15. August 2019

Maxirock aus Viskose

Hallo ihr Lieben,

irgendwie scheint es mir, als würde der Sommer aktuell eine Pause machen. Seit Tagen ist es eher kühl, wolkig und windig, heute regnet es ganz viel. Ich muss abends schon wieder früh das Licht anmachen und gefühlt verschwinden die Farben und alles wird grau. Hoffentlich ist das wirklich nur eine Pause und nicht schon das Ende vom Sommer, gefühlt war der nämlich bis auf zwei Wochen noch gar nicht wirklich da. 

Zum Glück habe ich noch ein letztes Paar Bilder aus dem Sommerurlaub um die Erinnerung und sommerlichen Gefühle wieder wach werden zu lassen. 


Für unseren Urlaub auf Teneriffa im April hatte ich ja ein paar Kleidungsstücke geplant, und beim Stoffkauf lief mir diese hübsche Viskose bei Junidesign über den Weg. Leider gibt es die dort aktuell nicht, ich kann euch also keinen Link einbauen. Jedenfalls kam mir sofort die Idee, daraus einen Rock zu nähen. Vielleicht lang, vielleicht auch nur bis zum Knie, zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine Tendenz und bestellte vorsichtshalber erstmal genug, sodass ich eine Option hatte um ihn lang zu nähen. 


Passend dazu fand sich dieses schöne Gummiband, welches mit seinem Muster total schön das des Stoffes aufnahm. Ich wollte es deshalb unbedingt sichtbar verarbeiten und habe mich schon auf einen einfachen Rock gefreut, den ich nur Säumen und oben ans Gummiband nähen muss. Tja... 


Erster kleiner Frustmoment: Anstatt das Stück Stoff so wie es war verarbeiten zu können, musste ich erstmal oben und unten die Kanten begradigen. Dank Muster sieht man ja ziemlich genau, dass unten links und oben rechts einige Zentimeter über sind. Das hat mich ein bisschen geärgert, weil so Stoff in den Müll wandert, der nicht dort hätte enden müssen. Und gerade bei so gerade gemusterten Stoffen ist ein gerader Schnitt ja eigentlich nicht so schwer, finde ich. 
Naja, jammern nützt auch nix. Ich habe also begradigt und dann die kurze Seite geschlossen. 


Hier ist die Farbe zu orange und strahlend, dafür könnt ihr das Muster vom Stoff und Bund sehen und die letztendliche Verarbeitung, wie ich sie mir gewünscht hatte. Bis ich dahin kam, muss ich aber einige Gedankenknoten lösen, denn aus irgendeinem mir unerklärlichen Grund hatte ich nur einen halben Meter vom Gummiband bestellt. Um wessen Taille das passen sollte? Um meine jedenfalls nicht. Ich habe ein bisschen geflucht, kurz überlegt nochmal nachzubestellen, dann aber eine andere Lösung gesucht und gefunden. 


Zuerst einmal habe ich das schöne Gummiband mit einem noch vorhandenen schlichten verbunden und auf die mir passende Länge zusammengenäht. Soweit, so gut. Dann wurde es kompliziert und ich bin mir sicher, dass ich es hätte viel einfacher lösen können. Aber solche Dinge sind wirklich nicht meine Stärke, also hier mein Weg: 
Ich habe einen Streifen Stoff rechts auf rechts am Übergang vom schönen zum schäbigen Gummiband festgenäht. Also nur an den kurzen Seiten. Das dann gestürzt, und somit war das schäbige Band im Stoff versteckt und das schöne schaute heraus. 


Dann habe ich knapp unter dem Gummiband den Stoff zusammengenäht, damit sich nichts verziehen kann, und den oberen Rockteil versäubert. Letztlich alles zusammengenäht, dabei die Nahtzugabe vom Stoffteil am Bund nach innen geklappt. Unverständlich, glaube ich, aber ich bin zum Ziel gekommen, wenn auch mit viel Ärger und Innehalten und der Sicherheit, dass es anders einfacher gegangen wäre. Das Schnittmuster von Claire Massieu zum Beispiel ... 


Aber auch wenn der Weg dorthin schwieriger war als gedacht: Das Ergebnis liebe ich sehr. Der Rock flattert um die Beine sobald ein kleiner Wind weht, was ich sehr liebe. Dafür musste ich zwar die Seitennaht nochmal auftrennen, denn ohne Schlitz hätte ich nur Tippelschritte machen können, und wer möchte das schön. Aber die Arbeit hat sich gelohnt. Ich fühle mich toll in dem Rock, leicht und lässig, und sogar Radfahren geht damit ohne Probleme. Ich bin mir sicher, dass es im nächsten Sommer noch einen weiteren Rock dieser Art geben wird. Diesmal aber mit genug Gummiband ... 


