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23. Mai 2018

Partyblumen Top

Hallo ihr Lieben!

Vorhang auf für den neuesten Streich aus dem Hause Tüt!


Es kommt ja eher selten vor, dass ich feiern gehe. Also so mit Club und Stadt und bis nachts um vier. Aber ab und an eben doch, und für diese Gelegenheiten habe ich echt wenig anzuziehen. Logisch, weil man ja auch nicht zehn Abendkleider hat wenn man eher selten auf eine Gala eingeladen wird. 
In meinem Fall führt das dazu, dass ich etwas anziehe, was mir unpassend vorkommt. Ich trage gerne luftig und locker, damit es auf der engen Tanzfläche nicht zu heiß wird. Also mir, vom Tanzen. Und obwohl ich fast nur dunkle Farben vernähe, sind all diese geeigneten Teile eher hell, wenn nicht sogar weiß. Also wollte ich noch etwas dunkleres, und bin bei meinem Ausflug zu Stoff und Stil auf diese Viskose gestoßen. Natürlich ist sie online nicht zu finden, aber dafür viele andere schöne Viskose Stoffe.


Blieb nur noch die Schnittfrage. Ich wollte eigentlich gerne etwas neues ausprobieren, vielleicht mit einem netten Einsatz, spannender Ausschnitt, irgendwas. Das war vermutlich auch mein Problem in der Entscheidungsfindung, so ganz wusste ich nicht, was ich wollte. Also habe ich doch zu altbekanntem gegriffen, dem Schnitt Mittsommer von Lotte&Ludwig. Meine beiden Shirts (1&2) trage ich furchtbar gerne, beide sind ebenfalls aus Viskose, erfolgversprechend. Weil ein einfaches Shirt aber öde war, habe ich ein paar Änderungen vorgenommen.


Die "Ärmel", die eigentlich nur sehr breite Schultern sind, habe ich bis auf 8cm verkürzt. Dazu habe ich vom Halsausschnitt aus die 8cm abgemessen, einen Knips gemacht und dann ganz frei Schnauze von da an den Armausschnitt entlang geschnitten, dabei die neue Armkurve nach unten hin auslaufen lassen. Das hat gut geklappt, allerdings würde ich es gerne nochmal mit etwas schmaleren Trägern versuchen.


Ich wollte irgendetwas, was das Top besonders macht. Ich habe über Spitze nachgedacht, fand das in Kombination mit den Blumen aber zu niedlich. Seitliche Einsätze in einem anderen Stoff waren mir zu unsicher. Ein Schößchen habe ich noch nie genäht und bin mir auch nicht sicher, ob mir das steht. Zum Glück liefert die Wintersonne Erweiterung einige Ausschnittformen und Saum- sowie Ärmelabschlüsse, welche mich letztendlich zu dem Tropfenausschnitt im Rücken inspiriert haben. Diesen habe ich, ebenso wie Hals- und Armausschnitt, mit Schrägband eingefasst, welches aus dem Stoff des Tops gemacht ist.


Den geraden Saum habe ich ebenfalls abgeändert, er geht nun an den Seiten ziemlich hoch und ist hinten länger als vorne. Von der Seite finde ich das sehr schön, von vorne sieht man es logischerweise kaum. Gut, dass ich selten so still rumstehe wie auf den Bildern.


Sehr spannend: Irgendwie sitzt der Abnäher ganz schön tief. Eigentlich soll so ein Brustabnäher ja an der Spitze auf die breiteste Stelle der Brust zeigen. Bei mir eher so komplett unten drunter. Den muss ich dann wohl mal ein wenig nach oben verlegen. In dem dunklen Stoff fällt es aber zum Glück nicht so auf, also nichts, worüber ich mich großartig ärgere.


Obwohl die Einfassung mit Schrägband an allen Ausschnitten gelungen ist, wäre wohl ein Beleg besser gewesen. Ich musste dem Top mit Hilfe meines Bügeleisens viel Dampf machen, damit es sich schön glatt legt an den Ausschnitten. Sollte ich mir fürs nächste Mal merken!


