6. Mai 2020

Wolle und Stoff, alt und neu

Hallo ihr Lieben,

ich will euch mal direkt zu Beginn  mit einer Frage überrumpeln: Lasagne lieber frisch oder aufgewärmt am nächsten Tag? Der Freund hat da einen ganz klaren Favoriten (nächster Tag), wohingegen ich für beide Geschmäcker einen Platz in meinem Herzen habe. 

Was Lasagne nun mit Kleidung zu tun hat, denn darum geht es ja auf dem Blog? Naja, ich wollte mit dieser schicken Metapher den Bogen schlagen zu einer Feststellung: Es muss ja nicht immer etwas neues sein, etwas älter und nochmal aufgewärmt tut's auch. 


Im Moment läuft in der Nähwelt ja der Me Made May, also angezettelt von Sozoblog die weltweite Aktion, so viel selbstgemachtes wie möglich zu tragen, dabei steckt aber jeder Teilnehmende seine Bedingungen selbst. Ich nehme auch wieder daran teil und zeige täglich meine Outfits auf Instagram. Dabei schaue ich natürlich auch bei anderen vorbei und stelle fest, wie inspirierend und schön es ist, all die Kombinationen zu sehen, ganz alltägliche Situationen. Das geht so oft mal unter, weil natürlich die neuen Teile irgendwie interessanter sind und geteilt werden wollen. So geht es mir zumindest, ich freue mich immer sehr, wenn ich etwas neues vorstellen kann. 


Heute komme ich also mit einer Kombination aus alt und neu daher, der Mittelweg, sozusagen. Und nehme mir außerdem wie so oft vor, häufiger mal ältere Kleidungsstücke zu zeigen. Dann lässt sich dazu ja auch viel mehr sagen, was Passform und Qualität angeht, eigentlich also sogar ein viel fundierterer Bericht. 


Neu ist das Musselintuch, meine neue große Liebe. So schnell gemacht, kuschelig, groß, immer und zu allem passend. Es ist bereits mein zweites, und ich hätte gerne noch eins in senfgelb, rostrot, schwarz und vielleicht oliv. Aber das eilt nicht, das gehe ich ganz gemütlich an und warte ab, bis mir der richtige Stoff über den Weg läuft. War hier schließlich auch so, den satt dunkelblauen Stoff habe ich über ebay Kleinanzeigen gekauft. 


Ein Quadrat von 1,4x1,4 Metern war es, perfekt für meinen Plan. Im Gegensatz zum letzten Tuch habe ich es mir hier noch viel einfacher gemacht und nur einmal mit der Overlock rundherum gerattert, fertig war das Tuch. Ich weiß, dass es auch einen Rollsaum gibt, aber dafür hätte ich eine Nadel rausnehmen müssen und der passende Inbusschlüssel war gerade nicht zur Hand, also musste ich auch gar nicht lernen, wie Rollsaum geht. Bei einem der nächsten Tücher wird es dann aber was, bestimmt. 


Ich weiß, dass viele die Quadrate diagonal teilen und somit zwei Tücher daraus machen. Weil ich es aber gerne massig mag um den Hals, falte ich das Rechteck einfach nur diagonal und habe so viel mehr Material um den Hals. Hachja. Also dafür, dass ich hier nur ein einfaches Tuch beschreibe, habe ich schon ganz schön viel geschrieben!

Darunter trage ich zu einer sehr alten gekauften Jeans übrigens meinen Herzchenpullover nach einer Anleitung von Stichfest.


Der ist nun schon einige Jährchen alt und wird immer noch mit Begeisterung getragen. Allerdings hat sich der Halsausschnitt etwas verändert. Offenbar ist mein Hals doch ein wenig zu mimimi für Sockenwolle, sodass ich nachträglich den Halsausschnitt etwas weiter gemacht habe. Das war nicht viel Arbeit, hatte aber einen sehr angenehmen Effekt und außerdem dazu geführt, dass ich den Pullover jetzt auch ohne Bluse drunter tragen mag...


Auf den ersten Blick sieht er nach langweiligem grauen Pullover aus, aber haha, das täuscht! An den Seitennähten findet sich eine Reihe hübscher Lace-Motive, und im Nacken das kleine Herzchen-Detail, das ich sehr mag. 


Viel mehr habe ich jetzt auch gar nicht zu erzählen. Außerdem sind meine Gedanken ein bisschen an der Lasagne hängen geblieben, vielleicht muss ich bald mal wieder eine kochen. 


Ganz viel andere schöne, selbstgemachte Kleidung gibt es wie immer am ersten Mittwoch auf dem Blog vom Me Made Mittwoch!


Happy knitting, happy sewing, 

Julia

14. April 2020

Gefütterte Lederjacke aus alten Jacken

Hallo ihr Lieben,

endlich konnte ich mir mal ein wenig Zeit freischaufeln um diesen Blogbeitrag zu verfassen. Im Moment ist bei mir einfach irre viel los, der Umzug naht mit großen Schritten und auf der Baustelle ist noch immer so viel zu tun. Da war in den letzten zwei Wochen neben Arbeiten, Essen und Duschen eigentlich keine Zeit mehr für irgendetwas anderes. Mittlerweile haben wir aber gut vorgearbeitet, sogar die Wohnung ist schon halb leer. Hoffentlich wird es jetzt also ein wenig entspannter. Ich habe schon eine Woche nicht gestrickt, das fühlt sich unglaublich seltsam an und ist mir noch nie passiert. 
Es kann gut sein, dass es auch in den nächsten Tagen ruhig bleibt hier auf dem Blog. Keine Ahnung, wie das mit dem Internet so klappt, ihr kennt das sicherlich. Und wenn wir erstmal drin sind im Haus gibt es ja auch weiterhin viel zu tun ... also wundert euch nicht. 

