom lose gezwirnten Garn lösen und in Babys Lunge geraten, was nicht ganz so zu empfehlen ist. Deshalb saß ich Anfang des Jahres recht ratlos vor diversen Flausch-Resten, dabei einiges Mohair, das meine Mama mir gegeben hatte, ein wenig Alpaca war auch mit dabei. Vom Pullover meiner Mama waren über zwei Knäul Grau übrig geblieben, ansonsten waren da diverse Blau-Töne, Grün, ein Fitzel rot und Lila. Tja, was tun damit? Zunächst dachte ich an eine Streifenmütze, konnte ich mir gut vorstellen. Nach einer Konfrontation des Garns mit der Waage stellte ich aber fest, dass es fast genug für einen Pullover sein könnte, und dann war ich angefixt.

Ich habe gemalt, die einzelnen Farben abgewogen, überlegt und geplant. Wie würde ich es halbwegs ästhetisch hinbekommen, ohne, dass es zu unruhig werden würde? Die Garnmengen waren sehr unterschiedlich, eigentlich wollte ich aber nicht so viele schmale Streifen wegen der zu vernähenden Fäden. Achso, die Anleitung stand von Anfang an fest, es sollte noch eine Cumulus Bluse werden, die habe ich ja schon so oft gestrickt, da brauche ich fast die Anleitung nicht mehr. Einmal aus dickerem Flausch für meine Mama, dann ohne Flausch für mich, aus Alpaca und dünner für Mama. Irgendwann stricke ich diesen Pullover bestimmt auch nochmal einfarbig flauschig für mich.

Um den verschiedenen Farben das "laute" zu nehmen, wollte ich immer einen Faden Grau und einen Faden bunt zusammen verstricken. Dann wird alles etwas stimmiger, dachte ich mir. Da das Grau aber nicht reichen würde, habe ich meine beiden Strickfreundinnen gefragt und durfte bei Saskia noch ein wenig helles Braun abholen. Ja, und dann ging es los!

Eine grobe Vorgehensweise hatte ich, vom Königsblau war noch sehr viel da, die Streifen mussten also oft vorkommen, andere Garne waren weniger, sodass die Streifen seltener waren. 4-6 Reihen habe ich pro Streifen gestrickt, aber im Endeffekt war das ein absolutes Rebellions-Projekt. Ich habe immer irgendwo mitten in der Runde den Streifen beendet, bzw für 5-10 Maschen den Faden der neuen Farbe mitgestrickt und somit gewechselt. Das Beilaufgarn blieb ja immer dabei, so sind auch keine unschönen Löcher entstanden. 

Das rote Garn war etwas dicker als die anderen, und auch eine Mini-Menge. Erst hatte ich überlegt, es nur an einem Ärmel zu nutzen, aber da ich ja doch eher für Symmetrie bin, ist der Streifen auf die Brust gekommen.

Ich habe Größe M gestrickt, aber Längenangaben ignoriert. Wann der Körper passend war, habe ich durch anprobieren ermittelt; da ja von oben in einem Stück gestrickt wird, ist das jederzeit möglich. Die Ärmel habe ich verlängert, die Abnahmen immer eine Runde später gestrickt (jede 10. statt jede 9. Runde) und wusste vom Pullover meiner Mama, dass nach der letzten Abnahme die Ärmel lang genug sind.

Ganz gleich sind die Streifen in Ärmeln und Körper nicht, aber ich habe mich bemüht, es so passend wie möglich zu machen. Dafür musste ich natürlich nach Beendigung des Körpers erstmal alle Reste halbieren ... Aber da hatte mich schon die Freude auf den fertigen Pullover so gefesselt, dass ich es ohne großes Hadern erledigt habe.

Schlimm an der Anleitung finde ich ja, dass ganz zum Schluss noch der ätzende I-Cord kommt. Ich mag das ja einfach nicht stricken, ganz, ganz schlimm. Ich habe es deshalb hier aufgeteilt, direkt nach Ende des Körpers diesen abgeschlossen, dann den Halsausschnitt und dann die Ärmel gestrickt und jeweils den I-Cord am Ende auch direkt. 