Ich verlinke diesen Beitrag bei Sewlala und Nähfrosch und bin gespannt, ob dort auch schon Herbststimmung herrscht. 

Happy sewing, 

Julia

7. August 2019

Sonnengelbe Leinenhose Wrapped

Hallo ihr Lieben!



Es ist mir ja fast ein bisschen unangenehm, schon wieder mit einer Hose Wrapped um die Ecke zu kommen ... aber dieser Schnitt hat eine wahre Inspirationsflut in mir losgetreten und so habe ich innerhalb kürzester Zeit drei Versionen genäht. Eine in lang und gemustert aus Jersey, eine Shorts und dann dieses instant Glücksgefühl hier. 


Dabei war die Hose gar nicht geplant, der Stoff war schuld. Ich war für ein anderes Projekt im Stoffladen unterwegs und kam dort an diesem tollen gelben Leinenstoff einfach nicht vorbei. Ich mag Leinen wirklich gerne tragen, neben den perfekten Eigenschaften für den Sommer (kühlend und luftig) ist es angenehm auf der Haut und super dankbar beim Nähen. Da stand ich also vor diesem Stoff und hatte sofort das Bild der fertigen Hose vor Augen. Zack, 1,5 Meter in der Einkaufstasche. Was wieder deutlich weniger sind als im Schnitt emfpohlen, aber ihr wisst ja sicherlich schon, dass ich sowas meistens ignoriere. 


Und auch in diesem Fall bin ich ganz entspannt mit der Stoffmenge hingekommen. Sicherlich nur, weil es kein Muster gibt und ich die Teile so kreuz und quer anordnen konnte, lediglich den Fadenlauf im Blick behalten musste. Es hat alles gut drauf gepasst, nur den inneren Bund habe ich in zwei Teilen statt im Bruch zugeschnitten, aber das stört ja überhaupt nicht. 
Leinen ist ja für viele negativ besetzt, weil es so zum Knittern neigt. Ich weiß nicht wieso, aber mich machen diese Sitzfalten irgendwie glücklich. Vielleicht, weil sie so ordentlich untereinander liegen, keine Ahnung. Ich find sie schön. 


Wie bei den vorherigen Hosen habe ich die Änderungen auch hier übernommen: Insgesamt 10cm an Mehr-Länge verteilt auf die Hosenbeine für meine 1,80 Körpergröße. (Übrigens: Label führen unvermeidlich zu einem größeren Anteil an Zufriedenheit. Sieht irgendwie professionell aus). 
Aber im Gegensatz zu den anderen beiden Hosen habe ich hier die Taschen verändert. Die Original Taschen sind ok, aber manchmal muss es ja auch etwas anderes sein und prinzipiell mag ich runde Tascheneingriffe irgendwie lieber. Frei Schnauze habe ich also die Kurve nach Gefühl zugeschnitten. Bei der ersten Anprobe war ich kurz etwas schockiert, weil ich Dussel natürlich nicht darüber nachgedacht hatte, dass ich bei einem tieferen Tascheneingriff vielleicht auch die Taschen selbst vertiefen sollte. So ist nun wenig Platz in der Tasche und große Sachen würden rausfallen. Aber in der Nutzung hat sich gezeigt, dass es für den Arbeitsschlüssel super passt, und das ist eingentlich eh das einzige, was ich da reinpacke.


Und optisch gefällt mir das auch, hat irgendwie was lässiges, dieser tiefe Eingriff. Werde ich bestimmt nochmal machen, falls ich wieder den Inspirationsknall kriege. Dann aber mit tieferen Taschenbeuteln. Nur für den Falll ... 


Eine letzte Änderung gibt es noch: Die Hosenbeine habe ich breiter gemacht. Das war nämlich der wichtigste Teil in meiner Vorstellung, als ich da begeistert vor dem Stoffballen stand: Weite, luftige Hosenbeine. Auch hier bin ich nach erprobtem Augenmaß vorgegangen und habe etwa ab 10cm unter dem Bund die Seitennähte der Vorder- und Hinterbeine auslaufen lassen, bis ich beim Saum auf jeder Seite ca. 3cm zusätzlich hatte.