Soweit zum Prolog, kommen wir mal zur Sache, das interessiert euch ja auch gar nicht so sehr.



Ich habe mir ein Motorrad gekauft! Okay, Spaß beiseite, auf die Idee würde ich nie kommen. Aber es stand so schön passend da, fühlte sich als genau das passende Foto Zubehör an zu meiner Jacke, da musste ich ein schnelles Bild knipsen (lassen). Der Freund hat mich davon abgehalten, auf die Maschine zu steigen. Vermutlich auch besser so, bei meiner Tollpatschigkeit, und ist ja auch einfach fremdes Eigentum.


Da erzähle ich euch was von zur Sache kommen und tue es doch nicht. Verrücktes Huhn ich. Also gut, auf den Bildern seht ihr ein Projekt, das mich seit langem mal wieder so richtig herausgefordert hat. Entstanden ist es beim Probenähen für Lotte & Ludwig, also handelt es sich bei dem Beitrag, den ihr lest, um Werbung, denn ich habe für den Schnitt ja nichts bezahlt. Der Aufruf zum Probenähen kam genau im passenden Moment um die Ecke, denn für zwei Hochzeiten im Sommer (die hoffentlich stattfinden werden...) habe ich mal wieder geplant, mir mein Outfit selbst zu nähen, und für oben drüber wollte ich gerne eine kurze Jeansjacke nähen (Also, am Körper kurz, nicht an den Armen. Das sähe ja ganz furchtbar seltsam aus). Der Schnitt ist im Prinzip ein klassischer Jeansjackenschnitt mit allen bekannten Details: Seitentaschen, Kragen, vielen Absteppungen, Manschetten, Brusttaschen.


Neben der klassischen und ungefütterten Variante gibt es aber auch die Möglichkeit, die Jacke zu füttern, ganz 80er Jahre mäßig mit Teddyfell zum Beispiel. Und natürlich eignen sich neben Jeans auch alle anderen festen Stoffe, zum Beispiel Cord, Canvas, Oilskin oder auch Leder. Ha, Leder! So kommen wir wieder zurück zu meiner speziellen Jacke. Nachdem für mich ja schon feststand, dass ich eine kurze Jacke aus Jeans nähen wollte, habe ich überlegt wie eine gefütterte Variante für mich aussehen könnte. Nochmal Jeans war mir zu öde, mit Cord stehe ich auch ein wenig auf Kriegsfuß. Durch ein anderes Projekt hatte ich vor kurzem über Dinge nachgedacht, die ich aus alten Lederjacken nähen könnte und so hat sich wohl die Verbindung in meinem Gehirn gebildet, zack, ich wollte eine gefütterte Lederjacke. Und weil ich Leder als Material toll finde, aber nichts kaufen möchte wofür ein Tier seine Haut hergeben muss, habe ich mich auf Kleinanzeigen nach gebrauchten Jacken umgeschaut. Denn noch trauriger, dass eine Kuh, ein Lamm oder sonst irgendein Wesen stirbt finde ich ja, wenn das daraus entstandene Produkt auf den Müll landet und nicht genutzt wird. Deshalb kann ich guten Gewissens Leder Second Hand verarbeiten.


Nach einiger Sucherei habe ich zwei Jacken von ein- und derselben Verkäuferin gefunden, die dann auf meine Bitte hin die Lederarten verglichen hat. Sie sagte, dass sie sich recht ähnlich seien, was mir ausreichte. Für zwei Jacken in XL habe ich mit Versand 22€ bezahlt, Teddystoff und Knöpfe kamen neu dazu, weil auf Grund des Probenähens ja die Zeit ein wenig eilte, sonst hätte ich es auch hier Second Hand versucht. Außerdem dachte ich mir zu dem Zeitpunkt schon, dass die Geschäfte bald schließend werden und hatte so ein "jetzt noch schnell"-Gefühl, was sich bestätigt hat.


Bei so komplizierten Projekten und vor allem beim Probenähen macht es immer Sinn, ein Nesselteil zu nähen, also aus günstigem Stoff die Stücke einmal grob zusammenzutackern. Details wie Taschen und Kragen kann man weglassen, auch reicht oft ein Ärmel aus. Das habe ich in diesem Fall gemacht und daraufhin beschlossen, dass eine 42 für mich gefüttert passen sollte. Damit bin ich aber eher auf der knapperen Seite gelandet, gerade über der Brust spannt es schon ein wenig. Ich hoffe, dass das Material sich da noch ein wenig nachgiebig zeigt; aber wenn ihr dicken Außenstoff und Teddyfutter habt nehmt lieber eine Nummer größer, das passt ja auch ganz gut zur Gesamtoptik.