Was da übrigens so nett ins Bild hineinlugt ist hoffentlich ein neuer kleiner Gummibaum. Ich habe vor bestimmt 10 Jahren einen von meiner Mama bekommen. Sie dachte, er stirbt, er hatte nur fünf Blätter und somit war das Risiko bei mir Pflanzen-Mörderin nicht so groß, dachte sie wohl. Naja, er ist mittlerweile zweimal mit mir umgezogen und mit den Jahren ziemlich explodiert. Nun habe ich ihn erstmals ordentlich eingekürzt und, wie im Internet gelesen, die abgeschnittenen Zweige wieder eingepflanzt. Drei so Bäumchen stehen nun an diversen Stellen in der Wohnung und ich hoffe, bei ihnen ebenso viel Erfolg zu haben wie bei ihrer Mutter. Oder ihrem Vater? Mh. Wie auch immer.

Auf Wiedersehen von Bluse, Blume und mir,


Julia




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26. April 2018

Ludwig Lässig kombiniert

Hallo ihr Lieben,



Der heutige Beitrag kommt etwas später als von mir geplant. Gestern war nämlich frecherweise das Internet einfach ausgefallen, sodass ich rein gar nichts tun konnte. Sonst bereite ich die Beiträge ja schon vor, ich hatte sogar extra Dienstag ein paar Minuten dazwischen gequetscht um Bilder zu machen. Daher bin ich froh, dass der Herzmann das Internet retten konnte - auch wenn wir beide nicht wissen, wo das Problem lag, haben einfach Router und Modem mehrfach neu gestartet bzw. das Reset Knöpfchen gedrückt - ich sollte ihn Held nennen!


Jedenfalls fand ich am Dienstag, dass es unnötig wäre, mir eins der für euch neuen Teile anzuziehen und dafür mein komplettes Outfit zu ändern. Was ich nämlich sehr interessant finde, sind Kombinationen von genähten oder gestrickten Teilen, wie ich sie noch nicht kenne, also übertrage ich das jetzt einfach mal auf euch. Meine Ludwig Lässig in schönem mintfarbenem Twill ist vielleicht kein super schickes Stück, aber dafür irre bequem und ein Liebling, wenn der Frühling langsam lockt. Die Farbe schreit für mich nach warmen Temperaturen und Sonnenschein. Schon seit letztem Jahr will ich den Schnitt nochmal nähen, dieses Jahr wird es dann hoffentlich auch was. 


Kombiniert habe ich dazu entgegen meiner Gewohnheiten ein lockeres Oberteil. Normalerweise trage ich zu eher schlabbrigen Hosen enge Shirts und andersherum, das mag ich optisch lieber. Weil aber mein Shirt vom ersten Tag für den zweiten Tag des Tragens zu kühl war, habe ich zu diesem Pullover gegriffen. Und war überrascht, wie gut mir diese beiden zusammen gefallen! Den Schnitt habe ich mal selbst abgenommen von einem Pullover den ich gekauft hatte, und dann so Seitenschlitze eingebaut. Für den Radweg gab es außerdem das obligatorische Tuch, in diesem Fall mein geliebtes Goosebumps


Damit habe ich mich sehr gut gekleidet gefühlt und war bequem unterwegs.
Freut ihr euch auch immer über neue Kombinationen mit alten Teilen?


Verlinkt bei RUMS


Happy Sewing!

Julia

19. April 2018

Bluse Elsa - La Maison Victor

Hallo ihr Lieben

heute präsentiere ich schon das vorletzte Stück, welches ich bei Sewing by the Sea genäht habe. Dort war es, nach dem schnell genähten Pullover, das zweite Projekt, welches ich noch am ersten Abend angefangen habe. Da schwante mir dann schon, dass ich wohl nicht genug Arbeit mitgenommen hatte, aber ändern konnte ich daran sowieso nichts mehr, also habe ich fröhlich weitergenäht.


Schon beim Erscheinen der La Maison Victor 5/16 war mir die Bluse Elsa ins Auge gefallen. Sie sah schlicht, aber spannend aus und wurde für später im Hinterkopf gemerkt. Während ich aber bei digitalen oder Papier-Schnittmustern eigentlich gut den Überblick behalte, was ich noch nähen möchte, geriet diese Bluse irgendwie in Vergessenheit. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich über ein Jahr gebraucht habe um sie endlich zu nähen. Vielleicht fehlte aber auch der passende Stoff?


Dabei handelt es sich um Twill von Stoff+Stil. Lässt sich total gut bügeln und nähen, flutscht nicht so arg wie viele andere Viskosestoffe, fällt aber trotzdem sehr fließend. Für mich farblich eher zurückhaltende war das Muster auch perfekt. Keine schlichte weiße Bluse, aber trotzdem mit den passenden Kombinationspartnern sehr vielseitig. 


