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23. Juni 2019

Schösschenbluse oder: Öfter mal was neues

Hallo ihr Lieben,

ich warne euch direkt zu Beginn des Beitrags vor: Er enthält nämlich Werbung und könnte euch damit beeinflussen. Den Schnitt habe ich im Rahmen des Probenähens kostenfrei bekommen, was mich aber in keinster Weise beeinflusst. 


Der Mittsommer ist groß geworden! Hä? Ist das jetzt auch eine Auswirkung des Klimawandels? Ne, Quatsch, mir ist nur die Sonne ein bisschen zu Kopf gestiegen, dabei kommen dann so pseudo witzige Dinge heraus. 
Den Schnitt Mein Mittsommer von Lotte&Ludwig habe ich schon mehrfach genäht. Zwei Blusen trage ich gerade im Sommer rauf und runter, zwei sind dafür schon aussortiert weil sie nicht so gut sitzen/mir nicht mehr gefallen haben und auch von einem Kleid habe ich mich verabschiedet. Aber trotzdem habe ich den Schnitt schon fünf Mal genäht, spricht also für ihn. (Und zusätzlich mindestens drei Mal für die Mama!) Dementsprechend habe ich fröhlich auf und ab gehüpft als Svenja im Rahmen der Größenerweiterung ein Probenähen veranstaltete und dafür auch für die bisherigen Größen nach NäherInnen suchte. 


Weil das Ganze aber ziemlich spontan passierte und zusätzlich noch um meinen Geburtstag und die dazugehörigen Feierlichkeiten stattfand, hatte ich keine Zeit um Stoff zu kaufen oder das Ganze groß zu planen. Für eine erste Version habe ich also zwei verschiedene schwarze Jersey Reste aus dem Regal gezogen und beschlossen, mal was neues zu wagen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und das stimmt in diesem Fall zu einhundert Prozent. 


Es ist nämlich so, dass ich bisher noch nie etwas mit Schösschen getragen oder genäht habe. Also weder gekaufte Kleidung, noch genähte. Ich war immer der Meinung, dass mir das nicht stehen würde, meine Hüften noch breiter aussehen lässt und auch irgendwie zu niedlich verspielt ist. Aber dank der vielen tollen Probenäherinnen konnte ich schon einige Beispiel von den Blusen mit Schösschen an verschiedenen Frauen sehen und war mir meiner Meinung nicht mehr so sicher. Unsicher genug, um mich daran zu wagen. 


Ein kurzer Blick auf die Maßtabelle hat für mich entschieden, dass ich die 40 nähen werde. Diese hatte ich in bisherigen Modellen auch immer, und obwohl meine Maße eher im unteren Bereich der 42 ansässig sind (BU 96, HU 106) wusste ich dank der bisher genähten Blusen, dass sie locker ausfällt und deshalb bequem passen wird. Noch dazu hatte ich mich ja für Jersey entschieden, da darf es für meinen Geschmack auch mal etwas enger sein. Also, nicht generell. Aber wenn ein Modell für Webware und Maschenware gedacht ist lohnen sich kurze Gedanken über eventuell unterschiedliche Größenauswahl je nach Material. Lange Rede kurzer Sinn: Größe 40 ohne Änderungen, weil ich wie schon erklärt von Schösschen keine Ahnung habe. 


Ich konnte die oberen Teile, die Tasche und die Armbündchen aus dem einen Rest zuschneiden, das Schösschen und das Bündchen für den Halsausschnitt dann aus dem anderen Rest. Dabei musste ich beim hinteren Schösschen ein bisschen schummeln, der Fadenlauf ist jetzt nicht wie im Schnitt vorgesehen und ich bin selbst Schuld, sollte sich da etwas verziehen. 


Mit dem Halsbündchen musste ich ein bisschen kämpfen. Da schneide ich eigentlich nie nach Schnittteil zu, weil ja doch jedes Bündchen und jeder Jersey andere Dehnbarkeit mitbringen. Ich nähe dann nach Gefühl an, damit komme ich meistens besser zurecht. Nur hier irgendwie nicht, beim ersten Mal hatte ich einen Stehkragen produziert und durfte dann mühevoll drei Zickzack-Nähte auftrennen. Erst im dritten Anlauf klappte es zufriedenstellend. Dafür liefen die Armbündchen sofort, auch das Umschlagen und nur oben und unten mit ein paar Stichen fixieren hält besser, als gedacht. 