Herausgekommen ist ein ganz toller, warmer und lockerer Pullover, den ich sehr mag. Der Ausschnitt ist fast etwas weit, da hätte ich den I-Cord durchaus fester stricken können, aber das lässt sich nicht mehr ändern, Flauschgarn ribbel ich nämlich bestimmt nicht auf. Ich trage eh immer ein Top oder Shirt drunter, also keine unerwünschten Einblicke möglich.

Die Fäden habe ich übrigens nicht vernäht, sondern einfach abgeschnitten. Ich sag ja, Rebellions-Projekt! Aber dank der flauschigen Fasern verhakt sich da eh alles sofort, und ich hatte ihn bestimmt schon 10x an, bisher ist mir keine offene Stelle begegnet. Im Endeffekt hatte ich durch das Einstricken der Anfangs- bzw. Endfäden ja auch schon vernäht, sozusagen. War auf jeden Fall erfolgreich.


Die Fotos hat eine liebe Freundin im Garten gemacht, vielen Dank dafür! Das macht direkt mehr Spaß als alleine, und bietet auch mehr Möglichkeiten. 

(Das Projekt findet ihr auch auf Ravelry)


Happy knitting, ihr Lieben!


Julia


7. April 2021

Sweatjacke mit Teddyfell


 Hallo ihr Lieben, 

im letzten Monat war hier viel los, deshalb gab es seit dem letzten Me Made Mittwoch bis zum heutigen auch keinen anderen Beitrag. So langsam ruft der Garten, ich hatte wenig freie Tage, ihr kennt diese Phasen sicherlich. 

Zum Glück dümpelten die Bilder für den heutigen Artikel schon länger auf meiner Festplatte herum, sind sie doch beim letzten Lost Place Ausflug entstanden. Mittlerweile denke ich sogar immer daran, etwas anzuziehen, was ich auf dem Blog noch zeigen möchte, falls sich eine tolle Kulisse ergibt. So wie an diesem Tag. 

 

Industrie-Charme könnte man auch sagen. Zu zeigen habe ich meine neue, flauschig warm kuschelige Sweatjacke, und dieser Kontrast macht sich doch ganz gut, oder? 

Ich habe jetzt viele, viele Jahre ohne Sweatjacke gelebt. Irgendwie hatte ich mal beschlossen, dass mich die Kapuze nervt, die man immer nach dem Jacke anziehen herausfummeln muss und dann in die Kapuze der Jacke manövrieren, und an mir fand ich diese Jacken irgendwie auch nicht gut. Tja, und dann stellte ich irgendwann fest, dass ich eine olle, total ausgewaschene Sweatjacke vom Freund (die dieser aussortiert hatte) immer wieder überzog, weil praktisch, weil gemütlich, weil Wohlfühl-Faktor. Und ich die Optik an mir eigentlich auch mochte. Und damit war das Bedürfnis nach einer eigenen geboren.


 In dieses Bedürfnis spielte dann noch ein Gespräch unter Kollegen rein, in dem wir über Nachtdienst und das damit unweigerlich verbundene Frösteln sprachen. Irgendwann, wenn die Müdigkeit überwiegt, wird es einfach kalt, auch im Sommer. Eine Kollegin erzählte von ihrer Nachtdienst Jacke, eine Sweatjacke mit Flausch innendrin. Und zack hatte ich das Bild von dem olivgrünen Teddystoff vor Augen, der noch in meiner Schublade rumlag. Den hatte ich ursprünglich mal als Futter für eine Winterjacke gekauft und auch schon dafür zugeschnitten, dann aber beim Nähen der eigentlichen Übergangsjacke festgestellt, dass diese mehr als warm genug ist für den Winter. Also habe ich umdisponiert, neues Futter für die andere Jacke gekauft und das Teddyfell eingetütet.


In meiner Bestellung, die ich vor Weihnachten für das Nähen von Geschenken bei Stoff&Stil machte, hüpfte also auch dunkelgrüner Sweat und das passende Bündchen. Das Material lag dann natürlich bis nach Weihnachten hier, um genau zu sein bis Mitte Februar. Erst waren die Geschenke vorrangig, dann kam das mir bekannte Nähtief nach der Geschenkeproduktion. Vor allem hatte ich ja noch keinen Schnitt herausgesucht, sodass ich nicht sofort loslegen konnte. 