Für meine Maße habe ich Größe 40 zugeschnitten, für meine Körpergröße sowohl Ärmel als auch Körper um 5cm verlängert. Während das bei den Ärmeln recht passend scheint, ist es mir am Körper schon zu viel. Unten kommt nochmal ein Bild, wo ich die Bluse nicht in die Hose gesteckt habe, ich werde euch darauf hinweisen. Harmonisch sieht es nicht aus, eher nach Schlafanzug, finde ich. Aber in der lockeren Variante vorne in der Hose sitzt die Bluse gut. Muss ich noch überlegen, ob ich sie kürze, damit ich sie ganz normal tragen kann. Viel Aufwand wäre das ja nicht. 


Während mein Standard Blusenschnitt ja das Granvilleshirt von Sewaholic ist, hat mich an dieser Bluse besonders die verdeckte Knopfleiste gereizt. Sowas hatte ich noch nicht genäht, macht aber optisch eine Menge aus. Hätte ich vorher gewusst, wie einfach das ist, hätte ich es mir sicherlich auch mal selbst ans Granville rangebastelt. Eigentlich wird nur geschickt gebügelt und einmal abgesteppt und schon ist es fertig. Gar kein großes Drama. Für dickere Stoffe aber sicherlich nicht so gut geeignet, da der Kragensteg oben die vierfache Lage Stoff irgendwie packen muss. 


Dem aufmerksamen Auge dürfte auffallen, dass die Knopfleiste "falsch" schließt. Es ist ja mal festgelegt worden, dass Frauenblusen und -jacken sich rechts auf links schließen. Bei Herren ist es genau umgekehrt. Während ich mich um solche Vorgaben nicht wirklich schere, ist es in diesem Fall aber aus einem anderen Grund störend: Die Gewohnheit! Für die Finger ist es wirklich schwieriger, die Knöpfe auf diese Art und Weise zu schließen. Probiert es mal aus, zieht mal ein Herrenhemd an und macht die Knöpfe zu. Ein wenig irritierend, natürlich nicht dramatisch und natürlich trägt sich die Bluse genauso, wie mit umgekehrter Knopfleiste. 
Dass sie so ist, wie sie ist, liegt an dem Zuschneide-Fehler, den ich immer mache. Eine Seite wird vorne länger zugeschnitten als die andere, und immer wieder verstehe ich nicht, welches das linke und welches das rechte Vorderteil ist. Ich kann mir einfach auf Teufel komm raus nicht merken, ob dies mit Daraufsicht festgelegt wird oder aus selbst tragender Perspektive. Also nähe ich munter weiter umgekehrte Knopfleisten. 


Weil ich bei der Stoffbestellung irgendwie Murks gemacht habe - nur einen halben Meter genäht, in welchem Universum soll das selbst für eine ärmellose Bluse reichen? Also noch einen Meter nachbestellt - musste ich bei der Nahtzugabe etwas sparen und konnte daher keine französischen Nähte nähen. Trotzdem ist zumindest im oberen Teil der Bluse durch die doppelte Passe und den Kragen alles hübsch eingefasst. Macht ja glücklich, finde ich. 


Hier übrigens die Bluse ohne in der Hose verstaut zu sein. Schon ziemlich lang, ich glaube fünf Zentimeter weniger würden jetzt auch nicht schlecht aussehen. Was meint ihr?
Die Ärmel sind auch so eine spannende Sache. Der Ärmelschlitz wird ganz anders genäht, als ich es bisher gemacht habe, quasi mit einem Stück Schrägband eingefasst und dann eine Ecke abgenäht. Ist definitiv einfacher, als ein richtiger Ärmelsteg, also eine gute Alternative. Oben auf dem Knopf-Foto könnt ihr den Ärmelschlitz aus der Nähe sehen. Aber, was mich ganz irritiert hat: Die Manschetten sind ziemlich eng! In geschlossenem Zustand kriege ich den Ärmel am Handgelenk mit meiner Uhr nicht richtig angezogen, der stockt dann da. Und ich habe jetzt nicht signifikant breite Handgelenke, soweit ich weiß. Der Knopf und das Knopfloch sind auch ganz außen angebracht, also ändern kann ich da nichts. Muss ich mir trotzdem merken, das würde ich für die Bequemlichkeit beim nächsten Mal etwas erweitern. 


