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29. August 2018

Waldemar Kleid

[Werbung da Markennennung, ich kriege aber nichts dafür]

Hallo ihr Lieben,

und Willkommen zur Präsentation von Kleid Nummer drei aus meiner "Der-Sommer-ist-ausdauernder-als-mein-Kleiderschrank"-Kollektion. Schätzungsweise habe ich in den letzten Beiträgen drölfzig Mal erwähnt, dass der Wunsch nach luftigen Kleidern die Möglichkeiten meiner Garderobe überstieg und ich daher zügig Nachschub nähte. Das letzte Kleid aus dieser Aktion habe ich heute für euch übergeworfen.


Meine drei neuen ergänzen sich perfekt. Das schlicht schwarze Farrow Dress kommt auf Grund der Webware mit einem Gefühl von Angezogen-sein daher, während das luftige Kleid von letzter Woche doch eher etwas freizügig und für den privaten Alltag gebraucht wird. Mein rot-weiß gestreiftes Schätzchen hier befindet sich genau in der Mitte dieser beiden Pole und fügt sich ganz wunderbar ein.


An meinen beiden rot-weiß gestreiften Shirts habe ich gemerkt, wie sehr mir das Muster gefällt und, dass ich gerne mehr davon hätte. Passenderweise gab es im Stoffladen schönen Baumwolljersey auf meinem spontanen Beutezug, also habe ich direkt zugeschlagen. Zuhause habe ich eine Weile über einen Schnitt nachgedacht, mich letztendlich dann für die einfache Variante entschieden: Das Plantain Tee von Deer and Doe saß gut, also habe ich es einfach zum Kleid verlängert. Um ein bisschen mehr Spannung reinzubringen, ist der hintere Saum leicht abgerundet.


Auch bei diesem Kleid habe ich meine bewährte Methode der Verlängerung angewandt: Ab der Achsel die Seitennaht auf die halbe Stoffbreite auslaufen lassen. Fertig! In diesem Fall aber doch etwas knifflig, weil ich gerne kleine Ärmelchen wollte und dafür beim Stoffkauf etwas knauserig war. Deshalb auch die Lösung mit dem am hinteren Rockteil längeren Saum, so konnte ich unter das Vorderteil so gerade noch die Ärmel quetschen und fühle mich trotzdem nicht zu kurz unterwegs.


Die Ärmel sind auch wirklich eher kleine Baby-Ärmel, für mehr als das hat es nicht gereicht. Der Ärmelsaum verschwindet quasi unter der Achsel, da ist eigentlich kein Stoff mehr vorhanden. Überraschenderweise sieht das besser aus, als ich dachte. Ich glaube, man nennt das Flügelärmel? Wie auch immer, sie sorgen für einen sportlichen Look, machen aber nicht unnötig warm. 
Ganz besonders stolz bin ich übrigens auf das Halsbündchen. Noch nie hat ein Halsbündchen so perfekt angelegen, keine Fältchen, keine Wellen. Traumhaft! Ich habe das Schnittteil ignoriert und das Bündchen nach Gefühl angenäht, offenbar sollte ich dies immer tun, denn wie gesagt, so ordentlich hatte ich mein Halsbündchen bisher selten.


Meinem Geiz beim Stoffkauf ist auch geschuldet, dass Ärmel- und Rocksaum nur einmalig umgeschlagen und mit einem spannenden Elastik-Stich meiner Nähmaschine abgesteppt sind. Der geht quasi gleichzeitig geradeaus und in regelmäßigen Abständen auch zur Seite, versäubert also direkt mit und sieht dabei akzeptabel aus. Eine gute Notlösung, auch, wenn ich doppelt umgeschlagene Säume lieber mag, weil die nicht so schnell umklappen.


Übrigens habe ich garantiert immer mindestens einen blauen Fleck pro Bein. Gerne zusätzlich dekoriert mit Rötungen oder Kratzern, ich finde immer etwas, woran ich mir weh tun kann, und wenn das nicht klappt, dann hilft die Katze.


Ich freue mich auf viele weitere Sommer mit diesem Kleid, denn ich bin mir sicher, dass es ein absoluter Dauerbrenner wird. Wahrscheinlich kommt es, kombiniert mit Strumpfhosen und Cardigan, sogar mit über den Winter. Es trägt sich logischerweise super bequem, eigentlich fehlen nur noch Taschen damit es perfekt ist. Aber nicht jedem Schnitt stehen Taschen, und bei diesem habe ich mich daher dagegen entschieden.