Bisher klingt alles recht geschmeidig, oder? Tja, ich will ja keine Tatsachen hier verschleiern, also mal Butter bei die Fische. Ich habe mit der Futterjacke begonnen; denn durch die kurze Version kannte ich das Schnittmuster schon und konnte das Futter recht flott runterrattern. In der Probenähgruppe hatten viele berichtet, dass es in ihren Nähecken (oder -zimmern) aussehe, als hätten sie einen Teddybären brutal zerstückelt. Daraufhin habe ich direkt nach dem Zuschnitt alle Teile einmal unter der Overlock durchgezogen. Damit ging es wirklich gut und ich habe kaum Fussel entdeckt.


Nach der Futterjacke kam dann der Zuschnitt der Außenjacke, und da habe ich wirklich gekämpft. Zuerst mussten ja die beiden Jacken zerlegt werden. Ich habe das Futter entfernt und dann vorsichtig entlang der Nähte geschnitten. Bei manchen Stoffen lohnt es sich vielleicht, die alten Nähte aufzutrennen; bei Leder sieht man aber die Einstichstellen und kann diese Bereiche sowieso nicht wiederverwenden, also habe ich mir die Mühe gespart. Ich hatte dann je Jacke die Ärmel, Vorderteile, Rückenteile, Passen und Krägen. Und was habe ich gepuzzlet, um daraus alle benötigten Teile für die Jacke herauszuschneiden! Ein paar Details waren mir nämilch wichtig: Ich wollte gerne eine Rückennaht übernehmen und so wenig schiefe Nähte wie möglich einbauen. Am Ärmel habe ich zum Beispiel eine Quernaht, die nicht durch den Schnitt entstanden ist, sondern weil ich die Schnittteile so auflegen musste das eine alte Naht übernommen wurde. Der Saum sollte auch möglichst nicht gestückelt werden müssen, ebenso wie die Manschetten. Es war ein Kampf, hat aber am Ende geklappt.


Auch das Nähen selbst war kein Spaziergang. Ich bete meine alte Pfaff ja für ihre Robustheit an, aber hier sind wir gemeinsam an unsere Grenzen gegangen. Wir haben im Nachtdienst genäht, was das Ganze nochmal erschwert hat, da bin ich nämlich zum einen unmotivierter, zum anderen einfach nicht so konzentriert. Aber tagsüber ging es nach dem Schlafen direkt auf die Baustelle, also musste die Nacht herhalten. Zwei Nächte mit je 5-6 Stunden war ich beschäftigt bis endlich das Futter drin war, zu Hause musste dann nur noch der Saum abgesteppt und die Knöpfe befestigt werden. Aber bis ich an diesem Punkt war, habe ich einiges an Nerven gelassen. Die vielen Lagen Leder haben meine Maschine wirklich heiß laufen lassen und ich bin stolz, dass nur eine Nadel gebrochen ist.


Natürlich kann Leder auch nicht gebügelt werden, damit die Absteppungen schön werden  musste ich also sehr langsam arbeiten und den Stoff immer richtig drücken und ziehen. Auch das war am Ende wirklich anstrengend. Am schwierigsten waren die Stellen, wo ich Nähte der Ursprungsjacken übernommen hatte. Die trafen dann im schlimmsten Fall auf neue Nähte und mussten abgesteppt werden ... ich habe sehr viel am Handrad gedreht bei diesem Projekt. Noch ein Aspekt, der das Nähen für mich weniger erfreulich gemacht hat: Die Jacken hatten einen Eigengeruch. So wie manche Sachen aus Second Hand Läden, die riechen einfach so fremd, die muss ich mehrmals waschen bis ich mich darin wohlfühle. Versteht ihr, was ich meine?


Neben den Seitentaschen, die dann doch einfacher waren als gedacht, habe ich mich bei den Brusttaschen für die Fake-Variante entschieden. Unter den Taschenklappen befindet sich also nichts. Hierzu hatte ich eine lustige Unterhaltung mit einem Kollegen, der sich darüber mokierte. Ich habe dann geäußert, dass man doch sowieso nichts in solche Taschen packt, woraufhin er entgegnete, dass er immer sein Portemonnaie oder Schlüssel dort verstaut. Ich habe mich dann korrigiert, das "Frau" Brusttaschen nicht nutzt, er hat dann eingelenkt, das würde vermutlich komisch aussehen, so einseitig ausgebeult.



All meine Mühen haben sich aber gelohnt, ich bin sehr glücklich mit meiner Jacke und habe sie auch schon ein paar Mal getragen bevor es so plötzlich und übergangslos Sommer wurde. Mittlerweile ist es wieder etwas frischer, vielleicht habe ich also noch ein paar Möglichkeiten die Jacke auszuführen bevor es zu warm dafür wird. Aber dann kann ich ja die andere aus dem Probenähen entstandene hervorholen. 

So, nun die hilfreichen Links für euch zum Schluss: Zur Jacke trage ich komplett selfmade: Da wäre die Jeans und hier das Shirt. Die Draufgängerin gibt es als Ebook und Papierschnitt, viele weitere Beispiele findet ihr auf Instagram unter #draufgängerebook oder in der Facebookgruppe von Lotte und Ludwig. Aktuell läuft noch das Probenähen für die Kinder-Variante, danach wird es noch eine für Herren geben und am Schluss dann sicherlich ein Gesamtpaket der Schnittmuster, falls ihr eure ganze Familie einkleiden wollt. Die Anleitung führt euch da auf jeden Fall sehr detailliert durch, wenn ihr also auf der Suche nach einer kleinen Herausforderung seid: Los geht's!