Bisher habe ich ja, abgesehen von Oversize-Blusen, nur taillierte genäht. Diese hier ist ganz gerade geschnitten (was das Verlängern oder Kürzen deutlich einfacher macht) und ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich das finde. Tailliert steht mir meiner Meinung nach besser, aber so eine lockere Bluse im Schrank schadet natürlich auch nicht. Was meint ihr?


Vermutlich werde ich diese Bluse trotzdem nochmal nähen. Ich kann sie mir auch gut ohne Ärmel oder mit kurzen Ärmeln für den Sommer vorstellen, ein wenig Experimentieren wäre also auch noch drin. Und dann hätte sich das Problemchen mit den engen Manschetten auch erledigt, hihi. 


Ich wünsche euch eine schöne Restwoche und hoffe, ihr könnt im Gegensatz zu mir nicht nur vormittags die Sonne genießen. 
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Happy Sewing!

Julia


29. März 2018

Picea Cardigan und Agnes Pattern Hack

Hallo ihr Lieben!


Manchmal machen Menschen Dinge, die nicht ihren Gewohnheiten entsprechen. Essen morgens Müsli statt Brot. Fahren einen anderen Weg zur Arbeit. Nehmen Pommes mit Mayo anstatt mit Ketchup. Kaufen Stoff, ohne ein Projekt dafür im Kopf zu haben. Ratet, um welchen der Fälle es heute gehen soll.


Gut geraten! Vor einigen Wochen ist mal wieder die durchaus seltene Begebenheit geschehen, dass ich einen Stoff sah und ihn mitnahm, ohne genau zu wissen, was ich daraus nähen möchte. Viel mehr, ohne das Geschäft auf der Suche nach diesem Stoff betreten zu haben! Gesucht hatte ich nämlich Material für mein Latzkleid, war fündig geworden und stolperte dann bei den Angebotsstoffen über diesen schönen grünen Strickstoff. Reduziert, fühlte sich toll an, Plastikanteil gering. Zack, mitgenommen. Zuhause habe ich dann überlegt, was es werden soll und mich nach einigem Abwägen für den Picea Cardigan entschieden, da ich durchaus Bedarf im Bereich kurze und schlichte Cardigans habe.


Picea gibt es in zwei Längen und mit zwei Ausschnittformen, die sich kombinieren lassen. Ich habe die kurze Länge gewählt, jedoch um 5cm verlängert und den V-Ausschnitt genommen, weil er auf der technischen Zeichnung so nett aussah und ich den Cardigan sowieso offen tragen wollte, was bei einem eher engen Rundhalsausschnitt meistens seltsam aussieht, finde ich. 
Viel spannender ist aber die Größe, in der ich genäht habe. 38! Ich habe noch nie etwas in 38 genäht! Beim Vergleichen der Fertigmaße mit meinen Maßen stellte ich nämlich fest, dass die vorgeschlagene 40/42 vermutlich einem Zelt ähneln würde und habe mich dagegen entschieden. Mit dem fertigen Stück stelle ich fest, dass ich je nach Stoff wohl auch die 36 nehmen könnte, besonders die Ärmel sind doch ganz schön weit. Irre. 36. Im Leben nie getragen. Das ist keine Kritik am Schnittmuster, es steht extra in der Beschreibung, dass der Cardigan locker sitzt und auch so designt ist, nur für meine Zwecke war es nicht das, was ich wollte.


Was mich wiederum ein wenig an der Anleitung gestört hat, ist fehlende Bügelanleitung. Ich weiß, dass viele Jersey und Sweat vernähen und die Nähte nicht bügeln. Meiner Meinung nach macht es aber für den ordentlichen Sitz eine Menge aus, dass die Nahtzugaben gebügelt sind. Im schlimmsten Fall hat man sonst wellige Nähte, was nun wirklich nicht schön aussieht. Ich finde es immer besser, wenn die Anleitung angibt, wie gebügelt werden soll. Dann kann ja immer noch jeder frei entscheiden, ob der dies befolgt oder nicht. So habe ich es einfach wie gewohnt gemacht, was nun auch nicht weiter schlimm ist, jammern auf hohem Niveau und so. Aber für mich wirkt es immer weniger wertschätzend dem Kleidungsstück gegenüber, weil die Sorgfalt ein bisschen fehlt.


