Für den Me Made Mittwoch im Februar habe ich ein euch bisher unbekanntes Teil aus dem Schrank gezogen, das dort aber schon seit über einem halben Jahr seinen festen Platz hat. Es hat sich bisher einfach keine Situation ergeben, in der ich passende Fotos gemacht habe. Weil ich so Altlasten aber nur schlecht aushalten kann, habe ich es jetzt endlich hinter mich gebracht.
Der Morris Blazer ist eine Anleitung von Grainline Studios und in der Nähwelt ganz gut bekannt, jedenfalls ist er mir schon öfter mal über den Weg gelaufen und immer positiv aufgefallen. Die besondere Form hat ihn von einem 08/15 Blazer abgehoben und so landete er recht schnell auf meiner imaginäeren "To-Sew"-Liste. Und blieb dort eine Weile, denn wenn wir ehrlich sind, die Einsatzmöglichkeiten eines Blazers halten sich in meinem Leben eher in Grenzen, und so war der Bedarf einfach nicht hoch genug.
Im Frühjahr letzten Jahres habe ich dann aber zum ersten Mal einen wirklich großen Stoffeinkauf gemacht und mir zu diesem Anlass überlegt, was ich noch alles nähen möchte. Und fest geplant, Stoff für den Morris Blazer zu kaufen, entweder in Schwarz oder Grau. Letzteres ist es offensichtlich geworden, haha, und zwar ein sogenannter Courtelle Jersey von Stoff und Stil. Der besteht hauptsächlich aus Viskose, was ihn schön glatt macht, und ist etwas fester als der Jesery, den man für Shirts verwendet. Genau das, was ich für meinen Blazer wollte, und der leichte Glanz verleiht ihm dann auch etwas edles.
In Absprache mit meinem Körperzwilling Denise (ernsthaft, unsere Maße sind quasi gleich!), die den Blazer schon genäht hatte und deren Version ich einmal anprobieren konnte, habe ich Größe 6 gewählt, den Körper um 8 und die Arme um insgesamt 17cm verlängert, außerdem die Schultern um etwa 1cm verbreitert. So habe ich die Optik erreicht, die ich wollte: Der Blazer sollte nicht zu lang sein, aber auch nicht "cropped", also eine verkürzte Länge auf Taillenhöhe. Lange Ärmel waren ebenfalls ein Muss, auch, wenn ich ihn an und für sich mit 3/4 Ärmeln stimmiger finde, sähe das über einer langärmligen Bluse doch reichlich bescheiden aus. Wie eingelaufen. Also lieber so und im Zweifel umgekrempelt wie auf dem ersten Bild.
Was den Blazer ausmacht sind ganz klar die Ecken am Saum und am Kragen, der dadurch nett auffällt. In meinem Fall sogar ein bisschen zu sehr, sodass ich aktuell auf Anraten der Mama noch ein bisschen Saumband dazwischengebügelt habe, welches Beleg und Außenstoff zusammenhält. Aber ich glaube, das wird auf Dauer nicht ausreichen, dann muss eine andere Lösung her.
Wie bereits erwähnt ist mein Leben wenig glamourös, Bewerbungsgespräche stehen auch nicht an und selbst zum Essen gehen bin ich lieber locker unterwegs. Dementsprechend kann ich die Gelegenheiten, zu denen der Blazer bisher passte, locker an einer Hand abzählen. Dann aber habe ich ihn gerne getragen, mit dem Wissen, ordentlich auszusehen und es dennnoch sehr bequem zu haben. Definitiv ein großes Plus für Sweat-Blazer!
Übrigens ist das hier eins der wenigen Kleidungsstücke, die ich selbst genäht aber nicht mit einem Label versehen habe. Schlichtweg vergessen habe ich es über die schockierende Erkenntnis, dass der Kragen im Nacken von Hand festgenäht werden soll. Zu sagen, dass ich Handnähte vermeide, trifft es nämlich ziemlich gut, ließ sich aber in diesem Fall nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Tja, und dann war die Handnaht schon fast fertig als mir aufgefallen ist, dass das Label fehlt. Ich habe genau eine Millisekunde überlegt, ob ich die Naht nun wieder auftrenne und das Label einfüge, dann herzhaft gelacht und die Naht beendet. Ich weiß ja, dass ich den Blazer selbst genäht habe, und auch mein Umfeld geht mittlerweile zu 70 Prozent davon aus, das meine Kleidung selbst genäht ist.
Habt ihr den Morris Blazer schon genäht? Wenn ja, wie handhabt ihr es mit dem Kragen und den Belegen? Geheimtipps, irgendwer?
Happy sewing,
Julia
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