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17. Oktober 2021

Stricken ist Therapie - Teil 2

 Hallo ihr Lieben, 

vor anderthalb Jahren habe ich das erste Mal beschrieben, wie in turbulenten Zeiten das Stricken oder die Handarbeit an sich ein Anker ist. Wenn ich im März 2020 schon gewusst hätte, wie das weitergeht, hätte ich vermutlich herzhaft gelacht. Ja, der Umzug und der Beginn der Pandemie waren hektisch und unruhig, aber die vergangene Zeit war nicht unbedingt besser. Denn auch nach dem Umzug blieb und bleibt viel zu tun, um es wohnlich zu machen, und das ganze wird nicht unbedingt dadurch beschleunigt, dass zwischenzeitlich Möbelhäuser und Co. geschlossen waren. 

Also habe ich auch in den letzten anderthalb Jahren eher auf kleine Projekte gesetzt, die transportabel waren und wenig Konzentration erforderten. Sprich: Kinderkleidung. Und ihr bekommt nun alles zu sehen, was in der Zeit entstanden ist. Bereit? Ich habe jeweils die Projektseite auf Ravelry verlinkt, darüber findet ihr dann auch die entsprechende Anleitung.


Da wäre dieses eigentlich als Set gedachte Arrangement. Nun ja, da liegen wohl einige Größen dazwischen! Die Jacke ist nach einer kostenlosen Anleitung entstanden, ich habe jedoch das Knötchenmuster weggelassen, da mir das zu viel Unruhe im Gestrick gewesen wäre. Zöpfe und Farbverlauf sind vollkommen ausreichend, finde ich. Ich bin gespannt, wie das Jäckchen getragen wirkt, ich erahne schon eine klaffende Knopfleiste da an der Schulter, aber mal sehen. 


Auch die Anleitung zur Bloomer ist gratis, das ziehe ich bei Kinderkleidung ja auch vor, muss ich gestehen. Ich habe die kleinste Größe gewählt, die Maschenprobe stimmt eigentlich auch, ich weiß nicht so ganz, wer dieses Höschen tragen wird, aber mal sehen. Notfalls wird halt geribbelt. Das Bündchen habe ich ein wenig verkürzt, trotzdem war das Garn nach der Hälfte der Hose alle, aber in meiner Wollschublade fand sich dann noch ein von der Garnstärke passender Rest in Grau, der nun dort verbraucht wurde. 


Nächstes Projekt wäre der Emil Body, dieses Mal ohne Ärmel aus zwei Merinowollresten in maritimen Streifen. Für die Ausschnitte reichte das Garn nicht mehr, da habe ich zu einem gelben Sockenwollrest gegriffen. Der Body ist im Frühjahr 2020 gestrickt, also schon ganz schön lange ohne fotografisches Festhalten in meinem Besitz. 


Im Schritt wird er per Druckknöpfen geschlossen, darauf musste er auch einige Monate warten. Die hatte ich zwar noch zuhause, aber während ich das Stricken ja gerne mache, ist Knöpfe annähen etwas, das oft sehr lange dauert. Geht es noch jemandem so?


Eine kleine Kollektion Mützen bzw. Bonnets gab es auch noch, die stelle ich euch kurz im Einzelnen vor.


Ganz rechts liegt eine Mütze, die noch keine Anleitung hat, ein Teststrick quasi. Ich werde sie aber nachträglich verlinken, sobald da was vorhanden ist. Aus Baumwollgarn gestrickt ist sie als Sonnenmützchen für die nicht ganz so heißen Tage gedacht, und die Farbe schreit ja quasi nach Sommer, oder? Der graue Streifen ist quasi ein Tunnel und durch Doubleface erarbeitet, wenn gewollt, kann hier noch ein Band eingezogen werden. 


Ganz links liegt eine schlichte Mütze, zumindest von der Machart, dafür knallt die Farbe. Ich habe mich, glaube ich, grob an der verlinkten Anleitung orientiert, aber glatt rechts gestrickt und auch dickere Nadeln genutzt, weil dickeres Garn. 