Für die Taschen habe ich das allererste Mal eine Overlock benutzt. Also, um die Nähte zu versäubern bevor sie auf die Jacke aufgesteppt wurden. Das war ziemlich aufregend, sag ich euch. Danke nochmal an dich, goldengelchen! Und ja, ich musste die Overlocknaht fotografisch festhalten. Da sich mein Nähplatz innerhalb der nächsten zwei Jahre nicht vergrößern wird, gibt es auch so lange keine Overlock im Hause Tüt, also muss ich mich damit begnügen.


Die Verarbeitung der Blenden wird im Ebook auf mehrere Weisen erklärt, ganz sauber mit Handnähten zum Abschluss oder mit offenen Kanten und dem üblichen annähen, wie bei Bündchen. Ich habe mich für einen Hybrid entschieden, die Nahtzugaben zwar versteckt, aber dann mit der Nähmaschine drüber gerattert. Sieht nicht ganz so schön aus wie Handnähte, ist aber völlig ausreichend für einen eher lässigen Cardigan, finde ich.


Tja, in diesem Post hat sich aber gleich noch etwas versteckt, und zwar direkt unter der Jacke. Ich habe ja schon länger das Bedürfnis nach Shirts mit Rollkragen, mein erster Versuch war aber ernüchternd. Saß nicht so, wie ich wollte, stand im Nacken sogar doof ab. Also habe ich gedacht, wenn das schon die Zeitschrift nicht kann, dann versuche ich es halt selbst. Ich habe mir die Schnitteile vom Agnes Shirt von Tilly and the Buttons geschnappt, die geringelte Version davon angezogen und mich damit vor den Spiegel gestellt um am vorderen Halsausschnitt, am hinteren Halsausschnitt sowie an den Schultern auszumessen, wie weit ich die jeweiligen Teile erhöhen muss, damit sie möglichst halsnah sind. Das habe ich dann angezeichnet, den neuen Halsausschnitt ausgemessen und entsprechend dieser Länge ein Rechteck für den Kragen konstruiert.


Die erste Version des Schnittes war grauenhaft. Lag aber gar nicht an meiner Konstruktion, sondern am Jersey. Der war kaum dehnbar, was mir aber erst aufgefallen ist, als ich das Shirt anzog und mich kaum bewegen konnte. Wie so ein muskelbepackter Bodybuilder im XS-Shirt habe ich mich gefühlt. Nur ohne Muskeln. Aber ähnlich eingeengt. Reinfall, obwohl ich den Rollkragen nichtmal dran genäht hatte, aber mir war schon klar, dass da mein Kopf nicht durchpasst. 
Der zweite Jersey, dieser schwarze hier, ist zum Glück etwas dehnbarer, wenn auch nicht so sehr, wie ich es gerne hätte. Der Kopf geht durch, aber die Brille muss vorher ab und ich halte jedes Mal die Luft an und horche, ob eine Naht platzt. Dafür liegt er genau so, wie ich es wollte, schön kuschelig am Hals.


Mir ist vorher nie so deutlich aufgefallen, wie unterschiedlich dehnbar so Jerseys sind. Aber ihr seht schon auf den Bildern, dass das Shirt sich so über der Brust rafft, was eigentlich für zu eng spricht. Was wiederum nicht sein kann, weil zwei andere Versionen in genau derselben Größe super sitzen. Also, schon zu eng, aber halt weil der Stoff sich nicht so sehr dehnt. Für weitere Rollkragenshirts, die ich wirklich gerne hätte, muss ich mich also nach gut dehnbaren Stoffen umschauen.


Aber es erfüllt seinen Zweck, und wenn ich es ab und an runterzuppel fallen auch die Falten nicht mehr auf. 
Ich finde die Kombination der beiden Stücke eigentlich sogar ziemlich gelungen, ich glaube, das ziehe ich demnächst öfter mal an. Der Frühling lässt ja sowieso noch auf sich warten, also kann ich mich auch noch weiter in kuschelige Sachen hüllen.


Wenn ihr Stoffempfehlungen habt, dann bitte, ich freue mich über alle Vorschläge!

Happy sewing, 

Julia 



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22. März 2018

Vicky Backpack - Zauberrucksack

Hallo ihr Lieben!