Diese gesamte Hose ist ein absoluter Glücklichmacher. Die Idee fand ich schon toll, was mich ziemlich motiviert hat. Der Stoff war schnell gewaschen, der Zuschnitt auch schön einfach und schnell. Das Nähen, wie schon erwähnt, war mit dem Leinen auch ein Kinderspiel. Die Anleitung brauchte ich logischerweise auch nicht mehr, nachdem ich den Schnitt in so kurzer Zeit so oft genäht hatte. Alles fügte sich irgendwie, ich habe die Hose an einem Sonntag vor dem Spätdienst genäht und direkt angezogen, und mit dem Binden der Schleife konnte ich merken, wie wir eine Verbindung eingingen, die Hose und ich. Kennt ihr so Kleidungsstücke, die wie vernähte Freude sind und glücklich machen, sobald man sie anzieht? Ich fühle mich darin frei, lässig, positiv. Einfach herrlich. Ich glaube, wir werden zusammen viele schöne Sommer erleben. 
Nur für das Rad fahren muss ich mir noch etwas überlegen, der weite Saum stößt nämlich auf die Pedalendingsis und das Kettenversteck und dann wird er dreckig, das ist unschön. Hochkrempeln ist ein bisschen umständlich ... mal sehen. 


Es würde mich interessieren, ob ihr auch so Instant-Glücks-Kleidung habt. Wenn ja, was für ein Teil ist es und warum löst es die positiven Gefühle aus? Vielleicht können wir ja ein Rezept finden :) 


Happy sewing, 

Julia


Verlinkt mit dem fabelhaften Me Made Mittwoch

1. August 2019

Shorts Wrapped - Ein Sommerliebling

Hallo ihr Lieben,

was bin ich froh, dass ich mich doch noch selbst überredet habe, den Schnitt Wrapped von Schnittduett zu kaufen. Ganz zu Beginn war ich der Meinung, dass ich schon ähnliche Schnitte besitze und diesen nicht benötige. Nach meiner Panzerknackerhose ist aber eine wahre Liebe entflammt, die gleich zwei weitere Exemplare hervorbrachte. Ich kenne die Näh-Schritte schon auswendig und muss mich selbst zwingen, mal in eine andere Richtung zu denken damit ich nicht noch weitere Hosen nach dem Schnitt nähe. 


Was ich unbedingt als erstes ausprobieren wollte, war eine Shorts. Dafür gibt es sogar die passenden Schnittteile als Download, aber ... es tat sich akute Unlust auf bei dem Gedanken an kleben, ausschneiden, abpausen und verlängern ... also habe ich mutig die Schnittteile der langen Beine genommen und mein Stoffpuzzle gestartet. Denn natürlich gab es mal wieder Reste zu vernähen. So war die Länge schnell bestimmt: Das, was der Stoff maximal hergab. Auch die Weite habe ich natürlich angepasst, denn im Original verschmälern diese sich zum Knöchel hin, was bei Shorts unpraktisch ist. Auch hier lief alles nach dem erprobten Augenmaß. Ein bisschen Selbstvertrauen schadet nie. 


Und wie ihr sehen könnt war es kein Drama, dass ich mich um die Produktion der Schnittteile gedrückt habe, auch das Bauchgefühl hat eine tragbare Shorts hervorgebracht. Wie auch schon die erste Version ist diese hier eine 42, passend zu meinen Maßen. Einzig die Sitzhöhe ist um 1cm verlängert, wie im Tutorial beschrieben. 


Der von mir für die Shorts vorgesehene Jeansrest reichte leider nicht ganz aus, sodass das Taschenfutter, der innere Bund und die Bindebänder aus einem anderen Reststück zugeschnitten und genäht wurden. Man kann auf den Bildern tatsächlich ziemlich gut erkennen, dass der eine Stoff einen deutlichen Blaustich hat im Vergleich zum anderen. In der Realität ist mir das aber noch nie so aufgefallen, da sehen sie fast gleich aus. 


Weil die Hosenbeine sich tatsächlich sogar als ein wenig zu lang entpuppten, habe ich den Saum etwas breiter gestaltet: Zweimal habe ich ihn breit nach außen umgeschlagen. So ergibt sie ein wie ich finde schöner Effekt durch die andersfarbige linke Stoffseite. Und die Zickzack-versäuberten Seitennähte stören mich persönlich nicht. 