Mit einer Freundin sprach ich dann aber über das Projekt, und ihre Begeisterung für meine Idee löste dann wieder die Nählust aus. Ich überlegte, welchen Schnitt ich nehmen könnte, suchte ein wenig im Internet herum. Nur um festzustellen, dass die Jacke, die ich so gerne trug, ja ein Herrenmodell war, ich also auch einen Herrenschnitt nehmen könnte? Und klar, da war doch Jordan von Pattydoo, für den Bruder genäht, bereits vorhanden. Ich habe die alte Jacke ausgemessen und mit den Fertigmaßen im Schnittmuster (das Beste, was ein Schnittmuster haben kann!) verglichen. Und war erstmal so irritiert, dass ich einen Tag Pause machen musste. Von S bis XL waren die Maße des Kaufmodells nämlich vertreten, sodass ich mich nicht sofort festlegen konnte.

 

Letztendlich ist es dann L geworden - hauptsächlich, weil ich die Schnittteile bereits für den Bruder abgepaust hatte und es halbwegs passen sollte. Nur die Länge der Jacke habe ich in der kleinsten Größe belassen. 

Die Schnittteile waren schon da, zugeschnitten war dann auch schnell, Vorder- und Rückenteil aus Teddyfell habe ich aus den vorhandenen Schnittteilen vom Parka herausbekommen, auch, wenn das Rückenteil eine Naht hat, das ist ja im Futter nicht wichtig (und kann man in dem Flausch eh kaum sehen). 

Einen passenden Reißverschluss hatte ich ebenfalls im Fundus, hurra, es konnte direkt losgehen. Dachte ich. Und saß dann erstmal zehn Minuten vor meinen Schnittteilen, um herauszufinden, wie ich die nun zusammenbekomme ohne unschöne Nahtzugabe innen zu haben. Die Jacke ist nämlich mit Raglan konstruiert, und das war mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen.

Ich habe gegrübelt und gesteckt und herumgewurschtelt, und mich dann für folgende Reihenfolge entschieden:

- Zuerst habe ich beide Kapuzen genäht. Für die innere Kapuze (und auch für den Körper) hatte ich zuvor einen Beleg konstruiert, damit der Flausch nicht im Reißverschluss hängen bleibt und ich die Ösen besser reinbekomme. 

- Bauchtaschen aufgenäht

- Dann habe ich die Seitennähte vom Körper geschlossen und die Rückennaht vom Futter. 

- Das Bündchen aufgeklappt und jeweils mit einer langen Seite an Außenteil bzw. Futter genäht. Aufgeklappt hatte ich dann quasi die äußere Jacke vor mir liegen, unten dran das Bündchen und am anderen langen Ende vom Bündchen die Futterjacke verkehrt herum.

- Dann habe ich beides zusammengeklappt, rechts auf rechts, die Reißverschlussbänder dazwischen genäht und hatte eine oben offene Weste.

Kommt ihr noch mit? Ich hoffe es... mir hätte sowas jeweils geholfen, also halte ich es hier fest.

- Ich habe dann beschlossen, dass mir Nahtzugabe am Ärmel nicht erspart bleibt ohne möglicherweise trennen zu müssen, weil irgendwas nicht klappt, also habe ich das in Kauf genommen. 

- Die Ärmelnähte geschlossen. Bündchen dran.

- Die Raglannähte am Körper, also Futter und Außenstoff, knappkantig aufeinandergesteppt damit sich nichts verschiebt

- Die Ärmel eingenäht, und dann die Kapuze wie einen Blusenkragen dran, also erst am Futter entlang der Halsnaht, dann die Nahtzugabe vom Außenstoff umgebügelt, auf die Halsnaht gesteckt sodass die Nahtzugabe innen liegt und dann abgesteppt von außen.


Mit dem Ergebnis bin ich sowohl sehr glücklich, als auch sehr stolz. Da habe ich schon einiges rumkonstruiert, bis das alles richtig war, eine Herausforderung würde ich sagen. Einige Nähte, die ich mit der Overlock gemacht habe, sind nicht ganz so schön geworden, da habe ich schon mit der Nähmaschine nachgebessert. Aber ansonsten ein Projekt, dass ich definitiv wiederholen würde, einer zweiten Sweatjacke (ohne Futter) steht also nichts im Wege. Sie ist ordentlich warm, das Gefühl im Rücken ist echt mega. 

Und nun husche ich rüber zum Me Made Mittwoch Blog und schaue mal, was es dort zu sehen gibt. 