Die nächste Mütze ist ein ganz spannendes Exemplar. Zuerst war da das Garn: Eine Kollegin überreichte mir einen Loopschal und Handstulpen, die sie mal geschenkt bekommen hatte, aber gar nicht so ihrem Geschmack entsprachen. Ziemlich viel Lace und filigran, das Etikett noch dran. Bananenfaser. Spannend, dachte ich. Die Handstulpen wollte meine Mama gerne übernehmen, der Loop gefiel aber auch ihr nicht. Also habe ich geribbelt und das Garn für neue Zwecke genutzt: Eine Bonnet. Wenig später habe ich dann bei Jule von Hey Mama Wolf eine Ausgabe des Buches "Natürlich, Baby" gewonnen und mir daraus die Anleitung "Emilias Bonnet" ausgesucht, um die Bananenfaser zu verarbeiten. Leider sieht man das schöne Muster am Rand der Mütze durch das nicht gleichmäßige Garn schlecht, die muss ich also wohl nochmal stricken. 


Einige weitere Projekte aus dem Buch habe ich mittlerweile auch schon verwirklicht: "Leons Pullunder" durfte drei weitere Garnreste vertilgen. Im Buch wird der Pullover in Teilen gestrickt und dann zusammengenäht, das habe ich ein bisschen umgebaut um ihn in Runden stricken zu können. Das Ergebnis finde ich irgendwie ziemlich niedlich, auch, wenn mein Garn wohl mal wieder etwas dicker war, wie Größe 62-68 kommt er mir nämlich nicht vor. 


Und dann wäre da noch das Set aus Mikas Hustenleibchen und Mikas Windelhose. Beide winzig klein und ebenfalls ziemlich niedlich, waren sehr schnell gestrickt. 


Auch hier habe ich statt in Einzelteilen in der Runde gestrickt um mir das Zusammennähen zu sparen. In meiner Knopfkiste fanden sich zwei hellblaue Knöpfe mit einem Anker drauf, die passen perfekt zu dem Leibchen, finde ich. Vermutlich habe ich sie etwas weit oben angebracht, aber das lässt sich ja dann noch anpassen. Ein weiteres Projekt habe ich noch gestrickt aus dem Buch, aber leider einen Fehler gemacht. Da muss ich erst noch ein bisschen ribbeln, dann kann ich es hier zeigen. 


Sockenwolle, die mir zu bunt ist für Socken, finde ich für Kinderkleidung meistens super. In diesem Fall ist aus 100g Wolle ein Pullover entstanden. Das Garn hat mir schon Party genug gemacht, da habe ich das Strukturmuster auf dem Ärmel eliminiert. 



Die Anleitung zu dieser süßen Jacke schlummerte auch schon länger in meiner Queue auf Ravelry, weil ich das Muster an den Raglannähten so schön fand. Das sieht man auf den Bildern jetzt kaum, weil das Garn so dunkel ist, aber in echt ist es deutlicher. Auch hier kam Sockenwolle zum Einsatz, allerdings nur ein Restchen, sodass ich die Banderole nicht mehr hatte. Ich vermute aber, dass es ein Zauberball war. Die Jacke wird von unten an gestrickt, das finde ich immer eher unpraktisch und würde es beim nächsten Mal andersherum gestalten. 


Meine allerliebste Babysockenkundin mit dem Babyboom im Freundeskreis ist nun auch selbst Mutter geworden. Zu diesem Anlass hatte sie mir drei Knäul Wolle geschickt mit der Bitte, zwei Paar Söckchen und eine Mütze zu stricken. Das war schnell erledigt, aber noch massig Garn übrig. Da habe ich noch einen kleinen Overall hinterher geschoben, damit das Kind auch direkt ein stimmiges Outfit hat. In der Anleitung vom Fofo Overall ist eigentlich ein durch kraus rechts gestrickte Maschen entstehendes Muster auf der Brust vorgesehen, aber die Streifen finde ich ebenso schön. 


Davor schon hatte ich aus einem antiken Garn denselben Overall, nur für dickeres Garn, gestrickt. Die Wolle stammt noch aus den Wollresten von meiner Mama, es gibt die Marke nicht mal mehr auf Ravelry. Der Strang schrie irgendwie 90er, aber da es reines Baumwollgarn war konnte ich mir sicher sein, keinem Mottenfraß begegnen zu müssen. Nach dem Overall war dann noch genug Garn für eine kleine Mütze übrig, auch, wenn die am Ende mit einem weiteren Rest beendet werden musste. Das Ergebnis finde ich super cool!