Ich habe die erste Anprobe direkt gemacht als die Oberteile mit dem Schösschen verbunden waren und war nicht ganz so angetan, aber auch nicht abgeschreckt. Definitiv interessiert wie es in vernünftiger Kombination und fertig aussieht (Schlafanzughose ist meistens nicht so der beste Partner).


Als sie dann fertig war - und Achtung, obwohl es nur ein Jersey-Shirt ist vergeht doch ein bisschen Zeit mit den Säumen, der Tasche, den Abnähern - habe ich sie nochmal angezogen, war weniger abgeneigt, aber auch noch nicht voll überzeugt. Ich konnte nur nicht einordnen, ob es an der für mich ungewohnten Optik lag oder wirklich an der Kombination von mir und Schösschen. Da hilft nur die Konfrontation mit der freien Wildbahn. Die Mama fand es süß, aber das Schösschen ein bisschen zu hoch und breit. Das kann ich halbwegs unterschreiben, die Breite bzw. Länge gefällt mir, aber bei einer weiteren Version würde ich das Oberteil etwas verlängern und das Schösschen weiter unten ansetzen. 5-10cm etwa. 
Eine Kollegin und Freundin kommentierte ungefragt, ob ich das denn selbst genäht hätte, wäre ja mal was neues, sähe gut aus. Hui! Und dann habe ich eins der Bilder auf Instagram geteilt und wurde überrannt von positiven Kommentaren, die mich richtig glücklich gemacht haben. Also scheint mir die Bluse wohl zu stehen! Ha!


Ich freue mich jedenfalls auf dem Sommer mit diesem Teil, ist es doch so schön luftig und schwingt leicht herum. Kann ich mir auch super aus Viskose oder so etwas vorstellen. 
Neben einer Bluse mit Schösschen gibt es noch eine schlichte Bluse so wie ein Kleid, alles auch in Umstandsversionen. Es gibt Varianten für Knopfleisten vorne und hinten, sodass es viele Möglichkeiten zum Spielen mit diesem Schnitt gibt, die glücklich machen können. Den Schnitt gibt es in den Größen 34-52 (BU 82-128cm) und viele Impressionen in der Facebookgruppe oder auf Instagram unter dem #meinmittsommer

Zwei Fragen zum Schluss noch:
Seid ihr auch der Meinung, dass mir ein Schösschen steht? :D
Und: Habt ihr nach Probenähaktionen auch immer so einen Tunnelblick? Durch die vielen Varianten beim Probenähen will ich jetzt aus jedem Stoff irgendeine Version des Mittsommers nähen ... wäre nur ein bisschen einseitig!


Happy sewing, 

Julia


10. Februar 2019

Produkttest HLH-Design

Die in diesem Beitrag vorgestellten Produkte habe ich gratis zur Verfügung gestellt bekommen, meine Gegenleistung ist dieser Blogbeitrag. Dennnoch werde ich meine freie Meinung aufschreiben, in meinen eigenen Worten. Allerdings handelt es sich damit bei diesem Beitrag um Werbung, nur, damit ihr Bescheid wisst.]


Hallo ihr Lieben!

Etwa zwei Wochen müsste es her sein, dass Hanna Lisa auf ihrem Instagram Kanal nach Produkt Testern suchte. Optimistisch wie ich bin habe ich mich beworben, denn obwohl ich ihr schon länger folge und ihre Taschen und das Zubehör sehr schön finde, habe ich bisher nichts gekauft, vermutlich aus Geiz. Wie schön wäre es doch, mich zuerst von den Sachen überzeugen zu können und dann vielleicht im Anschluss mehr davon zu kaufen. Außerdem gefallen mir die Werte, die sie mit ihren Designs vertritt und da mache ich doch gerne auch ein bisschen Werbung. Wie dem auch sei, offensichtlich war ich eine von den Glücklichen und habe wenig später gleich mehrere Produkte zum Testen geschickt bekommen, da war ich ganz überrascht.


In meinem ganz plastikfrei gepacktem Päckchen befand sich ein Projektbeutel und ein Notions Kit, also eine kleine Tasche (oben rechts im Bild) die eine Vernähnadel, eine kleine Schere und Maschenmarkierer enthält. Die kleine Tasche ist aus Wollfilz und sehr niedlich, für mich persönlich aber unpraktisch. Die Spitze der Schere bohrt sich durch und der kleine Knopf kann nicht verhindern, dass zum Beispiel Maschenmarkierer herausfallen. Außerdem trage ich immer viel zu viel anderes Zubehör mit mir herum, da würde die Fassungsmenge gar nicht ausreichen. Aber ich werde sie ganz einfach zweckentfremden, entweder mal ein schönes Geschenk darin einpacken oder zum Beispiel Etiketten darin sammeln, oder oder. Anwendungsmöglichkeiten gibt es ja genug. 


