5. Januar 2018

Update No. 13

Hallo ihr Lieben!

So, ich konnte mich endlich mal wieder zu einem Update aufraffen. Bei dieser eigentlich zweiwöchigen Serie zeige ich, was fertig geworden ist, woran ich gerade arbeite, und was ich plane. Das eigentlich ist nicht ohne Grund in diesem Absatz untergebracht: Seit November habe ich geschludert und euch nicht auf dem akutellen Stand gehalten. Das lag hauptsächlich daran, dass ich fast nur noch an Weihnachtsgeschenken gearbeitet habe und diese hier nicht zeigen wollte. Nun, wo all das vorbei ist, möchte ich gerne wieder in den Rhythmus kommen, denn er bietet mir so einen schönen Überblick! Außerdem gibt es so abseits der fertigen Bilder auch immer mal wieder welche vom Entstehungsprozess, was ich ebenfalls gerne in Erinnerung behalten möchte. 


Neu im Schrank

Zwar nicht in meinem; aber trotzdem zeigenswert, denn eine Menge Herzblut sind reingewandert: All die tollen Geschenke. Da ich noch nicht alle am Mann fotografiert habe, gibt es heute erstmal nur meine gekritzelte Version der Teile, die 3D-Verwirklichung hole ich dann nach. So halte ich übrigens alle meine Projekte in meinem Büchlein fest, auch die gestrickten. Das Durchblättern macht später viel Freude, und wenn ich Informationen zu einem Schnittmuster oder einer Anleitung suche, schaue ich zuerst dort nach.










Das Jeanshemd bekam der Herzmann. Den Cardigan mein Papa. 


Das Longsleeve für meine Mama - da sie einen selbstgemachten Adventskalender gab, habe ich beim Nähwerk etwas weniger Arbeit investiert. Der Pullover ist für den Bruder.


Außerdem für den Bruder eine Kapuzenjacke. Im Auftrag der Mutter einer Freundin für eben diese ein Rucksack-Beutel-Dingsi. 

Ihr merkt, ich verwende hier erstmal nur wenig Worte. Sonst habe ich ja im tatsächlichen Beitrag nichts mehr zu berichten!


Ein kleiner Stapel Babysachen ist auch fertig geworden in den letzten Wochen. Auch diese werde ich euch nochmal einzeln vorstellen. Mein Lieblingsteil liegt ganz unten - seht ihr die blau weißen Streifen? :) 



Unter der Nadel



In diesem Jahr habe ich noch keine Erwachsenenkleidung genäht. Nach all den langen Nähten, also wirklich, gefühlt habe ich Zelte genäht, war mir irgendwie nicht so danach. Dafür aber, wie eigentlich immer, nach Resteverwertung. Es macht mir einfach so, so viel Freude aus den Stoffen noch mehr zu zaubern als das, wofür sie bestimmt waren. Hier seht ihr zwei Bodies, nach der Anleitung für den Wickelbody Wonneproppen aus meinem Lieblingskinderschnittmusterbuch (Gut, es ist mein einziges, diesen Titel zu erhalten war also nicht so schwer...). Man kann es nicht sehen, aber die hellgrauen Streifen im linken Body glitzern! Ich mag sowas ja eigentlich nicht, aber für meine Mama passte es einfach perfekt. Und weil ich den Stoff schon schön finde, nur halt für mich nicht, musste der Rest direkt weiter verarbeitet werden. Während der linke Body mit Jerseystreifen aus dem Stoff des rechten versäubert ist, wird der rechte, noch nicht fertige, mit Streifen aus dem Glitzerstoff gesäumt. Ein fesches Set, oder?


Und wenn ich dann wieder Lust auf größere Nähwerke habe, stehen mir aktuell diese Stöffchen zur Auswahl. Jeweils bei den Bestellungen für die Weihnachtsgeschenke mitgeordert - als Anreiz. Schon ewig habe ich einen schwarz weiß karierten Baumwollstoff für ein Granville Shirt gefunden, hier ist er endlich. Darauf freue ich mich eigentlich am meisten. Der Stoff darunter war ein kleiner Fehler: Nur einen halben Meter habe ich gekauft. Warum nur? Er ist super schön, aber mit einem halben Meter kann ich überhaupt nichts anfangen. Keine Ahnung, welcher Schockzauber da durch mein Hirn gewischt ist. Nun warte ich auf Berechtigung für eine neue Bestellung im selben Shop und hoffe, dass dann noch etwas vom Stoff da ist. Sonst muss ich es halt irgendwie mit einem einfarbigen Stoff kombinieren...
Der blaue Stoff ist Viskose und ein Fehlkauf. Ursprünglich hatte ich ihn für das Herrenhemd geplant, aber dafür ist er viel zu fließend. Vermutlich wird es ein Kleid für mich, einen Schnitt habe ich da schon im Auge. Der untere Stoff, denn ich für die Bilder als Hintergrund verwendet habe, soll eine Fräulein Lenz Bluse werden. Meine schlicht weiße trage ich andauernd, also brauche ich noch eine eher unaufgeregte Version. 

Ich schätze nicht, dass ich mehr als eins dieser Projekte in den nächsten zwei Wochen angehen werde, aber so habt ihr schonmal eine Ahnung, was bis zum Frühling so passiert bei mir. Und spätestens im Februar muss ich auf jeden Fall Stoff bestellen, denn dieses Jahr bin ich zum ersten Mal bei Sewing by the Sea dabei! Oh man, bin ich aufgeregt! Jedenfalls brauche ich dafür ja noch ein paar Projekte und entsprechend Stoff. Ein Lager habe ich ja nicht. Wer von euch ist dort denn auch dabei? Wer war schonmal auf einem Nähtreff und kann mir sagen, wie viele Projekte ich als nur mit einer Haushaltsnähmaschine und Bügelnazi nähende mitnehmen sollte?