Happy sewing, 

Julia

3. April 2020

Flickenfreitag im April - Inspiration

Hallo ihr Lieben,

na das fängt ja schon mal gut an mit meiner mir persönlich gestellten Vorhabe, jeden Monat passend zur Linkliste ein Tutorial zu posten. Im April muss es leider ausfallen; es ist einfach zu viel los bei mir. Aktuell bestehen meine Tage aus Baumarkt, Baustelle, Arbeit und Haushalt. Ich habe seit vier Tagen nicht gestrickt und noch länger nicht genäht ... da konnte ich leider nichts für euch vorbereiten. 

Deshalb lasse ich euch einfach ein bisschen Inspiration da, so könnt ihr vielleicht neue Ideen bekommen. Der #flickenfreitag auf Instagram ist da zum Beispiel eine Möglichkeit, es gibt aber noch viele weitere Hashtags, zum Beispiel #reparierenstattwegwerfen oder im Englischen #mendingmatters. Alle Links die zu Instagram führen könnt ihr übrigens auch ohne Konto dort durchstöbern. Super interessant ist auch der Feed von froh.natur, die sich sehr viel mit Kunststopfen beschäftigt. Ihr Ebook steht bei mir schon lange auf der Liste, aber ich kaufe mir Ebooks immer erst, wenn ich auch Zeit habe mich damit zu beschäftigen, und ich erwähnte ja oben schon ...

Ich hoffe, ihr hattet mehr Zeit ein geliebtes Teil wieder aufzuwerten?


Happy mending,

Julia




You are invited to the Inlinkz link party!
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1. April 2020

Wanda - La Maison Victor

Hallo ihr Lieben,

für den heutigen Blogpost habe ich echt alles gegeben. Die Arbeit ist auf Grund der aktuellen Situation gerade sehr gewöhnungsbedürftig, die Renovierungsarbeiten zusätzlich eine große Menge zu tun. Trotzdem wollte ich unbedingt beim Me Made Mittwoch dabei sein. Die Bilder habe ich kurz nach Sonnenaufgang am Dienstag gemacht, den Text hier schreibe ich jetzt am späten Dienstagabend. Wer genau hinschaut, sieht den Frost auf den Bildern, ich habe ganz schön gebibbert! Aber, wer schöne Blogposts will, muss leiden. 


Mein Outfit besteht aus einem schon etwas älteren Picea Cardigan, den ich immer noch häufig trage und super gemütlich und kombinierbar finde. Dazu das Musselintuch, auch so ein Allrounder, allein schon wegen der Farbe. Neu ist das untendrunter. 


Bei diesem Kleid hat alles mit dem Stoff angefangen. Vor einiger Zeit habe ich bei Instagram gefragt, ob jemand Sockenwollreste abzugeben hat, aus denen ich so gerne Babysöckchen stricke. Daraufhin meldete sich Christiane bei mir und wollte direkt auch ein paar andere Stoff- und Wollreste an die Frau bringen. Da habe ich nicht nein gesagt, ich liebe es einfach aus Resten noch etwas schönes zu machen, das motiviert mich viel mehr als ein neuer Stoff oder Wolle. Mit dabei waren diese 1,6m Streifenjersey in grau weiß. Von der Haptik sehr schön, weich fallend und hochwertig. 


Deshalb sollte es ein Kleid werden, für ein Shirt viel zu schade. Konkrete Pläne hatte ich nicht sofort, dachte an ein simples T-Shirt Kleid mit kurzen Ärmeln. Als ich dann aber den Stoff anpackte und loslegen wollte, widerstrebte es mir aus unerfindlichen Gründen. Kurz zuvor hatte ich alle meine Schnitte bei Pinterest katalogisiert, auch die aus Zeitschriften. Dabei war ich auf Wanda aus der La Maison Victor 05/16 gestoßen, ein Kleid, das ich schon seitdem ich die Zeitschrift habe gerne nähen wollte. Problemchen: 2,5m Stoff wurden gefordert. Ich weiß ja, dass ich echt gut bin im Schnittmustertetris, also möglichst wenig Stoff verschwenden und alles platzsparend zuschneiden, aber einen ganzen Meter weniger? Hui, da wurde mir glatt ein bisschen flattrig. Trotzdem habe ich es gewagt, den Schnitt in Größe 40 abgepaust (ohne Verlängerung wie sonst üblich) und tatsächlich habe ich alles zugeschnitten bekommen. 


Okay, die Bindebänder sind gestückelt und der Beleg am Hals ist aus einem anderen Stoff, aber beides sind Eigenschaften, die mich absolut nicht stören. Das Nähen war dann mal wieder spannend. Für mich liegen die Anleitungen der La Maison Victor ja relativ mittig zwischen Burda und Indie Schnitten. Zwar mit deutlich mehr Bildern und ausführlicher, aber einen Fehler finde ich eigentlich immer und irgendwie gibt es oft Stellen, die mir unklar sind. So auch hier: In der Anleitung wurden die Bindebänder einlagig verarbeitet, im Zuschneideplan aber doppelt zugeschnitten. Ich habe dann letztendlich das gemacht, was ich persönlich besser fand, und zwar ordentliche Bindebänder. Klar, bei Jersey wäre einlagig auch kein Problem gewesen, die Enden hätten sich eingerollt und nix würde ribbeln, aber trotzdem widerstrebt es mir sehr. 