Das Spielhöschen Goldkind aus dem Klompelompe Buch habe ich schon einige Male gestrickt, ist einfach immer eine super Verwendung für Garnreste. In diesem Fall war das Garn deutlich dicker als vorgesehen, also habe ich die nötigen Angaben umgerechnet. Das ist immer ein bisschen knifflig, aber nach den ersten zwei Malen wird es geläufig. Dreisatz ist das, was am häufigsten gebraucht wird. 





Das letzte Kleidungsstück ist ein Cardigan, ebenfalls aus so einem ungeliebten Sockenwollknäul, das ziemlich genau aufgegangen ist dafür. Ihr ahnt schon, wegen der Knöpfe durfte auch dieses Stück lange herumliegen, bevor es wirklich fertig war. 


Und zum Abschluss das süße Püppchen, das ich im Auftrag für meine Mama zur Geburt eines kleinen Mädchens gestrickt habe. Sie hatte noch in Erinnerung, dass ich das mal vor Ewigkeiten gestrickt hatte und wollte es gerne verschenken. 


Und das war die neue Kollektion der letzten anderthalb Jahre! Meine Geschenke-Schubladen sind wieder gut gefüllt und bereit für all die neuen Menschen, die sich im Moment so ankündigen. Ich finde es schön, dann etwas passendes aussuchen zu können. Und es macht mich einfach auch sehr glücklich, meine Wollreste sinnvoll zu verarbeiten und aufzubrauchen. 

Strickt ihr auch gerne Babysachen? Was ist eure liebste Anleitung?


Happy Knitting, 

Julia




16. September 2021

Brocade Diamond - Ein Project Knit

Ich berichte über einen Teststrick, es dürfte sich also um Werbung handeln. 

 Hallo ihr Lieben!


Kennt ihr die in der Strickwelt beschriebene Unterscheidung von "Project Knit" und "Process Knit"? Ersteres beschreibt die Strickprojekte, wo das Stricken den geringeren Teil der Freude ausmacht, dafür aber die Vorfreude auf das fertige Teil antreibt. Für mich sind das zum Beispiel Socken, das Stricken kann ich im Schlaf und es ist überhaupt nicht spannend, aber weil ich mich auf die Socken freue stricke ich sie trotzdem. Process Knit ist für mich jedes mehrfarbige Stück, Muster stricken macht mir so viel Spaß, zu sehen wie es langsam entsteht...

Nunja, das Tuch, das dieser Beitrag vorstellt, ist definitiv auch ein Project Knit. Am Anfang hat es noch ein bisschen Spaß gemacht, dann wurde es schnell mühsam. Warum? Nun ja, auf den ersten Blick sieht es aus wie ein helles Tuch mit rotem Rand, richtig?

Aber das täuscht! Sophia, die Designerin dieses Tuch, fängt hier schön ein, wie ich versuche das Muster einzufangen. Ist mir in dem Licht nicht gelungen, aber hier unten seht ihr es: Das Tuch ist komplett gemustert. Dabei entsteht dieses Muster nicht durch verschiedene Farben, acuh wenn es so aussehen mag, sondern durch verschiedene Garne. Der Hintergrund wurde in Lamana Milano gestrickt, das Muster in Lamana Cusi, beides in derselben Farbe. Und genau das hat den Strickprozess recht kompliziert gemacht, wo jetzt bei näherem Hinsehen das Muster deutlich erkennbar ist, war das während des Strickens oft schwierig.

Aber Sophias Idee gefiel mir einfach gut, also habe ich weiter gemacht. Praktisch war dabei, dass sie mir ein Nadelset ausgeliehen hatte (damit war der Funke gelegt, einige Monate später habe ich ein eigenes bekommen). Somit konnte mit wachsendem Umfang auch die Seillänge wachsen, ohne dass ich diverse Rundnadeln herumhantieren musste. Das Tuch wird nämlich in der Runde gestrickt, am Schluss folgt dann ein Steek, also das Aufschneiden entlang einer Seite um aus einer spitzen Tüte ein Tuch zu machen.

