Hallo ihr Lieben, willkommen bei mir!
Es ist soweit, ich habe meinen bisher größten Kampf gekämpft und eine Regenjacke genäht. Geplant war das schon länger, denn da ich fast nur Rad fahre werde ich auch immer mal wieder nass. Natürlich habe ich mich da ausgestattet, Regenhose und mittlerweile sogar zwei Regenjacken, allerdings günstige zum in-die-Tasche-stopfen-falls. Beide Versionen sind natürlich recht schäbig, haben weder Form noch Stil und erfüllen eben ihren Zweck, mehr aber auch nicht. Bei einer muss ich die Kapuze festhalten, bei der anderen sehr stramm ziehen damit es passt. Was beide gemeinsam haben: Ich ziehe sie nur an, wenn es schon regnet wenn ich losmuss. Ich ziehe sie nicht gerne an, oder provisorisch wenn es heißt, dass es regnen soll. Und außerdem halten sie Wasser in allen Richtungen fern, dementsprechend schwitzt man da ordentlich drin wenn es etwas wärmer ist.
Das alles sprach für eine Regenjacke, die auf allen Gebieten glücklich macht.
Der Schnitt stand quasi sofort fest: Den Wind und Wetter Parka (diesmal macht er seinem Namen alle Ehre!) habe ich schon zweimal genäht, war in beiden Fällen zufrieden und fand alles, was nötig war: Kapuze, Taschen, etwas länger sodass ich gut vor Regen geschützt bin. Außerdem mag ich den Schnitt an mir.

Die Stoffsuche gestaltete sich da schon schwieriger, letztlich bin ich bei
Extremtextil fündig geworden. Denn gelb sollte sie bitte sein, meine Regenjacke! So ein Friesennerz, quasi. Nun, schwefelgelb hat sich als recht zitronig herausgestellt, das ist aber nicht weiter schlimm. Futtertechnisch wollte ich Baumwolle, der Flutschfaktor im Ärmel war mir nicht so wichtig, dafür sollte es thematisch passen. Ich habe Regentropfen, Boote und Wolken angestarrt und mich letztlich für
Regenschirme von stoffe.de entschieden, da ich dort auch das andere Zubehör fand: Kordel, Kordelstopper die nicht passen, blauer RV und
Nahtband zum Abdichten der Nähte. Die Kam Snaps habe ich hier vor Ort gekauft, hatte ich leider verbummelt.

Genäht habe ich wie vorher auch Größe 40, das aber zum letzten Mal. Je nach Material spannt es schon so an den Schultern, ihr könnt es erahnen. Das nächste Mal eine Nummer größer! Außerdem habe ich den Schnitt zum ersten Mal nicht verlängert, nur die Ärmel. Es ist also die normale Parka-Version, die für mich nun eine gute verlängerte Jackenlänge hat. Genau richtig zum Radfahren ohne Wasser im Hosenbund ;)