Ich bin ja im Grunde erstmal niemand, der viel Taschen näht. Ich brauche keine drölfzig Täschchen hier und dort. Eine kleine in der Handtasche für all das Zeug, was sonst in den Untiefen verschwindet und nie wieder auftaucht habe ich, die gab es mal beim Adventskalendertausch. Zwei Kulturtaschen in verschiedenen Größen. Einige Projektbeutel. Das sind alles leicht zu nähende Taschen aus Baumwolle, nichts wildes.
Deutlich aufregender war da schon die Delari Bag, mein erster Rucksack. Lange lag sie nach der Vollendung im Schrank, weil ich der Handnaht, die oben alles zusammenhielt, nicht zutraute alles zu halten. Total ärgerlich, aber es hat ein paar Wochen gedauert, bis ich es zum Schuster geschafft habe, der mir die Naht mit seiner schicken Maschine nochmal neu nähte (Danke nochmal an die liebe Leserin, die mir diesen Tipp gab!). Dann musste ich nur das Futter wieder zusammenfügen und seitdem trage ich den Rucksack rauf und runter. 


Obwohl er also heiß geliebt wird, passt er nicht zu jeder Gelegenheit. Mein üblicher Tascheninhalt, Portemonnaie, Taschentücher, Schlüssel, Kalender und ein bisschen Kleinzeug passen rein. Sobald aber Strickzeug mitgeführt werden soll, oder mein Mittagessen zur Arbeit, brauche ich einen extra Beutel, und das nervt meistens. Also habe ich mich auf die Suche nach einem etwas größeren Modell gemacht, und natürlich wollte ich auch dieses wieder nähen. Bei Fredi von Seemannsgarn bin ich schon vor langem auf den Vicky Backpack von I Think Sew aufmerksam geworden, bei Maria von Fadenwechsel ist er mir dann nochmal begegnet. In beiden Fällen sprach mich vor allem die Form an, wobei mir schon klar war, dass ich farblich sowohl schlichter als auch dunkler werden würde. Ein Gebrauchsgegenstand muss bei mir dunkel sein, sonst ist er häufiger in der Wäsche als an der Frau.


Wo ich nun also den einen Rucksack so gerne trug und als Alternative nur noch einen sehr großen gekauften hatte, machte ich mich auf die Suche nach Stoffen. Nun muss ich noch eine weitere Anekdote einstreuen.
Auf der Arbeit haben wir immer wieder Praktikanten und Schüler, und wenn es Praktikanten aus sozialen Bereichen sind, bin ich eine derjenigen, die die Anleitung übernimmt. Meine letzte Praktikantin brachte wie so viele Studierende ihren Fjällräven Rucksack mit, welcher nach einigen Wochen als "Zauberrucksack" tituliert wurde. Immer, wenn es stressig war, jemand genervt oder maulig, zauberte sie eine Süßigkeit daraus hervor. Ich war ein bisschen neidisch auf diesen Rucksack, zum einen wegen der Optik, aber auch wegen dieser Fähigkeit. Im Ernst, der hat doch da irgendwo ein Fach, das Süßkram produziert.


Zu dem Zeitpunkt war mir dann ziemlich klar, wie der Rucksack aussehen sollte. Ich kaufte das Schnittmuster und begann besagte Stoffsuche. Bei Aktivstoffe habe ich mal ganz frech angefragt, welche Stoffe sie mir für einen Rucksack empfehlen können, die ähnliche Eigenschaften haben wie die der bekannten Marke. Eine nette Rückmeldung später hatte ich einige Auswahlmöglichkeiten und habe mich für Cordura Titan entschieden, in Anthrazit. Für das Futter hingegen bin ich bei Stoff+Stil fündig geworden, ebenso was Reißverschlüsse, Gurtband, Schieber und Verstärkung. Diese habe ich nur auf den Außenstoff aufgebügelt und damit, finde ich, ein gutes Mittelmaß erreicht. Zu fest sollte es nicht werden, aber schon alleine stehen können.


Die Anleitung habe ich ein bisschen an meine Bedürfnisse angepasst. Die obere Reißverschlusstasche, da wo ich das schöne Label platziert habe, ist offensichtlich eliminiert, die brauche ich nicht, da hätte ich immer Angst, dass da jemand reingreift. Die beiden Fächer an der Seite, außen, sind ganz nett für Kleinkram der nicht wichtig ist, mal ein Schirm oder Taschentücher oder so. Die darüberliegenden Schlaufen sind glaube ich eher Dekoration, aber diesen Job erfüllen sie meiner Meinung nach ganz gut.