Das war dann jetzt auch schon der letzte wirklich sommerliche Beitrag von meiner Seite. Alles andere, was ich in letzer Zeit genäht und vor allem gestrickt habe, ist eher für den Herbst und Winter geeignet, also mal sehen, womit ich hier auf dem Blog die letzten Sommerwochen überbrücke. Ich freue mich aber schon, mit euch die anderen Schätze zu teilen und vor allem, sie selbst zu tragen!

Seid ihr auch schon mit der Herbstgarderobe angefangen, oder steckt ihr noch in den letzten Zügen des Sommers?


Happy sewing, 

Julia



Verlinkt mit Nähfrosch, Sewlala

26. Juli 2018

Basic Shirts

Werbung weil Markennennung. Alles selbst gekauft und gedacht. 

Hallo ihr Lieben!

Ich habe das Gefühl, alles und jeder ist gerade in einem Sommerloch. Wenn sogar denken schwer fällt, geschweige denn bewegen, bleibt alles ein bisschen auf der Strecke, alles ist verlangsamt. Das wird hier allerdings keine Beschwerde, denn obwohl ich auch ab und an mal stöhne weil warm, liebe ich diesen Sommer. Nach so vielen in denen man immer mit Gewitter rechnen musste, schwüle Tage eher die Regel waren oder auch mal 16°C freue ich mich richtig über diesen Sommer. Noch dazu berechtigt er mich dazu, neue Kleidung zu nähen, denn für so eine dauerhafte Hitzeperiode bin ich nicht ausgestattet. 

Noch arbeite ich daran, dafür habe ich aber zu Beginn des Sommers ein anderes Loch gestopft, und zwar das mit den Shirts. Oder besser ohne, denn die fehlten ja. 


Ihr dürft euch übrigens auch bei den aktuellen Temperaturen über die nicht so schicken Bilder beschweren. Kein Make Up, bisschen durchgenudelt und drinnen, weil ich definitiv nicht mehrfach nach draußen flitzen und mich zwischendurch umziehen wollte. Sorry!
Shirt Nummer eins ist eher zum drunter ziehen gedacht, oder für taillierte Hosen und Röcke. Deshalb auch die charmante Presswurst-Optik. Hierfür habe ich den Schnitt Agnes von Tilly and the Buttons vernäht, der in langer Variante und mit Rollkragen schon länger bei mir zuhause ist und mit dem ich die Erfahrung gemacht habe, wie unterschiedlich dehnbar Jersey ist und was das für die Passform ausmacht. Demnächst also lieber mit sehr dehnbaren Stoffen, dann fühlt es sich nicht so eingezwängt an. Der Stoff ist von Stoff und Stil.


Nummer zwei ist nochmal Agnes und euch beim Me Made Mittwoch schon begegnet. Nicht erschrecken, so viel Einfluss hat der Stoff nun auch nicht auf die Passform, hier habe ich ganze zwei Nummern größer genäht, also eine 6 statt einer 4 wie oben. Die 6 hatte ich nämlich schon abgepaust für meine Mama hier liegen, sie hatte ja zu Weihnachten ein Longsleeve von mir bekommen. Weil ich auch noch lockere Shirts brauchte, habe ich einfach mal den Schnitt genutzt. Hier ist der Körper auch verlängert, wobei ich das nach vorne hin ein wenig weggenommen habe durch den high-low Saum. Die im Schnitt enthaltene Taillierung habe ich auch ignoriert und dort einfach gerade geschnitten. 
Der Stoff ist ein Viskosejersey vom Restetisch bei Stoff und Stil (online nicht auffindbar). Mit dem Material kommen weder ich noch meine Nähmaschine gut zurecht, sie schiebt und zieht doof, ich produziere einen welligen Halsausschnitt. Der Stoff hat aber sowieso nicht die beste Qualität und fängt schon an zu pillen, also wohl eher eine kurze Lebensdauer. Schade, denn die Optik mag ich sehr gerne, Streifen sind toll und rot auch!