Auf den Nadeln



 Meinen Streifenpulli kennt ihr noch gar nicht hier, oder? Und nun ist er schon fast fertig, sieht aus, als hätte ich den in null komma nix gestrickt. Das stimmt nicht, da sitze ich schon seit drei Wochen dran. Aber aktuell fehlt nur noch ein Ärmel (wofür ich noch ein bisschen Garn nachorganisieren musste ...) und dann muss ich ein ernstes Wörtchen mit dem Saum- und Halsbündchen reden. Die werd ich ordentlich unter Dampf setzen! Aber dann habe ich hoffentlich genau zu den ganz kalten Tagen einen kuschelig warmen Pullover. Eine Anleitung kann ich euch nicht verlinken, das habe ich mir selbst zusammengerechnet. Wenn ihr wollt, kann ich euch aber meine Notizen veröffentlichen, wenn der Pullover fertig ist.
 

Aus einem Rest Sockenwolle habe ich ein Paar Söckchen angeschlagen. Die Rose City Rollers habe ich im letzten Frühling und Herbst sehr gerne getragen, und da es sich hier (glaube ich) um einen Rest Baumwoll-Sockengarn handelt, erschien  mir diese Art von Socken als ziemlich passend. Ich bin positiv überrascht, wie hübsch das Garn verstrickt aussieht. Eigentlich mag ich Baumwoll-Sockengarn so gar nicht. Die Haptik ist nun wirklich nicht herausragend, aber wenn sie nett aussehen, dann gleicht sich das ziemlich gut wieder aus. 


 Sobald die Socken fertig sind, werde ich mich diesem Pastellgarn widmen und daraus einen Newborn Vertebrae stricken. Dieses Jäckchen habe ich schonmal gestrickt, und die Farben erscheinen mir ziemlich passend für Babystrick. Außerdem war mir mal wieder nach was anderem als Babymützen und - Socken.


Neues Spielzeug




Eigentlich hatte ich ja mal beschlossen, keinen Wollwickler zu benötigen. Auf ebay kleinanzeigen hatte ich mal ziemlich günstig eine uralte Haspel erstanden - komplett aus Holz und original mit Spinnweben - und eigentlich fühlte ich mich damit gut genug ausgerüstet für meine ab und an gekauften Stränge Garn. Alles weitere hakte ich unter unnötigem Luxus ab. Dann habe ich beim selben Online Portal mal wieder eine bunte Box Sockenwoll-Reste erstanden, einige davon waren zu so hübschen Knäulchen gewickelt. Die sind schon schön anzusehen. Und formstabiler. Ich habe beim selbst-Wickeln zwar fast eine ähnliche Form hinbekommen, aber die brach irgendwie schneller zusammen. Dann habe ich überlegt, dass ich vermutlich mein Leben lang stricken werde. Und durchaus verrückt genug wäre, auch schon industriell zum Knäul gewickelte Garne umzuwickeln. Einfach weil ich es so schön finde. Und, wie ich jetzt weiß, das Wickeln auch ziemlich Spaß macht. Naja, und das Gerät sollte ein Leben lang halten. Warum sich also nicht etwas gönnen, was so viel Freude bringen kann? Ich bin in so vielen anderen Bereichen ziemlich genügsam - elektronische Geräte kaufe ich zum Beispiel nur neu, wenn sie kaputt sind. Schuhe und Handtaschen habe ich nur die nötigsten. Marken sind mir egal. Ihr könnt es raushören: Ich habe mich für einen Wollwickler entschieden. Von meinem Geburtstagsgeld orderte ich in Estland einen Wickler, komplett Handmade. Irgendwelche Wetterbedingungen führten dazu, dass der Wickler erst letzte Woche bei mir ankam, anscheinend lässt sich im Sommer nicht so gut fertigen. Das war mir aber dann auch egal, ich erzähle es nur, falls ihr ebenfalls dort ordern wollt: Es kann ein bisschen dauern. Dafür ist er komplett aus Holz und Metall, kein Plastik, was durchbricht. Vielleicht leiden die Riemen irgendwann, aber die kann man sicherlich nachbestellen.  Ein paar meiner bunten Sockenwollreste habe ich schon fröhlich gewickelt, auch der Herzmann durfte mal probieren, und wir hatten beide viel Spaß. Was so ein kleines Teil doch bringen kann!


So, ich hoffe, ihr fühlt euch nun voll informiert. Ich bin jedenfalls froh über den Überblick, verlinke es wie immer sowohl bei Maschenfein als auch bei Fadenwechsel und mache mich nun wieder an die Nadeln. 

Happy knitting, happy sewing!






3. Januar 2018

Spontanes Weihnachts- und Silvesterkleid

Hallo ihr Lieben!

Zunächst einmal ist es wohl angebracht, euch ein frohes neues Jahr zu wünschen. 2018, was es uns wohl bringt? Ich wünsche mir weiterhin ein entschleunigtes und bewusstes Handarbeiten. Dazu trägt bestimmt positiv bei, dass sich der Me Made Mittwoch nun nurnoch am ersten Mittwoch eines jeden Monats zusammenfindet. Vorher war ja schon ein bisschen der Wunsch da, dort so häufig wie möglich mitzumachen. Mit dieser entzerrteren Regelung schätze ich, kann ich mir mehr Zeit für die einzelnen Beiträge nehmen und entspannter Bloggen. 
Sagte sie, und verballter erstmal direkt das erste Treffen dort drüben. Naja, kommt der Beitrag halt etwas später, ist ja auch nicht schlimm. Die Fotos sind zum Glück schon seit dem ersten Weihnachtsfeiertag im Kasten, denn: Spontan habe ich mir noch ein Weihnachts- und Silvesterkleid genäht. Ja, eines. Ganz ohne Skrupel ziehe ich zu beiden Anlässen gerne dasselbe an. 



Dabei habe ich übrigens ganz klare Prioritäten, was so festliche Kleidung angeht: Ein Kleid, am besten aus dehnbarem Stoff oder, falls Webware, etwas weiter. Denn, wir kennen es ja alle: Es gibt die ein odere andere Völlerei Leckerei an solchen Tagen, und da geht doch nichts über den dehnbaren Bund der Strumpfhose. Nichts kneift, kein Knopf muss unauffällig geöffnet werden. Naja, vielleicht bin ich ja auch die seltsame und alle anderen haben sich völlig im Griff, wenn so viel leckeres Essen auf einen Haufen fällt. 