Happy sewing, 

Julia


3. März 2021

Rift Tee - Cropped Sweater

 Hallo ihr Lieben, 


im heutigen Beitrag möchte ich euch den neuesten wolligen Mitbewohner meines Kleiderschrankes vorstellen. In seiner Ursprungsform ist er schon einige Jahre bei mir, aber erst in den letzten Monaten zu einem Kleidungsstück geformt worden. 


Das Garn - weich und blau mit dem Namen Alpakka Ull - war ursprünglich für einen Teststrick gedacht. Aus der eigentlich guten Idee wurde dann aber doch nichts, wie sich im Verlauf herausstellte. Auch das gehört dazu, und dann gehört vor allem dazu, das Ganze einzustampfen. Ich hatte also einen halben Körper und den Rest des Garns, und zwar sehr lange. Bestimmt lag es zwei Jahre in dem Projektbeutel herum, ohne von mir angetastet zu werden. Beim Umzug bin ich dann wieder darauf gestoßen und habe mir vorgenommen, aus dem Garn was zu machen. Bis zur Umsetzung dauerte es dann doch noch eine Weile, und dann kam auch noch Weihnachten dazwischen mit all den Geschenken auf meinen Nadeln.

Ich liebe Ravelry ja für seine Suchfunktion. Die Garnstärke und -menge eingegeben, stieß ich recht zügig auf das Rift Tee, eigentlich eine Anleitung für sommerliche Garne, entweder mit oder ohne Armen. Aber da ich sowieso schon ewig auf der Suche nach einem schönen, eher kurzen Pullover war, den ich über Kleider oder High Waist Hosen tragen könnte, sprach mich die Optik direkt an. Eine kurze Maschenprobe später entschied ich mich für die dritte Größe (und es gibt wirklich viele in dieser Anleitung, eine tolle Sache!). Mein Garn war etwas dicker, ich habe also eher eine Größe zu klein gestrickt um "meine Größe" zu erreichen.

Die Konstruktion des Pullovers ist sehr spannend: Er wird unten am Körper begonnen, beide Bündchen werden einzeln gestrickt (eigentlich Twisted Rib, aber da ich das optisch eh nicht mag, spare ich mir den Aufwand). Dann kommt alles gemeinsam auf die Nadel, ein wenig vom "gerippten" führt sich an den Seiten fort und der Körper wird gerade hoch gestrickt. Hier habe ich mit Hilfe von Anproben 2inch verlängert, also etwa 5cm.

Die Schultern werden dann alle einzeln gestrickt, hier muss man sich dann für einen U-Boot oder V-Ausschnitt entscheiden, ich habe offensichtlich den ersteren gewählt. Die Ärmel werden dann, nachdem die Schultern per 3-needle-bind-off geschlossen sind, eingestrickt.

Das kleine Schneechaos vor ein paar Wochen musste ich dann auch direkt für Fotos nutzen, ich finde ja immer, da macht sich Gestrick besonders gut. Das mit dem Schnee werfen hat nicht so ganz geklappt, zumindest ist auch alles im Gesicht ein wenig verrutscht. 

Ich hatte in meiner Planung übersehen, dass die Ärmel ja doch recht eng sind, sodass der Pulli nicht über jedes Kleid passt. Da hat auch ein recht aggressives Blocken mit Nadeln nicht viel geholfen. Das ist aber nicht weiter schlimm, notfalls stricke ich halt noch einen ... die Hände wollen ja schließlich beschäftigt bleiben.

Über einem Kleid habe ich den Pullover tatsächlich bisher nicht getragen, dafür aber zu Jeans oder Rock, mit engem Top drunter oder etwas weiteren Oberteilen. Und alles hat mir gut gefallen, damit habe ich gar nicht gerechnet. So kurze Teile sind in meinem Kopf ja doch eher unter "für kleine zierliche Menschen" abgespeichert. Gut, dass ich das nun umschreiben kann!

Vor allem Farbe und Garn gefallen mir aber sehr gut. Der Pullover ist super weich und fluffig, ich ziehe ihn gerne aus dem Schrank!


Habt ihr schon so kurze Teile gestrickt oder genäht? Wie tragt ihr sie? Habt ihr Anleitungs-Tipps, egal ob aus Wolle oder Stoff?