Mit Lamana Cusco wurde dann der Rand gestrickt und Voila, das Tuch war fertig. Es ist wirklich schön, wir philosophierten schon über andere Farbzusammenstellungen, trafen uns bei extremer Luftfeuchtigkeit und Hitze in Münsters Rieselfeldern für Fotos (das war 2018) und danach gehörte das Tuch zu meiner kleinen feinen Auswahl an wolligen Halswärmern. Aber leider kam es seiner Bestimmung nicht oft nach, zusammen mit dem very hungry Caterpillar Tuch hatte ich zwei in einem sehr ähnlichen Farbspektrum, und so blasse Farben so nah am Gesicht ist im Winter auch irgendwie nicht gut für mich, da fühle ich mich so bleich.

Deshalb wanderte das Tuch vor ein paar Monaten zurück zu Sophia, die sich arg darüber freute und es sicherlich häufiger nutzt als ich. Und vielleicht muss ich es einfach nochmal stricken, nur eben in anderen Farben.

Wie gefällt euch die Idee mit dem Muster durch Struktur? Welche Farben würdet ihr wählen?

Mein Projekt findet ihr auch auf Ravelry, ebenso wie die Anleitung. Passendes Garn gibt es bei Sophia im Shop als Paket, oder vielleicht auch bei eurem Lieblings Händler vor Ort. 


Happy knitting!

Julia



5. Mai 2021

Streifenkumulus - Verwertung für Mohair Reste

 Hallo ihr Lieben, 

und Willkommen zum Me Made Mittwoch im Monat Mai! So viele "M" in einem Satz, ich komme mir ganz poetisch vor. 

Mein heutiges Kleidungsstück vereint ja ganz viel, was ich mag. Reste verwerten, zum Beispiel, da bin ich recht gut drin, vor allem bei Wolle. Normalerweise stricke ich aus den Überbleibseln von anderen Projekten ja Babysachen, die lassen sich so schön verschenken (oder aufbewahren).

Allerdings ist Mohair-Garn genau wie andere Fasern mit viel Flausch nicht wirklich geeignet für Babykleidung. Die einzelnen Fasern können sich nämlich vom lose gezwirnten Garn lösen und in Babys Lunge geraten, was nicht ganz so zu empfehlen ist. Deshalb saß ich Anfang des Jahres recht ratlos vor diversen Flausch-Resten, dabei einiges Mohair, das meine Mama mir gegeben hatte, ein wenig Alpaca war auch mit dabei. Vom Pullover meiner Mama waren über zwei Knäul Grau übrig geblieben, ansonsten waren da diverse Blau-Töne, Grün, ein Fitzel rot und Lila. Tja, was tun damit? Zunächst dachte ich an eine Streifenmütze, konnte ich mir gut vorstellen. Nach einer Konfrontation des Garns mit der Waage stellte ich aber fest, dass es fast genug für einen Pullover sein könnte, und dann war ich angefixt.

Ich habe gemalt, die einzelnen Farben abgewogen, überlegt und geplant. Wie würde ich es halbwegs ästhetisch hinbekommen, ohne, dass es zu unruhig werden würde? Die Garnmengen waren sehr unterschiedlich, eigentlich wollte ich aber nicht so viele schmale Streifen wegen der zu vernähenden Fäden. Achso, die Anleitung stand von Anfang an fest, es sollte noch eine Cumulus Bluse werden, die habe ich ja schon so oft gestrickt, da brauche ich fast die Anleitung nicht mehr. Einmal aus dickerem Flausch für meine Mama, dann ohne Flausch für mich, aus Alpaca und dünner für Mama. Irgendwann stricke ich diesen Pullover bestimmt auch nochmal einfarbig flauschig für mich.

Um den verschiedenen Farben das "laute" zu nehmen, wollte ich immer einen Faden Grau und einen Faden bunt zusammen verstricken. Dann wird alles etwas stimmiger, dachte ich mir. Da das Grau aber nicht reichen würde, habe ich meine beiden Strickfreundinnen gefragt und durfte bei Saskia noch ein wenig helles Braun abholen. Ja, und dann ging es los!

Eine grobe Vorgehensweise hatte ich, vom Königsblau war noch sehr viel da, die Streifen mussten also oft vorkommen, andere Garne waren weniger, sodass die Streifen seltener waren. 4-6 Reihen habe ich pro Streifen gestrickt, aber im Endeffekt war das ein absolutes Rebellions-Projekt. Ich habe immer irgendwo mitten in der Runde den Streifen beendet, bzw für 5-10 Maschen den Faden der neuen Farbe mitgestrickt und somit gewechselt. Das Beilaufgarn blieb ja immer dabei, so sind auch keine unschönen Löcher entstanden. 