Eigentlich dachte ich ja, keine Zeit mehr zu haben um mir ein Outfit für die Festtage zu nähen. Den ganzen Dezember war ich nämlich mit Weihnachtsgeschenken beschäftigt: Fünf Oberteile für Erwachsene sind es geworden, ein Hemd, eine Kapuzenjacke, ein Pullover, ein Cardigan und ein Longsleeve. Dazu kam noch eine kleine Auftragsarbeit für einen Beutel. Ganz bewusst hatte ich mir das Nähen dieser Teile in den Dezember gelegt, dort hatte ich nämlich ungewöhnlich viele freie Tage, eine Woche Urlaub und damit viel Zeit. Wie geplant konnte ich mit Tee, Weihnachtsmusik und Keksen die Nähmaschine rattern lassen und ganz viel Liebe und festlichkeit in die Stücke hineinnähen. Tja, und dann war ich eine ganze Woche vor Weihnachten fertig. Huch! Mit Blick auf mein kleines Stofflager stand ich dann kurz vor der Wahl, ob ich ein eher dünnes Kleid nähe oder mich an diesen schönen festen Jersey wage. Ich hatte ja ein bisschen Bammel, ob der Stoff als Kleid funktioniert, denn er ist schon recht schwer. Nicht, dass sich da was verzieht, bei dem Gewicht. Da aber ein dickeres Kleid deutlich mehr Sinn macht im Winter, habe ich mich dafür entschieden. 


Auf dem Bild war ich nur nicht ordentlich und habe nochmal rumgezuppelt. So viel Stoff im Rücken habe ich sonst nicht, das hatte sich nur vom Strickjacke ausziehen (die kennt ihr von hier) verzogen.
Ganz kurz nur musste ich überlegen, bevor ich die La Maison Victor 4/17 herauszog und mich für das Kleid Solange entschied. Der Hingucker an diesem Schnitt ist eigentlich ein sichtbarer Reißverschluss im Nacken. Offensichtlich kann ich LMV bei ihren Reißverschlüssen nicht folgen; wie auch beim Pullover Bloom habe ich hier den Reißverschluss einfach eliminiert. Dafür gibt es gleich zwei Gründe: Mich mit dehnbarem Stoff und Reißverschluss herumzuplagen wollte ich so kurz vor den Festtagen vermeiden. Bei Nina ist zu lesen, dass es nämlich nicht immer ganz einfach geht. Außerdem hatte ich schlicht und einfach keinen passenden Reißverschluss da, und kurz vor Weihnachten in die Innenstadt? Nein Danke. War ich doch so froh, in diesem Jahr für kein einziges Geschenk die Geschäfte stürmen zu müssen. Ich habe also einfach das Rückenteil im Bruch zugeschnitten und die Stelle, an der der RV eingesetzt wird, begradigt. 


Der Rest war dann denkbar einfach. Brustabnäher, Taschen, Schulternähte, Ärmel, Seitennähte. Um übrigens ein Ausleihern zu vermeiden, habe ich in der Nahtzugabe der Schulternaht ein Band mit eingenäht, welches nicht dehnbar ist. Habe ich mal bei einem anderen Schnitt gelernt und nutze dies nun oft bei Jersey und Co. 


Ein wenig gestolpert bin ich über die Versäuberung des Halsausschnittes. So wie ich es laut Anleitung verstehe, wird das Band nur nach innen umgeschlagen und dann festgenäht, sodass es unten eine offene Kante hat. Fand ich unschön, hatte zu dem Zeitpunkt aber schon mein Schrägband der Länge nach halbiert, musste also ordentlich fummeln um noch ein Stück einschlagen zu können. Auf dem Bild sieht es super aus, aber an der Stelle der Seitennähte ... nun gut, zum Glück schaut selten jemand außer mir innen in meine Kleidung. Das Schrägband ist übrigens selbst gemacht. 


Dass ich keinen Wert auf sich treffende Streifen lege, sollte offensichtlich sein. Außer natürlich bei den Seitennähten, da ist es schon schöner. Aber bei den Ärmeln, also wirklich. Das brauche ich nicht. Die Ärmel haben übrigens eine interessante Länge, finde ich. Nicht wirklich kurz, auch nicht 3/4. Sieht besser aus als ich dachte, ich hatte schon damit gerechnet, da etwas kürzen zu müssen. 


Das Futter der Nahttaschen habe ich bewusst aus einem kontrastreichen Stoff gewählt. Sowas macht mir ja immer Freude. Übrigens habe ich auch an dieser Stelle etwas anders gemacht als in der Anleitung beschrieben. Diese schlägt vor, dass man die Seitennaht vom Ärmel bis vor die Tasche näht, dann von unter der Tasche bis zum Saum und zum Schluss die beiden Taschenteile zusammen. Ich finde das unnötig umständlich und habe alles in einem Rutsch zusammengefügt: Vom Ärmel bis zur Tasche, Nähfüßchen hoch, drehen, Taschenteile zusammennähen, Nähfüßchen hoch, drehen und runter bis zum Saum. Hat super geklappt. 


Für meine Größe habe ich übrigens nur wenig angepasst. Statt empfohlenen 2,5cm habe ich 5 cm Saumzugabe gegeben, dies aber eher meinem Vorhaben geschuldet, den Saum zweimal anstatt wie angegeben einmal umzuschlagen. Außerdem habe ich noch die Taschen ein Stückchen tiefer gesetzt. Da ich das Kleid hauptsächlich mit Strumpfhose tragen werde, denn für den Sommer ist der Stoff zu dick, musste es nicht so lang sein. Mit dem Ergebnis bin ich rundum zufrieden. 


Ich habe mich über die Feiertage sehr wohl gefühlt in meinem Kleid. Da es ja eher warm war, war es praktisch ein kurzärmeliges Stück zu haben und die Jacke ablegen zu können. Es war genug Platz für Kekse, Schokolade, Kuchen und deftiges Abendessen. 
Der Schnitt wird bestimmt nochmal genäht hier. Besonders die Brustabnäher gefallen mir, ist bei Schnitten für dehnbare Stoffe ja doch eher unüblich, macht aber gerade bei Streifen einen schönen Effekt. 


Und natürlich dürfen Stricksocken nicht fehlen, auch, wenn es etwas schicker sein soll. 

