17. Juni 2019

Tutorial: Hose verlängern am Beispiel der Hose Wrapped

Hallo ihr Lieben!

Weiter unten, nach einer kleinen Einleitung, findet ihr meine Vorgehensweise zur Verlängerung von Hosenbeinen, die keine Verlängerungs- oder Kürzungslinie bieten. 


Habt ihr schon vom Sewalong zur Hose Wrapped gehört? #hosewrappedsewalong heißt der Hashtag auf Instagram und ist vom Schnittduett zum zweiten Geburtstag des Schnittmusters organisiert worden. Kurz vor dieser Ankündigung hatte ich sowohl passenden Stoff als auch das Schnittmuster bestellt, wenn das also keine Bestimmung ist, weiß ich auch nicht weiter. 

Weil ich die Hose aber gerne zu einer bestimmten Gelegenheit anziehen wollte, habe ich entgegen dem Zeitplan schon vorgearbeitet. 4 Wochen sind für eine Hose auch super großzügig, zumindest, wenn man sonst nichts näht. Selbst neben Vollzeit-Job, Haushalt und sozialen Kontakten kriege ich so eine Hose in 1-2 Wochen genäht, je nach Priorität. Ich habe aber auch keine Kinder, kann also wirklich nur von meiner Warte aus sprechen und finde den lockeren Zeitplan deshalb gut. Besser entspannt als gestresst! Dafür habe ich die Zeit genutzt und mir Gedanken gemacht, was ich passend zu den Themen verfassen kann und wollte euch mal zeigen, wie ich üblicherweise die Hosenbeine verlängere. 


Der Schnitt ist, wie die meisten, auf eine Körpergröße von 1,68 ausgelegt. Das ist in etwa die durchschnittliche Größe von Frauen, mit meinen 1,80 liege ich aber 12 Zentimeter drüber und nach einigen Jahren Näherfahrung habe ich gelernt, dass diese Mehrlänge bei mir eigentlich nur in den Beinen und im Unterkörper steckt. Bis zur Taille ist alles normal, die muss ich auch nur selten nach unten verlegen, aber ab da ist alles in die Länge gezogen. 

Früher habe ich Hosen einfach stumpf nach unten hin verlängert. Bei 2, 3 Zentimetern mag das gehen und keine Probleme machen, bei meinen üblichen 10-12 sieht das aber seltsam aus, weil ja nicht nur meine Knöchel irre lang sind, sondern meine ganzen Beine. Das Knie ist also weiter unten im Hosenbein, dementsprechen reicht es nicht, nur unten Länge dran zu hängen, dann ist es oben womöglich zu eng und die Proportionen stimmen nicht. 
Ich habe mir daher angewöhnt, die Mehrlänge an drei verschiedenen Stellen im Schnitt zuzugeben: Im Schritt, Oberschenkel und Unterschenkel. Manche Schnittmuster kommen mit Verlängerungs- oder Kürzungslinien daher, da sind dann nochmal Linien quer durch das Schnittteil gezogen wo man dieses durchschneiden und zusammen- oder auseinanderziehen könnte. Das ist aber bei Hosen eher selten und wenn, gibt es nur eine Linie. Die ist, wie schon gesagt, für wenige Zentimeter ausreichend, nicht aber für größere Diskrepanzen. 

Um euch etwas anschaulicher zeigen zu können, wie ich vorgehe, habe ich mal eine Mini Version vom Schnittmusterbogen angefertigt. Ihr habt die Vorder- und Hinterhose sowie zusätzliche Teile, je nach Hosenart Bund, Taschen, Reißverschlussblenden etc. Uns interessieren in diesem Fall aber hauptsächlich die Hosenbeine. 


Ich nehme mir die Beine einzeln vor, zeichne den Fadenlauf durchgehend über das ganze Schnittteil und ziehe dann jeweils drei Linien: Eine mittig im Schritt, wenn möglich unterhalb von Taschen und zum Beispiel allem, was mit Reißverschluss zu tun hat, sonst müsst ihr diese Teile auch verlängern. Eine weitere etwa mittig vom Oberschenkel und die letzte mittig der Wade. Das könnt ihr ausmessen oder schätzen, ich bin da ja eher faul und mache das nach Gefühl. 


Ihr habt nun mehrere Möglichkeiten. Ihr könnt das Schnittteil für die Hose ausschneiden und dann nochmal an den zuvor markierten Linien teilen, sodass ihr nun vier einzelne Teile Hose habt. Dann könnt ihr an dieser Stelle Papier einfügen um eure Hose zu verlängern. Weil mir persönlich die Schnittbögen zu wertvoll sind - gerade bei Papierschnitten kann ich ja nicht mal eben neu drucken - und ich oft Schnitte entweder für andere in anderen Größen nähe oder realistisch davon ausgehe, nicht mein Leben lang dieselbe Kleidergröße zu behalten, pause ich eigentlich immer auf Folie ab. Und hier kommt die Stelle, wo ich mir ein bisschen Arbeit erspare. 


Mit dem Folienstift zeichne ich zunächst die komplette Linie für den Fadenlauf, dann den oberen Teil bis zur ersten Trennungslinie inklusive derer ab. Und dann wird es ein bisschen fummelig: Vorsichtig entlang des Fadenlaufs den Schnitt nach oben ziehen, sodass sich eine Lücke zwischen der Linie auf der Folie und der auf dem Schnitt auftut. Mit einem Lineal könnt ihr die Breite kontrollieren, noch besser ist ein Geodreieck oder so ein Patchworklineal, da könnt ihr direkt auch den Fadenlauf im Blick behalten, denn der sollte auf jeden Fall gerade bleiben, damit sich die Hosenbeine später nicht verdrehen. Im Schritt habe ich nur 1cm Mehrlänge eingefügt, denn die Hose wollte ich nicht so hoch sitzen haben. 


Das Ganze wird nun noch an den beiden anderen Stellen wiederholt. Ihr müsst eventuell die Seitenlinien ein bisschen anpassen, das wird nicht nahtlos ineinander übergehen, weil ihr ja einen Versatz drin habt. Aber trotzdem könnt ihr so immerhin das mehrfache Schneiden und Kleben vermeiden. Das ist für mich ein großer Vorteil, ich kriege nämlich weder Papier noch Folie glatt mit Kleber oder Tesafilm aneinandergeklebt und das ärgert mich dann sehr (und ist sicherlich auch nicht toll für den Fadenlauf.


Nach diesem Schema könnt ihr eure Hose bestimmt auch kürzen, da habe ich aber noch keine Erfahrungen mit gemacht und kann euch nichts dazu sagen.


Ich hoffe, diese Anleitung hilft euch und nützt euch etwas, gebt mir dahingehend gerne eine Rückmeldung, darüber würde ich mich freuen!

Bis dahin, happy sewing, 

Julia




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