In der Konstruktion erinnert mich das Kleid ein wenig ans Kielo Wrap Dress mit seinen seitlichen Flügelchen, die durch das Binden erst für den schönen Effekt des Kleides sorgen. Etwas fummeliger zu nähen waren sie, dafür gibt es durch die Streifen einen spannenden Versatz dort. Achso, und einen V-Ausschnitt hat das Kielo natürlich auch nicht, wobei der ja recht einfach abzuändern ist. 


Entgegen meiner Befürchtungen finde ich die Länge des Kleides gut, so wie sie ist. 5cm mehr hätten sicherlich auch nicht geschadet, aber ich finde es auf jeden Fall nicht zu knapp. Mal sehen, wie es im Sommer ohne Strumpfhose wird. Auch die Ärmellänge passt mir so gut. Alle Säume habe ich mit der Zwillingsnadel abgesteppt nachdem ich die Kanten mit der Overlock versäubert habe. Das war übrigens das erste Kleidungsstück, was ich mit Hilfe der Overlock genäht habe! Super spannend und wird mir alleine deshalb in Erinnerung bleiben. 


Der Halsausschnitt wird mit einem Beleg versäubert. Mehr eigentlich nicht. Ich habe nur die Stirn gerunzelt, finde ich doch so schmale Belege schon bei Webware schwierig, aber bei Jersey? Meine Befürchtungen haben sich dann bei der ersten Anprobe bestätigt, der Belege macht was er will und purzelt munter bei jeder Bewegung aus dem Ausschnitt heraus. Ich habe dann mal was neues ausprobiert, anstatt ihn einfach festzusteppen habe ich per Hexenstich den Beleg innen im Kleid befestigt. Diesen Stich sollte ich laut Anleitung nämlich für die Säume nehmen, da fand ich es sinnvoll, ihn auch am Ausschnitt anzuwenden. Bisher habe ich das noch nie gemacht, vielleicht liegt es also an fehlender Übung, aber: Unsichtbar finde ich das nicht, es gibt schon kleine sichtbare Spuren rundherum am Ausschnitt. Auf den Bildern fällt es mehr auf als in Bewegung, aber es hat mich dann doch ausreichend gestört, als dass ich es bei den Säumen nicht mehr wiederholt habe. Vermutlich auch etwas, das bei Webware oder dickeren Stoffen besser funktioniert? Vielleicht sind ja Hexenstich-Erfahrenere unter euch. 

So, das war alles, was mir so zum Kleid eingefallen ist. Könnte lückenhaft sein, mein Projektheft mit allen Notizen ist schon in Kartons verpackt in der neuen Bleibe, ich habe nur das aktuelle Heft hier, und da ich das Kleid im Januar genäht habe ... nun ja. Wenn mir beim Nachsehen noch etwas einfällt, werde ich es nachtragen. 


Ich hoffe, ich finde innerhalb der nächsten Tage die Zeit, eure Beiträge beim Me Made Mittwoch zu durchstöbern. Das macht wirklich Spaß jedes Mal.

Happy sewing, 

Julia



29. März 2020

Stricken ist Therapie

Hallo ihr Lieben,

noch sind es vier Wochen bis zum Umzug. Das, zusammen mit der unglaublich angespannten Situation weltweit, sorgt gerade für eine Menge Chaos. Im Kopf, im Leben. Wie regelmäßig ich in den nächsten Wochen bloggen werde, weiß ich noch nicht. Denn bis zum D-Date in vier Wochen ist noch einiges zu tun, und auch danach ... aber wir werden sehen, bisher habe ich es ja immer geschafft irgendwo ein bisschen Zeit frei zu schaufeln. 
Da bin ich ja auch ein bisschen rigoros. Zeit für meine Hobbies nehme ich mir immer, egal, wie stressig es ist. Das ist dann vielleicht kein ganzer Abend an der Nähmaschine, aber wenigstens eine halbe Stunde stricken brauche ich gerade in trubeligen Zeiten. Ich bin mir sehr sicher, dass mich das vor dem Durchdrehen bewahrt. Und dann bleibt halt der Haushalt liegen, oder es wird ein bisschen später gegessen. Sich um seine eigenen Bedürfnisse zu kümmern ist leider immer noch etwas, das man besser nicht ganz eigennützig erledigt. 

So, wie schlage ich denn nun den Bogen zu diesen konkreten Projekten, die ich euch zeigen möchte? Ich werfe einfach mal ein paar Bilder in die Runde. 


Wollen wir doch mal ein wenig aufdröseln, was am Handarbeiten so für positive Eigenschaften dran hängen. Neben dem sowieso schonmal tollen Gefühl, etwas erschaffen zu haben, ob aus Wolle, Stoff, Holz oder sonst welchen Materialien, ist auch die Bewegung der Hände, das rhythmische beim Stricken zum Beispiel, sehr beruhigend. Das ist tatsächlich nachgewiesen! Nur, falls mal wieder jemand das Stricken schlecht redet ... 
Manchmal kann die Handarbeit auch super ablenken, wenn es zum Beispiel ein kniffliges Projekt ist. Wie dieser Pullover hier, der hat mich gleich zweifach herausgefordert. Von der Designerin gab es nämlich nur ein paar spärliche Notizen mit der Bitte, ihre Idee mal auszuprobieren. Das mache ich ja gerne, wir kennen uns gut und ich verstehe meistens, wo es hingehen soll. Trotzdem war das Pullöverchen hier eine spannende Konstruktion. Bisher gibt es leider noch keine Anleitung, trotz meines sich wiederholenden Quengelns. 