Die dadurch entstandene Länge finde ich perfekt. Ich bin ja kein Fan von Hosen, die auf der Mitte oder dem unteren Drittel des Oberschenkels enden, und zu kurz soll es auch nicht sein. Dieses Mittelmaß ist wirklich genau das richtige. 
Dieses Mal habe ich auch daran gedacht, den Bund etwas breiter zuzuschneiden, sodass ich das Gummi gemütlich einfädeln konnte. Denn auch die Nahtzugabe wird in diesem Kreativlabor per Intuition geschnitten und genäht ;-)


Zwischenzeitlich hatte ich ja so meine Bedenken, dass der Stoff zu steif ist für diese Hose. Der geraffte Bund und die Bindebänder sind da ja so Elemente, die mit einem zu festen Stoff seltsam fallen würden. Aber ganz im Gegenteil bin ich sogar sehr angetan, die Schleife behält ihre Form und hat richtig was von Statement, ist jedenfalls das erste, was alle anschauen wenn sie mich in der Hose sehen. 


Vielleicht würde ich auch noch ein Paar Potaschen auf eine weitere Version nähen. Diese Fläche ist doch irgendwie ein bisschen leer, das würden Taschen ein wenig auflockern. Die hätte ich in diesem Fall aber sowieso weglassen müssen, weil der Stoff ja auch ohne Experimente schon knapp genug kalkuliert war. 


Bisher habe ich meine neue Shorts nur mit engen Tops getragen, aber auch die Variante hier mit einem lockeren Shirt gefällt mir echt gut. Ich glaube, Hose Wrapped und ich, wir werden noch enge Freunde. 

Obwohl der Stoff jetzt nicht gerade sommerlich ist, nehme ich damit an der 12ausdemStoffregal Challenge zum Thema Sommer teil. Schließlich definiert nicht das Material alleine, ob ein Kleidungsstück zum Sommer oder zu einer anderen Jahreszeit gehört. Richtig?

Happy sewing, 

Julia

24. Juli 2019

Die Sache mit den Spaghettiträgern

Hallo ihr Lieben!

Bei meinem Beitrag zum Jessica Dress hatte ich ja schon von meiner Ambivalenz zu Spaghettiträgern berichtet. Kurze Zusammenfassung für alle, die nicht dabei waren: Ich habe jahrelang Spaghettiträger für mich aus dem Repertoire gestrichen weil ich der Meinung war, dass sie mir nicht stehen und mich darin nicht mochte. Dann hat mich aber ein Schnitt so überzeugt, dass es mir egal war. Das Ergebnis war weniger schlimm als erwartet und gab damit den Startschuss für weitere Experimente.


Deshalb musste ich die neue vielleicht-Liebe sofort in einem Ogden Cami umsetzen. Diesen Schnitt schmachte ich schon seit Jahren auf Instagram an, weil er einfach immer toll aussieht. Aber sowohl V-Ausschnitt als auch die erwähnten dünnen Träger lagen fern meiner Gewohnheiten, sodass es beim Anhimmeln blieb. Bisschen wie Popstar und Teenie, unsere Beziehung.


Aber jetzt konnte ich mir den Schnitt endlich kaufen, große Freude! Es ist im übrigen der erste Schnitt von True Bias, den ich kaufe, davon abgesehen interessieren mich die meisten Schnitte eher nicht dort. Die Lander Pants wären vielleicht nochmal cool, oder die Hudson Pants, aber sonst habe ich das meiste schon in einer ähnlichen Version in meiner kleinen Sammlung oder mag es nicht.


Schnitte von mir bisher nicht bekannten Labels sind ja immer spannend. Wie ist die Anleitung gestaltet, ist alles verständlich usw. In diesem Fall: Eine solide Anleitung mit anschaulichen Grafiken, die eigentlich keine Frage offen lassen. Es gibt zusätzlich zu den Körpermaßen auch noch Fertigmaße, das finde ich eigentlich immer ziemlich gut, da man sich so besser vorstellen kann, wie das fertige Stück sitzt. Sowohl bei engen Sachen (damit es nicht zu eng wird) als auch weiten Schnitten (wer will schon einen Sack) kann jeder so schauen, das es am besten zu den eigenen Vorstellungen passt.


Die erste Version habe ich dann in Größe 12 zugeschnitten, aus einem Stoff vom Tauschtisch am Nähwochenende. Das tolle rot und das dezente Muster hatten mich sofort angesprochen, außerdem fasste das Material sich toll an, es ist Baumwolle, hat aber einen leichten Glanz und ist ganz seidig.