Was habt ihr so an Weihnachten getragen? Seid ihr auch Team Strumpfhose und Kleid? Oder eher Hose und Blazer?

Das Kleid wird sich bestimmt zum Liebling entwickeln, auf denen heute der Fokus beim Me Made Mittwoch liegt. Ansonsten habe ich all meine Lieblinge aus dem letzten Jahr in diesem Beitrag gekürt, falls ihr neugierig seid.




31. Dezember 2017

The Sewing Oscars 2017

Hallo ihr Lieben!

Ja, hier war es ganz schön still. Irgendwie bin ich in ein kleines Loch gefallen: Kurz vor Weihnachten war viel zu tun und das Wetter schlecht, für Blogfotos war keine Zeit. Direkt am ersten Tag nach den Feiertagen ging es dann bei mir mit der Arbeit wieder los, und das bleibt jetzt auch so bis Mitte der nächsten Woche. Daneben finden trotzdem die üblichen sozialen Treffen statt, die am Jahresende nunmal terminiert werden, wenn alle wieder in der Heimat sind. Alte Schulfreund werden getroffen, Verwandte, Geschenke eingelöst, Restaurants besucht. Dementsprechend habe ich nur wenig Freizeit. Die Hälfte der Weihnachtsgeschenke muss auch noch fotografiert werden, damit ich sie euch präsentieren kann. Und irgendwie passt es mir nicht, einfach etwas anderes dazwischen zu schieben. Da kam der Aufruf von Nina gerade passend: Wie im letzten Jahr gibt es bei ihr eine Linkliste zu den Sewing Oscars 2017.


Da bin ich doch gerne wieder dabei, hilft so ein Überblick am Jahresende doch immens dabei, einen kleinen Abschluss zu finden und sortiert in das neue Jahr zu gehen. 




Der/Die beste Hauptdarsteller/in

Meine liebsten und am häufigsten getragene Kleidungsstücke. Achso: Relativ offensichtlich konnte ich mich bei keiner Kategorie für nur ein Teil entscheiden. Gut für euch, es gibt mehr zu sehen. Ich habe dann zwar mit dem Verlinken viel Arbeit, aber was solls. 
Mützen trage ich in der kälteren Jahreszeit (also von September bis Mai -.-) fast täglich auf dem Fahrrad. Stellvertretend dafür der Open Skies Hat, den ich in diesem Jahr auf dem Blog vorgestellt habe. Ebenso häufig trage ich in derselben Zeit meine gestrickten Socken. Auch hier gab es in diesem Jahr einige neue, aber am meisten Freude haben mir wohl die Katzensöckchen bereitet. Als Überraschungs-Hauptdarsteller hat sich die Latzhose Frohnatur von Lotte&Ludwig herausgestellt. Ich dachte ja, das viele Ausziehen bei jedem Toilettengang würde sie eher zu einem Schrankhüter machen, aber tatsächlich ist diese Latzhose so bequem und passt immer, dass ich sie im Sommer sehr häufig getragen habe. Außerdem einfach immer passend ist mein Megan Longline Cardigan von Tessuti. Die Farbe passt immer, er ist schnell übergeworfen und dünn aber trotzdem warm. Den habe ich wirklich dauernd getragen! Wenn ich dann mal nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden musste, habe ich quasi in meinen Traumanzügen gelebt. Diesen Schnitt von Lotte&Ludwig feiere ich für seine Po-Klappe ja immer wieder. Nicht zu vergessen sind außerdem all meine Jacken, hier vertreten durch die Jacke Carol von La Maison Victor, meine einzige Jacke, die ich in diesem Jahr genäht habe, man glaubt es kaum. Bis auf eine richtig dicke Winterjacke besitze ich nämlich nur noch genähte Jacken und trage diese daher mit Abstand am häufigsten. 




Der/Die beste Nebendarsteller/in

Kombinationspartner habe ich mir so einige geschaffen, was super ist bei einer kleinen Garderobe die viele Funktionen erfüllen muss. Daher sind wir hier farblich auch nicht so abenteuerlustig.
Sehr häufig trage ich mein Goosebumps Tuch von Stichfest. Grau und grau passt immer, es fällt so schön, ist weich, nicht zu dick, kurz: Passt immer. Auch bei den Oberteilen lässt sich ein klarer Gewinner festmachen, mein schwarzer Pullover nach eigenem Schnitt hat es häufig direkt vom Wäscheständer an meinen Körper geschafft. Zu Anfang des Jahres sah es im Bereich Shirts bei mir ziemlich mau aus. Abhilfe habe ich mit einigen Agnes Shirts von Tilly and the Buttons gemacht, dabei habe ich das geringelte auch ziemlich häufig getragen. Gerne auch kombiniert mit meinem Jeansmini nach dem Schnitt Holly von La Maison Victor. Der ist ebenfalls schwarz und lässt sich daher zu fast allem kombinieren. Und, man konnte es oben schon raushören, der Megan Longline Cardigan erhält direkt seinen zweiten Preis. Er passt zu Kleidern, Hosen, Röcken, und ist damit ebenfalls ein Sieger was Kombinierbarkeit angeht.




Beste Regie 

2017 hat mir so einige herausfordernde Nähwerke gebracht. Am meisten gekämpft habe ich wohl mit meiner Delari Bag, da hat meine muntere Pfaff, die sonst auch fünf Lagen Jeans ohne Probleme näht, echt irgendwann gestreikt. Trotzdem ist der Rucksack toll geworden! Ebenfalls technisch nicht ohne Tücken war die Jacke Carol, die ich mit Spitzenfutter versehen habe, wordurch ich einige Belege erstellen und Änderungen machen musste. Gerade deshalb hat sie einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Bei der Jacke Lupin von Deer and Doe war das Material nicht ganz einfach: Kunstwildleder hat vorsichtiges arbeiten erfordert. Und zuletzt meine Ginger Shorts, hierfür habe ich das Schnittmuster auf Short-Länge gekürzt und Spitze verarbeitet. Alles in allem einfach ein recht aufwändiges Stück, mit allen Absteppungen, einem hübschen inneren Bund etc. Ich persönlich liebe ja all diese aufwändigen Arbeiten und deshalb sind auch bis auf eine Ausnahme alle hier vorgestellten Teile für mich etwas ganz besonderes. 




