Hallo ihr Lieben!
Heute zeigt Meike auf dem
Me Made Mittwoch Blog ein altes Lieblingskleid. Wie schön, wenn die selbstgemachten Werke so geliebt werden!
Ich bin ebenfalls dabei, und das sogar mit zwei Dingen. Bisher habe ich ja immer fasziniert den Kopf geschüttelt, wenn Menschen dies getan haben. Ich war immer froh, mal was fertig zu haben und wollte diesen Kleidungsstücken ihren eigenen Beitrag schenken. Mittlerweile läuft es aber auch bei mir etwas flüssiger und ich selbst lese Beiträge über schlichte Basics auch eher so halbherzig. Deshalb gibt es heute eine Kombination.

Als es so langsam Richtung Herbst und Winter ging mit der Kleidungsproduktion habe ich mich kurz hingesetzt und eine Muss-Liste geschrieben. Die ist nicht zu verwechseln mit der Wollen-Liste, welche deutlich mehr Spaß, aber weniger Nutzen bringt. Nun, oben auf der Muss-Liste standen Cardigans und Jeans, beide mit Ausrufezeichen. Cardigans hatte ich zu dem Zeitpunkt noch genau drei Stück, von denen zwei eigentlich schon längst hätten aussortiert sein sollen, aber auf Grund fehlendem Ersatz noch blieben. Und bei Jeans gab es da halt noch die eine helle im Schrank, eine dunkle, und die
genähte mit den Blumen, die für den Winter nichts ist. In beiden Fällen deutlich zu wenig.

Ich habe mich also auf die Suche nach Schnitten für Cardigans gemacht. Da gibt es ja drölfzig, und ich musste erstmal überlegen, was ich da so möchte. Es hat sich herausgestellt, dass ich keine Knopfleiste brauche, weil ich die sowieso offen trage. Also fallen die "sportlicheren" Versionen eher weg. Ansonsten wollte ich sie möglichst schlicht haben, zum drüberziehen eben. Die Wahl für einen ersten fiel dann auf
Laurelhurst von Straight Stitch Designs. Das gibt es im Original hier, aber auch, Achtung, in deutscher Übersetzung bei
nähconnection im Shop. Für alle, denen es vor englischen Schnittmustern etwas graust. Ein bisschen habe ich geflunkert, was meine Auswahl angeht. Denn eigentlich hatte ich mich für den
Megan Longline Cardigan von Tessuti entschieden. Der war auch schon in meinem Warenkorb, aber dort konnte nur mit Kreditkarte bezahlt werden, und das hat mir dann einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach einem freundlichen Mailkontakt weiß ich aber jetzt, dass sich nach Order per Mail auch eine Bezahlung über PayPay vereinbaren lässt. Ratet, wer nun noch einen Cardigan - Schnitt besitzt ...