Das Nähen war dann relativ simpel. Das Top wird mit einem Beleg verstürzt, sodass es einen schönen Ausschnitt ohne abgesteppte Naht gibt. Hier muss ein bischen darauf geachtet werden, wo die Mitte des Ausschnitts ist, damit sich das V auch schön mittig legt. Ich habe dort einen Knips gemacht, meine aber, der ist in der Anleitung nicht vorgesehen.



Unten könnt ihr nochmal sehen, wie groß der Beleg ist. So besteht auch keine Gefahr, dass irgendwo was rausrutscht, finde ich ja immer gut. Noch dazu wird der Beleg an der Nahtzugabe der Seitennaht fixiert, sodass wirklich alles bombenfest sitzt. Sehr cool!
Beim Nähen werden die Träger zuerst nur vorne oder hinten, ich weiß nicht welches von beidem, angenäht, an der anderen Seite dann festgesteckt. So kann man das Top anziehen und individuell schauen, wie lang die Träger sein sollen damit beim tiefen Rückenausschnitt der BH nicht zu sehen ist und auch sonst nirgendwo Körperstellen rausschauen, die man nicht zeigen möchte. Finde ich gut, dass dies extra in der Anleitung steht, ich bin ja immer ein Fan davon, nicht zu viel mitdenken zu müssen, zumindest beim ersten Mal.


Das erste Top gefiel mir dann auch sehr gut, trotz V-Ausschnitt und dünnen Trägern. Manchmal ist es halt doch ganz gut, aus seiner Komfortzone auszubrechen und etwas neues zu probieren. Sonst findet man nie heraus, ob es nicht doch genau DAS DING ist.


Version zwei schwebte mir dann ziemlich bald auch vor, nachdem ich den Tragecomfort von Nummer eins zu schätzen gelernt hatte. Der luftig weite Schnitt ist bei heißen Temperaturen wirklich gold wert, fühlt sich ein bisschen an, als würde man nichts tragen. Auf Teneriffa mochte ich das wirklich sehr gerne. Ich weiß gar nicht mehr wie es dazu kam, vermutlich hat mein innerer Drang nach Resteverwertung mal wieder Oberhand gewonnen und schon lag der Spitzenrest von meiner Kurzjacke neben dem Rest Chambray vom Kielo und ich puzzelte mit den Schnittteilen herum.


Abweichend vom eigentlichen Schnitt wollte ich hier das Teil komplett füttern, denn so transparent wie die Spitze ist, wäre alles andere Quatsch gewesen. Ich musste ziemlich schieben und knobeln bis alles passte. Vorder- und Rückenteil im Futter haben eine Mittelnaht, das Oberteil aus Spitze ist deutlich kürzer, aber so passte es dann. Denn natürlich wollte ich die Saumkante der Spitze auch verwenden (und mir das Säumen sparen, hihi).


Das Ergebnis ist genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Das blau scheint toll durch, alles fällt total weich und es ist verspielt, aber nicht zu niedlich. ich bin richtig, richtig glücklich mit dem Teil und habe verhältnismäßig viele Komplimente dafür bekommen, was ja auch immer eine nette Bestätigung ist.


Für die Träger habe ich übrigens einen kleinen Tip. Die sind ja wirklich schmal, da ist das Wenden eine ganz schöne Fummelei. Es gibt ja extra Wende-Werkzeuge, aber so etwas besitze ich nicht. Ich habe es schon mal auf einem Nähwochenende ausprobiert, kam damit aber eh nicht klar, also lohnt sich die Anschaffung nicht. Viel besser funktioniert für mich eine kleine Sicherheitsnadel. Diese an einem Ende befestigen und dann durchschieben, wenden, fertig! Ich hoffe ihr versteht, was ich meine?


Eigentlich ist das ein toller Schnitt für eine ganze Serienproduktion. Man braucht sehr wenig Stoff, es ist schnell genäht und aus den unterschiedlichsten Materialien sehr vielfältig. Ich finde die Optik vom roten Top ist eine ganz andere also von der Spitzenversion, mag aber beide gerne. Ich gehe davon aus, noch deutlich mehr Versionen dieses Schnittes zu nähen. Vielleicht auch mal ein, zwei mit etwas höherem Ausschnitt, damit sie auch für die Arbeit tauglich sind.


