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24. Juni 2020

Vom Jumpsuit, der gar keiner war {Springinsfeld}

Hallo ihr Lieben,

ich grüße euch aus meinem Garten. Da hänge ich im Moment recht häufig rum, denn zum einen ist es warm und dann draußen am schönsten, zum anderen haben meine Eltern es richtig geschickt gemacht und sind im Urlaub, während sie neuen Rasen bekommen haben. Jemand darf nun also zwei Stunden morgens und Abends den Sprenkler laufen lassen ... nunja, es gibt auch deutlich schlimmeres, schätze ich. Und so habe ich nun die Zeit, hier zu sitzen und mal wieder einen Blogbeitrag zusammenzuschreiben. 


Wenn das mal nicht ein Aufhänger-Bild ist, oder? So viel Freude, weil es nämlich einen neuen Schnitt von Lotte&Ludwig gibt: Den Springinsfeld Jumpsuit. Noch mehr Freude, weil ich zum ersten Mal zusammen mit einer lieben Freundin Probegenäht habe. Das hat dann noch eine ganz andere Note als das Probenähen an sich: Es ist genauso aufregend, leicht stressig, aber eben auch verbindend und interaktiver. Wir haben gemeinsam Stoff ausgesucht, und weil sie noch nicht so lange näht, habe ich auch immer mal wieder mit ein wenig Rat zur Seite gestanden. Das hat mir jedenfalls gut gefallen, vor allem das gemeinsame Foto Shooting am Ende. Gerne wieder, meine Liebe!


Ich habe ja schon ziemlich viele Schnitte von Svenja, dem kreativen Kopf hinter dem Label Lotte&Ludwig genäht. Sie trifft einfach immer wieder genau meinen Geschmack, ihre Anleitungen sind übersichtlich und verständlich und sie ist eine super nette Person. In den Probenähgruppen findet immer ein so freundlicher und motivierender Austausch statt, da freue ich mich jedes Mal wieder, wenn ich dabei bin. Als ich ihre erste Version des Schnittes sah, war ich sofort Feuer und Flamme. Locker, Leinen, Lässig. Oh ja, genau meins!


Ziemlich schnell hatte ich ein Bild vor Augen, wie mein Jumpsuit aussehen sollte. Ich wollte Leinen, weil ich das Material sehr schätze auf Grund seiner kühlenden Eigenschaften und Bequemlichkeit, aber auch wie einfach es zu verarbeiten ist und wie langlebig. Und dieses Leinen sollte bitte olivgrün sein. Und damit stand ich dann erstmal vor einem Problem. Für den Schnitt eigent sich Viskose-Leinen am besten, reines Leinen könnte auch schnell mal zu steif sein. Bei Stoff&Stil gab es genau den Farbton, den ich im Kopf hatte, aber alles war ausverkauft, selbst meine zweite Wahl. In drei Geschäften vor Ort gab es entweder gar kein Leinen in Grüntönen, oder sehr blasse Farben, die mir auch nicht zusagten. Wir waren ja wie erwähnt zu zweit auf Stoffsuche und hatten schon eine online Bestellung aufgegeben, aus der Not heraus. Da kam dann aber die Nachricht, dass der Versand aktuell bis zu 14 Tagen dauert. Zu lange für die Deadline beim Probenähen. 


Und dann wurden wir zum Glück noch bei Stoffe Volkermann fündig. Da hätte ich mal direkt schauen sollen, eigentlich haben die immer etwas, was mir gefällt. Und noch dazu ziemlich gute Qualität, was sich dann auch am Preis bemerkbar macht. In dem Moment war mir das dann aber auch egal, ich wollte jetzt endlich den Stoff haben und loslegen können, also habe ich mir das reine Leinen für 18 € den Meter eingepackt. Drei Meter sind es geworden, obwohl der Schnitt nur 2,5 verlangt, denn ich hatte Pläne. Und ich bin groß, da kann man auch besser auf Nummer sicher gehen. Normalerweise kann ich die benötigte Stoffmenge gut einschätzen, aber hier haben mir die abgefahrenen Schnittteile für die Träger keine Möglichkeit gegeben, das vorher zu wissen.


Der Schnitt besticht durch viele gut durchdachte Details: Das Oberteil mit Knopfleiste wird mit Belegen versäubert, entweder wie bei Jerseyshirts und Bündchen, Beleg zur Hälfte gebügelt dran, oder aufwändig, wie bei Blusen und Kragensteg oder Manschetten, also erst eine Seite dran, dann umbügeln und die andere Seite. Ähnlich wie Schrägband, eigentlich. Ich habe die aufwändige Variante gewählt weil ich so etwas schon oft gemacht habe und es von innen ordentlicher aussieht. 
Die Träger sind ein wenig das Herzstück des Schnittes und sorgen für den außergewöhnlichen Look. Damit alles gut sitzt, wird übrigens dringend ein Nesselteil empfohlen, was ich auch gemacht habe (da hatte ich einen anderen BH an, dessen Träger auch komplett verdeckt wurden. Der hier sitzt nicht so gut ...). Dadurch lassen sich direkt notwendige Änderungen erkennen und Enttäuschungen vermeiden. Ich habe zum Beispiel bei der Hose schon beim Nesselteil 1,5cm Leibhöhe hinzugegeben und das Oberteil verlängert. Trotzdem musste ich an der Hinterhose die Schrittnaht noch um einen Zentimeter erweitern und hätte auch das Oberteil breiter machen müssen, aber das ist im Rahmen des Probenähens noch geschehen, sodass ich mir das sparen konnte. Außerdem konnte ich durch das Probeteil abschätzen, wie sehr ich die Hosenbeine verlänern  muss (10cm). Ich habe im übrigen im Oberteil eine 42 und in der Hose eine 44 genäht, getreu meinen Maßen. Zwischen verschiedenen Größen zu wechseln ist bei diesem Schnitt kein Problem, das kann man einfach leicht auslaufen lassen zum Bund hin. 