Bester Schnitt / Bestes Drehbuch

Diese beiden Kategorien habe ich mal zusammengefasst, da ich kaum einen Unterschied sehe bzw. mich schwer tun würde, diesen festzumachen. 
Sehr verliebt bin ich aktuell in den Pullover Bloom von La Maison Victor. Dieser sieht eigentlich Reißverschlüsse in den Seiten vor, die habe ich aber eliminiert und auf diese Art und Weise schon zweimal genäht. Beide Versionen trage ich total gerne: Die rote, etwas kürzere und den Stoffmix in grau weiß. Ebenfalls zweimal genäht habe ich Cleo von Tilly and the Buttons. Den Anfang machte das schwarze Latzkleid, und ich war überraschenderweise sehr verliebt. Ich wusste vorher gar nicht, wie dringend ich Latzkleider in meinem Leben brauche! Deshalb habe ich noch eine zweite Version mit Längsstreifen genäht und den Schnitt mit in diese Preisverleihung genommen. Und auch hier darf ein Preis für den Traumanzug einfach nicht fehlen. Eine tolle Erfindung, die mein Leben sehr bereichert. Vor allem im Winter. Kalt und so. 




Ehrenoscar

In dieser Kategorie gibt es meiner eigenen Schludrigkeit zu schulden nur einen Kandidaten. Denn weder das Kleid, noch der Pyjama, welche ich meinen Eltern zum Geburtstag im Sommer geschenkt habe, sind fotografiert worden. Und auch jetzt zu Weihnachten habe ich fünf Kleidungsstücke genäht, aber noch keines verbloggt. Ich werde also ein wenig schummeln und bei diesen Sewing Oscars nur Teile mit reinnehmen, die ich auch verbloggt habe. So haben sie im nächsten Jahr noch eine Chance, da sind nämlich ein paar tolle Sachen bei herausgekommen.
Der unangefochtene Gewinner des Ehrenoscars ist also der Meister Lenz, das Hemd, welches ich für meinen Papa genäht habe. Mit vielen abgesetzten Details war es aufwändig und einfach super schön.



Beste Kamera

Ein paar Stücke sind mir auch wegen der Bilder ganz besonders in Erinnerung geblieben. Für mein Top Mara zum Beispiel, dass ich extra für am Hals leicht kratzige Wollpullover genäht hatte, habe ich meinen Pulli mit dem Herz im Nacken angezogen. Das entstandene Bild mag ich super gerne. Ebenfalls toll finde ich die Fotos von meiner Kofte im Schnee, den haben wir hier schließlich nicht so wirklich häufig. Die Jacke Carol taucht hier noch ein letztes Mal auf, denn die Bilder habe ich im Bremerhaven Urlaub mit dem Herzmann von ihm machen lassen, und an diesen Urlaub erinnert mich jetzt noch der Sand in den Taschen meiner Jacke. Es war windig. Um mein Kleid Bettine von Tilly and the Buttons zu fotografieren, bin ich in den Wald gestiefelt. Hier sind sehr stimmungsvolle Bilder entstanden, schön braun war ich auch, sehr zufrieden!




Beste Visuelle Effekte

Da sind mir auch gleich ein paar besondere Kleidungsstücke eingefallen, die durch ihre Beschaffenheit auffallen. Zum einen meine Ginger Shorts mit der Spitzenverzierung. Zum anderen eine weitere Shorts, nämlich die Chataigne mit ihrem V-förmigen Bund vorne, den finde ich super spannend zu nähen und angezogen ziemlich schmeichelhaft. Natürlich sind es vor allem gestrickte Sachen, die visuell herausstechen, da wollte ich mich aber beschränken, weil es ja "Sewing Oscars" heißt ... trotzdem haben sich hier immer mal wieder gestrickte Werke eingeschummelt, so auch hier. Die Kofte ist definitiv visuell aufregend, ebenso mein erster Versuch mit Brioche, das Ramble Tuch. Viel zurückhaltender ist da meine Frohnatur aus reinem Leinen, es war aber mein erstes Projekt mit dieser Art Stoff und daher schon sehr besonders, so wie Leinen an sich auch.  




Bestes Kostümdesign

Auch hier biege ich mir die Definition der Kategorie ein wenig zurecht. Da ich mich zwar gerne Verkleide, aber Karneval und Co. gar nicht mag, habe ich keinerlei Kostüm genäht. Dafür habe ich in diesem Jahr ziemlich viel Babykleidung genäht und gestrickt, um meinen Resten an den Kragen zu gehen, und diese sollen auch einen Platz im Rückblick bekommen. Deshalb habe ich sie ihr untergebracht. Zumindest meine Lieblingsteile: Der Anzug Rumpelstilzchen aus dem Buch Nähen und Stricken für die Kleinsten ist so einer, er sieht schon ohne Füllung unglaublich niedlich aus, wenn da mal ein Mensch drin steckt, schmelze ich vermutlich. Aus Musselin habe ich einen schicken Strampler genäht. Zeitaufwändiger, aber mit ebensoviel Spaß verbunden ist der gestrickte Strampler aus Pairfect Garn nach einer Anleitung von Stichfest. Aus der selben Feder stammen auch die nächsten beiden Werke: Der Emilsbody, in dem ich einige einfarbige Reste verwertet habe, und der Pullover Sainte Chapelle, der alles andere als einfarbig ist. 




Bester Dokumentarfilm

Ich habe nur ein kleines Tutorial erstellt in diesem Jahr: Wie ihr Seitenschlitze in einen Pullover (auch abwandelbar für Kleid o.ä.) bekommt. Das Ergebnis macht mir viel Freude!



