18. August 2021

Kleine Geschenkesammlung: Hundehalsband, Jogginghose und ein paar Kleinigkeiten

 Hallo ihr Lieben, 

am liebsten Schenke ich ja selbstgemachtes. Egal, zu welchem Anlass, mir macht es einfach viel Freude, mit meinen Händen etwas zu erschaffen, was ich dann jemandem überreichen kann. Während des Prozesses denke ich oft viel an die zu Beschenkenden, und ich bilde mir ein, dass das auch in das Produkt mit einfließt. Häufig wird natürlich genäht oder gestrickt, aber im letzten Jahr habe ich zum Beispiel mal wieder einen Schwung Bienenwachstücher gemacht. Die Tücher sind nachhaltig und so individuell zu erstellen, weil man sich den Stoff selbst aussucht. Ich habe aus meinem ersten Versuch gelernt und nehme jetzt eher dunklere Stoffe mit wenig Weiß-Anteil, weil das Bienenwachs mit seiner gelben Färbung sonst dafür sorgt, dass das Tuch ein wenig oll aussieht. Es gibt auch weißes Bienenwachs und natürlich auch vegane Varianten, aber dieses hier konnte ich im Unverpacktladen bekommen, das war in dem Moment dann das beste Argument. 

Anleitungen, wie die Tücher hergestellt werden, gibt es zuhauf im Netz, probiert da einfach ein bisschen aus, was am besten zu euch passt. 

Die schöne Banderole habe ich bei Alles für Selbermacher gefunden.

Seit ein paar Jahren ist unsere Familie um ein weiteres felliges Mitglied erweitert worden. Elsa gehört zwar zu meinen Eltern, aber trotzdem sehen wir uns fast täglich und gehen ab und an auch miteinander spazieren. Obwohl ich für immer ein Katzenmensch bleiben werde, habe ich diese spezielle Nase ganz schön ins Herz geschlossen.

Deshalb sollte auch sie zu Weihnachten ein Geschenk von mir bekommen: Ein rotes Halsband, weil rot eine Farbe ist, die meine Mama und ich lieben und so einem hellen Hund natürlich auch gut steht. Die Anleitung ist grob aus dem Buch "Do(g) it", allerdings habe ich die Maße an Hund und vorhandenes Material angepasst, die Schnallen und mein Gurtband waren etwas breiter. An und für sich ist das Ganze aber kein Hexenwerk, da braucht es nicht unbedingt eine Anleitung für.

Das Buch habe ich mir nicht selbst gekauft, das hat meine Freundin Sophia als Belegexemplar bekommen. Da sie selbst aber gar nicht näht, sprang der Gedanke an mich weiter. Dafür durfte sie sich dann etwas aus dem Buch aussuchen, was ich für ihren Hund nähen könnte, bisher ist es dazu aber noch nicht gekommen, weil wir es beide immer wieder vergessen. Dann soll es aber eine praktische Decke werden, die gefaltet transportiert werden kann, ähnlich wie eine Picknickdecke. Auch hier bezweifel ich, dass eine Anleitung unbedingt nötig ist, aber sie macht es einem natürlich leichter.

Ich könnte mich ja immer schlapp lachen, wenn Elsa so da sitzt und sich ein bisschen Oberlippe in der Schnauze verfängt, sie sieht dann so schön skeptisch aus. 

Achso, neben dem Halsband habe ich ihr auch schon zwei Hundebademäntel genäht:

Der Schnitt ist selbst erstellt, bzw. an einen gekauften aber ihr nicht passenden Bademantel angelehnt, habe es dann passend verändert. Da sie doch recht viel Fell hat und es ja hier auch immer viel regnet, ist so ein Bademantel hilfreich bei den drei Spaziergängen am Tag. Und ziemlich lustig sieht sie auch aus darin ... der Stoff ist einfacher Frottee, wie für Handtücher, und verschlossen wird es mit einem Bindeband.

Und als letztes noch ein Geburtstagsgeschenk für meinen Bruder im letzten Jahr: Er bekam eine Jogginghose von mir! Eins der wenigen Kleidungsstücke, die zum Verschenken gut geeignet sind, finde ich. Denn sie sitzen nicht sehr körpernah, das Prinzip "etwas zu groß oder zu lang" schade hier nicht. Der Schnitt ist Alex von Pattydoo, den hatte ich bis dahin schon zwei mal für meinen Papa genäht - einmal verbloggt, die zweite steht noch aus.