Im Schnitt sind für die Hose Leistentaschen vorgesehen, seitlich genauso wie hinten. Die seitlichen habe ich auch so genäht, aber die hinteren habe ich weggelassen. Nicht, um mir die Arbeit zu sparen (obwohl Leistentaschen echt fummelig sind, sauer darüber war ich also nicht ...) aber ich mag Leistentaschen auf dem Po einfach nicht. Die stehen oft ungünstig auf, der Taschenbeutel schlabbert komisch in der Hose herum und auf so viel Fläche sieht es oft unproportional aus, wenn da nur eine schmale Leiste zu sehen ist. Vielleicht ist das bei kleineren Größen (und Hinterteilen, hehe) anders, aber bei so einer hohen Hose ist das schon viel Raum, der gefüllt werden will, finde ich. Deshalb habe ich mich für aufgesetzte Taschen entschieden. 


Noch ein Vorteil des gemeinsamen Nähens: Es lässt sich wunderbar herumalbern!


Ihr seht, der Jumpsuit macht alles mit :) Ich hatte ihn auch an meiner Geburtstagsfeier an und habe dafür ganz viele liebe Komplimente bekommen, was mich sehr stolz gemacht hat. Ist ja schon eher ein außergewöhnlicher Schnitt und an hohe Hosen taste ich mich ja gerade erst heran, also schön zu hören, dass es nicht nur mir gefällt. 


Total spannend finde ich auch zu sehen, wie unterschiedlich der Schnitt an uns wirkt. Ich bin ein gutes Stück größer und auch breiter, trotzdem finde ich, das wir beide gut angezogen sind. Während ich mich für knöchellange Hosenbeine entschieden habe, hat sie die Wadenlange Version gewählt, um nicht drin zu ertrinken, bildlich gesprochen. Der helle Stoff hat auch einen ganz anderen Look als mein dunklerer. So ein Probenähen ist wirklich praktisch, um alle Facetten von einem Schnitt entdecken zu können! Ich muss auch erwähnen, dass ich sehr stolz bin auf ihr Ergebnis. Gerade ein gestreifter Stoff ist wirklich nicht einfach zu händeln, aber mit den Streifen hat sie wunderbar gespielt. Und trotz des leichten Zeitdrucks, der bei einem Probenähen immer im Hintergrund ist, hat sie es super hinbekommen und sich durch die Anleitung gewurschtelt. Ich hätte mir den Schnitt definitiv nicht zugetraut, als ich auf ihrem Stand war, als: Hut ab. Oder auf?


Wie immer bei Lotte&Ludwig sollte auch dieser Schnitt mit einigen Varianten daherkommen. Svenja hatte schon zu Anfang erwähnt, dass es auch die Möglichkeit gibt einen Zweiteiler zu nähen, und spätestens da war ich dann Feuer und Flamme. Denn eine Hose in diesem Stil wollte ich sowieso für den Sommer nähen, einen schlichten, etwas längeren und geknöpften Rock auch und alles davon einzeln tragen zu können, wie perfekt ist das denn! Trotzdem hatten Oberteil und Hose erstmal Priorität, mit meinen 3m Stoff war ich ja doch eher auf der knappen Seite. Vor dem Zuschnitt dachte ich noch, dass es niemals passen würde, aber dann habe ich ziemlich gut gepuzzlet; und obwohl ich alle Belege auch aus dem Außenstoff zugeschnitten hatte (eigentlich war dafür ein Futterstoff angedacht, aber ich wollte nicht, dass dieser herausschaut) war es mir noch möglich, zumindest einen halblangen Rock zuzuschneiden. 


Allerdings auch nur in einer ganz einfachen Variante: Vom übrig gebliebenen Stoff habe ich einen Streifen für den Bund abgeschnitten, dann die offenen kurzen Kanten zu Knopfleisten umgenäht. Den Bund gekürzt auf die passende Länge, den Rock oben gekräuselt, Bund drum, unten gesäumt, fertig. Keine Taschen, was mir sehr schmerzt, sehr gerne hätte ich große aufgesetzte Taschen gehabt. Aber vielleicht fahre ich dafür einfach nochmal in den Stoffladen und hole mir 20cm davon ... das geht ja nachträglich noch. 
Und somit habe ich ein Oberteil, eine Hose und einen Rock aus 3 Metern Stoff genäht. Alles lässt sich miteinander, aber auch mit 80% meines Kleiderschrankes kombinieren. Wenn ich in den nächsten Tagen mal die Muße (und vor allem Zeit!) habe, werde ich ein paar mögliche Outfits festhalten. 
Übrigens habe ich vergessen, das Oberteil zu verlängern, wenn ich mich nun also mehrfach vorbeuge, rutscht es doch hinten aus dem Rock oder der Hose heraus. Kein Drama, aber ärgerlich, denn es shoppt sich auch nicht ganz so sehr über den Bund, wie es gedacht ist. Muss ich den Schnitt wohl nochmal nähen ... 

Den gibt es übrigens als Ebook und Papierschnitt bei Svenja im Shop. Wenn ihr noch mehr Inspiration sucht, schaut unter dem #springinsfeldebook bei Instagram oder in der Lotte&Ludwig Facebook Gruppe, da werden oft nach der Veröffentlichung alle Beiträge geteilt. Es lohnt sich, den Schnitt näher zu betrachten, es ist wirklich ein schönes Projekt mit so viel Hilfestellung. Verschiedene Rockvarianten werden kurz vorgestellt, Varianten der Hose und unglaublich viele Schnittanpassungen werden erklärt, sodass das fertige Teil eigentlich nur gut sitzen kann. Soweit ich weiß haben selbst die verzweifeltsten Probenäher am Ende ein passendes und schönes Teil genäht, egal wie viele Anpassungen nötig waren. Wenn das mal kein Erfolgserlebnis ist. 