Goldene Himbeere

Zum Glück gibt es in dieser Kategorie nur zwei Kandidaten: Ein riesengroßer Reinfall und ein Stilfehler. An den Turia Dungarees von Pauline Alice habe ich mich vor ein paar Monaten versucht und stellte kurz vor Schluss fest: Träger zu kurz, hüftige Form für mich völlig ungeeignet, sieht nach Schwangerschaft aus. Ungewollte Betonung von Bauch und Hüftgold. Seitdem liegt die Latzhose hier herum, denn da lässt sich nichts ändern, sodass sie tragbar wird. So etwas passiert mir zum Glück sehr, sehr selten. Mittlerweile habe ich einen anderen Latzhosen Schnitt gekauft, der etwas taillierter konstruiert ist und probiere damit mal mein Glück. 
Als Reinfall kann man Lupin nicht wirklich verbuchen, denn sie ist wirklich schön geworden und sieht toll aus. Ich trage sie nur einfach nict. Irgendwie machen die Klappen vorne meine breiten Schultern noch breiter, und nur zu ganz bestimmten Teilen sieht sie gut aus. Zu zu wenigen Teilen. (Falls sich hier ein interessierter Abnehmer findet ...). Mit dieser Bilanz bin ich sehr zufrieden!


Puh. Ich bin ja nach dem Schreiben und zusammensuchen der Bilder und Links schon ganz schön erschöpft, vermutlich seid ihr beim Lesen irgendwo mittig zusammengebrochen. Falls ihr bis hierhin durchgehalten habt: Vielen Dank! Welches Teil hat euch in diesem Jahr am Besten gefallen? 





 
 


13. Dezember 2017

Medalje Kofte - Kofteboken

Hallo ihr Lieben!



Es ist schon lange her, dass ihr hier etwas gestricktes in Erwachsenengröße zu sehen bekommen habt. Daraus schließt mancher vielleicht, dass ich mehr nähe und daher weniger Zeit zum Stricken finde, aber dem ist nicht so. Während ich das Nähen für seine schnellen Ergebnisse liebe, hat Stricken doch eine ganz andere Bedeutung. Es ist gemütlich, ich kann mich auf dem Sofa mit Decke, Tee und Kerzenschein einmummeln, eine schöne Serie schauen und dabei Masche um Masche stricken. Nähen dagegen ist zumindest in meinem Fall unbequem, mein Stuhl ist zu hoch für den Tisch an dem ich nähe, dementsprechend habe ich schnell Rückenschmerzen. Dann noch das dauernde aufstehen, auf den Boden setzen um größere Sachen zu stecken, in die Küche latschen um dort zu bügeln ... ne, nicht bequem. Trotzdem toll, aber eben in einem anderen Bereich. 
Weil Stricken für mich mehr mit Gemütlichkeit und Entspannung verbunden ist, versuche ich natürlich auch, es ruhig angehen zu lassen. Das zu stricken, wonach mir gerade ist. Dann liegt die angefangene Socke mal ein paar Wochen, weil ich grad so Lust auf diese Mütze habe, was solls. Erfahrung zeigt, dass ich jedes Projekt irgendwann fertigstelle, und irgendwann heißt innerhalb von einigen Monaten. UFOs (= unfertige Objekte) gibt es bei mir nicht. 


Aus dieser entspannten Haltung heraus kommt es dann auch manchmal dazu, dass ich antizyklisch stricke. Beispiel für dieses verrückte Wort? Diese Strickjacke habe ich von Ende Februar bis Ende Mai gestrickt. Dann war es natürlich deutlich zu warm für eine Wolljacke, also kam sie in den Schrank. Und dementsprechend ist sie schon ewig fertig, wird euch aber heute erst präsentiert. Und auch da gab es ein Hindernis: Der Kragen war nicht wirklich gut geworden. Zu viele Maschen, sodass er nicht anlag, sondern viel mehr abstand. Das sah überhaupt nicht gut aus, und ich wusste schon, dass ich den nochmal neu stricken muss. Den Sommer über habe ich mich gesträubt vor der Arbeit: Das richtige Fadenende finden, aufribbeln, Maschen neu aufnehmen, stricken, wieder annähen, da es sich um ein doppeltes Halsbündchen handelt, das innen umgeschlagen und festgenäht wird. 
Dann kam mein Dezemberurlaub und mit ihm meine kleine Liste. Wenn ich nämlich im Urlaub nicht wegfahre, versuche ich einige ungeliebte Aufgaben zu erledigen. Darauf stand unter anderem der Kragen dieser Jacke. Als es dann gestern mal wieder schneite und schneite, fiel der Groschen: Wie toll wäre es, meine Jacke im Schneetreiben zu fotografieren! Also ging es der Kofte an den Kragen. Erfolgreich, er liegt nun deutlich besser, nur leider hatte es aufgehört zu schneien, sodass mein Konzept nicht ganz aufgegangen ist.


Nunja, was solls. Vielleicht kann ich das noch nachholen, mir fällt nämlich gerade auf, dass ich keinerlei Detailbilder vom Innenleben gemacht habe, und die sind ja durchaus interessant. 
Aber nun mal zurück zum Anfang, ich erzähl hier von meinen kleinen Komplikationen und ihr wisst gar nicht, wie die Jacke entstanden ist. 
Im Februar rief Sophia zum #Kofteimrudel auf, ein gemeinsames Kofte-stricken, also eine Jacke oder ein Pullover im Norwegermuster. Da Sophia mich stets mit Inspiration versorgt, hatte ich schon vorher mal einen Blick in ihre Kofteboken geworfen und war sofort Feuer und Flamme, wälzte die Bücher, erhielt schließlich eigene, direkt importiert aus dem Schwedenurlaub, denn in Deutschland sind sie deutlich teurer. (Kofteboken, Kofteboken 2). Nach langem Überlegen entschied ich mich dann für die Medalje Kofte. Ich wollte ein durchgehendes Muster, nicht zu weihnachtlich, nicht zu blumig. Medaillen also. Das Garn ist Lamana Como, reine Merinowolle, aber nicht wie gewohnt super glatt, sondern tatsächlich mit ein wenig "Gripp", was für eine Kofte schon auch wichtig ist, schließlich wird hier später ins Gestrick reingeschnitten. Farblich habe ich mich nach laaangem Überlegen - es gibt so tolle Kombinationen - für Bordeaux und mittelgrau entschieden.