Das Reststück war 1,35 groß und mit Müh und Not habe ich es geschafft, gleich zwei Shirts daraus zuzuschneiden. Bedeutet: Vorder- und Rückenteil habe ich hier mit einer Teilungsnaht versehen, die eigentlich kaum sichtbar ist. Ihr könnt ja mal versuchen, sie zu erspähen ... 


Und hier dann das zweite Shirt aus dem Stoff, nach dem Gratis Schnitt Plantain T-Shirt von Deer and Doe. Ich habe mich den Maßen nach für Größe 40 entschieden und um 5cm verlängert, aber das war wohl doch nicht ganz passend. Eigentlich soll das Shirt ab der Brust locker auslaufen und eher schwingen, bei meinen ausgeprägten Hüften liegt es aber trotzdem an. Also muss ich hier wohl auf 42 oder 44 auslaufen lassen nach unten hin, damit es tut, was es soll. Als Shirt funktioniert es natürlich trotzdem genauso gut. Auch hier hatte ich mit dem Halsbündchen so meine Probleme. Nunja, was solls. Ich trage die Shirts trotzdem rauf und runter und werde bei Gelegenheit einen qualitativ hochwertigeren Jersey kaufen um sie nochmal zu nähen. Vermutlich aber erst nächstes Jahr oder so, nun habe ich ja die beiden. 

Welche Schnitte nutzt ihr so für Shirts? Irgendetwas zu empfehlen?

Happy sewing, 

Julia




2. Mai 2018

A fesche Lederhosn

Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen 1.Mai? Musstet nicht arbeiten, konntet Fahrradfahren, Grillen oder auf dem Sofa rumhängen? 
Über den Feiertag hätte ich fast vergessen, dass heute wieder Me Made Mittwoch ist. Aber nur fast! Sonst hätte ich jetzt nicht die Bilder von meinen neuen Shorts, von denen ich nicht dachte, dass sie so gut werden würden. Aber fangen wir von vorne an. 


Vorne heißt in diesem Fall beim Nähtreffen an der Ostsee, Sewing by the Sea namentlich. Dort gibt es, wie es wohl häufig so ist, einen Stofftauschtisch. Ungeliebte oder unpassende Stoffe können mitgebracht und hier einem neuen Besitzer zugeführt werden. Ich habe mich erst recht spät an den riesigen Stapel herangetraut, ich tue mich schließlich schwer mit Stoffen, die ich zwar schön finde, aber nicht weiß, was sie werden wollen. Drei Stücke habe ich trotzdem mitgenommen, und dieser hier ist der erste verarbeitete. Es fühlt sich an wie Wildleder, ist es aber definitiv nicht, sondern eben Kunstleder. Hat aber dafür einen ziemlich schönen Stand, nicht zu fest, sondern durchaus geschmeidig. Ich dachte, eine Shorts wäre möglich und sähe vermutlich auch ziemlich cool aus aus diesem Material. 


Da hatte ich Recht, oder was sagt ihr? Ich bin jedenfalls ziemlich verliebt. Schnittmuster ist die Chataigne Shorts von Deer and Doe, die hatte ich bereits genäht und wusste, dass sie mir ziemlich gut gefällt. Außerdem wäre der Stoff gut für die leicht ausgestellten Beine, vermutete ich. 
Genäht habe ich Version A, also die niedrigere Bundhöhe und den geraden Beinabschluss. Wie beim letzten Mal auch habe ich am Bund eine 42 gewählt, die zur breitesten Stelle des Pos auf eine 44 ausläuft. 


Der Stoff ließ sich super gut vernähen. Ich hatte ja etwas Sorge, wie es mit dem Bügeln und auch den Falten in der Vorderhose aussieht, ob diese sich eventuell sehr unschön darstellen würden, aber mitnichten. Bügeln ging bei niedriger Temperatur super, wenn es etwas mehr sein musste reichte ein Tuch dazwischen aus, um den Stoff zu schützen. Die angerauhte Struktur klebte auch nicht, wie befürchtet, an der Nähmaschine, sondern ließ sich gut transportieren. Besonders das Absteppen hat hier Spaß gemacht. 
Verschlossen wird die Hose mit einem seitlichen Reißverschluss, ihr könnt ihn neben meinem Arm sehen. Den musste ich dann noch passend besorgen, aber hey, dafür war der Stoff ja ein absoluter Glücksgriff!