Happy knitting, 

Julia

Verlinkt beim Me Made Mittwoch und bei Ravelry







3. Februar 2021

Me Made Outdoor Outfit zum Geocachen

 Hallo ihr Lieben, 

zum heutigen Me Made Mittwoch (schon der zweite in diesem Jahr) bringe ich euch mal wieder ein Outfit bestehend aus alten und neuen Teilen mit und stelle dabei das neue etwas genauer vor. 

Zu Weihnachten schenkte der Freund mir ein GPS-Gerät. Nicht ganz uneigennützig, denn im Geocachen sah er ein uns beiden möglicherweise gefallendes Hobby, und davon gibt es bisher nur wenige (Essen, Wandern und Serien hauptsächlich). Also war ich direkt angetan von der Idee, würde es ja auch mit einschließen, dass wir öfter mal gemeinsam in der Natur unterwegs sind. Zwar war mir schon klar, wer die meiste Zeit das Gerät halten wird - der Freund liebt Karten in jeglicher Form, also vielleicht auch ein sehr eigennütziges Geschenk. Nun, wie dem auch sei, natürlich mussten wir es direkt mal am ersten Weihnachtsfeiertag ausprobieren und sind seitdem dabei, unsere Umgebung näher kennenzulernen und das Cachen für uns zu entdecken. Bietet sich ja auch an, Termine gibt es nicht und draußen zu zweit unterwegs sein entspricht perfekt allen Empfehlungen.

Für diese Abenteuer muss natürlich auch ein geeignetes Outfit zusammengestellt werden. Warm sollte es halten, denn während mir beim Radfahren meistens schnell zu warm wird, stehen wir ja hier auch öfter mal eine Weile herum oder stöbern durchs Unterholz. Deshalb ist mein dick gefütterter Wind und Wetter Parka hier aktuell Standard. Noch dazu bieten die großen aufgesetzten Taschen gut Platz für GPS-Gerät, Handy, Stift und Zettel und was sonst noch schnell greifbar sein sollte. 

Dazu gibt es eigentlich immer eine Mütze, in diesem Fall mein schon älterer Sockhead Hat mit doppeltem Bündchen. Und um den Hals der Schal aus dem wunderschönen seidig-flauschigen Tiffany. Der ist glaube ich mein ältester selbstgestrickter Schal und ich wünsche mir seitdem, nochmal etwas aus diesem Garn stricken zu können.

Gerade bei längeren Expeditionen brauchen wir aber mehr, als die Jackentaschen zweier Personen beinhalten können (Wasser, Kamera falls schöne Ecken auftauchen, Schreibblock, Taschentücher usw.) und dann ist mein neuer Rucksack am Start. Meinen vorherigen Alltagsrucksack, der so heißt weil er mich jeden Tag zur Arbeit begleitet habe ich jetzt knapp drei Jahre wirklich gerne und viel genutzt, aber er hat dann doch meinen Ansprüchen nicht mehr genügt und einige Schwachstellen haben sich aufgetan. Nähte, die aufgingen, das Material war überhaupt nicht mehr wasserabweisend und seitdem ich zur Arbeit pendele und zwischen Fahrrad und Zug wechsele, brauche ich schnellen Zugang zu Jobticket, Fahrradlampen, Handschuhen, Handy usw. Da reichten mir die äußeren kleinen Taschen am Vicky Backpack nicht mehr aus. Der wurde also entsorgt, zuvor aber ausgeschlachtet, alle Reißverschlüsse und Schnallen habe ich herausgetrennt und auch das Label, das liebe ich nämlich immer noch sehr ("made by an awesome person") und wusste, dass ich es auf dem nächsten Rucksack wieder verwenden wollen würde.

Bei meiner Suche nach einem neuen Schnittmuster habe ich ziemlich lange hin und herüberlegt und mich dann aber für den Rucksack Nordika von Seemannsgarn entschieden. Viele Außentaschen, die noch dazu etwas geräumiger sind, Henkel um den Rucksack auch offen gut und stabil halten zu können, eine gute Größe. Und dieser wunderschöne, (optional) abgesteppte Rücken hat mich auch ein wenig überzeugt.

Das Material (Oilskin, Soft&Stable, Futter und Endlos-Reißverschluss) habe ich komplett bei Snaply bestellt. Leder für die Henkel hatte ich noch hier, da gab es mal so ein Lederreste-Päckchen aus dem ich seitdem für solche Projekte zehre. 