Das rote Garn war etwas dicker als die anderen, und auch eine Mini-Menge. Erst hatte ich überlegt, es nur an einem Ärmel zu nutzen, aber da ich ja doch eher für Symmetrie bin, ist der Streifen auf die Brust gekommen.

Ich habe Größe M gestrickt, aber Längenangaben ignoriert. Wann der Körper passend war, habe ich durch anprobieren ermittelt; da ja von oben in einem Stück gestrickt wird, ist das jederzeit möglich. Die Ärmel habe ich verlängert, die Abnahmen immer eine Runde später gestrickt (jede 10. statt jede 9. Runde) und wusste vom Pullover meiner Mama, dass nach der letzten Abnahme die Ärmel lang genug sind.

Ganz gleich sind die Streifen in Ärmeln und Körper nicht, aber ich habe mich bemüht, es so passend wie möglich zu machen. Dafür musste ich natürlich nach Beendigung des Körpers erstmal alle Reste halbieren ... Aber da hatte mich schon die Freude auf den fertigen Pullover so gefesselt, dass ich es ohne großes Hadern erledigt habe.

Schlimm an der Anleitung finde ich ja, dass ganz zum Schluss noch der ätzende I-Cord kommt. Ich mag das ja einfach nicht stricken, ganz, ganz schlimm. Ich habe es deshalb hier aufgeteilt, direkt nach Ende des Körpers diesen abgeschlossen, dann den Halsausschnitt und dann die Ärmel gestrickt und jeweils den I-Cord am Ende auch direkt. 

Herausgekommen ist ein ganz toller, warmer und lockerer Pullover, den ich sehr mag. Der Ausschnitt ist fast etwas weit, da hätte ich den I-Cord durchaus fester stricken können, aber das lässt sich nicht mehr ändern, Flauschgarn ribbel ich nämlich bestimmt nicht auf. Ich trage eh immer ein Top oder Shirt drunter, also keine unerwünschten Einblicke möglich.

Die Fäden habe ich übrigens nicht vernäht, sondern einfach abgeschnitten. Ich sag ja, Rebellions-Projekt! Aber dank der flauschigen Fasern verhakt sich da eh alles sofort, und ich hatte ihn bestimmt schon 10x an, bisher ist mir keine offene Stelle begegnet. Im Endeffekt hatte ich durch das Einstricken der Anfangs- bzw. Endfäden ja auch schon vernäht, sozusagen. War auf jeden Fall erfolgreich.


Die Fotos hat eine liebe Freundin im Garten gemacht, vielen Dank dafür! Das macht direkt mehr Spaß als alleine, und bietet auch mehr Möglichkeiten. 

(Das Projekt findet ihr auch auf Ravelry)


Happy knitting, ihr Lieben!


Julia


3. März 2021

Rift Tee - Cropped Sweater

 Hallo ihr Lieben, 


im heutigen Beitrag möchte ich euch den neuesten wolligen Mitbewohner meines Kleiderschrankes vorstellen. In seiner Ursprungsform ist er schon einige Jahre bei mir, aber erst in den letzten Monaten zu einem Kleidungsstück geformt worden. 


Das Garn - weich und blau mit dem Namen Alpakka Ull - war ursprünglich für einen Teststrick gedacht. Aus der eigentlich guten Idee wurde dann aber doch nichts, wie sich im Verlauf herausstellte. Auch das gehört dazu, und dann gehört vor allem dazu, das Ganze einzustampfen. Ich hatte also einen halben Körper und den Rest des Garns, und zwar sehr lange. Bestimmt lag es zwei Jahre in dem Projektbeutel herum, ohne von mir angetastet zu werden. Beim Umzug bin ich dann wieder darauf gestoßen und habe mir vorgenommen, aus dem Garn was zu machen. Bis zur Umsetzung dauerte es dann doch noch eine Weile, und dann kam auch noch Weihnachten dazwischen mit all den Geschenken auf meinen Nadeln.