Kommen wir mal zu den einzelnen Teilen, angefangen mit dem Projektbeutel. Ich habe ja bisher noch nie einen gekauft, sie mir immer nur selbst genäht. So ist das ja oft, wenn man etwas selbst kann scheut man sich, viel Geld für so eine Sache auszugeben. Trotzdem bin ich total froh, diesen schönen Beutel nun mein Eigen nennen zu dürfen, denn er ist schon sehr durchdacht und mit viel Sorgfalt hergestellt worden. Bis auf das Band vom Reißverschluss und das Label sind alle verwendeten Materialien natürlich, also zum Beispiel Wolle und Leinen, was ich sehr toll finde. (Korrektur: Da war die Website noch nicht aktualisiert, mittlerweile sind auch diese beiden Teile neu, Label und RV-Band aus natürlichen Materialien). Genäht werden die Taschen in Berlin von zwei jungen Frauen, da ist Hanna Lisa ganz transparent, alles lässt sich auf ihrer Website nachlesen. Der kupferfarbene Reißverschluss ist ein ganz besonderer Blickfänger, wie ich finde, und läuft wie geschmiert. 


Ich fand besonders das Innenleben interessant. Die Beutel, die ich mir nähe, sehen von außen auch schön aus, Stoffe kombinieren kriege ich ganz gut hin. Aber im Vergleich dazu ist dieser hier deutlich stärker gefüttert, was ihn so schön griffig und weich macht, da habe ich mir bisher nie drüber Gedanken gemacht. Und am spannendsten: Ich dachte ja immer, Innenfächer bräuchten meine Projekttaschen nicht, da ich eigentlich bis auf das Garn und das Projekt nichts darin habe. Und kaum habe ich diese zwei Fächer an der Seite schiebe ich die Banderole vom Garn hinein und freue mich, dass sich nichts mehr verfängt, kann Maschenmarkierer, die ich unterwegs nicht mehr brauche darin sicher verstauen. Und das sind nur zwei Möglichkeiten, die mir beim Gebrauch über den Weg gelaufen sind. Ein weiteres cooles Gimmik: Der Karabiner an der Seite, der dazu dienen soll, das Garn vorm Verheddern zu bewahren, gerade bei zweifarbigen Projekten. Eine schöne Idee! Alternativ kann man auch hier ein paar Maschenmarkierer aufhängen. 
Die Projektbeutel gibt es in drei Größen, ich habe hier die mittlere bekommen. Die größere hat gleich zwei Karabiner, an jeder Seite einen. Das Garn für eine Kinderhose habe ich locker unterbekommen, für Mützen, Socken, Handschuhe und Kindersachen ist der Beutel sicherlich groß genug. Zum Stricken habe ich den geöffneten Reißverschluss einfach nach unten umgeklappt, damit sich das Garn nicht verheddert. Er steht dann auch ganz artig aufrecht. 


Weg vom Innenleben der großen Tasche zu dem der kleinen. Die kleine Schere kam mir wie gelegen, gibt doch das Schräubchen an meiner alten den Geist auf und die Schere öffnet sich immer von alleine, was irgendwie nervt. War aber auch nur ein günstiges Teil. Diese hier ist qualitativ definitiv hochwertiger, in Deutschland produziert und lässt sich wieder schärfen, sollte sie mal stumpf werden. Zum Gebrauch: Nunja, es ist eine Schere. Sie ist handlich und schneidet, damit erfüllt sie alle Ansprüche, die man haben kann, oder? Und schön ist sie auch, in ihrer schlichten Art und Weise. 


Ganz besonders interessant fand ich ja auch die Maschenmarkierer. Auch da besitze ich ein buntes Sammelsurium aus selbst gebastelten, geschenkten und Sicherheitsnadeln/Büroklammern. Daneben fallen die Maschenmarkierer aus Holz doch ganz schön auf, sowas sieht man ja eher selten. Bei dem Holz handelt es sich um Birke, die drei verschiedenen Formen (Dreieck, Viereck, Hexagon) kommen jeweils in zwei Größen daher. Und sie riechen! Nach Holz, richtig schön. Ich bin ja so ein kleiner Geruchs-Fetischist, Baumarkt, Lager vom Ikea, Tankstelle, Marker, das rieche ich alles total gerne. Auch, wenn das hier gerade unwichtig ist. 