Ich habe mir vor dem Nähen so einige Gedanken gemacht, was mir wichtig ist. Alles konnte ich nicht umsetzen, aber doch vieles. Es gibt mehrere Stellen mit kleinen Schlaufen, an denen ich dann (wenn es irgendwann wieder geht...) zum Beispiel meine Boulder-Schuhe aufhängen kann. Sowohl der Schieber vom RV als auch die "Öffnung" der aufgesetzten Tasche sind rechts, weil ich dort meinen Rucksack hängen habe, wenn ich ihn auf- oder absetze. Somit kann er auf der rechten Schulter bleiben und ich komme mit der linken Hand gut an und in den Rucksack.

Dann ist natürlich praktisch, wenn man keine Handschuhe trägt, sondern zum Beispiel die schönen X-Mitts, die ihr unten links im Bild erahnen könnt. Sie kommen bei mir nicht häufig zum Einsatz, da fingerlose Handschuhe einfach unpraktisch sind auf dem Fahrrad und ich meistens mit diesem Mittel unterwegs bin. Aber für Wanderungen und das Geocachen sind sie perfekt, weil ich warme Hände habe, aber auch die Geräte bedienen kann, ohne mir jedes Mal die Handschuhe ausziehen zu müssen. 

Ich habe mich bemüht, den Rucksack langlebig zu gestalten, überall wo es möglich war versäubert und abgesteppt. Leider ist mir beim Zuschnitt oder beim Nähen irgendwie ein Fehler passiert, die Seitenteile waren breiter als die Taschen dort, sodass ich hier kürzen musste und dadurch ein wenig Raum einbüßen. Er reicht für meine täglichen Dinge (üblicher Taschenkram+Strickzeug für den Zug+Essen+evtl. Sportkleidung) aber es wird schon manchmal eng. Wenn mich also irgendwann die Motivation packt, nähe ich vielleicht noch einen größeren für diese Tage.


Soft&Stable kannte ich bisher ja nicht, bin aber sehr angetan davon. Der Rucksack hat einen guten Stand, und weil ich auch die Träger damit versehen habe, sind auch die sehr angenehm. Allerdings war da nichts mit wenden, wie im Ebook vorgegeben, das war alles viel zu dick und starr. Ich habe also wieder aufgetrennt und die Träger wie Schrägband genäht, also links auf links der Länge nach gefaltet und dann die offenen Kanten zur Mittellinie hin, dann abgesteppt. Das hat auch ein gutes Ergebnis gegeben. 

So. Nun packe ich besagten Rucksack mal für einen weiteren Arbeitstag und hoffe, vor dem Wochenende meine Runde durch die Blogs der anderen Teilnehmer:innen des Me Made Mittwoch zu schaffen. 


Happy sewing, 

Julia


19. Januar 2021

Rückblick 2020

Hallo ihr Lieben, 

so, ich habe es endlich geschafft und alles, was ich im Rahmen des Rückblicks zeigen will auf dem Blog untergebracht. Das ist zwar immer noch nicht alles, was in 2020 entstanden ist, aber eben die Teile, die mir besonders viel bedeuten oder auf die ich insgesamt stolz bin. 

Es gibt auch schon einige anderes Jahresrückblicke auf dem Blog, falls ihr mal stöbern wollt: Aus 2016, 2017, 2018, 2018-2, 2019. In diesem Jahr teile ich meine Kleidung mal wieder in die schönen Oscars von Nina ein; wie im letzten Jahr alles nochmal anzuziehen, da fehlte mir einfach die Lust zu, obwohl ich es toll fand. Aber 2020 ist eben anders, in allen Bereichen. 

Das am häufigsten getragene Kleidungsstück (Hauptdarsteller:in) ist bei mir wohl zum einen das schlichte Basicshirt in hellblau, ich meine, das muss ich nicht weiter erläutern, oder? Und zum anderen, ein Überraschungs-Sieger, das Kleid Wanda. Ich habe immer wieder danach gegriffen und mich jedes Mal so wohl darin gefühlt, wenn mir mal wieder ein schöner Jersey über den Weg läuft, werde ich mir ein weiteres Kleid nähen. 