Die Beine werden eigentlich mit einem extra Teil versäumt, aber das habe ich mir, wie bei der letzten Version, auch hier gekniffen, ich mag die einfache Optik viel lieber. Sie sind auch deutlich kürzer als mein Schnittteil, wobei ich mir da nicht mehr sicher bin, ob ich das vielleicht verlängert habe. Wäre jedenfalls unnötig gewesen, denn die Shorts sollen kurz sein. Dagegen würde ich die Schritthöhe beim nächsten Mal um ein paar Zentimeter erhöhen. Der Bund sitzt einen Tacken zu weit unten, als ich es bevorzugen würde.


Ich habe übrigens direkt zu Beginn erstmal Konzentration bewiesen und die Taschen an die Schrittnaht der Vorderbeine genäht. Beide Taschen. Mit Absteppungen. Auf (Kunst)leder. Aaah, Panik! Zum Glück haben sich die Nähte nicht ganz so deutlich gezeigt und fallen nicht auf im Schritt. Die schräge Form am oberen Teil des Beins hat mich völlig in die Irre geleitet. Ist ja nicht so, dass ich die Hose schonmal genäht habe und eigentlich wissen sollte, wie es geht ... Nachtdienst ist meine Entschuldigung, da fehlt mir gefühlt immer mein halbes Gehirn. 


Fazit ist aber: Shorts mit Strumpfhose habe ich für mich neu entdeckt. Trage ich ziemlich gerne, ist sehr bequem. Wie der Stoff sich im Sommer auf der nackten Haut anfühlt bleibt noch zu Testen, sonst wird es halt eine Hose für all die anderen Jahreszeiten, auch nicht weiter schlimm. Ich freue mich jedenfalls, dass dieser Stoff mich gefunden hat und zu so einem guten Stück geworden ist. 

Happy sewing!


Julia


8. November 2017

Ein Herbstoutfit inklusive Entschleunigung

Hallo ihr Lieben!

Für den heutigen Me Made Mittwoch habe ich mal nichts neues, wie sonst eigentlich immer, sondern eine Kombination aus Teilen, die ihr schon kennt. Und das spiegelt wunderbar wieder, womit ich mich schon länger beschäftige, wenn es um meine Handarbeiten geht.


Schon seit Beginn dieses Jahres gebe ich mir Mühe, beim Stricken und Nähen mehr acht zu geben auf mich, auf das Projekt selbst, auf den Prozess. Das alles ist mir nämlich über die Jahres des Handarbeitens und Bloggens ein wenig verloren gegangen. Der Reiz, jede Woche etwas neues zu zeigen, immer wieder etwas neues auszuprobieren, fertig zu werden damit man etwas neues anfangen kann, war und ist groß. Aber das bedeutet auch Stress und Druck: Bald ist Mittwoch, schnell noch die Fotos von der neuen Hose machen. Ohje, auf meiner Liste steht nur noch Kleinkram, jetzt aber mal gucken ob ich noch einen Pullover nähen kann in den nächsten Tagen. Ganz so schlimm war es nicht, aber es ging in die Richtung, und das gefiel mir nicht mehr.


Schließlich habe ich aus ganz anderen Gründen angefangen zu stricken und später zu nähen: Weil mir das Handarbeiten selbst so viel Freude bereitet. Weil ich mich dabei entspannen kann. Weil es wunderbar befriedigend ist, die Aneinanderreihung von Maschen zu betrachten, eine ordentliche Naht nach der anderen zu nähen, zu bügeln. Immer mal wieder innezuhalten und zu sehen, was man da mit seinen eigenen Händen erschafft. Herrlich. Dass ich es am Ende anziehen kann und es besser passt als gekaufte Kleidung: Extra Bonus. Aber: Mein Schrank ist gut gefüllt. Hier und da kann ich noch gekaufte Dinge ersetzen oder ein paar kleine Lücken füllen, aber das kann ich gemütlich angehen lassen.