Zum Schluss noch ein Danke: An euch, fürs Durchhalten, da sind ja doch viele Worte aus mir herausgesprudelt, an E. fürs gemeinsame Nähen und an V. für die schönen Bilder. Nähen verbindet, und ich bin sehr glücklich darüber. 

Happy sewing, 

Julia

14. April 2020

Gefütterte Lederjacke aus alten Jacken

Hallo ihr Lieben,

endlich konnte ich mir mal ein wenig Zeit freischaufeln um diesen Blogbeitrag zu verfassen. Im Moment ist bei mir einfach irre viel los, der Umzug naht mit großen Schritten und auf der Baustelle ist noch immer so viel zu tun. Da war in den letzten zwei Wochen neben Arbeiten, Essen und Duschen eigentlich keine Zeit mehr für irgendetwas anderes. Mittlerweile haben wir aber gut vorgearbeitet, sogar die Wohnung ist schon halb leer. Hoffentlich wird es jetzt also ein wenig entspannter. Ich habe schon eine Woche nicht gestrickt, das fühlt sich unglaublich seltsam an und ist mir noch nie passiert. 
Es kann gut sein, dass es auch in den nächsten Tagen ruhig bleibt hier auf dem Blog. Keine Ahnung, wie das mit dem Internet so klappt, ihr kennt das sicherlich. Und wenn wir erstmal drin sind im Haus gibt es ja auch weiterhin viel zu tun ... also wundert euch nicht. 

Soweit zum Prolog, kommen wir mal zur Sache, das interessiert euch ja auch gar nicht so sehr.



Ich habe mir ein Motorrad gekauft! Okay, Spaß beiseite, auf die Idee würde ich nie kommen. Aber es stand so schön passend da, fühlte sich als genau das passende Foto Zubehör an zu meiner Jacke, da musste ich ein schnelles Bild knipsen (lassen). Der Freund hat mich davon abgehalten, auf die Maschine zu steigen. Vermutlich auch besser so, bei meiner Tollpatschigkeit, und ist ja auch einfach fremdes Eigentum.


Da erzähle ich euch was von zur Sache kommen und tue es doch nicht. Verrücktes Huhn ich. Also gut, auf den Bildern seht ihr ein Projekt, das mich seit langem mal wieder so richtig herausgefordert hat. Entstanden ist es beim Probenähen für Lotte & Ludwig, also handelt es sich bei dem Beitrag, den ihr lest, um Werbung, denn ich habe für den Schnitt ja nichts bezahlt. Der Aufruf zum Probenähen kam genau im passenden Moment um die Ecke, denn für zwei Hochzeiten im Sommer (die hoffentlich stattfinden werden...) habe ich mal wieder geplant, mir mein Outfit selbst zu nähen, und für oben drüber wollte ich gerne eine kurze Jeansjacke nähen (Also, am Körper kurz, nicht an den Armen. Das sähe ja ganz furchtbar seltsam aus). Der Schnitt ist im Prinzip ein klassischer Jeansjackenschnitt mit allen bekannten Details: Seitentaschen, Kragen, vielen Absteppungen, Manschetten, Brusttaschen.


Neben der klassischen und ungefütterten Variante gibt es aber auch die Möglichkeit, die Jacke zu füttern, ganz 80er Jahre mäßig mit Teddyfell zum Beispiel. Und natürlich eignen sich neben Jeans auch alle anderen festen Stoffe, zum Beispiel Cord, Canvas, Oilskin oder auch Leder. Ha, Leder! So kommen wir wieder zurück zu meiner speziellen Jacke. Nachdem für mich ja schon feststand, dass ich eine kurze Jacke aus Jeans nähen wollte, habe ich überlegt wie eine gefütterte Variante für mich aussehen könnte. Nochmal Jeans war mir zu öde, mit Cord stehe ich auch ein wenig auf Kriegsfuß. Durch ein anderes Projekt hatte ich vor kurzem über Dinge nachgedacht, die ich aus alten Lederjacken nähen könnte und so hat sich wohl die Verbindung in meinem Gehirn gebildet, zack, ich wollte eine gefütterte Lederjacke. Und weil ich Leder als Material toll finde, aber nichts kaufen möchte wofür ein Tier seine Haut hergeben muss, habe ich mich auf Kleinanzeigen nach gebrauchten Jacken umgeschaut. Denn noch trauriger, dass eine Kuh, ein Lamm oder sonst irgendein Wesen stirbt finde ich ja, wenn das daraus entstandene Produkt auf den Müll landet und nicht genutzt wird. Deshalb kann ich guten Gewissens Leder Second Hand verarbeiten.


Nach einiger Sucherei habe ich zwei Jacken von ein- und derselben Verkäuferin gefunden, die dann auf meine Bitte hin die Lederarten verglichen hat. Sie sagte, dass sie sich recht ähnlich seien, was mir ausreichte. Für zwei Jacken in XL habe ich mit Versand 22€ bezahlt, Teddystoff und Knöpfe kamen neu dazu, weil auf Grund des Probenähens ja die Zeit ein wenig eilte, sonst hätte ich es auch hier Second Hand versucht. Außerdem dachte ich mir zu dem Zeitpunkt schon, dass die Geschäfte bald schließend werden und hatte so ein "jetzt noch schnell"-Gefühl, was sich bestätigt hat.