Zweite Herausforderung: Das Garn. Rosa Farbverlauf, zwei Knäul waren es. Hatte ich vom Aussortierten Stash von Sophia übernommen, die weiß schon, dass ich eine kleine Vorliebe für Reste und übrig gebliebene Knäule habe. Nach dem Anstrick manifestierte sich dann aber sofort eine Assoziation, die dem Pullover zu seinem Namen verholfen hat: Leberwurst. Das Knäul sah wirklich schrecklich aus, verstrickt ist es zum Glück deutlich besser. Aber jedes Mal, wenn ich mir das Knäul ansah, musste ich an diesen (von mir verhassten) Brotaufstrich denken. Und natürlich reichte das Garn nicht und ich musste einen anderen Rest dazu kombinieren. Das ist ein Auf und Ab der Gefühle: Erst die Spannung, ob es reicht, immer schneller stricken, dann die Feststellung, dass es definitiv nicht ausreichen wird, leichte Enttäuschung, Frust. Neugier, ob noch was passendes bei den eigenen Resten ist, Freude, wenn dem so ist und Erleichterung, wenn am Ende alles gut wird. 


Für mich ist einer der größten Vorteile des Handarbeitens aber, dass ich dadurch individuelle, persönliche Geschenke machen kann. Schon immer schenke ich unglaublich gerne, für mich ist das zum Beispiel an Weihnachten das allerbeste. Und dann noch etwas selbst zu machen, das ist doch der ultimative Kick! Für meine liebe Strickfreundin Saskia habe ich daher ein kleines Set zusammen gestellt, aus (mal wieder) Restgarn von Sophia hergestellt. Eine Mütze mit Lace Muster ist es geworden, und passende kleine Söckchen. Das war quasi eine Kooperation unseres kleinen Dreier-Stricktreffs: Sophia hat das Garn geliefert, ich habe es verarbeitet und Saskia hat sich um den Träger gekümmert :)


Ich sagte ja schon, dass ich gerne Schenke: Deshalb ist noch eine ganz einfache Pumphose aus Reststoffen entstanden, sowie ein weiteres Paar Babysocken, denn ein paar Wochen zuvor hatte Saskia mir ihre Sockenwollreste überlassen. Und wenn da nicht der Gedanke naheliegt, passende Babysocken zu ihren zu stricken, dann weiß ich auch nicht. Das Oberteil oben rechts in der Ecke hatte ich vor Ewigkeiten schonmal hier vorgestellt. 


Noch ein positiver Aspekt des Handarbeitens: Die Community. Leute, das ist der Wahnsinn. Gerade über die sozialen Medien entsteht da ein Zusammenhalt, der unglaublich ist. Jetzt, in diesen verrückten Zeiten, entstehen überall virtuelle Näh- und Stricktreffs, wie fantastisch ist das denn! Noch dazu sind die alle, durch die Bank, unglaublich nett. Ihr könnt euch sicher sein, wenn ihr euch mit einer Frage an die Community wendet, bekommt ihr einen Haufen Antworten. 
Oder, noch besser: Wenn euch das Garn ausgeht, dann kommen direkt liebe Leute und senden einem ihre Reste zu. So geschehen mit diesem Pullover, den ich aus Resten von Lamana Puno gestrickt habe. Selbe, nicht veröffentlichte Anleitung wie beim ersten Pullover, übrigens. Die Reste kommen von Christiane, die damit nichts mehr anzufangen wusste. Es wollte aber leider nicht reichen, und dieses Mal hatte ich auch nichts passendes zuhause. Auf Instagram nachgefragt, und innerhalb von ein paar Stunden gleich zwei Angebote bekommen. Lina hat mir dann ein Restchen vom selben Garn geschickt und ich konnte den Pullover vollenden (okay, die Fäden sind noch nicht vernäht, aber hey ...).


Solche Dinge machen mich sehr glücklich. Ich werde ja ganz euphorisch hier, alleine schon beim Tippen! 

Was sind für euch die positiven Aspekte vom Handarbeiten? Erzählt doch mal!


Happy creating, 

Julia

11. März 2020

Projekttaschen mit Sichtfenster

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich ein (oder vier?) Projekt dabei, das glaube ich für euch gar nicht mal so super interessant zum verfolgen ist. Es gibt kein Schnittmuster, auf das ich verweise, die Materialien waren auch alle schon vorhanden. Dafür regt es die Kreativität an, schätze ich, und kann euch als Inspiration dienen. Und das ist doch auch eine feine Sache, oder?

Wie so oft, brauche ich ein bisschen Vorlaufzeit um euch den Zusammenhang zu erklären. Das Stricken habe ich ja von meiner Mama gelernt, und wenn möglich, stricken wir auch sehr gerne zusammen. Zwei Freundinnen von ihr stricken ebenfalls gerne, und weil ich bald wieder in meinen Heimatort ziehe, kam schnell der Gedanke auf, dass wir zu viert einen kleinen Stricktreff auf die Beine stellen könnten. So weit, so gut. 

Besagte Freundinnen waren mit meiner Mutter im letzten Jahr auch auf einer Handarbeitsmesse. Von dort bekam ich dann ein Bild von einer Projekttasche, die mit einer Art Sichtfenster ausgestattet war, man konnte also reinschauen. Alle drei fanden dies wohl ziemlich gut, und Mama fragte, ob ich sowas wohl mal irgendwann nähen könnte. Das habe ich bestätigt. 

