Noch schwelge ich ganz seelig in den Erinnerungen an mein erstes Nähwochenende. War das schön! Mal so viel Zeit am Stück fürs Nähen, mit ganz vielen Frauen die dasselbe Hobby teilen. Wirklich ein tolles Erlebnis, das ich gerne wiederholen würde. Leider sind die Plätze ja meistens schnell weg, dieses Jahr wird das wohl nichts mehr.
Eigentlich müsste ich euch ja heute entsprechend eins der vier Teile zeigen, die bei Sewing by the Sea entstanden sind. Dort war es aber deutlich zu kalt um Fotos ohne Jacke zu machen - die Ostsee war zugefroren! - also präsentiere ich heute voller Stolz meine neue Lieblingsbluse.
Schon ziemlich lange wollte ich genau so eine Bluse. Aus schwarz-weiß kariertem Stoff, nicht zu kleinkariert, nicht zu groß. Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig sein würde, den entsprechenden Stoff dazu zu finden. In den Geschäften vor Ort gab es nur die Standard Baumwolle, die von der Haptik jetzt nicht das ist, was ich gerne als Bluse trage. Sah ich online mal einen Stoff, der meiner Vorstellung entsprach, war er hauptsächlich aus Plastik, was ich sowohl vom Tragegefühl als auch der Moral her lieber meide. Als ich dann aber meine Weihnachtsbestellung tätigte, sprang mich dieser perfekte Baumwoll Flanell bei stoffe.de an. Leider ist er aktuell nicht mehr verfügbar, da haben wohl noch andere so gedacht wie ich und sich schnell was geholt. Er hat genau die richtige Festigkeit, ist von innen schön angeraut und damit super für eine langärmlige Bluse, nicht zu dünn, im Frühling und Herbst wunderbar zu tragen.
Vernäht habe ich das Schätzchen in meinem Standard-Blusenschnitt, dem Granville von Sewaholic. Das gibt es in meinem Schrank bisher einmal aus Chambray und einmal ohne Ärmel für den Sommer, beide Versionen werden gerne und häufig getragen. Ich liebe den abgerundeten Saum und die Teilungsnähte sowie die betonte Taille, das passt sehr gut zu meiner Figur. Ich fühle mich gut angezogen, aber nicht beengt. Und ein dickes Stück Kuchen passt auch ohne Probleme mit rein.
Wie zuvor auch habe ich Größe 10 genäht und diese sowohl in den Ärmeln als auch im Körper um je 4cm verlängert. An den Armen ist das schon zuviel des Guten, hatte ich mir auch bei meiner letzten langärmligen Version notiert: "Nächstes Mal 2cm wieder rausnehmen". Dumm nur, dass ich nur bei der letzten Verion überhaupt geguckt habe, was meine Notizen waren, und diese Version keine Ärmel hatte. Also nochmal: Ärmel eigentlich kürzer!
Übrigens: So toll ich den Stoff finde, nach dem Wäschen war ich ziemlich frustriert. Er hatte sich entweder durchs Waschen oder durchs Trocknen ziemlich verzogen. Wollte ich ein Teil am Fadenlauf orientiert auflegen, passten die Karos da hinten und vorne nicht, alles war schief. Eine ganz schöne Fummelei, alle Teile richtig zuzuschneiden. Ich habe einlagig gepuzzlet was das Zeug hält, irgendwann hat es dann geklappt. Am Wochenende habe ich gesehen, dass viele ihre Stoffe rundum versäubert hatten, vielleicht hilft das dagegen? Habt ihr eine Ahnung?
Ebenso habe ich denselben Fehler gemacht wie bei bisher jeder Bluse und am falschen Vorderteil das Stück abgeschnitten. Eine Seite wird mit angeschnittener Knopfleiste genäht, die andere bekommt eine eigene angenäht. Bei mir haben jetzt beide Seiten eine ganz eigene Knopfleiste, denn ich wollte die obere gerne mit schrägen Karos haben, und genau die hatte ich drangelassen, sodass es logischerweise gerade gewesen wär, also der Stoff selbst wäre nur umgeklappt worden. Alternativ hätte ich andersherum schließen müssen, also links auf rechts anstatt rechts auf links. Aber während den meisten Menschen gar nicht bewusst ist, dass Frauenblusen sich immer rechts auf links schließen lassen, fällt es definitiv auf, wenn man es einmal falsch macht, das Knöpfen ist dann nämlich ungewohnt kompliziert. Fragt nicht, woher ich das weiß ...