Bei so komplizierten Projekten und vor allem beim Probenähen macht es immer Sinn, ein Nesselteil zu nähen, also aus günstigem Stoff die Stücke einmal grob zusammenzutackern. Details wie Taschen und Kragen kann man weglassen, auch reicht oft ein Ärmel aus. Das habe ich in diesem Fall gemacht und daraufhin beschlossen, dass eine 42 für mich gefüttert passen sollte. Damit bin ich aber eher auf der knapperen Seite gelandet, gerade über der Brust spannt es schon ein wenig. Ich hoffe, dass das Material sich da noch ein wenig nachgiebig zeigt; aber wenn ihr dicken Außenstoff und Teddyfutter habt nehmt lieber eine Nummer größer, das passt ja auch ganz gut zur Gesamtoptik.


Bisher klingt alles recht geschmeidig, oder? Tja, ich will ja keine Tatsachen hier verschleiern, also mal Butter bei die Fische. Ich habe mit der Futterjacke begonnen; denn durch die kurze Version kannte ich das Schnittmuster schon und konnte das Futter recht flott runterrattern. In der Probenähgruppe hatten viele berichtet, dass es in ihren Nähecken (oder -zimmern) aussehe, als hätten sie einen Teddybären brutal zerstückelt. Daraufhin habe ich direkt nach dem Zuschnitt alle Teile einmal unter der Overlock durchgezogen. Damit ging es wirklich gut und ich habe kaum Fussel entdeckt.


Nach der Futterjacke kam dann der Zuschnitt der Außenjacke, und da habe ich wirklich gekämpft. Zuerst mussten ja die beiden Jacken zerlegt werden. Ich habe das Futter entfernt und dann vorsichtig entlang der Nähte geschnitten. Bei manchen Stoffen lohnt es sich vielleicht, die alten Nähte aufzutrennen; bei Leder sieht man aber die Einstichstellen und kann diese Bereiche sowieso nicht wiederverwenden, also habe ich mir die Mühe gespart. Ich hatte dann je Jacke die Ärmel, Vorderteile, Rückenteile, Passen und Krägen. Und was habe ich gepuzzlet, um daraus alle benötigten Teile für die Jacke herauszuschneiden! Ein paar Details waren mir nämilch wichtig: Ich wollte gerne eine Rückennaht übernehmen und so wenig schiefe Nähte wie möglich einbauen. Am Ärmel habe ich zum Beispiel eine Quernaht, die nicht durch den Schnitt entstanden ist, sondern weil ich die Schnittteile so auflegen musste das eine alte Naht übernommen wurde. Der Saum sollte auch möglichst nicht gestückelt werden müssen, ebenso wie die Manschetten. Es war ein Kampf, hat aber am Ende geklappt.


Auch das Nähen selbst war kein Spaziergang. Ich bete meine alte Pfaff ja für ihre Robustheit an, aber hier sind wir gemeinsam an unsere Grenzen gegangen. Wir haben im Nachtdienst genäht, was das Ganze nochmal erschwert hat, da bin ich nämlich zum einen unmotivierter, zum anderen einfach nicht so konzentriert. Aber tagsüber ging es nach dem Schlafen direkt auf die Baustelle, also musste die Nacht herhalten. Zwei Nächte mit je 5-6 Stunden war ich beschäftigt bis endlich das Futter drin war, zu Hause musste dann nur noch der Saum abgesteppt und die Knöpfe befestigt werden. Aber bis ich an diesem Punkt war, habe ich einiges an Nerven gelassen. Die vielen Lagen Leder haben meine Maschine wirklich heiß laufen lassen und ich bin stolz, dass nur eine Nadel gebrochen ist.


Natürlich kann Leder auch nicht gebügelt werden, damit die Absteppungen schön werden  musste ich also sehr langsam arbeiten und den Stoff immer richtig drücken und ziehen. Auch das war am Ende wirklich anstrengend. Am schwierigsten waren die Stellen, wo ich Nähte der Ursprungsjacken übernommen hatte. Die trafen dann im schlimmsten Fall auf neue Nähte und mussten abgesteppt werden ... ich habe sehr viel am Handrad gedreht bei diesem Projekt. Noch ein Aspekt, der das Nähen für mich weniger erfreulich gemacht hat: Die Jacken hatten einen Eigengeruch. So wie manche Sachen aus Second Hand Läden, die riechen einfach so fremd, die muss ich mehrmals waschen bis ich mich darin wohlfühle. Versteht ihr, was ich meine?


Neben den Seitentaschen, die dann doch einfacher waren als gedacht, habe ich mich bei den Brusttaschen für die Fake-Variante entschieden. Unter den Taschenklappen befindet sich also nichts. Hierzu hatte ich eine lustige Unterhaltung mit einem Kollegen, der sich darüber mokierte. Ich habe dann geäußert, dass man doch sowieso nichts in solche Taschen packt, woraufhin er entgegnete, dass er immer sein Portemonnaie oder Schlüssel dort verstaut. Ich habe mich dann korrigiert, das "Frau" Brusttaschen nicht nutzt, er hat dann eingelenkt, das würde vermutlich komisch aussehen, so einseitig ausgebeult.



All meine Mühen haben sich aber gelohnt, ich bin sehr glücklich mit meiner Jacke und habe sie auch schon ein paar Mal getragen bevor es so plötzlich und übergangslos Sommer wurde. Mittlerweile ist es wieder etwas frischer, vielleicht habe ich also noch ein paar Möglichkeiten die Jacke auszuführen bevor es zu warm dafür wird. Aber dann kann ich ja die andere aus dem Probenähen entstandene hervorholen. 

So, nun die hilfreichen Links für euch zum Schluss: Zur Jacke trage ich komplett selfmade: Da wäre die Jeans und hier das Shirt. Die Draufgängerin gibt es als Ebook und Papierschnitt, viele weitere Beispiele findet ihr auf Instagram unter #draufgängerebook oder in der Facebookgruppe von Lotte und Ludwig. Aktuell läuft noch das Probenähen für die Kinder-Variante, danach wird es noch eine für Herren geben und am Schluss dann sicherlich ein Gesamtpaket der Schnittmuster, falls ihr eure ganze Familie einkleiden wollt. Die Anleitung führt euch da auf jeden Fall sehr detailliert durch, wenn ihr also auf der Suche nach einer kleinen Herausforderung seid: Los geht's!