Dann haben wir vom Wohlfühlstricktreff (schönster Name, oder?) beschlossen, uns schon vor meinem Umzug regelmäßig zu treffen. Und mit dem ersten Termin stand dann natürlich auch meine persönliche Deadline für die Projekttaschen fertig; ich meine, die Vorstellung, dass wir dort alle mit einer Tasche sitzen die uns ganz klar als Mitglieder eines tollen Clubs auszeichnet ... ihr versteht, dass ich das unbedingt wollte?


Ich habe mir also Gedanken gemacht. Gemessen und gemalt, wie es aussehen könnte und welche Proportionen mir gefallen, was mir wichtig ist. Ich mag Kordelzug lieber als Reißverschluss, ich mag eine kleine Innentasche, ich mag es außen Schlicht, ich mag zusätzliche Henkel. Die anderen drei mussten das dann einfach auch so mögen, es sollte ja eine Überraschung sein, also wollte ich nicht nachfragen. 
Beim Material habe ich ein wenig herumgesucht. Für den Außenstoff kamen ein paar Reste aus meinem Regal in Frage. Eigentlich wollte ich erst vier verschiedene machen, mit gleichem Futter, aber dafür reichte es nicht, und so sind sie alle gleich geworden was den Außenstoff angeht. Das geblümte rechts im Bild ist ein alter Bademantel von mir, den ich doch nicht so gerne anziehe. Die größte Herausforderung war dann das Sichtfenster. Ich wollte ungerne losziehen und Plastik einkaufen, wo ich doch eigentlich aktiv versuche, dieses Material so wenig wie möglich zu konsumieren. Recht schnell kam mir dann der Gedanke, dass doch Bettwäsche oä oft in so "Taschen" eingepackt sind deren Material sich dafür eignen könnte. Kurz bei Mama nachgefragt, ja, da war noch sowas vorhanden von Auflagen für die Gartenliegen. Perfekt. 

Unten links im Bild seht ihr meinen kleinen Prototypen. Denn das Plastik ist ja einlagig, während ich die Tasche schon gefüttert haben wollte. Deshalb musste ich ein wenig schauen, in welcher Reihenfolge da was genäht und abgesteppt wird. Leider hat der Prototyp nicht ganz ausgereicht, aber dazu später.


Ich habe mir dann die einzelnen Maße für die rechteckigen Schnittteile notiert, alles vier Mal zugeschnitten und vier kleine Stapel gebastelt. Im Endeffekt ging es so auf, dass alle Taschen den gleichen Außenstoff und die gleichen Henkel haben, zwei geblümt gefüttert sind und eine Innentasche aus dem Außenstoff haben und zwei mit dem Außenstoff gefüttert sind und eine geblümte Tasche haben. 


Mein Projekttaschen sollten dann ein kleines und doch sehr wichtiges Detail haben, was ich beim Prototypen nicht bedacht hatte: Einen Boden. Damit ging mein vorheriger Plan leider nicht auf, und es gibt nun doch eine sichtbare Nahtzugabe am Boden der Projekttasche. Ich kann euch nicht erklären, wo das Problem lag, das ist dieser Moment zwischen dem Wenden, wo alles herauskommen könnte. Jedenfalls war es mir nicht anders möglich, wobei ich gut mit einer Nahtzugabe am Boden der Tasche leben kann. Und den anderen ist es nicht aufgefallen, also ... 


Natürlich sind auch alle vier Taschen mit meinem Logo ausgestattet. Sie sind jetzt nicht super stabil, stehen nicht von alleine, dafür ist der Stoff zu dünn. Dafür sind sie groß, da passt locker ein dicker Strickpullover rein, und schön sind sie, also, das muss ich mir schon selbst eingestehen. 


Die drei anderen Wohlfühlstricktreff-Mitglieder waren hellauf begeistert, so sehr, dass es mir schon fast wieder unangenehm war. Ich bin ja nicht so gerne im Mittelpunkt, generell ... aber natürlich habe ich mich sehr gefreut über ihre Freude und das Lob. Bisher haben sie die Taschen auch jedes Mal dabei gehabt, hoffentlich nicht aus Pflichtgefühl, hihi. 


Ich nutze sie auch sehr gerne, das reinschauen können ist ein nettes Feature, was ich nicht unbedingt brauche, aber mal was anderes ist. Mir gefällt vor allem die Farbkombination und die Henkel, sowas haben meine anderen Projekttaschen nicht, und ich habe mir ja doch schon so einige genäht. Die sind aber alle schon in einem Karton verpackt ... Nur diese hier ist noch in Benutzung. 

Genäht habe ich sie übrigens schon im Oktober ... eigentlich wollte ich die ganze Zeit Bilder im mit Wolle gefüllten Zustand machen, aber dazu kam es bisher nicht, also Schluss mit warten.

Habt ihr auch schonmal Beutel für eure Strickprojekte genäht oder reichen euch die guten alten Jutebeutel? Oder strickt ihr nur zuhause und habt einen Korb? Erzählt doch mal. 