Ich liebe Ravelry ja für seine Suchfunktion. Die Garnstärke und -menge eingegeben, stieß ich recht zügig auf das Rift Tee, eigentlich eine Anleitung für sommerliche Garne, entweder mit oder ohne Armen. Aber da ich sowieso schon ewig auf der Suche nach einem schönen, eher kurzen Pullover war, den ich über Kleider oder High Waist Hosen tragen könnte, sprach mich die Optik direkt an. Eine kurze Maschenprobe später entschied ich mich für die dritte Größe (und es gibt wirklich viele in dieser Anleitung, eine tolle Sache!). Mein Garn war etwas dicker, ich habe also eher eine Größe zu klein gestrickt um "meine Größe" zu erreichen.

Die Konstruktion des Pullovers ist sehr spannend: Er wird unten am Körper begonnen, beide Bündchen werden einzeln gestrickt (eigentlich Twisted Rib, aber da ich das optisch eh nicht mag, spare ich mir den Aufwand). Dann kommt alles gemeinsam auf die Nadel, ein wenig vom "gerippten" führt sich an den Seiten fort und der Körper wird gerade hoch gestrickt. Hier habe ich mit Hilfe von Anproben 2inch verlängert, also etwa 5cm.

Die Schultern werden dann alle einzeln gestrickt, hier muss man sich dann für einen U-Boot oder V-Ausschnitt entscheiden, ich habe offensichtlich den ersteren gewählt. Die Ärmel werden dann, nachdem die Schultern per 3-needle-bind-off geschlossen sind, eingestrickt.

Das kleine Schneechaos vor ein paar Wochen musste ich dann auch direkt für Fotos nutzen, ich finde ja immer, da macht sich Gestrick besonders gut. Das mit dem Schnee werfen hat nicht so ganz geklappt, zumindest ist auch alles im Gesicht ein wenig verrutscht. 

Ich hatte in meiner Planung übersehen, dass die Ärmel ja doch recht eng sind, sodass der Pulli nicht über jedes Kleid passt. Da hat auch ein recht aggressives Blocken mit Nadeln nicht viel geholfen. Das ist aber nicht weiter schlimm, notfalls stricke ich halt noch einen ... die Hände wollen ja schließlich beschäftigt bleiben.

Über einem Kleid habe ich den Pullover tatsächlich bisher nicht getragen, dafür aber zu Jeans oder Rock, mit engem Top drunter oder etwas weiteren Oberteilen. Und alles hat mir gut gefallen, damit habe ich gar nicht gerechnet. So kurze Teile sind in meinem Kopf ja doch eher unter "für kleine zierliche Menschen" abgespeichert. Gut, dass ich das nun umschreiben kann!

Vor allem Farbe und Garn gefallen mir aber sehr gut. Der Pullover ist super weich und fluffig, ich ziehe ihn gerne aus dem Schrank!


Habt ihr schon so kurze Teile gestrickt oder genäht? Wie tragt ihr sie? Habt ihr Anleitungs-Tipps, egal ob aus Wolle oder Stoff?


Happy knitting, 

Julia

Verlinkt beim Me Made Mittwoch und bei Ravelry







19. Januar 2021

Rückblick 2020

Hallo ihr Lieben, 

so, ich habe es endlich geschafft und alles, was ich im Rahmen des Rückblicks zeigen will auf dem Blog untergebracht. Das ist zwar immer noch nicht alles, was in 2020 entstanden ist, aber eben die Teile, die mir besonders viel bedeuten oder auf die ich insgesamt stolz bin. 

Es gibt auch schon einige anderes Jahresrückblicke auf dem Blog, falls ihr mal stöbern wollt: Aus 2016, 2017, 2018, 2018-2, 2019. In diesem Jahr teile ich meine Kleidung mal wieder in die schönen Oscars von Nina ein; wie im letzten Jahr alles nochmal anzuziehen, da fehlte mir einfach die Lust zu, obwohl ich es toll fand. Aber 2020 ist eben anders, in allen Bereichen. 

Das am häufigsten getragene Kleidungsstück (Hauptdarsteller:in) ist bei mir wohl zum einen das schlichte Basicshirt in hellblau, ich meine, das muss ich nicht weiter erläutern, oder? Und zum anderen, ein Überraschungs-Sieger, das Kleid Wanda. Ich habe immer wieder danach gegriffen und mich jedes Mal so wohl darin gefühlt, wenn mir mal wieder ein schöner Jersey über den Weg läuft, werde ich mir ein weiteres Kleid nähen. 