Warum also lasse ich mich doch so schnell dazu verleiten, mich selbst zu stressen? Ich glaube, das liegt an der Vielfalt von Inspiration und Verlockungen. Angebote gibt es immer und überall, ob bei Schnittmustern, Stoffen oder Garnen. Denen kann ich gut widerstehen, aber trotzdem bringen sie ein Gefühl von "neu" mit sich. Ebenso wie soziale Medien, die Kleidung der Menschen die ich tagtäglich sehe, einfach alles, von dem man so geflutet wird. Möglichkeiten ohne Ende, das Hirn brennt durch und macht gedanklich eine immer länger werdende Liste. Und da ist er wieder, der Druck. Fertig werden, nächstes Projekt. 
Aber bevor es ganz so schlimm wird, mache ich mir lieber bewusst, dass ich das für mich mache. Kein Geld damit verdiene und niemandem etwas schuldig bin. 


Und, dass es völlig Schnurz ist, dass ihr sowohl Hose als auch Cardigan in diesem Beitrag schon kennt. Dafür habe ich die Hose super erfolgreich vom Sommer in den Herbst transferiert. Dieses Outfit hat mich ein paar Tage lang sehr glücklich gemacht. Und statt die Hose zu fotografieren, die noch ganz neu genäht ist, habe ich mich für dieses "alte" Outfit entschieden, um meine da oben runtergeschriebene Faselei zur Achtsamkeit zu unterstützen. Mich selbst zu bestärken, bevor ich wieder in einen kleinen Wahn gerate. 


Mit ausgelöst hat diesen aktuellen Denkprozess auch, dass ich meine Ausgaben der letzten zwei Jahre mal grob auskalkuliert habe. Denn für die nächsten Jahre steht bei uns eine große Investition an, und daher werden aktuell Pläne geschmiedet, es wird gerechnet und überlegt. Eben auch, wie viel ich für dieses Hobby ausgebe. Ich habe mir da nie wirklich drüber Gedanken gemacht, denn ich habe in beiden Bereichen, dem Nähen und dem Stricken, keinen Vorrat. Was ich habe, verarbeite ich, und dann wird neues besorgt. Und trotzdem kommt da eine nette Summe bei rum, logischerweise. Diese muss ich nicht unbedingt verringern, aber trotzdem überlege ich gerade bewusst, ob ich Teile nähe, weil ich sie brauche, oder weil es Spaß macht. Mein Schrank ist klein, wie ihr wisst, und viel geht nicht mehr rein. 


Daher widme ich mich aktuell ein wenig mehr meinen Resten, kombiniere diese zu schöner Babykleidung und entschleunige mich selbst in meinem Hobby. Damit es genau das bleiben kann: Erholsam, glücklich machend, beruhigend. 
Vielleicht sollte ich in dem Zuge auch einfach öfter meine Outfits hier zeigen, anstatt fieberhaft neues zu planen. Denn Handmade trage ich tagtäglich, die meisten Teile seht ihr hier aber nur ein einziges Mal, wenn sie brandneu sind. Irgendwie auch Quatsch. 


So, das war es mit dem nächtlichen Gedankensprudel. Es würde mich sehr interessieren, ob ihr dieses Verhalten von euch auch kennt. Produziert ihr auch mehr, als ihr braucht? Näht ihr manches Teil eher für den Blog, als für euch? Ertappt ihr euch dabei, immer schneller zu stricken und dabei auf die Wolle für euer nächstes Projekt zu schielen? Wenn ja: Stört euch das, oder gehört es einfach dazu?


Auf den Bildern trage ich übrigens neben Kaufshirt und -strumpfhose meine Chataigne Shorts von Deer and Doe, die tatsächlich in dieser Kombination super funktioniert. Da habe ich gar nicht mit gerechnet, freue mich daher umso mehr. Ich mag es, wenn Teile in allen Jahreszeiten funktionieren. Der Farbklecks obenrum ist mein Portage Cardigan von Melissa Schaschwary, heiß geliebt und gerne zu allem möglichen kombiniert. Sitzfalten und wirre Frisur gehören mit zum Outfit, versteht sich von selbst, oder? :)




9. Juli 2017

Chataigne Shorts - Deer and Doe

Hallo ihr Lieben!

Nicht mal mehr einen Monat dauert es, und dann bin ich im sehnlichst erwarteten Urlaub mit der liebsten Freundin. Dass ich meine Sommergarderobe bis dahin noch etwas aufstocken wollte, habt ihr sicherlich schon mitbekommen. Nun hat es ein zweites, wichtiges Kleidungsstück in den Schrank geschafft, nämlich Shorts. 