 
 
Der beste Kombipartner (Nebendarsteller:in) war für mich wohl das Ogden Shirt. Das geht zur Hose, zum Rock, ganz egal. Ich habe schon einige Tops nach diesem Schnitt genäht und werde es vermutlich auch immer wieder tun. Bis ich für alle Gelegenheiten eines habe :) 



Die aufwändigste Verarbeitung (beste Regie) wird ebenfalls doppelt besetzt, gleich zwei große Projekte haben mir in diesem Jahr so einiges abverlangt. Da wäre zum einen die Draufgängerin, ein Jackenschnitt, den ich aus zwei alten Lederjacken und Teddyfell zu einer ziemlich coolen Jacke genäht habe. Aber alleine alle Teile aus dem vorhandenen Material herauszubekommen war schon ein Kampf, und das Nähen, nun ja, viele dicke Stellen und halt Leder, ihr könnt es euch vorstellen? 

Dagegen war die Regenjacke fast ein Klacks, aber trotzdem hier aufzuführen. So Jacken sind eben nicht innerhalb von zwei Tagen genäht, da kommt erst ein Probeteil, dann die Überlegung zu Details, welche Taschen will ich, was ist mir wichtig, und dann das Nähen, was durch Futter und Co. auch immer viel Zeit in Anspruch nimmt. 


Mein Lieblingsschnittmuster (bester Schnitt) in diesem Jahr sollte auch das Ogden gehen, das staubt gleich doppelt ab. Ich habe es aber auch drei Mal genäht, im Jahr davor zwei Mal, alles vor lauter Freude darüber, dass ich damit zwei Irrtümer aufgedeckt habe: Dass ich V-Ausschnitt und dünne Träger an mir nicht mag. Da muss ich natürlich aufholen, was ich all die Jahre verpasst habe!

Die beste Anleitung (Drehbuch) hat für mich Svenja von Lotte&Ludwig mit dem Springinsfeld geschrieben. Ihre Anleitungen mag ich sowieso - bin damit aber auch ins Nähen hineingewachsen. Trotzdem: Sie sind immer voll von Wissen und anschaulichen Bildern, und bei den letzten Schnitten gibt es auch immer wieder motivierende Seiten, das ist einfach toll. Noch dazu erinnert mich der Schnitt an das herrliche Probenähen, wo wir alle Videos von der Passform gemacht haben und viele lustige Unterhaltungen entstanden sind. 

Auch für andere habe ich in diesem Jahr so einiges genäht. Der Freund bekommt regelmäßig schlichte Shirts, Papa und Bruder bekamen Jogginghosen. Das allerschönste Stück (Ehrenoscar) war aber definitiv die Weste für meinen Papa. 


Dank so einiger Lost Place Touren gab es in diesem Jahr auch so einige Bilder, die ich nicht mit Fernauslöser und Stativ gemacht habe, sondern die von lieben Menschen gemacht wurden. Das wird dann einfach authentischer und macht auch mehr Spaß, was man auf den Bildern sieht, finde ich. Die schönsten Bilder (beste Kamera) sind deshalb für mich sowohl von meinem Crop Top als auch vom Springinsfeld entstanden - hier sogar gemeinsam mit einer Freundin, die den Schnitt ebenfalls genäht hat. 



Die besten visuellen Effekte gehen an meinen Hoodie - einfach, weil der hier noch keinen Platz gefunden hat, aber einen großen in meinem Herzen. Es war ein wenig Mühe nötig, damit er sich dort einnisten konnte, aber nach der Kragenkorrektur sind wir nun ein Herz und eine Seele. 


Ich bin noch immer nicht im Bereich Cosplay unterwegs, Karneval ist in diesem Jahr ja leider *hust* ausgefallen - deshalb ist für mich das beste Kostümdesign das Hinterland-Hochzeitsgastkleid. Es gibt nicht viele Events, an die ich mich aus 2020 erinnere, aber die zwei Hochzeiten, die ich damit verbinde, die haben sich eingebrannt, und ich zehre immer noch davon. Die letzte, Ende September, war auch die letzte Gelegenheit zu tanzen und unter vielen Menschen zu sein. Das ist jetzt nicht was, was ich dauernd brauche, aber es tut manchmal einfach gut. 


Ein Tutorial (Dokumentarfilm) gab es in diesem Jahr auf dem Blog von mir nicht - dafür ist der #flickenfreitag auf Instagram ein bisschen gewachsen, darunter findet ihr ganz viele kleine Tutorials. 