 
 
Der beste Kombipartner (Nebendarsteller:in) war für mich wohl das Ogden Shirt. Das geht zur Hose, zum Rock, ganz egal. Ich habe schon einige Tops nach diesem Schnitt genäht und werde es vermutlich auch immer wieder tun. Bis ich für alle Gelegenheiten eines habe :) 



Die aufwändigste Verarbeitung (beste Regie) wird ebenfalls doppelt besetzt, gleich zwei große Projekte haben mir in diesem Jahr so einiges abverlangt. Da wäre zum einen die Draufgängerin, ein Jackenschnitt, den ich aus zwei alten Lederjacken und Teddyfell zu einer ziemlich coolen Jacke genäht habe. Aber alleine alle Teile aus dem vorhandenen Material herauszubekommen war schon ein Kampf, und das Nähen, nun ja, viele dicke Stellen und halt Leder, ihr könnt es euch vorstellen? 

Dagegen war die Regenjacke fast ein Klacks, aber trotzdem hier aufzuführen. So Jacken sind eben nicht innerhalb von zwei Tagen genäht, da kommt erst ein Probeteil, dann die Überlegung zu Details, welche Taschen will ich, was ist mir wichtig, und dann das Nähen, was durch Futter und Co. auch immer viel Zeit in Anspruch nimmt. 


Mein Lieblingsschnittmuster (bester Schnitt) in diesem Jahr sollte auch das Ogden gehen, das staubt gleich doppelt ab. Ich habe es aber auch drei Mal genäht, im Jahr davor zwei Mal, alles vor lauter Freude darüber, dass ich damit zwei Irrtümer aufgedeckt habe: Dass ich V-Ausschnitt und dünne Träger an mir nicht mag. Da muss ich natürlich aufholen, was ich all die Jahre verpasst habe!

Die beste Anleitung (Drehbuch) hat für mich Svenja von Lotte&Ludwig mit dem Springinsfeld geschrieben. Ihre Anleitungen mag ich sowieso - bin damit aber auch ins Nähen hineingewachsen. Trotzdem: Sie sind immer voll von Wissen und anschaulichen Bildern, und bei den letzten Schnitten gibt es auch immer wieder motivierende Seiten, das ist einfach toll. Noch dazu erinnert mich der Schnitt an das herrliche Probenähen, wo wir alle Videos von der Passform gemacht haben und viele lustige Unterhaltungen entstanden sind. 

Auch für andere habe ich in diesem Jahr so einiges genäht. Der Freund bekommt regelmäßig schlichte Shirts, Papa und Bruder bekamen Jogginghosen. Das allerschönste Stück (Ehrenoscar) war aber definitiv die Weste für meinen Papa. 


Dank so einiger Lost Place Touren gab es in diesem Jahr auch so einige Bilder, die ich nicht mit Fernauslöser und Stativ gemacht habe, sondern die von lieben Menschen gemacht wurden. Das wird dann einfach authentischer und macht auch mehr Spaß, was man auf den Bildern sieht, finde ich. Die schönsten Bilder (beste Kamera) sind deshalb für mich sowohl von meinem Crop Top als auch vom Springinsfeld entstanden - hier sogar gemeinsam mit einer Freundin, die den Schnitt ebenfalls genäht hat. 



Die besten visuellen Effekte gehen an meinen Hoodie - einfach, weil der hier noch keinen Platz gefunden hat, aber einen großen in meinem Herzen. Es war ein wenig Mühe nötig, damit er sich dort einnisten konnte, aber nach der Kragenkorrektur sind wir nun ein Herz und eine Seele. 


Ich bin noch immer nicht im Bereich Cosplay unterwegs, Karneval ist in diesem Jahr ja leider *hust* ausgefallen - deshalb ist für mich das beste Kostümdesign das Hinterland-Hochzeitsgastkleid. Es gibt nicht viele Events, an die ich mich aus 2020 erinnere, aber die zwei Hochzeiten, die ich damit verbinde, die haben sich eingebrannt, und ich zehre immer noch davon. Die letzte, Ende September, war auch die letzte Gelegenheit zu tanzen und unter vielen Menschen zu sein. Das ist jetzt nicht was, was ich dauernd brauche, aber es tut manchmal einfach gut. 


Ein Tutorial (Dokumentarfilm) gab es in diesem Jahr auf dem Blog von mir nicht - dafür ist der #flickenfreitag auf Instagram ein bisschen gewachsen, darunter findet ihr ganz viele kleine Tutorials. 