Und weil die Shorts für alle Lebenslagen taugen sollen, habe ich sie direkt zur extremen Testung getragen, einer Wanderung in den Dörenther Klippen. Klingt dramatischer als es ist, aber für so nah am platten Münsterland durchaus angemessen. Die Shorts habe ich dort zum ersten Mal angehabt, und sie haben sich sehr gut bewährt. Bequem, durch das weite Bein machten sie jede Bewegung mit und mussten nicht übermäßig zurechtgezupft werden. Taschen für eventuelle Fundstücke sind ebenfalls dabei. Einziges Manko: Der Stoff hat trotz Vorwäsche ordentlich blau abgefärbt, hinterher hatte ich quasi alles blau, was die Hose berührt hat. Sah aus wie ein massiver blauer Fleck. Oder aber seltsam farbener Sonnenbrand. 


Das Schnittmuster ist die Chataigne Shorts vom Label Deer and Doe, mein zweiter Schnitt nach der Jacke Lupin. Nachdem ich die Maßtabelle studiert hatte, entschied ich mich für einen Hybriden: Im Hüftbereich habe ich eine 42 genäht, zum Po auslaufend dann auf 44 erweitert. Damit bin ich zumindest für diesen festen Jeansstoff auch zufrieden; mit einem dünneren Stoff würde ich in Richtung Beine vielleicht wieder etwas begradigen. Aber so hat aktuell alles Platz und nichts engt ein. Allerdings werde ich bei einer weitern Shorts nach diesem Schnitt den Schritt noch etwas vertiefen um es ein wenig gemütlicher zu machen. Es zwickt zwar nichts, aber ist ganz kurz davor, und bei dieser eher lockeren Shorts passt das nicht so zusammen, finde ich. 


Das besondere am Schnitt ist wohl der V-förmige Bund. Der benötigt recht viel Genauigkeit, sodass ich nach dem ersten Versuch nochmal auftrennen musste. Die Spitze traf nicht genau auf die vordere Mitte, und das sieht natürlich recht bescheiden aus. Zum Glück ließ sich das Ganze gut berichtigen und nun sitzt es ordentlich. Außerdem sind die kleinen Falten zu erwähnen, die sicherlich bei lockerem Stoff besser fallen. Hier sind sie zudem nur kurz nach dem Waschen gebügelt, besser ging es nicht. Aber auch beim Tragen entstehen darunter kleine Beulen nach außen hin, die nun nicht weiter stören, aber ich denke, das liegt am Stoff. 


Das Futter der Tasche habe ich aus einem alten rosafarbenen Tuch genäht, früher habe ich damit meine Puppen zugedeckt. Eine schöne Erinnerung, versteckt in der Hose. 
Im Gegensatz zu den Taschen vorne sind die hinteren nur optische, aber nicht praktische. Die Taschenklappen werden einfach nur aufgenäht. Bisher habe ich sie, wie in der Anleitung beschrieben, nur an der oberen Kante festgesteppt. Ich hatte ja die Befürchtung, sie würden sich beim Sitzen nach oben aufklappen und doof abstehen, aber bisher ist das nicht passiert. Gut, ich hatte sie auch nur einmal an, dann war die Wäsche nötig, aber ich beobachte das weiter und steppe sie notfalls einmal komplett ab. 


Die Hosenbeine habe ich um 5cm verlängert, weil ich keine ultra kurzen Shorts wollte. Dafür habe ich dann den Saum nur zweimal umgebügelt und festgesteppt. Eigentlich gibt es ein extra Bund-Schnittteil, dass dann nochmal unten angenäht wird. Das konnte ich mir aber nun wirklich nicht gut vorstellen. Passt glaube ich zu Jeans einfach nicht so, zumindest in meiner Vorstellung. Jedenfalls denke ich, dass die Verlängerung durch das Weglassen des Saumes quasi aufgehoben ist. Nur so als Referenz, falls ihr da überlegt, was ihr machen müsst, wenn ihr ebenfalls aus der Gruppe der großen Frauen kommt. 