Happy sewing, 

Julia

27. Juni 2019

Ein Strandkleid aus Resten

Hallo ihr Lieben, 

zu Beginn, nehmt euch in acht, auch dieser Beitrag erhält Werbung da mir der Schnitt für das Probenähen kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Meinung trotzdem meine. 

Manchmal trifft es sich ja, dass mehrere Ereignisse zusammentreffen und sich daraus etwas großartiges entwickelt. Ich habe jetzt ungefähr fünf Minuten lang ein Beispiel gesucht, gedanklich, mir ist aber leider nichts eingefallen, heftet es also unter gewagte These ab. Ich kann euch nur meine persönliche Erfahrung berichten.


Ereignis Nummer eins: Ich sah im Online Shop Junidesign einen wunderschönen breit gestreiften Sommersweat, den ich gerne haben und vernähen wollte. Aus mir absolut unerklärlichen Gründen bestellte ich einen halben Meter davon. Dachte nicht weiter darüber nach. Wunderte mich beim Auspacken, was das denn soll, nur um bei der Kontrolle des Lieferschiens festzustellen, dass es sich um keinen Fehler handelte. Jedenfalls keinen von Junidesign, sondern von mir. Ziemlich frustriert habe ich den Stoff ins Regal gelegt und konnte auch Monate später kein Projekt finden, wofür ich diesen Stoff sinnvoll nutzen könnte. 


Ereignis Nummer zwei: Selmin erklärte am 1. Juni, dass es in diesem Monat bei ihrer fantastischen Challenge #12ausdemStoffregal um Streifenstoffe gehen sollte. Da ich eigentlich kein wirkliches Stoffregal besitze, kam nur ein einziger Stoff in Frage, nämliche dieser Stoffrest. Mein Ehrgeiz war geweckt, jetzt wollte ich ziemlich dringend eine sinnvolle Verwertung dafür finden.


Ereignis Nummer drei: Svenja rief zum Probenähen des erneuerten Mittsommer-Schnittes auf. Schon da machte es klick in meinem Kopf (ihr kennt es, wenn Wickie der Wikinger eine Idee hat?) und ich vermerkte mir geistig diese Idee. Trotzdem wollte ich den Schnitt vorab aus einem anderen Stoff nähen, da ich mich nur dreifach geärgert hätte, wenn ich den sowieso schon als schwierig abgestempelten Stoff nun auch noch mit einem nicht ausgereiften oder nicht sitzenden Schnitt verhunzt hätte. Also habe ich erst die Schösschenbluse genäht; als dann aber klar war, dass der Schnitt auch weiterhin super sitzt, habe ich direkt im Anschluss mein Kleid zugeschnitten.


Mit ganz viel Fummelei passten tatsächlich Vorder- und Rückenteil sowie die Bündchen auf meinen halben Meter. Das war nicht so einfach, weil sich die Enden entlang der langen Seite so ätzend eingerollt hatten, mehrere Zentimeter, und ich ja auch noch ein bisschen auf die Streifen achten musste. Was im Nachhinein absoluter Quatsch war, denn dank Brustabnähern passt es an den Seitennähten sowieso nicht. Achja, Mitdenken klappt auch nicht immer. Dafür ist der Halsausschnitt in rot gesäumt, wie ich es wollte, und auch die Ärmelaufschläge sind super cool symmetrisch.


Zu meinem Sweatrest brauchte ich ja noch einen Kombi-Stoff. Da gab es nicht viele Kandidaten, da kein wirkliches Stofflager. Trotzdem fand sich in dessen Tiefen (weil fast alle Stoffe dunkel, da kann auch bei nur acht Stoffen mal was untergehen) ein Stück Rippenjersey, ziemlich fest und auch nicht extrem dehnbar, die Eigenschaften passten ganz gut zum Sommersweat. 
Ich habe, wie bei der Schösschenbluse auch, eine 40 zugeschnitten, in diesem Fall jedoch ein paar Verlängerungen eingefügt. Das Oberteil ist um etwa 3cm verlängert, damit es in der Taille schön locker sitzt und sich nicht nach Empire anfühlt. Auch der Rock ist verlängert, etwa um 6cm.


Der Tunnelzug in der Taille bringt alles schön in Form, was bei diesem Material und Schnitt auch wichtig ist, sonst wäre tatsächlich die Taille die weiteste Stelle. Die doch eher dicken Stoffe haben sich nämlich in diesem Bereich ein bisschen geweitet und brauchen daher ein wenig Begrenzung durch die Kordel. Die ich mittlerweile durch eine etwas dickere und farblich passendere ersetzt habe.


Dafür, dass es sich um ein Resteprojekt vom Probenähen handelt, bin ich ziemlich zufrieden. Es trägt sich trotz der dicken und schweren Stoffe auch bei warmen Temperaturen total gut, weil es bis auf die Taille sehr locker sitzt (und auch dort kann man durch eine lockere Bindung Luftzirkulation ermöglichen). Die Länge gefällt mir sehr, ist eigentlich genau richtig, sodass ich mich angezogen und zeitgleich nicht übertrieben bedeckt fühle. Die Kombination aus rot/weißen Streifen und dem blauen Rock finde ich absolute Oberklasse, wusste gar nicht, dass mir das so gut gefallen würde. Aber eigentlich ziehe ich das sogar oft an, rot/weiß gestreift zur Jeans, ist ja doch ähnlich.