Mit Erhalt der Produkte habe ich ein kleines Projekt angeschlagen, um alles auf Herz und Nieren testen zu können. Bei Nadelstärke 4,5 waren mir persönlich die Maschenmarkierer zu klein, auch, wenn sie vom Umfang bis Nadelstärke 6mm passen sollen. Das liegt aber daran, dass ich schnell stricke und gerne Maschenmarkierer habe, die so groß sind, dass quasi beide Nadeln durchpassen. Dann kann ich sie schneller rüberheben. Ich weiß aber, dass es genauso gut Stricker/innen gibt, die kleine Markierer bevorzugen, weil sie sonst Unregelmäßigkeiten im Gestrick haben. Das passiert mir aber nicht. Aber da ich eh hauptsächlich zwischen 2,5 und 4mm unterwegs bin, werden die Markierer bei mir sicherlich gut benutzt werden. 
Auch die Maschenmarkierer werden in Berlin gefertigt. Noch eine Anmerkung zur Handhabung: Gerade die Dreiecke können durchaus mal in die Handfläche pieksen, je nach dem, wie ihr eure Nadeln haltet. Das ist nicht schmerzhaft, mir aber aufgefallen. Würde mich nicht daran hindern sie zu nutzen. Aber dadurch kam die Frage auf, warum es sie nicht in rund gibt? Falls ich dazu noch etwas herausfinde, werde ich es hier einfügen. Tada, habe direkt eine Mail dazu bekommen. Die Maschenmarkierer sind aus einem einfachen Grund nicht rund: Um Verschnitt zu sparen! Aus einem Stück Holz kleine Kreise auszuschneiden macht mehr Verschnitt als die eckigen Formen, weil da quasi die Linien aneinander liegen können. Ist das nicht genial?


Das letzte Teil in meinem Test war die Vernähnadel, die aus Porzellan ist. Witzig, oder? Sie sieht ein bisschen aus wie diese Nadeln im Museum, die aus Knochen gefertigt wurden vor vielen, vielen Jahren. Bedingt durch das Material ist sie deutlich dicker, als eine übliche Nadel aus Metall, und sollte auch eher bei Strickstücken angewendet werden, die locker oder auf großer Nadel gestrickt wurden. Bei meinem Probestück hier (4,5mm) war es überhaupt kein Problem, und auch bei Garn in Sockenwollstärke auf 3,5mm Nadeln habe ich probeweise einen Faden vernäht und obwohl die Nadel deutlich größer ist als die Maschen sah das Maschenbild danach unverändert aus.  
Im Gespräch mit Strickfreundinnen habe ich angemerkt, dass meine Metallnadel ja auch eigentlich sehr Nachhaltig ist, noch dazu weil ich seit Jahren dieselbe nutze und nicht dazu tendiere, so etwas zu verlieren. Ihnen ist dann aber eingefallen, dass viele diese Plastiknadeln mit den flexiblen Nadelöhr benutzen, gerade für dickes Garn sollen die ja praktisch sein. Da ist dann die Nadel aus Porzellan auf jeden Fall vorzuziehen.


Obwohl also die einzelnen Produkte ihre Ecken und Kanten aufweisen, finde ich sie allesamt toll, weil sie eine schöne Idee vertreten. Alles wird in Deutschland gefertigt, auch die Materialien für die Taschen kommen alle aus Europa, was ja wirklich eine Seltenheit ist. Nachhaltigkeit und Transparenz stehen im Vordergrund, kombiniert mit dem sauberen Design der Produkte ist das etwas, was mich überzeugt.  Auf der Website kann man nachlesen, welche Materialien woher kommen, wird zu den herstellenden Firmen weitergeleitet. Wie schön! Das hinterlässt ein gutes Gefühl, was ich sowieso bei kleinen Unternehmen habe, weil man sich nicht so übers Ohr gezogen fühlt wie bei anderen, großen Namen, die dann alle in China produzieren. 

Wenn ihr euch mal etwas besonderes gönnen wollt, Wert auf schönes, schlichtes Design, Nachhaltigkeit und regionale Produkte legt, dann solltet ihr euch im Shop mal ein bisschen genauer umschauen. Oder ihr fangt klein an und unterstützt Hanna Lisa, indem ihr eins ihrer Strickmuster für Socken kauft. Und wenn euch für all das der nötige Groschen oder schlichtweg die Lust fehlt, dann lasst es. Aber vielleicht mögt ihr mir dann einen Kommentar da lassen? ;)
Vielen Dank liebe Hanna Lisa für die Kooperation - ich habe mich gerne mit deinen Produkten beschäftigt und freue mich, dich auf diesem Wege unterstützen zu können. 


Happy knitting!

Julia

♥