Das Label habe ich von einer lieben Freundin zu Weihnachten bekommen und mir für besondere Werke aufgehoben. Das hier ist ganz bestimmt so eins, also habe ich es auf ein Stück Snap Pap aufgenäht und dann auf das Vorderteil.
Die beiden Haltegriffe, die laut Schnittmuster aus Gurtband einfach aufgenäht werden, habe ich auch modifiziert, und zwar folgendermaßen: Vor dem Annähen an den Rucksack habe ich sie zur Hälfte längs gefaltet und mit etwa 5cm Abstand zum oberen und unteren Rand zusammengenäht. Das ist zum einen stabiler, zum anderen sieht es besser aus, finde ich. Und greift sich auch schöner.


Auch die Innenaufteilung habe ich lustig durcheinandergeworfen, wie es mir halt so passte. Im hinteren Teil gibt es ein kleines Reißverschlussfach mit farblich abgesetztem Reißverschluss, finde ich persönlich ja ziemlich witzig. Vorne dann zwei Fächer, die mit Gummiband zusammengezogen werden. Das reicht mir auch schon, das meiste schmeiße ich eh so komplett rein.
Spannend fand ich auch die Versäuberung innen, aber da komme ich später nochmal zu.


Die fertige Größe finde ich übrigens wunderbar! Er ist eventuell etwas größer als vorgesehen, weil zwischen Zuschnitt und Nähen einige Wochen lagen. Ich hatte auf anderen Blogs gelesen, dass die Nahtzugabe an einigen Stellen ziemlich knapp wird und daher mehr dazugegeben - mir aber nicht notiert, wie viel und daher einfach mal geraten. Aber ich bin ja auch ein großer Mensch, wenn der Rucksack nun rundherum 1cm mehr hat, ist das vermutlich eher positiv als negativ. Und weil ich eh nicht so genau nähen kann, vor allem nicht bei dreihundert Lagen, war das bestimmt auch ganz gut, dass ich da ein bisschen mehr Spielraum hatte.


Für die Fotos habe ich einfach mal in die Tasche geworfen, was grad so greifbar war. Acht Knäul Wolle, die 1,5 Liter Flasche vom Herzmann (ich trinke nur Leitungswasser), Stricknadelrolle. Immer noch ne Menge Platz darin. Irre! Auch ein Rucksack mit magischen Fähigkeiten?
Hier seht ihr auch nochmal die innere Versäuberung. Anstatt, wie sonst häufig, einen inneren und einen äußeren Rucksack komplett zu nähen, alles zu verstürzen und durch eine Öffnung zu wenden, werden hier die einzelnen Teile aus Außenstoff und Futter aufeinander genäht und die Nahtzugaben anschließend mit Schrägband eingefasst. Das sieht ziemlich nett an, ist aber ein ordentlicher Kampf an der Nähmaschine wenn der Stoff etwas steifer ist - wie bei mir. Stellt euch vor, einen Pappkarton um die Nähmaschine zu manövrieren. Horror. Da ist ne Menge vom Tisch geflogen, ein Teelichtglas liegt nun im Altglas. Vor allem die abgerundeten Ecken haben mir echt den Rest gegeben, und ich gebe zu, ein paar Fältchen existieren, weil ich nicht pingelig genug bin, diese zu korrigieren.


Um also den schweißtreibenden Prozess nicht noch mit schweren Verletzungen abzuschließen habe ich nur eine Seite des Schrägbands mit der Nähmaschine angenäht und die andere dann mit der Hand. Zum einen sieht das ziemlich schön aus, muss ich zugeben, um anderen hat mich das echt runter gebracht und dazu geführt, dass ich den Fertigstellungs-Prozess ganz in Ruhe in mich aufnehmen konnte. Muss ich mir merken. Das ist vermutlich der Grund, warum viele ihre Kleidung mit der Hand säumen?


Zur Anleitung muss ich auch noch etwas sagen: Die ist echt nicht so pralle. Es gibt eine Liste, welche Teile zugeschnitten werden müssen. Einige gibt es als Schnittteil in der Datei, andere muss man ausmessen. Manche Teile stehen zum Ausmessen in der Liste, existieren aber auch als Schnittteil, sodass man im schlimmsten Fall etwas unnötig doppelt zuschneidet und am Ende nicht genug Stoff hat. Ich hatte davon schon gelesen und habe alle Schnittteile ausgemessen, sodass ich direkt sehen konnte, welche doppelt aufgeführt sind.
Auch die Erklärung der einzelnen Schritte fand ich nicht so gut. Da fehlten Wörter, Zwischenschritte, die Bilder waren auch nicht immer klar. Man kommt damit zurecht, aber für das Geld hätte ich durchaus mehr erwartet.
Zum Glück entschädigt mich das Ergebnis total, ich bin wirklich glücklich mit meinem Rucksack.