Die beste Maske bleibt leider auch ohne Foto. Ich nähe von Anfang an die Anleitung von Nähtalente, das war im Frühjahr die erste, die aufgetaucht war bei meiner Suche und mich an die Einwegmasken erinnerte, und bei der bin ich dann auch geblieben. Wenn ich die obere Kante leicht unter die Brillengläser schiebe beschlagen diese nicht, sie ist bequem und rutscht nicht. Allerdings verwende ich kein Gummiband, sondern Jerseyband, das war halt noch hier. Ist auch hinter den Ohren sehr angenehm. Gemeinsam mit drei ebenfalls nähenden Kolleginnen/Freundinnen haben wir uns Weihnachtsstoffe gekauft und daraus wirklich schöne Masken genäht. Ich habe allerdings bisher vergessen, ein Foto zu machen, und da ich eben eine kleine Mini-OP im Gesicht hatte, möchte ich auch keines mehr nachreichen. Stellt euch einfach Rentiere, schöne Sprüche, viel Grün und Gold vor. 

Der größte Reinfall (Goldene Himbeere) geht in diesem Jahr an eine weitere Draufgängerin, die es nichtmal auf den Blog geschafft hat. Schon der zweite Versuch, mir eine taillenlange Jacke für über Kleider zu nähen, der nicht geglückt ist. Aber über eine Flohmarktgruppe hat sie eine neue, erfreute Besitzerin gefunden, das ist wohl nicht weiter schlimm.

Abseits von dem, was ich hier gezeigt habe, ist natürlich noch einiges anderes entstanden, vor allem natürlich aus Wolle, die findet (noch) keinen Platz im Rückblick, aber da Nina hier auch immer mehr versinkt, hoffe ich aufs nächste Jahr :) 

Da wäre noch gewesen:

Mein grüner Pullover sowie der für meine Mama aus grauem Flausch, mein rostrotes Latzkleid und der Hoodie für den Freund. 

Und so einiges hat es bisher noch nicht auf den Blog geschafft, es fehlt dann doch oft die Zeit. Geschenke, zum Beispiel: vier T-Shirts, zwei Kissen, ein Körnerkissen, ein Stoff-Schwein, Socken, Jogginghosen. Die Hundeschwester hat ein paar Dinge bekommen. Aus meinem Schrank fehlt hier noch eine Mütze und ein Stirnband, ein Schwung Leggings und Bustiers, ein Portemonnaie und ein Rucksack.

Und gerade zu Anfang des Jahres habe ich viele Wollreste in Babykleidung verwandelt, außerdem auch einige Dinge für kleine Würmchen in meinem Umfeld genäht.

Ich habe nicht genau nachgezählt, denke aber, dass es in diesem Jahr deutlich weniger Projekte gab als in den Jahren davor. Aber das war zu erwarten; wir sind umgezogen und haben viel renoviert, die Nähmaschine war ein paar Wochen in der Wartung und meine Materialien einige Wochen in Kisten. Ich hatte oft nicht den Kopf für große Projekte, deshalb ist viel kleines, notwendiges entstanden. 

Ein mir wichtiges Ziel habe ich aber auch in diesem Jahr weiter verfolgen können: Ich habe nur wenig Material neu gekauft. Gerade bei Wolle wüsste ich bis auf zwei Knäule nicht, dass ich überhaupt neues Garn gekauft hätte, das meiste kam über Kleinanzeigen oder war von mir geribbeltes. Auch viele Stoffe habe ich gebraucht gekauft oder eben schon hier gehabt. So darf es gerne weitergehen. Was 2021 angeht, lasse ich mich überraschen. Ob es Anlässe gibt, für die sich das Nähen lohnt, oder ob ich weiter die langweiligen Lücken im Schrank fülle (Stichwort Unterwäsche). Ein paar konkrete Pläne habe ich schon, auf die ich mich auch sehr freue. Aber sonst lasse ich mich von Schnitten und Stoffen überraschen und inspirieren. Ich bin mir jedenfalls sehr sicher, dass das Nähen und Stricken mir sehr geholfen hat, dieses bescheidene Jahr so gut durchzustehen. 

In diesem Sinne, 

happy knitting, happy sewing, 

Julia