Eine einzige knifflige Stelle gibt es beim Nähen aber schon: Nachdem der Beleg an den Außenstoff genäht ist, wird die Nahtzugabe auf dem Beleg festgesteppt. Man kommt logischerweise nicht hoch bis zu den Trägern, da wird es irgendwann zu eng. Trotzdem sind sowas ja Stellen, die mich herausfordern und ich will möglichst weit nach oben nähen, da fummel ich dann immer länger herum als notwendig, denke ich. Aber das ist vermutlich nicht bei allen von euch so, also definitiv nichts, was abschrecken sollte.



Puh, bei der Bilderflut musste ich ganz schön im Gehirn suchen, bis ich genug Wörter gefunden hatte. Jetzt habe ich glaube ich alles wichtige (und unwichtige) zum Schnitt und meinen beiden Exemplaren erzählt und bin leer. 

Welches ist euer liebster Sommerschnitt? Mögt ihr es auch locker und luftig? Habt ihr das Cami schon mal genäht? Brauchtet ihr auch eine Eselsbrücke um euch merken zu können, ob es "Ogden Cami" oder "Odgen Cami" heißt? (Wie im Alphabet, e kommt nach d). Ich bin jedenfalls jetzt überzeugt von Spaghetti-Trägern und freue mich auf die vielen neuen Möglichkeiten, die sich damit ergeben.

Happy sewing, 

Julia



Verlinkt bei Sewlala

15. Juli 2019

Update No. 42

Hallo ihr Lieben,

es war mir gar nicht so bewusst, aber das letzte Update ist schon über einen Monat her. So lange habe ich euch nicht gezeigt, woran ich gerade nähe und stricke, ihr seid ja absolut nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge! Ich habe also heute alles zusammen gesammelt und ein paar Bilder gemacht. 



Neu im Schrank




Durch den langen Zeitraum ist es ein ganzer Stapel an Sachen, die fertig geworden sind. Ein Kinderpullover, einer für mich, zwei Kleider, eine Hose, ein Shirt. Hose und Kleid Nummer eins kennt ihr schon, der Rest folgt dann später. Ach, und ein Schwein habe ich auch genäht! Das ist jetzt alles nur im letzten Monat fertig geworden, nicht unbedingt auch angefangen. Sieht schon echt viel aus ... da war ich selbst ein bisschen überrascht. Immer wieder kommen auf verschiedenen Wegen Fragen auf mich zu, wie ich das alles schaffe. Ich hoffe ich enttäusche euch nicht, wenn ich gestehe, dass ich weder ein zusätzliches Paar Arme, noch mehr Stunden am Tag habe. Nur eine gute Verteilung von Prioritäten, keine Kinder, eine kleine Wohnung und Schichtdienst. Tada!


Auf den Nadeln



Noch immer stricke ich an der unspannenden Restesocke Nummer zwei. Reizt wenig und kommt deshalb auch selten in meine Hände, aber ein paar Zentimeter habe ich seit dem letzten Mal geschafft. 
Darunter ein kleiner Teststrick, ich verrate in ein paar Wochen mehr dazu. Ihr könnt ja schon mal raten, was es werden soll?


Und natürlich musste es auch ein neues Großprojekt geben. Ich stricke mir einen sommerlichen No Frills Cardigan aus meiner Second Hand gekauften Wolle. Die Ärmel sind gerade abgeteilt, jetzt stricke ich noch ein wenig am Körper und werde dann zuerst die Ärmel fertig stellen. Die Farbe ist super schön, und noch macht das Stricken Spaß. Das Teil wird aber insgesamt ganz schön schwer werden, da wird es sicherlich irgendwann unhandlich. Ich bin außerdem sehr gespannt, wie weit das Garn reichen wird. Das Original wird zweifädig gestrickt, ich habe hier nur einen. Theoretisch müsste die Lauflänge passen, aber trotzdem bleibt es spannend.



Unter der Nadel


Ich will es gar nicht aufschreiben, aber ich glaube, ich habe endlich einen passenden Basic Shirt Schnitt gefunden. Die erste Version aus Stoffresten war schon mal vielversprechend, jetzt möchte ich mit den beiden Ringeljerseys ein wenig herumprobieren. Dafür können dann endlich die gekauften und schon mehr als aufgetragenen Shirts (weil Minimum fünf Jahre alt) aus der Schublade verschwinden, denn jetzt kann ich Ersatz produzieren, wenn ich ihn brauche!