Ich verlinkte mein Strandkleid (genau danach sieht es für mich aus) jetzt bei Selmin sowie bei Sew La La und Nähfrosch

Happy sewing ihr Lieben!

Julia

23. Juni 2019

Schösschenbluse oder: Öfter mal was neues

Hallo ihr Lieben,

ich warne euch direkt zu Beginn des Beitrags vor: Er enthält nämlich Werbung und könnte euch damit beeinflussen. Den Schnitt habe ich im Rahmen des Probenähens kostenfrei bekommen, was mich aber in keinster Weise beeinflusst. 


Der Mittsommer ist groß geworden! Hä? Ist das jetzt auch eine Auswirkung des Klimawandels? Ne, Quatsch, mir ist nur die Sonne ein bisschen zu Kopf gestiegen, dabei kommen dann so pseudo witzige Dinge heraus. 
Den Schnitt Mein Mittsommer von Lotte&Ludwig habe ich schon mehrfach genäht. Zwei Blusen trage ich gerade im Sommer rauf und runter, zwei sind dafür schon aussortiert weil sie nicht so gut sitzen/mir nicht mehr gefallen haben und auch von einem Kleid habe ich mich verabschiedet. Aber trotzdem habe ich den Schnitt schon fünf Mal genäht, spricht also für ihn. (Und zusätzlich mindestens drei Mal für die Mama!) Dementsprechend habe ich fröhlich auf und ab gehüpft als Svenja im Rahmen der Größenerweiterung ein Probenähen veranstaltete und dafür auch für die bisherigen Größen nach NäherInnen suchte. 


Weil das Ganze aber ziemlich spontan passierte und zusätzlich noch um meinen Geburtstag und die dazugehörigen Feierlichkeiten stattfand, hatte ich keine Zeit um Stoff zu kaufen oder das Ganze groß zu planen. Für eine erste Version habe ich also zwei verschiedene schwarze Jersey Reste aus dem Regal gezogen und beschlossen, mal was neues zu wagen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und das stimmt in diesem Fall zu einhundert Prozent. 


Es ist nämlich so, dass ich bisher noch nie etwas mit Schösschen getragen oder genäht habe. Also weder gekaufte Kleidung, noch genähte. Ich war immer der Meinung, dass mir das nicht stehen würde, meine Hüften noch breiter aussehen lässt und auch irgendwie zu niedlich verspielt ist. Aber dank der vielen tollen Probenäherinnen konnte ich schon einige Beispiel von den Blusen mit Schösschen an verschiedenen Frauen sehen und war mir meiner Meinung nicht mehr so sicher. Unsicher genug, um mich daran zu wagen. 


Ein kurzer Blick auf die Maßtabelle hat für mich entschieden, dass ich die 40 nähen werde. Diese hatte ich in bisherigen Modellen auch immer, und obwohl meine Maße eher im unteren Bereich der 42 ansässig sind (BU 96, HU 106) wusste ich dank der bisher genähten Blusen, dass sie locker ausfällt und deshalb bequem passen wird. Noch dazu hatte ich mich ja für Jersey entschieden, da darf es für meinen Geschmack auch mal etwas enger sein. Also, nicht generell. Aber wenn ein Modell für Webware und Maschenware gedacht ist lohnen sich kurze Gedanken über eventuell unterschiedliche Größenauswahl je nach Material. Lange Rede kurzer Sinn: Größe 40 ohne Änderungen, weil ich wie schon erklärt von Schösschen keine Ahnung habe. 


Ich konnte die oberen Teile, die Tasche und die Armbündchen aus dem einen Rest zuschneiden, das Schösschen und das Bündchen für den Halsausschnitt dann aus dem anderen Rest. Dabei musste ich beim hinteren Schösschen ein bisschen schummeln, der Fadenlauf ist jetzt nicht wie im Schnitt vorgesehen und ich bin selbst Schuld, sollte sich da etwas verziehen. 


Mit dem Halsbündchen musste ich ein bisschen kämpfen. Da schneide ich eigentlich nie nach Schnittteil zu, weil ja doch jedes Bündchen und jeder Jersey andere Dehnbarkeit mitbringen. Ich nähe dann nach Gefühl an, damit komme ich meistens besser zurecht. Nur hier irgendwie nicht, beim ersten Mal hatte ich einen Stehkragen produziert und durfte dann mühevoll drei Zickzack-Nähte auftrennen. Erst im dritten Anlauf klappte es zufriedenstellend. Dafür liefen die Armbündchen sofort, auch das Umschlagen und nur oben und unten mit ein paar Stichen fixieren hält besser, als gedacht. 


Ich habe die erste Anprobe direkt gemacht als die Oberteile mit dem Schösschen verbunden waren und war nicht ganz so angetan, aber auch nicht abgeschreckt. Definitiv interessiert wie es in vernünftiger Kombination und fertig aussieht (Schlafanzughose ist meistens nicht so der beste Partner).


Als sie dann fertig war - und Achtung, obwohl es nur ein Jersey-Shirt ist vergeht doch ein bisschen Zeit mit den Säumen, der Tasche, den Abnähern - habe ich sie nochmal angezogen, war weniger abgeneigt, aber auch noch nicht voll überzeugt. Ich konnte nur nicht einordnen, ob es an der für mich ungewohnten Optik lag oder wirklich an der Kombination von mir und Schösschen. Da hilft nur die Konfrontation mit der freien Wildbahn. Die Mama fand es süß, aber das Schösschen ein bisschen zu hoch und breit. Das kann ich halbwegs unterschreiben, die Breite bzw. Länge gefällt mir, aber bei einer weiteren Version würde ich das Oberteil etwas verlängern und das Schösschen weiter unten ansetzen. 5-10cm etwa. 
Eine Kollegin und Freundin kommentierte ungefragt, ob ich das denn selbst genäht hätte, wäre ja mal was neues, sähe gut aus. Hui! Und dann habe ich eins der Bilder auf Instagram geteilt und wurde überrannt von positiven Kommentaren, die mich richtig glücklich gemacht haben. Also scheint mir die Bluse wohl zu stehen! Ha!