Zugeschnitten war recht schnell, inklusive zweier Kapuzenmittelteile sowohl bei Futter als auch bei Außenstoff. Ich werde das nie lernen. Zuerst habe ich das Futter genäht, hier habe ich darüber berichtet, das war ja schon fast Routine, ich habe nichtmal ins Ebook geschaut dafür. Dann kam die Außenjacke und meine Güte, war das anstrengend! Da der Stoff beschichtet ist, klebt er nett am Füßchen und somit wird die obere Lage iiiiimmer länger. Ich habe irgenwann Backpapier in schmale Streifen geschnitten und darüber genäht, das hat gut funktioniert, aber das Nähen nicht unbedingt beschleunigt, musste schließlich wieder abgefummelt werden. Außerdem bekam jede Naht, an der es machbar war, Nahtband aufgeklebt, auch das hat viel Zeit gekostet.
Leider haben sich beim Einnähen der Ärmel all diese Schwierigkeiten geballt und ich war kurz davor, alles in die Ecke zu werfen. Hatte verschobene Stofflagen, sodass ein Ärmel nun an der Schulter perforiert ist, wenn ich Pech hab werde ich nun da nass.
Aber ich habe mich durchgebissen, zum Glück.
Ich mag abgesteppte Nähte sehr sehr gerne, habe aber hier darauf verzichtet wo es nur ging. Lediglich der Saum ist abgesteppt (und verzieht sich leider irgendwie, mal sehen ob ich das noch hinkriege).
Kommen wir zu den Kleinigkeiten: Es gibt einen Tunnelzug in der Kapuze, meine ersten Ösen! Hat allerdings ziemlich gut geklappt. Die Kordeln habe ich mit Stoffresten der Außenjacke abgeschlossen, ich finde das eigentlich ziemlich witzig. Nun brauche ich nur noch passende Kordelstopper. An den Ärmeln gibt es Riegel, dazu unten mehr. Und auf eine Tasche habe ich ein Label aufgenäht, das farblich einfach zu schön passt um nicht genutzt zu werden.
Den Aufhänger habe ich aus diesem weißen Streifen am Stoff gemacht, da stand so nett Umbrella Party drauf, ich wollte das gerne verwenden.
Es gibt keinen inneren, dafür aber einen äußeren Beleg. Den mache ich übrigens immer anders als im Ebook beschrieben; ich nähe den Streifen rundherum zusammen, lasse eine Wendeöffnung und steppe den Beleg dann direkt neben den RV wobei ich die Wendeöffnung schließe. Finde das einfacher um die Verhältnisse rechts und links vom RV abzuschätzen.
Den Tunnelzug habe ich etwas nach unten verlegt, sollte er schließlich in meiner Taille bleiben. Auch hier fehlen noch Kordelstopper. A pro pos Tunnelzug, das war echt schweißtreibend, mit Nadeln stecken war natürlich nicht drin, sodass ich das komplett frei Hand machen musste. Sieht dafür überraschend gleichmäßig aus, schließlich lag da Jacke mit einer Linie für die Taille, darauf der gebügelte Streifen für den Tunnelzug, darauf Backpapier und ich musste alles irgendwie gerade und ordentlich kriegen.
Ziemlich cool finde ich meine Armriegel, auch wenn die etwas weiter nach unten gedurft hätten. Ich erkläre euch kurz, wie ich die erstellt habe?
Also erstmal habe ich mir eine vorhandene Jacke geschnappt, Riegel ausgemessen und eine Schablone auf Papier gezeichnet. Ich glaube die Höhe war 5cm, Länge nach Gefühl. Da das alles geschmackssache ist, probiert einfach aus. Ihr braucht dann dieses Schnittteil vier mal, ich habe außerdem alle vier Teile verstärkt. Um die Riegel später aufzunähen ist es am besten, eine Naht an den Ärmelteilen schon genäht zu haben.
Je zwei Riegelteile werden rechts auf rechts rundum zusammengenäht, Wendeöffnung nicht vergessen. Die NZ gut zurückschneiden, besonders an der Spitze und den Ecken.
Wenden, bügeln, rundherum absteppen, Knopfloch oder Druckknopf anbringen und dann die Position ausloten, ihr seht auf dem Bild, wie ich es gemacht habe. Dann noch am kurzen Ende aufsteppen und am Ende, wenn Futter und Außenjacke zusammengefunden haben, Knopf oder Gegenstück vom Druckknopf anbringen. Am besten auch diese Stellen im Ärmel verstärken.
Es ist garantiert keine perfekte Jacke, durch das schwierige Material habe ich einige Fehler gemacht die nicht behebbar sind. Ich bin aber zum Glück nicht so perfektionistisch und möchte erstmal sehen, ob die Jacke ihren Zweck erfüllt. Wenn sie das tut, macht sie mich sehr glücklich mit ihrer Farbe und Form und ich sehe über die kleinen Makel hinweg. Nochmal werde ich mir aber wohl keine Regenjacke nähen, wenn doch, dann nach einem Schnitt der auch dafür gedacht ist, ich glaube, das macht schon einen großen Unterschied.
Wir zwei Unperfekten marschieren jetzt weg von der hübschen Mirabelle (das weiß blühende) rüber zu Fredi, die einen tollen Sewalong passend zu meinen Plänen gestartet hat. Und ich freue mich auf ein nächstes, bestimmt entspannteres Projekt an der Nähmaschine.
♥