Neuzugänge


Neben dem gelb geblümten Stoff oben und dem Fell fürs Schweinchen sowie den Ringeljerseys hat noch diese tolle Viskose ihren Weg zu mir gefunden. Ich war sofort in das Muster verliebt und schmachte es an, weiß aber noch nicht so wirklich, was es werden möchte. Vermutlich ein Kleid, bei so viel Muster. Habt ihr Vorschläge?
Die Wolle rechts daneben ist zum einen für Babysocken gedacht als Auftrag von einer Kollegin, zum anderen für eine Mütze als Auftrag von meiner Mama. Beide haben das Garn auch besorgt und mir gegeben, aus der Babywolle ist auch schon jeweils ein Paar gestrickt, aber auch schon weiter gegeben. Der Rest wird noch für je ein weiteres Paar reichen, darum wurde ich dann auch direkt gebeten. Zum Glück mache ich das gerne. Und, versteht sich von selbst, für meine Mama stricke ich sogar noch lieber. Wir müssen nochmal darüber quatschen, was genau sie sich vorstellt, aber bis die Mütze getragen werden soll vergehen ja auch noch ein paar Monate. 


Und woran arbeitet ihr so? Strickt ihr jetzt im Sommer überhaupt noch?


Happy sewing, happy knitting, 

Julia

8. Juli 2019

Hose Wrapped aka Panzerknackerhose

Hallo ihr Lieben,

mit ein bisschen Verspätung möchte auch ich mich bei der Parade der Wrapped-Hosen einreihen. Wem das nichts sagt: Das Schnittduett hat zum 2jährigen Geburtstag der Hose Wrapped einen kleinen Sew Along veranstaltet, bei dem ich direkt mitgemacht habe, hatte ich doch passenderweise kurz vorher Schnitt und Stoff gekauft und sowieso geplant, die Hose zu nähen. Seit Dienstag sammeln sich nun alle anderen Näherinnen mit ihren Hosen auf dem Schnittduett-Blog und ich habe es auch endlich geschafft, von meinem Exemplar Fotos zu machen!


Bei dieser Hose begann alles mit dem Stoff. Schon einige Male hatte ich ihn bei Stoff und Stil online gesehen und war drumherum geschlichen. Das Bordeaux ist einer meiner Lieblingsfarbtöne und Längsstreifen fand ich auch sehr spannend. Kurz kam er in Frage für ein Hochzeitsgastkleid, aber da die Streifen so breit sind, hatte ich mich doch dagegen entschieden. Dann kam jedoch der zündende Gedanke, eine Hose wäre doch lässig mit Längsstreifen. Zack war der Stoff im Einkaufswagen, bei mir zuhause und gewaschen. Fehlte nur noch der passende Schnitt. Hier habe ich kurz überlegt mal wieder die Lamise von Pattydoo zu nähen, die habe ich ja nun schon öfter im Schrank, aber manchmal soll es ja doch etwas Neues sein, und da dachte ich an die Hose Wrapped, die mich mit ihrem Gürtel schon längere reizte. Auch der Schnitt war gekauft, dank einer kleinen Rabattaktion durfte es dann auch der Papierschnitt sein. Da bin ich ja oft zu knauserig für, aber eigentlich lohnt es sich immer weil die Schnitte sich so viel besser aufbewahren lassen als die selbst geklebten. 


Beim Zuschnitt musste ich ein wenig tricksen. Ich habe nämlich für mich schon länger feste Stoffmengen etabliert: 1,30 für Hosen, 1m für Shirts mit kurzen Armen, 2m für Kleider usw. Laut Ebook braucht man für den Schnitt aber 2,30, und ich hatte da ja auch noch die Streifen auf deren Lage ich achten musste! Letztlich habe ich alles bis auf den inneren Bund und das Taschenfutter auf den Stoff bekommen, und diese Teile sieht man sowieso nicht. Ich habe sie aus einem Rest schwarzen Jersey ausgeschnitten, da freue ich mich sogar das noch verwertet zu haben. 1,50 hätten (mir) aber garantiert gereicht um die Hose auszuschneiden. Und ich habe sie auch noch um insgesamt 10 cm verlängert! Also ist die Mengenangabe sehr großzügig, bedenkt das, falls ihr sie nähen wollt und ein bisschen Erfahrung habt, wer sparen möchte, kann ruhig etwas weniger Stoff kaufen. 