Ich freue mich jedenfalls auf dem Sommer mit diesem Teil, ist es doch so schön luftig und schwingt leicht herum. Kann ich mir auch super aus Viskose oder so etwas vorstellen. 
Neben einer Bluse mit Schösschen gibt es noch eine schlichte Bluse so wie ein Kleid, alles auch in Umstandsversionen. Es gibt Varianten für Knopfleisten vorne und hinten, sodass es viele Möglichkeiten zum Spielen mit diesem Schnitt gibt, die glücklich machen können. Den Schnitt gibt es in den Größen 34-52 (BU 82-128cm) und viele Impressionen in der Facebookgruppe oder auf Instagram unter dem #meinmittsommer

Zwei Fragen zum Schluss noch:
Seid ihr auch der Meinung, dass mir ein Schösschen steht? :D
Und: Habt ihr nach Probenähaktionen auch immer so einen Tunnelblick? Durch die vielen Varianten beim Probenähen will ich jetzt aus jedem Stoff irgendeine Version des Mittsommers nähen ... wäre nur ein bisschen einseitig!


Happy sewing, 

Julia


13. Juni 2018

Spitzenmädchen

Hallo ihr Lieben!

Im Rahmen der neuen Datenschutzverordnung sind ja leider viele tolle Blogs verschwunden. So hat es auch den RUMS mitgerissen in die Versenkung, wo sich bis dato eine Menge Inspiration finden ließ und ich auch mitgemacht habe. Zum Glück hat Fredi von Seemannsgarn drei neue Linkpartys aufgetrieben, die ebenfalls Donnerstags stattfinden: Women on Fire, Sewlala, und Du für Dich am Donnerstag. Ich bin gespannt, wie es sich dort verhält, sie sind ja alle dem RUMS sehr ähnlich und im Regelwerk sehr locker und allgemein. Mal schauen, ob sich eine durchsetzt oder verschiedene Schwerpunkte entwickeln. Ich freue mich erstmal, bei so vielen mit meiner Shorts mitmachen zu können!


Das letzte Milchmädchen ist eindeutig das aufwändigste, was ich im Probenähen genäht habe (Achtung, Werbung!). Die Idee, irgendwie Spitze zu verwenden, kam mir, nachdem ich die erste Shorts genäht hatte und durch meine Reste wühlte. Dort lag noch die Spitze von meiner Jacke Carol, und schon war der Gedanke da. Weil Spitze allein aber doch etwas mehr Einblicke zulässt, als mir lieb ist, habe ich sie zu allererst auf einen Rest weiße Viskose aufgenäht. Daraus habe ich dann auch das Schrägband hergestellt. Der blaue Stoff ist ein Rest Chambray von einem unverbloggten da nicht passenden Hemd. 


Diese Shorts ist wieder in Größe 42 genäht, im Schritt um 2cm erhöht und dafür unten an den Beinen um etwa die selbe Länge gekürzt. Durch die Spitze und die knappe Länge wird sie etwas weniger sportlich und fast schon schick, finde ich. Um im Thema zu bleiben, habe ich sie mit meinem Fräulein Lenz kombiniert, da gibt es gleich mehrere Verbindungen: Der Stoffrest für Tasche und Schrägband kommt von genau dieser Bluse. Und beides sind Schnittmuster von Lotte&Ludwig, was ein Zufall!


Genäht habe ich mit blauem Nähgarn, dadurch sieht man die ein oder andere Unregelmäßigkeit, aber nur von ganz nah, und selten kommen Menschen meiner Kleidung so nahe. Ich bin ein bisschen verliebt in diese Kombination von (optischem) Denim und Spitze und bin mir sicher, dass ich diese Hose im Sommer häufig tragen werde. 


Hinten habe ich wieder Abnäher gewählt weil der Stoff nicht ganz so leicht fällt und ich keine komschen Beulen wollte. Der Bund ist wie im Ebook vorgesehen mit Gummibund genäht. A pro pos Bund, eine Änderung, die ich bei allen drei Milchmädchen gemacht, aber nicht fotografiert habe: Statt den Bund komplett rechts auf rechts an die Hose zu nähen und dann die unschöne Nahtzugabe in der Hose zu haben, habe ich nur eine Seite rechts auf rechts angenäht, dann nach innen geklappt, die Nahtzugabe in den Bund gebügelt und die andere lange Seite vom Bund 1cm umgebügelt, dann von außen angesteppt. Lässt man dabei eine Lücke, kann das Gummiband wunderbar nachträglich noch eingezogen werden. Und es sieht so viel schöner aus!


Damit habe ich euch meine drei Mädchen aus dem schönen Probenähen gezeigt. Ich bin froh, dass mal wieder nur tragbare Exemplare entstanden sind und außerdem so einige Reste verbraucht wurden, dafür ist die Shorts einfach perfekt. Ihr könnt sie sowohl bei Makerist als auch bei Dawanda erstehen. 


Happy sewing, 

Julia




10. Juni 2018

Eine Shorts für alle Fälle

Hallo ihr Lieben, 

zu erst einmal das allerwichtigste: Werbung, da im Probenähen entstanden und Nennung von Dingen und all diese tollen Angaben, ihr versteht schon was ich meine. 