Geschlossen wird die Hose übrigens seitlich mittles eines verdeckten Reißerschlusses. Ich war da erst skeptisch, die Dinger sehen ja schon filigran aus im Vergleich zu den normalen Jeans Reißverschlüssen. Aber alles andere würde doof aussehen, also hoffe ich mal, dass da nichts aufplatzt oder ausreißt.  
Nochmal ein Nachtrag zum Bund: Der wird zweimal ausgeschnitten, und der innere Bund soll dann an der offenen Kante, die also nach unten zeigt später, nur versäubert werden und wenn man dann von außen absteppt wird diese Kante mit festgesteppt. Weil ich es aber lieber mag, habe ich die Kante umgebügelt und dann nachher von außen festgesteppt. Das ist nicht viel mehr Arbeit, sieht aber wirklich schön aus, keine offenen Kanten! Alternativ kann man sie auch mit Schrägband einfassen, sieht auch toll aus :)


Beim ersten Anziehen war ich dann ein bisschen gedämpft in meiner Freude. Irgendwie saß sie dann doch komisch, und so weit am Bein, ganz ungewohnt. Ich gab ihr einige Zeit im Schrank, und jetzt nach der Wanderung bin ich deutlich zufriedener. Sie ist halt optisch echt was anderes als die Shorts, die ich sonst so habe. Ich glaube, wenn ich den Schritt verlängere, was ich bisher bei allen Hosen so machen musste, sitzt sie auch nochmal anders und vielleicht besser. Jedenfalls habe ich den Schnitt nicht aufgegeben und würde ihn gerne nochmal probieren. 


Gerade für Aktivitäten ist die Shorts vermutlich ein optimales Kleidungsstück. Sie engt nicht ein und lässt gut Luft durch, also wenig schwitzen und kleben und unwohl fühlen. Ich überlege ja auch, ob ich sie mal zur Arbeit ausprobiere. Sie wirken nicht so aufreizend wie enge kurze Shorts, oder bilde ich mir das ein? 


So, nun zu euch! Habt ihr den Schnitt schonmal genäht? Welche anderen Schnitte für Shorts kennt ihr? Ich freue mich total, wenn ihr mir in Kommentaren oder auch einer Mail antwortet. 





17. Mai 2017

Kurzjacke aus Wildlederimitat - Deer and Doe Lupin

Hallo ihr Lieben!

In der Nähwelt gibt es ja so Schnitte, die sehe ich, weiß, dass sie mir gefallen werden, kaufe und vernähe. Und dann gibt es Schnitte, da bin ich mir unsicher, ob das daraus resultierende Kleidungsstück zu mir passt; sowie Schnitte, die nicht zur Jahreszeit passen und daher ebenfalls ein wenig in Vergessenheit geraten. So ist es mir mit der Jacke Lupin von Deer and Doe gegangen. Die fand ich nämlich super, aber vermutlich irgendwann im Winter. Dann habe ich sie zu Beginn des Frühlings wieder auf meiner Pinnwand entdeckt und sofort auf die "Demnächst"-Liste verschoben, in meinem Kopf.


Bei Stoff und Stil habe ich dann tolles Wildlederimitat in vielen Farben gefunden. Ich habe die Rollen gestreichelt und aus dem Regal gezogen und konnte mich ewig nicht entscheiden. Mit Hilfe der anwesenden beratenden Freundin fiel die Wahl dann auf dieses verwaschene Blau. Passend dazu hatte ich mir noch ein schönes flutschiges Blümchenfutter aus Satin ausgesucht. (Beide online nicht verfügbar) Mit den Stoffen war ich schonmal sehr glücklich, aber so ganz habe ich mich nicht getraut, den Zuschnitt und das Nähen anzugehen. Meine Nähmaschine ist am zufriedensten mit Jeans und Baumwolle, alles was nicht so gut - oder zu gut - rutscht, wird oft schwierig. 


Aber all das Zögern nutzt ja doch nichts und bringt vor allem kein neues Kleidungsstück. Also habe ich mich überwunden und den Zuschnitt begonnen. Das war bei dem flutschigen Futter echt kein Spaß. Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass Bügelstärke super sein soll, also hatte ich sowas gekauft und auf eine Ecke aufgesprüht. Die war dann halt nicht mehr trocken und flutschig, sondern nass und flutschig. Im Endeffekt war ich aber nur zu ungeduldig, denn als ich ein paar Stunden später mit dem Nähen des Futters begann, war diese Ecke wirklich recht fest geworden. Also unbedingt merken und demnächst rechtzeitig vor dem Zuschnitt aufsprühen. Eigentlich habe ich aber Glück gehabt mit meiner Ungeduld, denn die Stärke geht natürlich nur durch Waschen wieder heraus, und das Wildlederimitat darf nicht gewaschen werden. Ich hätte also vermutlich die Futterjacke nochmal separat waschen müssen, das wäre auch ärgerlich gewesen. Beim Bügeln musste ich übrigens über das Wildlederimitat immer ein Geschirrtuch drüberlegen, das hätte sonst nicht geklappt. Dann ließ es sich aber recht artig platt machen.