Die beste Maske bleibt leider auch ohne Foto. Ich nähe von Anfang an die Anleitung von Nähtalente, das war im Frühjahr die erste, die aufgetaucht war bei meiner Suche und mich an die Einwegmasken erinnerte, und bei der bin ich dann auch geblieben. Wenn ich die obere Kante leicht unter die Brillengläser schiebe beschlagen diese nicht, sie ist bequem und rutscht nicht. Allerdings verwende ich kein Gummiband, sondern Jerseyband, das war halt noch hier. Ist auch hinter den Ohren sehr angenehm. Gemeinsam mit drei ebenfalls nähenden Kolleginnen/Freundinnen haben wir uns Weihnachtsstoffe gekauft und daraus wirklich schöne Masken genäht. Ich habe allerdings bisher vergessen, ein Foto zu machen, und da ich eben eine kleine Mini-OP im Gesicht hatte, möchte ich auch keines mehr nachreichen. Stellt euch einfach Rentiere, schöne Sprüche, viel Grün und Gold vor. 

Der größte Reinfall (Goldene Himbeere) geht in diesem Jahr an eine weitere Draufgängerin, die es nichtmal auf den Blog geschafft hat. Schon der zweite Versuch, mir eine taillenlange Jacke für über Kleider zu nähen, der nicht geglückt ist. Aber über eine Flohmarktgruppe hat sie eine neue, erfreute Besitzerin gefunden, das ist wohl nicht weiter schlimm.

Abseits von dem, was ich hier gezeigt habe, ist natürlich noch einiges anderes entstanden, vor allem natürlich aus Wolle, die findet (noch) keinen Platz im Rückblick, aber da Nina hier auch immer mehr versinkt, hoffe ich aufs nächste Jahr :) 

Da wäre noch gewesen:

Mein grüner Pullover sowie der für meine Mama aus grauem Flausch, mein rostrotes Latzkleid und der Hoodie für den Freund. 

Und so einiges hat es bisher noch nicht auf den Blog geschafft, es fehlt dann doch oft die Zeit. Geschenke, zum Beispiel: vier T-Shirts, zwei Kissen, ein Körnerkissen, ein Stoff-Schwein, Socken, Jogginghosen. Die Hundeschwester hat ein paar Dinge bekommen. Aus meinem Schrank fehlt hier noch eine Mütze und ein Stirnband, ein Schwung Leggings und Bustiers, ein Portemonnaie und ein Rucksack.

Und gerade zu Anfang des Jahres habe ich viele Wollreste in Babykleidung verwandelt, außerdem auch einige Dinge für kleine Würmchen in meinem Umfeld genäht.

Ich habe nicht genau nachgezählt, denke aber, dass es in diesem Jahr deutlich weniger Projekte gab als in den Jahren davor. Aber das war zu erwarten; wir sind umgezogen und haben viel renoviert, die Nähmaschine war ein paar Wochen in der Wartung und meine Materialien einige Wochen in Kisten. Ich hatte oft nicht den Kopf für große Projekte, deshalb ist viel kleines, notwendiges entstanden. 

Ein mir wichtiges Ziel habe ich aber auch in diesem Jahr weiter verfolgen können: Ich habe nur wenig Material neu gekauft. Gerade bei Wolle wüsste ich bis auf zwei Knäule nicht, dass ich überhaupt neues Garn gekauft hätte, das meiste kam über Kleinanzeigen oder war von mir geribbeltes. Auch viele Stoffe habe ich gebraucht gekauft oder eben schon hier gehabt. So darf es gerne weitergehen. Was 2021 angeht, lasse ich mich überraschen. Ob es Anlässe gibt, für die sich das Nähen lohnt, oder ob ich weiter die langweiligen Lücken im Schrank fülle (Stichwort Unterwäsche). Ein paar konkrete Pläne habe ich schon, auf die ich mich auch sehr freue. Aber sonst lasse ich mich von Schnitten und Stoffen überraschen und inspirieren. Ich bin mir jedenfalls sehr sicher, dass das Nähen und Stricken mir sehr geholfen hat, dieses bescheidene Jahr so gut durchzustehen. 

In diesem Sinne, 

happy knitting, happy sewing, 

Julia