Nun muss die liebe E., die von Praktikantin zur Freundin geworden ist, nur noch meinem Rucksack beibringen, auch Süßigkeiten auszuspucken. Laktosefrei, wenn es geht.

Bis dahin schicke ich ihn zu RUMS, vielleicht gibt es ja dort auch einen Hauch Magie.


Happy Sewing!
Julia





15. März 2018

Stripes

Hallo ihr Lieben!



Jetzt habe ich hier schon so viel von Sewing by the Sea erzählt, aber euch noch keins der vier Teile gezeigt, die dort entstanden sind. Ein Unding, dachte ich, also habe ich mich schnell in den Wald gestellt und Fotos gemacht. Sogar die Fingernägel passend lackiert. Na gut, hauptsächlich weil sie orange-rot waren und sich das fürchterlich mit der Hose gebissen hat, aber der Wille war da!


Mein erstes Teil am Nähwochenende war dieser Pullover. Den Stoff hatte ich im Katalog von Stoff und Stil gesehen und ihn sofort in mein Herz geschlossen (Leider aktuell nicht verfügbar). Er ist tatsächlich eines der seltenen Exemplare, welches ich erstmal bestelle ohne eine Ahnung zu haben, was ich daraus nähe. Gut, bei einem Strickstoff sind die Möglichkeiten sowieso eher begrenzt, aber trotzdem kommt es selten vor, dass ich ein Projekt für einen Stoff suche. Meistens ist es andersherum.


Nach kurzem Überlegen beschloss ich dann, nochmals meinen von einem Kaufpulli abgenommenen Schnitt zu verwenden. Den habe ich bereits einmal aus Sweat und einmal aus einem dünnen Strick genäht und trage beide Versionen total gerne, es spricht also nichts gegen eine weitere. Und da alles schon zugeschnitten war, war ich auch noch am Donnerstagabend mit den meisten Nähten fertig, obwohl wir erst um halb sechs angefangen sind zu nähen. Schulternähte, Ärmel rein, Ärmel- und Seitennähte und die meiste Arbeit ist getan.


Der Austausch mit den Mitnäherinnen hat dann zu spannenden Erkenntnissen geführt. Ich habe ganz selbstverständlich die rechte Seite des Stoffes genommen, also die, die die rechten Maschen zeigt, die kleinen "v"s. Viele fanden aber die linke Seite viel schöner, die mit den wellenförmigen Maschen. Ich hatte gar nicht darüber nachgedacht, diese so zu verwenden, es ist schließlich die linke Seite! Aber diese Anmerkungen haben dazu geführt, dass ich mir die unterschiedlichen Strukturen zu Nutze gemacht habe und alle Bündchen mit der linken Seite nach außen genäht habe.


Am unteren Saum führt das natürlich zu lustigen schrägen Streifen, da er abgerundet ist. Auch die Ärmelbündchen sind nicht ganz gerade, aber was solls. Für den Saum wollte ich eigentlich gar nicht wirklich Absteppen, sondern ihn nur versäubern und den Stoff sich aufrollen lassen. Leider wollte der Strick nicht versäubert werden - meine Nähmaschine hat die Maschen mehr auseinandergezogen, sodass sich alles aufribbelte, und die Overlock meiner lieben Tischnachbarin hat auch nicht wirklich effektiv was machen können. Es hat einfach nicht gehalten, also habe ich den Saum einfach nach rechts zweimal umgebügelt und abgesteppt.


Der Pullover ist irre gemütlich, vor allem dank der überlangen Ärmel. Ich kann einfach nicht mehr anders, lange Ärmel sind so toll! 
Der Fall des Stoffes gefällt mir auch ziemlich gut, locker, aber trotzdem nicht zu weich. Genau richtig ausgewählt, Schnittt und Stoff.


Eigentlich hatte ich ja noch andere Pläne. Ich wollte so, so gerne senfgelbe Ellbogenpatches und so ein kleines Dreieck unter dem Halsausschnitt. Mittlerweile bin ich aber ganz froh, dass so ein Stoff weder in meinem kleinen Restestapel noch bei anderen vorhanden war. So ist er noch vielseitiger einsetzbar und ich glaube, dass der Stoff eigentlich zu locker gestrickt ist für so etwas aufgenähtes.



Mein Pullover und ich gesellen uns nun zu den anderen schicken Frauen bei RUMS