Ich habe die Jacke in Größe 42 zugeschnitten, bei einem Probestück sah diese recht gut sitzend aus. Ich bin auch der Meinung, dass sie das jetzt tut, der Herzmann findet sie zu kurz, aber ich vermute, das liegt an dem fehlenden Verständnis für unterschiedliche Möglichkeiten bei Jackenlängen. Die Schulterbreite ist jedenfalls in Ordnung, was schonmal sehr gut ist, da habe ich bei Jacken oft Probleme mit meinen breiten Schultern. Damit die Ärmel an meine Affenarme passen, habe ich sie um 5cm verlängert, weniger hätte es nicht sein dürfen.


Die Schulterriegel kann man optional auch weglassen, ich wollte sie aber haben, ich finde, sie machen auch irgendwie den Look aus. Bei der Entscheidung für Knöpfe habe ich echt lange überlegt, mich dann aber für zwei übrig gebliebene anthrazitfarbene Anorakdruckknöpfe entschieden. So musste ich erstens keinen Knopf durch vier Lagen Wildlederimitat annähen und optisch gefällt mir das auch viel besser als ein Knopf.


Ein bisschen angenervt war ich übrigens nach dem Zuschnitt, der ja doch recht aufwändig war: Da sitzt man mit allen Teilen an der Nähmaschine, schlägt die vorher nur überflogene Anleitung auf und liest erstmal, welche Teile zusätzlich auch noch aus Vlieseline zugeschnitten werden müssen. Argh! Ich hasse das Zeug ja eh, aber wenn es auf den Schnittteilen schon drauf steht, ist die Enttäuschung nicht so groß.


Auf keinem der Bilder könnt ihr die Taschen erkennen. Das war keine Absicht, aber tatsächlich habe ich die auch ein bisschen verhunzt: Es sollten halt Paspeltaschen werden, aber ganz gleichmäßig hat das nicht geklappt, sodass die eine Seite nun über der anderen liegt. Das ist zum Glück auf beiden Seiten gleichmäßig, sieht also aus wie gewollt und stört mich nicht im geringsten. Die Taschen liegen recht weit außen und oben bei so einer kurzen, offenen Jacke, ich nutze sie dementsprechend eh kaum. Fühlt sich eher unnatürlich an, die Hände quasi unter der Brust in die Jacke zu stecken.


Zum Abschluss soll die Jacke übrigens am Saum und an den Ärmeln gerafft werden. Ähm ja, das hat mein Außenstoff eher nicht mitgemacht, daher war der Schritt echt der schwierigste. Es ist etwas annehmbares dabei herumgekommen, finde ich. Allerdings gefällt mir der Armabschluss nicht so sehr. Am Handgelenk sitzt der Ärmel nun recht eng, also durchaus bequem, aber hochschieben oder gar krempeln geht auf keinen Fall. Eine weitere Lösung oder irgendwas mit Manschette und Ärmelschlitz hätte ich toller gefunden, dann könnte ich vielleicht sogar mit einem umgekrempelten Ärmel mein schönes Futter zeigen.


Aber insgesamt habe ich trotzdem eine gute Ergänzung für meinen Kleiderschrank genäht. Ich trage die Jacke im Moment recht gerne, obwohl es gerade heute wohl zu warm dafür werden wird. Vielleicht wage ich mich irgenwann nochmal an eine leichtere Version, dann auch krempelbar, so richtig für den Sommer. Aber vermutlich nicht mehr in diesem Jahr. Erstmal muss ich mich auch an die Optik gewöhnen und ein wenig herumprobieren, wozu ich die Jacke so tragen mag.

Verlinkt habe ich den Beitrag beim Me Made Mittwoch.