Gestrickt wird die Jacke zunächst in Schläuchen mit diversen Umfängen von unten herauf. Ich habe mit den Ärmeln begonnen, um schnell ins Muster hereinzukommen. Diese werden dann erstmal beiseite gelegt und der Körper, ebenfalls in der Runde, gestrickt. Wenn eine gewisse Höhe erreicht ist, die ich natürlich im Vergleich zur Anleitung deutlich verlängert habe, wird alles auf eine Nadel gefummelt und mit Hilfe von Raglanabnahmen auf den Halsausschnitt zugearbeitet. Dann wird der Steek in der Mitte aufgschnitten, Knopfleisten und zuletzt das Halsbündchen angestrickt. Klingt alles ziemlich easy, so als Text. Dass ich drei Monate dafür gebraucht habe, beweist das Gegenteil, so eine komplett gemusterte Kofte nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Natürlich hatte ich alle Zeit der Welt, wusste ich ja, dass ich die Jacke erst im kommenden Winter anziehen würde. So habe ich auch mal das ein oder andere Projekt dazwischen geschoben. 


Meine fertige Kofte mag ich sehr. Noch sitzt sie etwas spack, aber ich habe sie auch noch nie getragen und gehe davon aus, dass das mit der Zeit noch ein wenig nachlässt. Da ich Jacken aber eigentlich immer offen trage, stört mich das auch nicht so. Die Ärmel sind in ihrer Länge perfekt, was mich sehr glücklich macht. Mal nicht über das Ziel hinausgeschossen vor lauter Angst, wieder freie Handgelenke zu haben. 


Das Garn ist übrigens ziemlich toll für so eine Kofte. Ich habe sie nach der Fertigstellung gedämpft, sodass sie schon leicht angefilzt ist, sprich, die Maschen haben sich miteinander ein wenig verbunden, dass Material ist ziemlich dicht und hat eine total interessante Struktur. Ich bin gespannt, wie es sich auf lange Zeit verhält mit der Jacke. 


Wie immer hat mir das Stricken viel Freude gemacht. Muster zu stricken ist nochmal was ganz anderes als einfarbig, irgendwie beruhigt es mich total, Reihe für Reihe zu sehen, wie sich wieder ein Bild zusammensetzt. Meiner Mama habe ich die Bücher vorgelegt mit er Bitte, dass sie sich doch eine Kofte aussucht, die ich ihr dann stricken kann. 


Falls ihr bis hierhin durchgehalten habt: Vielen Dank! Ich hoffe, ihr könnt mit allen Begrifflichkeiten hier etwas anfangen, sonst fragt gerne nach. 
Meine Kofte habe ich auch auf Ravelry verewigt, dort gibt es auch noch andere Projekte zur Anleitung, falls ihr das Modell mal in anderen Farben sehen wollt. 

Beim Me Made Mittwoch zeigt Nina heute einen tollen Rock, der mich tatsächlich überlegen lässt, ob ich es nicht doch nochmal mit Röcken probieren soll. Bisher ziehe ich einfach lieber ein Kleid aus dem Schrank, damit ist man dann sofort fertig...




8. Dezember 2017

Hat Kreativität ein Ende?

Hallo ihr Lieben!

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag erst morgen früh (Samstag) schreiben. Jetzt bin ich aber gerade, nachdem ich wie ein Kind im Schlafanzug (mit Jacke drüber) in den Schnee geflitzt bin, sehr elektrisiert und muss diese Energie loswerden, bevor es ins Bett geht. Also gebe ich sie hier weiter.

Und ja, Schnee versetzt mich in einen kindlichen, unglaublich erfreuten Status. Es wäre so schön, wenn wir dieses Jahr mal wieder viel Schnee hätten hier im Münsterland!

Ich habe jetzt ungefähr fünf Minuten in die Luft gestarrt und überlegt, wie ich eine Überleitung zu Kreativität bekomme. Dabei ist nichts herausgekommen, wie ihr wohl merkt, also muss es so gehen. Meine liebe Strickfreundin Sophia ist ja definitiv der kreative Kopf unseres kleinen Stricktreffs. Immer wieder steckt sie mich mit neuen Ideen an, es sprudelt beinahe. Beispiel gefällig? Aus dem Garn Pairfect von Regia hat sie nicht nur wie vorgesehen Socken gestrickt. Sondern auch Handschuhe, Babymützen eine Babyhose und jetzt eben auch eine Latzhose. 


Diese Idee, welche wie gewohnt bei mir auslöst, dass ich das Design probestricke, kam passenderweise mit einer anderen lustigen Begebenheit zusammen. 
Mit Regia Pairfect strickte ich ein Paar Socken. Kurz vor Schluss der zweiten Socke begegnete ich einem Knoten. Nun habe ich mich mitnichten darüber geärgert, bin ich doch erfahrene Strickerin und weiß, dass das Garn nicht endlos vom Schaf runtergerollt werden kann. Eher belustigt schickte ich Sophia ein Bild nach dem Motto "War ja klar, dass ich mal wieder einen Knoten finde", denn in der Tat scheine ich ein Radar dafür zu haben. Sie reagierte aber relativ nüchern und empfahl mir, dies dem Kundenservice von Schachenmayr mitzuteilen, da das Garn gar keine Knoten haben solllte. Tatsächlich: Die Banderole verspricht Knotenfreiheit, welche für zwei identische Paar Socken ja vielleicht auch notwendig ist. Ich schrieb also eine freundliche Mail und bekam ebenso freundlich Ersatz versprochen. Damit hatte ich nicht gerechnet, denn bei meiner Version handelte es sich um die Degrade Farbe, und ob da nun ein winziges bisschen fehlt fällt nun wirklich nicht auf. Aber natürlich sagte ich nicht nein und bekam wenig später dieses Knäul - Überraschung! Ich hatte damit gerechnet, dieselbe Farbe, die ich gerade erst in ein Paar Socken verstrickt hatte, nun nochmal zur Latzhose verarbeiten zu "müssen". Doch als hätte Schachenmayr es geahnt, schickten sie mir ein viel kinderfreundlicheres Knäul zu, noch dazu neu für mich, wodurch das Stricken deutlich schneller voran ging. Vielen Dank!