Das Nähen an sich war einfach und unproblematisch, die Anleitung führt einen da ganz gut durch den Prozess und ist mit Bildern anschaulich gestaltet. Ich fand nur die Stoffwahl nicht so ganz praktisch (schwarz), da konnte ich nicht immer alles sofort erkennen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Ebenso wie folgende Anmerkung: Es wird kaum aufs Bügeln hingewiesen. Ich bin in dem Bereich ein kleiner Monk und bügele eigentich jede Naht nach dem Nähen, bin auch der Meinung, dass es zu einem guten Ergebnis dazugehört. Deshalb mag ich Schnittmuster, die da explizit drauf hinweisen, entweder bei jedem Schritt oder aber vorneweg, das habe ich auch schon öfter gehabt, nach dem Motto: Nähe jede Naht nach deiner Vorliebe, versäubere sie und bügele. Aber gut, wer schon mal ein bisschen genäht hat weiß ja auch so, welche Nähte wohin gebügelt werden und sicherlich gibt es genug Personen, die da nicht so drauf versessen sind wie ich. 


Weil die Hose eigentlich aus Webware genäht wird, mein Stoff aber ein Jersey ist, hatte ich zunächst überlegt, sie eine Nummer kleiner zu nähen. Dagegen gesprochen hat dann aber letztlich meine Faulheit (für eine Version aus Webware hätte ich ja alles nochmal abpausen müssen!) und der Fakt, dass der Jersey gar nicht mal so elastisch war. So ist es eine 42 geblieben, die ich auch aus Webware nähen würde und die meiner Meinung nach gut sitzt. Damit das auch an den Beinen so ist, habe ich sie um 10 cm verlängert und euch in einem Tutorial auch ausführlich aufgeschrieben, wie ich da so vorgehe. Die 10 cm sind nämlich über das ganze Bein verteilt: 1cm im Schritt und je drei an Oberschenkel, Unterschenkel und Saum. 


Die Hose sitzt so bei mir nicht ganz in der Taille, sondern etwas tiefer, aber auch noch nicht hüftig. Eigentlich genau so, wie ich sie haben wollte, yeah!
Bei einer nächsten Version würde ich übrigens den Bund etwas breiter zuschneiden. Ich schaffe es bei so genau passenden Schnittteilen in die Gummiband eingezogen werden soll immer, diese etwas zu eng anzunähen, sodass das Gummiband nicht mehr reinpasst. Jedes. verfluchte. Mal. Und denke trotzdem beim nächsten Mal nicht dran, entweder schmaleres Band zu nehmen oder das Teil einen cm breiter zu machen. Die Hoffnung stirbt aber ja zuletzt; vielleicht hilft es, dass ich es hier aufschreibe. 


 Gestreifte Stoffe laden mich ja immer ein wenig zu Spielereien ein. Vielleicht ist das nur bei mir so? Aber irgendwie reizt es mich, damit Kontraste zu schaffen. So sind die Taschen und Bindebänder quer zugeschnitten, die Gürtelschlaufen auch. Damit ignoriere ich zwar bei diesen Teilen den Fadenlauf, aber das ist es mir wert. Sieht doch witzig aus, oder?


Dafür bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich mag, wie die Streifen am Po zusammentreffen. Aber vermutlich stört es mich ein winziges bisschen, dass es nicht genau gleichmäßig ist, und ansonsten fehlt einfach nur die Gewohnheit, Streifen am Po habe ich einfach nicht so oft. 
Ich habe übrigens ein paar Nähte gemacht, die in der Anleitung nicht vorgesehen sind; aus der Erfahrung aber durchaus nützlich sein können. Als erstes wäre da das Absteppen der Schrittnaht, für mich mittlerweile schon Gewohnheit nachdem mal 1-2 Hosen dort gerissen sind. So fühle ich mich einfach sicherer und die Naht wird auch nicht so stark strapaziert. Ansonsten habe ich das Taschenfutter auf die Nahtzugabe gesteppt damit es an der Eingriffkante nicht aus der Tasche herauslugt. Das sieht man von außen nicht, funktioniert aber gut! Und den Bund habe ich auch an der oberen Kante abgesteppt damit das einfarbige Futter nicht hervorkommt. Hätte ich bei Webware vermutlich nicht gemacht, aber Jersey ist ja doch etwas beweglicher, da wollte ich sicher gehen. 


Getragen habe ich sie zum ersten Mal zu meiner Geburtstagsfeier, und nach dem wie immer charmanten Kommentar des Freundes ("Sieht aus wie eine Clownshose") habe ich viele liebe Komplimente meiner Freunde bekommen. Da geht einem ja das Näh-Herz auf, oder? Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber sowas geht runter wie ein guter Cocktail. 

Happy sewing, 

Julia