Jedenfalls habe ich nochmal eine zweite Knopfleiste im Fadenlauf für das unten liegende Vorderteil zugeschnitten. Macht nur ein bisschen mehr Aufwand, meine Freude über die schrägen Karos bleibt aber erhalten.
Auf die innere Passe habe ich wie immer mein Label aufgenäht. Der Kragen und Kragensteg sowie die innere Passe sind artig im Fadenlauf zugeschnitten, die äußere Passe habe ich aber auch schräg geschnitten, für die Optik.
Brusttaschen sind im Schnitt enthalten, die hätte ich aber störend gefunden, wenn sie nicht genau ins Muster gepasst hätten. Und hätte ich sie so drauf gebastelt, dass sie sich unsichtbar einfügen ... hätten sie keinen Sinn. Denn niemand benutzt Brusttaschen, die sind nur Zierde. Also habe ich sie hier weggelassen. Bei unifarbenen Stoffen dagegen finde ich sie super.
Ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass die Abnäher stören, weil sie das Muster unterbrechen. Zum Glück liegen die aber so seitlich, dass es von vorne gar nicht wirklich sichtbar wird. Was ihr hier auch erkennen könnt: Unter den Armen pillt der Stoff schon. Wie schade! Ich werde da mit meinem Fusselrasierer gegen angehen, so schlimm ist es nicht, aber trübt die Freude über diesen vermeintlich perfekten Fund doch ein wenig.
Der Ärmelschlitz, ein doch recht fummeliger Schritt, ist mir diesmal deutlich besser gelungen. Das "Häuschen" am oberen Ende, auf dem Bild rechts, ist ziemlich gerade, auch die Nähte nicht so krumpelig.
Die Manschette habe ich dann von außen wieder im schrägen Fadenlauf zugeschnitten. Ihr merkt, das macht mir viel Freude.
Ich liebe ja das Blusen (und Hemden) nähen sowieso. All diese ordentlich versteckten Nähte, an den Maschetten, am Kragen, an der Passe, herrlich. Am besten natürlich das Sandwich, wenn man die Schulternähte an beiden Passen schließt und dazu Vorder- und Rückenteil so lustig dazwischen einrollt. Keine Ahnung warum, aber ich freue mich wie ein Kind wenn ich das dann auseinanderfummel und quasi eine Weste habe.
Übrigens habe ich, wie immer, nicht direkt passende Knöpfe bestellt, obwohl ich ja schon wusste, was aus dem Stoff werden soll. Ich kann online irgendwie keine Knöpfe kaufen, ich weiß gar nicht, wieso. Irgendwie fehlt das anfassen können, die Größe kann ich nicht einschätzen, die genaue Farbe. Wobei schwarz ja doch relativ schwarz ist, bei Knöpfen. Vielleicht muss ich da mal mutiger werden, so hing die Bluse nämlich einige Tage ohne Knopflöcher und Knöpfe, bis ich es mal in die Stadt geschafft habe.
Wenn ich mal ganz motiviert bin, trenne ich auch alle Knöpfe wieder heraus und versetze sie ein Stück, aktuell schaut nämlich die untere Knopfleiste ein wenig hervor, was mich ein klitzekleines bisschen stört.
Ich und meine Bluse, wir machen uns nun auf den Weg zum Me Made Mittwoch. Der findet ja jetzt nur noch monatlich statt, was ich sehr schade finde. Umso mehr bemühe ich mich dann, zum entsprechenden Datum etwas schönes vorzuzeigen. Für die Bilder heute habe ich mich ins Unterholz vor ein Parkdeck gestellt und mir alle Mühe gegeben, die seltsamen Blicke der vorbeigehenden Leute zu ignorieren. Die Szene war bestimmt nett anzusehen: Stativ, Kamera, Frau vor Wand, Jacke am Baum aufgehängt. Was man nicht alles tut für ein paar schicke Fotos :)
Liebe Grüße
Julia




























