Zurück zu Laurelhurst. Ein bisschen skeptisch war ich ja, ich mag zwar die Zipfel gerne, habe aber oft das Gefühl, dass Schalkragen breite Schultern nochmal mehr betonen. Das ist hier aber andes, ich glaube, dass liegt daran, dass der Schalkragen im Nacken nochmal umgeklappt und festgesteppt ist und dadurch genauso liegt, wie er es soll. In meinem Fall fallen nämlich sonst immer die Schulternähte runter und der Schalkragen liegt glatt. Ich hoffe, das ist verständlich.
Der Schnitt verlangt für meine Größe 10 1,80m Stoff, ich hatte 1,50. Dank Dehnbarkeit in alle Richtungen konnte ich auf den Fadenlauf verzichten und habe es so hingepuzzlet bekommen. Es gibt keinerlei Verlängerungen, wofür das gute Stück echt ordentlich sitzt! Bei der nächsten Version (für die ich schon Stoff gekauft habe ...) würde ich die Ärmel für etwas mehr Kuschelfaktor noch verlängern, aber sonst alles so lassen.
Fies war ja, dass ich quasi nur noch die Ärmel reinsetzen musste, den Cardigan anhob um zum Bügelbrett zu gehen und dabei die Sonne an zwei Stellen durch den Cardigan sehen konnte. Da waren so fiese Löcher drin! Ich kann natürlich nicht mehr nachvollziehen, ob der
Stoff schon von Alles für Selbermacher mit Mangel kam oder ob meine Waschmaschine das war, aber wie ätzend das Nähen dieser Löcher dann war, ich hasse nähen mit der Hand... Nunja, sieht niemand, ich habe es auch schon fast vergessen.
Das Nähen mit der Maschine ging dafür total flott. Wenn man als letzte Teile davor ne Jeans (Achtung, Spoiler!) und einen
Traumanzug genäht hat, dann ist so ein Cardigan gefühlt in drei Sekunden zusammengetackert. Es wird ja auch kein einziger Saum versäubert, also sind es quasi nur die Nähte und die Zeit, die man braucht, bis man die Konstruktion der Naht im Nacken verstanden hat. Dafür habe ich echt lange gebraucht. Die Anleitung ist eher spärlich, ein paar Zeichnungen und kurze Sätze. Bei mir hat es etwas gedauert, bis der Groschen gefallen ist. Auch steht nirgendwo was von Bügeln oder Versäubern. Kann man nicht immer erwarten, aber ich finde es schöner. Nunja, ich weiß mittlerweile genug in dem Bereich und habe das schon automatisch gemacht.
Wie auch immer: Ich trage den Cardigan total gerne und bin froh, diesen Schnitt zu besitzen.
Die oben erwähnten Jeans sind Teil zwei meiner heutigen Ausführungen. Dazu gibt es eine witzige Erklärung. Die beiden bisher genähten Jeans waren zwar erstmal ok, aber immer etwas unbequem. Alles, wobei die Knie gebeugt werden, hat bei mir immer ein Gefühl von "Gleich platzt alles" ausgelöst. Vor allem, nachdem mir bei der geblümten tatsächlich mal die Naht am Po aufgegangen ist. Auf der Arbeit. Und ich habe es erst irgendwann später gemerkt. Das war von mir selbst verschuldet, weil ich die nicht von außen abgesteppt habe, aber hat ein Grundgefühl von Unsicherheit mitgebracht.
Ja, und dann saß ich irgendwan so mit überschlagenen Beinen und einer Kaufjeans da und beguckte mir die Innenbeinnaht. Und sah diese Buppel und überlegte so, wo die herkommen. Dass da ja auch Falten von weg gehen, so quer. Und Falten heißen ja Mehrweite. MEHRWEITE! * Daraufhin habe ich ein wenig rumgeklickt, denn zeitgleich erinnerte ich mich, dass ich immer am Saum der Beine nach dem Nähen noch begradigen musste und das auf schiefes Ausschneiden geschoben hatte. Und, dass ich immer Drehbeine hatte.
Herrje, habe ich mich über mich selbst geärgert, aber auch gefreut, dass das vielleicht alles ändert. Und ich sag es euch, das tut es! Ich lebe jetzt in meiner Jeans, die ist super bequem (also, Jeans halt) und macht alle Bewegungen mit.
Bei der Passform muss ich trotzdem noch optimieren. Meinem Po habe ich im Sinne des Full Butt Adjustment eine 14 gegönnt, die Hose sonst in 12 genäht. Das ist unnötig und wirft Querfalten unter dem Po, beim nächsten mal also das ganze Bein in 12. Der Bund ist aber doch zu locker, also verschmäler ich nach oben hin mal auf eine 10.
Ich glaube auch, dass ich ein Full Calf Adjustment machen sollte, denn am Knie staut sich der Stoff auch ziemlich. Werde das einfach mal nach dem
Tutorial auf der Website ausprobieren.
Stoff für Nummer zwei liegt schon bereit und ich bin richtig gierig darauf, auszuprobieren ob es durch diese Änderungen besser wird. Achso, und das Bein verlängere ich nochmal um 2cm, bisher sind das 3, aber das reicht mir nicht.
Abgesteppt habe ich die Hose mit hellgrau, was nach weiß aussieht, aber mir gefällt. Bund innen sowie die Taschen sind mit einem Reststoff genäht, aus dem ich mein Bügeleisen neu bezogen habe. Wenn das mal nicht der
perfekte Stoff dafür ist!
Wo wir grade bei Stoff sind: Dieser hier ist Jeans von
Stoffe Hemmers. Da hatte ich bisher noch nicht von gehört, aber auf der Suche nach einem möglichst hellen Jeans für ein Hemd für meinen Papa bin ich dort gelandet, habe eine Stoffprobe von eben jenem hellen Jeans bestellt und bei der Gelegenheit auch gleich noch andere Jeansproben.
Dieser hier ist es unter anderem geworden, und ich finde ihn super! Genau die passende Stärke für meinen Geschmack, ich mag die Farbe und die dezenten Längslinien total. Die Haptik ist super, zur Haltbarkeit kann ich natürlich noch nichts sagen.
Ansonsten bin ich recht schlicht geblieben bei dieser Jeans. Kein Topstitching auf den Potaschen - stehe ich nicht so drauf - und keine Nieten, brauche ich auch nicht.
Ich bin mit der Jeans super zufrieden, sie fühlt sich viel tragbarer an als die anderen und ich freue mich über meine Erkenntnis, auch wenn ich mir das hätte ersparen können, hätte ich etwas mehr mitgedacht. Aber was solls. Ein paar Änderungen noch, und ich habe eine perfekt passende Jeans!
*Da nun doch einige Fragen bezüglich der Mehrweite aufkamen, erläutere ich es nochmal genauer.
Also, immer wenn es mehr Platz in einem Kleidungsstück geben muss, läuft das über Mehrweite. Ihr kennt das bestimmt bei Schwangerschaftsshirts, da ist das Vorderteil an den Seitennähten auch eingehalten, oder sogar gerafft, und somit länger als das Hinterteil, und trotzdem trifft unten der Saum gleichmäßig aufeinander.
Genauso ist es bei dieser Hose. Vom Schritt bis zum Knie ist die Vorderhose länger als die Hinterhose, um Bewegungen zu erleichtern. Für uns Nähende bedeutet das: Zuerst die Schrittnaht aufeinanderstecken wenn die Innenbeinnaht geschlossen wird, dann die Knipse, die das Knie markieren. Vom Knie abwärts passt nun der Stoff genau aufeinander und der Saum sollte gerade aufeinander passen. Oberhalb des Knies muss man nun den Hinterstoff vielleicht etwas ziehen und die Mehrweite gleichmäßig verteilen, beim Nähen dann darauf achten, dass es keine Falten gibt. Das ist aber eigentlich gut möglich, da es sich nur um ein wenig Mehrweite handelt. Falls weiterhin Fragen offen bleiben, mache ich bei Jeans 2 gerne ein paar Bilder.
♥