Zur Latzhose selbst: Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Weiterentwicklung der Pairfect Pants. Man kommt mit einem einzigen Knäul aus, und je nach Garn entsteht wie hier ein sehr buntes Modell oder aber eines mit Streifen an den Beinen und schlichtem Körper. Oder oder oder, wenn man von der Pairfect abweicht ist natürlich alles möglich, bei der Masse an Sockengarnen. Aber gerade mit Pairfect macht es schon ziemlich Spaß. 
Ich habe den natürlichen Verlauf des Garns ein wenig auseinandergenommen und schreibe es für euch mal auf, falls jemand Interesse hat. 
Begonnen habe ich die Beinbündchen mit dem Anfang, die Beine dann bis zum Beginn des Fersenteils auch erstmal gestrickt. Die Ferse ist dann eigentlich wieder schlicht blau, diesen Teil habe ich abgewickelt, ebenso den darauffolgenden roten Teil und später für Latz und Träger verwendet, um eine Art Rahmen zu erzielen. Für den Körper habe ich dann zuerst den grünen Teil des Garns (=Fußteil) verwendet. Das waren ein paar mehr Fäden zu vernähen, hat sich aber gelohnt meiner Meinung nach.


Fun Fact: Linkes Bein habe ich zuerst gestrickt, das rechte dann zunächst unter Migräne und später Drogen Migränemedikation. Verrückt, wie sich anscheinend meine Fadenspannung und damit das Muster komplett verändert hat!
Mein Projekt könnt ihr natürlich bei Ravelry finden, und wenn ihr die Latzhose nachstricken wollt: Die Anleitung gibt es ebenfalls dort.





6. Dezember 2017

Bloom in Bordeaux

Hallo ihr Lieben!




Manchmal braucht es ein bisschen Zeit, bis ich ein bestimmtes Projekt umsetze. Das kann verschiedene Gründe haben: 12 Tage Dienst am Stück und zusätzliche soziale Aktivitäten - muss ja auch mal sein / Stricken reizt gerade mehr / andere Projekte haben Priorität / der Spaßfaktor ist eher gering. 
Ich glaube, bei diesem Pullover lag es an letzterem: Schnitt kannte ich und konnte mir aus dem unifarbenen Stoff auch ziemlich gut vorstellen, wie es später aussieht. Quasi ein Projekt ohne Risiko oder Spannung. Deshalb lag der Sweatshirtstoff von Stoff und Stil erstmal einige Wochen herum, bis ich ihn anrührte. Vielleicht musste er auch noch ein wenig reifen oder bei mir ankommen, wer weiß.




 Den nötigen Anstupser gab dann der Pullover von fetzich, den sie vor zwei Wochen zeigte. Quasi die Verwirklichung meiner Vorstellung, der Stoff sieht dem meinen sehr ähnlich und der Schnitt ist derselbe, den ich nutzen wollte. Ich sah den Beitrag und war neidisch auf den Pullover. Wie gut, dass ich nähen kann: Ein paar Tage später war mein Exemplar ebenfalls fertig. Und keine Angst, ich habe nicht mehrere Tage an diesem Pullover genäht, es war nur eine Weile lang keine Zeit dafür verfügbar.


Beim Zuschnitt konnte ich dann mal wieder üben, aus der Not heraus erfinderisch zu werden. Ich hatte nur 1,3 Meter bestellt, und egal wie ich es drehte und wendete, den Ärmel konnte ich nicht im Fadenlauf zuschneiden. Im Endeffekt ziemlich egal, denn der Sweatshirtstoff ist gar nicht elastisch. Ich habe den Ärmel also quer zum Fadenlauf zugeschnitten und an allen Teilen ein wenig mehr Nahtzugabe gewählt. Außerdem habe ich das Saumbündchen verbreitert, denn gedehnt an den Körper annähen war ja nicht.


Die ersten Nähte sind dann ratzfatz gemacht: Schultern, Ärmel, Seitennähte. Schonmal ein Pullover, nur noch nicht ganz so schick. Erste Anprobe: Meine Verlängerung von 10cm ist Unsinn. Pullover die nicht tailliert sind und dann über die Hüfte hinausgehen gefallen mir an mir nicht, machen mich zu einem unförmigen Klumpen. Also die Verlängerung fast komplett wieder abgeschnitten. Saum- und Ärmelbündchen waren relativ problemlos dran. 


Und dann kam das Halsbündchen. Mit Ach und Krach ohne Falten drangequetscht - wir erinnern uns, der Stoff dehnt sich nicht - sogar vorher mit weitem Stich geheftet, beim Überziehen dann feststellen: Der steht ab. Das sieht überhaupt nicht aus. Und das Etikett habe ich auch vergessen. Ein wenig Fluchen meinerseits, dann habe ich den Pullover erstmal über Nacht zur Ruhe gelegt. Das ist in so Momenten oft besser, sonst wird es nämlich nur noch schlimmer. Am nächsten Tag konnte ich dann halbwegs geduldig das Bündchen abtrennen ohne den Stoff zu beschädigen, ein neues im schrägen Fadenlauf zuschneiden (so lässt sich nämlich auch bei Webware ein wenig Flexibilität erschummeln) und annähen. Sitzt viel besser, und an das Etikett habe ich auch gedacht. Das kleine weiße Ding im Nacken erleichtert das Anziehen ungemein, ich muss nicht erst gucken, auf welcher Seite der Ausschnitt tiefer ist um herauszufinden, wo vorne ist. 


Pullover angezogen, und: Verliebt! Er ist noch besser, als ich ihn mir vorgestellt habe, unglaublich bequem und zum Glück auch nicht zu eng. Die Ärmel sind genau passend lang, rutschen aber so erstmal nicht über die Hände, außer ich ziehe sie dahin. Für meine Verhältnisse ist er eher schon etwas kurz, cropped, wie man neudeutsch wohl sagt. Aber auch das gefällt mir überraschenderweise sehr. 


Jetzt habe ich euch die ganze Zeit gar nicht verraten, welcher Schnitt das ist: Der Pullover Bloom aus der La Maison Victor 2/17 in Größe 40. Ich habe ihn schonmal in grau-weiß genäht und trage diese Version ebenfalls häufig, also habe ich da wohl einen Schnittmuster-Liebling entdeckt.

Mit meinem Pullover geselle ich mich zu anderen tollen Näherinnen auf dem Me Made Mittwoch Blog, auf dem es heute um das Motto "Fails" geht, bei dem ich offensichtlich nicht teilnehme. Da hätte ich zwar auch was zu zeigen, wusste aber gar nicht, dass es heute das Motto ist.