Happy sewing, 

Julia

6. März 2020

Flickenfreitag im März - Wollsocken flicken

Hallo ihr Lieben,

mein letzter Beitrag zum Flickenfreitag kam bei euch ziemlich gut an. Einige schrieben, dass sie es traurig finden, dass der Flickenfreitag nur auf Instagram stattfindet; sie gerne mit ihrem Blog daran teilnehmen würden. Das hat mich zum Nachdenken angeregt, und ich habe auf Instagram mal nachgefragt, wie die dortigen Teilnehmer es so sehen. Einige gaben an, dass sie mit ihrem Instagram-Beitrag nicht an einer Linkparty teilnehmen würden, dass sie für ein gestopftes Loch keinen extra Blogpost schreiben würden und andere Gründe, die ich absolut nachvollziehen kann. Andere wiederum überlegten, extra für eine solche Aktion ihren Blog wieder zu entstauben und hallo, das lasse ich mir doch nicht zweimal sagen!

Deshalb gibt es nun folgende Vereinbarung (mit mir selbst): Immer am ersten Freitag im Monat werde ich hier auf dem Blog einen Beitrag zum Flickenfreitag veröffentlichen, wenn es mir möglich ist auch mit einer kleinen Anleitung zu meinem eigenen Flickwerk, sodass ihr vielleicht noch einen Mehrwert habt. Mit in dem Beitrag wird eine Linkparty vorhanden sein, die den ganzen Monat offen ist. Alle anderen Flickenfreitage finden auf Instagram statt, ihr könnt aber eure Beiträge trotzdem im Monats-Blogpost verlinken. Ist das verständlich? Ich werde das Ganze mal ein paar Wochen laufen lassen und schauen, wie es angenommen wird. Falls ihr noch andere Ideen oder Vorschläge habt, bin ich da ganz offen für!

Wollen wir also starten? Ich habe heute eine Wollsocke mit Loch für euch. Das ist ja immer wieder ein Erlebnis, wenn ich auf meinen Socken laufe und plötzlich merke, dass es so kühl ist an einer Stelle. Dann weiß ich meistens schon, dass da wieder was zu flicken ist. Ist auch immer die selbe Stelle, am Fußballen ... 


 Ich habe meinen Flick-Prozess fotografisch festgehalten, möchte aber auf gar keinen Fall so tun, als wisse ich, was ich da mache. Ich habe das von niemandem gelernt, weder Oma noch in einem Kurs, sondern mache einfach, was mir so einfällt. Es soll also eher ein "How I do it" als ein "How to do it" sein, wenn ihr versteht.
Zum Socken flicken benötigt ihr die Socke mit dem Loch, Sockenwolle, eine Schere, Nadeln in der gleichen Stärke in der ihr die Socken gestrickt habt, oder auch eine kleiner, eine Vernähnadel.


Schaut euch das Loch genau an. Bei mir ist es durchgescheuert, auch etwas aufklaffend. Wenn ihr euch konzentriert, könnt ihr die einzelnen Maschenglieder erkennen, die wie kleine "V" aussehen. An denen orientiere ich mich immer.


Lasst unter dem Loch mindestens eine noch stabil aussehende Reihe Platz und nehmt dann darunter Maschen auf. An beiden Seiten ebenfalls großzügig in den noch nicht abgenutzten Teil der Socke gehen, sonst kommt ihr im Verlauf des Lochs an die dünnen Stellen und nichts hält. Ich nehme immer nur das rechte Maschenglied auf die Nadel. 


Dann kann auch schon gestrickt werden. Weil es eh nicht unsichtbar wird, mache ich mir auch keine Mühe farblich passendes Garn zu finden sondern nehme, was gerade da ist. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Ihr strickt hoch, bis der Flicken groß genug ist und näht die Seitenkanten später mit dem Anfangs- und Endfaden fest. Oder, ihr nehmt in jeder Reihe eine Masche aus dem Socken mit auf und strickt eure Randmasche damit zusammen. Das ist weder fotografisch noch schriftlich erklärbar, aber wenn ihr euch auf meinem Instagram-Profil mal dieses Highlight anschaut, könnt ihr es vielleicht erahnen, da habe ich gefilmt wie ich es mache.


Dann bleiben am Ende nämlich nur die letzten Maschen auf der Nadel, die dann an die Socke genäht werden müssen. Fertig!
Es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten, Socken zu flicken oder zu stopfen. Diese Art erzeugt natürlich durch ihre Kanten eine spürbare Stelle, was einige vielleicht stören könnte oder an manchen Stellen unangenehm drückt oder scheuert. Für mich hat es aber bisher immer super funktioniert, und es sieht schön aus. In diesem Fall nicht ganz so, weil ich etwas schief geworden bin, wie ihr unten sehen könnt. Aber darum geht es beim Flicken auch einfach nicht. Klar, wenn das richtig gut gemacht ist und quasi unsichtbar, ist es ein extra Pluspunkt. Aber der hauptsächliche Faktor ist doch, dass da kein Loch mehr ist, das ein Kleidungsstück wieder brauchbar ist, nicht in den Müll wandert und man vielleicht auch noch seine Fähigkeiten verbessert hat.


Traut euch, unperfekt zu sein. Es ist richtig schön entspannt.

So, und nun bin ich sehr gespannt, wer alles dabei ist. Ich freue mich über jeden Beitrag, ob von Instagram oder mit Blogpost, Facebook oder was auch immer es noch gibt. Hauptsache, wir können hier sammeln, was repariert wurde.

Happy mending, 

Julia




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