Damit ich mich nicht weiter über diese schöne neue Regelung lustig mache, erstmal schön auf eine Wiese setzen und Blümchen zählen. Die Wiese ist übrigens unser Garten, der sich erfolgreich dagegen gewehrt hat, einfach Rasen wachsen zu lassen und nun eine Mischung aus Moos, Unkraut und Blümchen ist. Wir haben ebenso aufgegeben ihn zu zähmen und nehmen das nun so hin. Grün ist es ja trotzdem. 
Eigentlich soll es aber hier um etwas ganz anderes gehen, für die liebe Svenja von Lotte&Ludwig war ich mal wieder aktiv beim Probenähen des neuen Schnittes dabei. Die Milchmädchen Shorts gibt es schon länger für Kinder, und anscheinend waren die Rufe der benähenden Eltern so laut, dass es nun auch eine Version für Frauen gibt. 


Es handelt sich dabei um eine eigentlich ziemlich simpel genähte Shorts mit ein paar optischen spaßigen Dingen. Nein, Cellulite und blaue Flecke gehören nicht dazu, das sind meine optisch spaßige Dinge ;) Die Hose dagegen kommt mit Schrägbandeinfassung daher, wodurch sich der Schnitt sehr variabel gezeigt hat. Schlicht oder gemustert, Bommelborte, Spitze, da ist eine Menge nötig. Ansonsten: Taschen und Gummibund. Noch irgendwelche Fragen, oder schon überzeugt?


Diese graue-mint farbene Version ist emine erste Hose aus dem Probenähen, danach ist der Schnitt nochmal angepasst worden. Außerdem habe ich hier eine 44 genäht, später dann auf 42 gewechselt, weil genug Platz da war. Trotzdem mag ich die Geräumigkeit dieser Hose, durch den leichten Stoff sieht sie nicht zu groß aus und ist dabei super luftig. Der Stoff ist ein Rest von meiner Hose letzte Woche, der Harper, dünnes Leinen. Das Schrägband habe ich selbst aus einem Rest Seide gemacht. Ansonsten habe ich die Länge erstmal so belassen (die Shorts lässt sich auch sehr einfach kürzen), dafür aber im oberen Bereich, also im Schritt, 2cm dazugegeben. Nach über 4 Jahren Kleidung nähen habe ich endlich mal verstanden, dass ich wohl einen sehr langen Unterkörper habe. So sitzt die Hose super bequem, ich kann mich perfekt darin bewegen und mag sie gar nicht mehr ausziehen. 


Ein passendes Top hatte ich auch noch im Schrank. Wenn das mal kein Zufall ist! 
Nachdem dann diese Shorts fertig war gab es eine Aktualisierung des Schnittes, den habe ich dann auch gleich noch zweimal vernäht, weil ich so begeistert war. Eine Version zeige ich euch heute, und meine liebste habe ich für ein anderes Mal aufgespart. 


Eigentlich ist der Schnitt für Webware geplant. Da Eigentlich aber eigentlich auch nichts aussagt (wenn ich eins aus dem Deutschunterricht mitgenommen habe, dann das), habe ich zu einem Rest festem Jersey gegriffen, von meinem Silvesterkleid, und in Kombination mit Schrägband aus Viskosejersey, ebenfalls ein Rest, eine eher sportliche Shorts genäht. Damit es nicht zu sehr bollert, habe ich die 42 ohne Nahtzugabe zugeschnitten und den Bund arg gekürzt. Die Länge ist ebenfalls die aus dem Ebook, plus meine 2cm im Schritt. 


Ich habe nämlich keine kurzen Sporthosen mehr und plante schon länger, welche zu nähen. Gar nicht so leicht einen Schnitt zu finden, da kam mir dieses Probenähen sehr gelegen. Nun ist die fertige Hose schon fast zu schade "nur" für Sport, hihi. Aber ich kann mir ja noch mehr machen, so ein Glück. Schrägband aus Viskosejersey war übrigens nicht die beste Idee, sehr flutschig und zu sehr dehnbar, sodass die Rundungen jetzt am mittigen Vorderteil etwas umklappen. Mal sehen, ob ich das noch geändert kriege. 


Für das Hinterteil der Hose gab es am Anfang übrigens nur Falten oben am Bund. Wir haben dann im Probenähen aber schnell festgestellt, dass das an einem Kinderpo sehr niedlich, an einem Frauenpo aber oft eher komisch aussieht. Somit wurden Abnäher hinzugefügt, für die ich mich bei dieser Hose dann auch entschieden habe. Da der Jersey doch eher dick ist, dachte ich mir, würden Falten nicht schön liegen. Bei der oberen Hose habe ich aber die Falten genommen und bin damit zufrieden. 
Noch eine Veränderung bei meiner Sporthose: Statt Gummizug habe ich einen alten Schnürsenkel eine Kordel eingezogen. Für Sport finde ich es dann doch besser, die Hose ganz fest schnüren zu können. 


Falls es noch  nicht aufgefallen ist: Ich bin ehrlich begeistert von diesem Schnitt. Ja, Werbung und Probenähen und so, aber ich habe auch nichts davon euch hier irgendwelche Lügengeschichten aufzubinden, Provision oder sowas gibt es nicht, also ist das meine ganz ehrliche und authentische Meinung. Die Hose ist super, um Reste zu verwerten, für drei Hosen habe ich nicht ein einziges Stück Stoff oder Zubehör zusätzlich gekauft, was will man mehr? Ich kann mir vorstellen, dass der Schnitt bei mir noch häufiger genäht wird, für Sporthosen werde ich ihn definitiv öfter nutzen, ebenso für kurze Schlafanzughosen, weil unglaublich bequem. Und auch für die Freizeit nutzbar. Neben einer klassischen Shorts also eigentlich der einzige Schnitt, den ich noch brauche. 


Ihr könnt den Schnitt sowohl bei DaWanda als auch Makerist bekommen, mit Einführungsrabatt wenn ihr schnell seid. 

Und ich wühle dann mal weiter durch meine Reste und schaue, welche Kombinationen sich noch so ergeben ... 


Happy sewing!

Julia