Die Schnittteile in Größe L konnte ich nochmal verwenden, aber während ich bei der Hose für meinen Papa die Beine kürzen musste, kamen hier 13 zusätzliche Zentimeter hinzu. Mein Bruder muss nämlich den Kopf einziehen, wenn er durch Türen geht ... 

Auch diese Hose ist aus weichem Sweat genäht, damit sie kuschelig und bequem ist. Ansonsten alles wie gewohnt: Gummiband und RV waren im Bestand vorhanden und konnten genutzt werden, ich habe die Schrittnaht zur Sicherung abgesteppt und die Bündchen aus dem Stoff selbst genommen.


Wie es sich für meine Familie gehört, ist mein Bruder ein dankbarer Abnehmer meiner genähten Kleidung und freut sich jedes Mal sehr. Und so eine coole Jogginghose, ich meine, was besseres gibt es doch nicht?

Welche Schnitte sind eure Universal-Geschenke-Schnitte? Habt ihr auch schon mal für einen Hund genäht?


Happy creating, 

Julia



4. August 2021

Ein Cami kommt nie allein

 Hallo ihr Lieben, 


habt ihr eigentlich auch so ein Schnittmuster, dass ihr immer wieder nähen könntet? Nicht müsst, so wie Unterwäsche, sondern wollt! Weil es so schön ist, so vielseitig, einfach immer passt?

Bei mir ist das das Ogden Cami. Bisher habe ich immer mehrere davon in einem Beitrag vorgestellt (das erste Mal in 2019, dann 2020), und diese Tradition soll auch heute nicht abreißen. 

Für mich ist neben dem schönen Fall und der generellen Optik, die ich an diesem Kleidungsstück mag vor allem eins der Grund für diese rasante Wiederholungsgeschwindigkeit: Der minimale Stoffverbrauch. Ein schöner Streifenjersey, zu viel um nur ein Babygeschenk zu werden, zu wenig für ein Top oder Shirt. Die Lösung? Ein Cami!

Also flugs das Schnittmuster rausgesucht, mal ein wenig abgeändert (der hintere Ausschnitt ist etwas begradigt und nicht ganz so tief. Dann bin ich auch in der Wahl des Untendrunter etwas freier) und ganz schnell war es zugeschnitten, da ich ja nur das Vorder- und Rückenteil brauchte. Belege passten auf den Stoff nicht mehr drauf, ich wusste also, dass ich mir etwas anderes einfallen lassen musste und setzte auf Jersey-Schrägband, um die Kanten einzufassen. Das hat auch wirklich gut geklappt - nur etwas tief ist mir der Ausschnitt geworden. Ich bin mir bisher noch nicht schlüssig, ob ich das Schrägband wieder abtrenne und verkürze oder eine schnelle Lösung suche, mit Knoten im Träger oder ähnliches. Mal sehen. (Oder hat noch jemand eine andere Idee?)

Saum sowie Ausschnitt habe ich also nur versäubert und dann nach innen geschlagen und festgesteppt, die Armausschnitte mit dem Schrägband eingefasst und daraus die Träger geformt. Das Ergebnis ist ein herrlich bequemes Oberteil für den Sommer - wenn dieser sich noch mal blicken lässt.

Cami Nummer zwei hat eine etwas längere Geschichte mit sich gebracht. Den schönen Viskosestoff hatte ich auf Ebay Kleinanzeigen gefunden - eine tolle Quelle für gebrauchte und damit nachhaltigere Stöffchen. Ursprünglich hatte ich mir daraus ein Inari Tee Dress genäht - leider sitzt der Schnitt zumindest in Kleidform und aus Webware unmöglich an mir. Die O-Form gefällt mir nicht, die Schultern haben ihr Eigenleben geführt und mein Kreuz hatte kaum Platz darin. Da auch niemand das fertige Kleid haben wollte, musste ich also noch etwas daraus machen, der Stoff war schließlich immer noch schön.

Auch hier hieß die Lösung für eine geringe Stoffmenge Ogden Cami. Ich musste ein wenig schieben, und das Top ist jetzt auch 2-3cm weniger weit auslaufend Richtung Saum, aber Vorder- und Rückenteil sowie die Träger haben auf das Kleid gepasst. Die Belege bzw. das Futter habe ich aus einem anderen alten Top ausgeschnitten, das Material ist auch sehr fließend und passte daher am Besten.

Das Ergebnis liebe ich zum Glück deutlich mehr als das ursprüngliche Kleid, und das Top wird sicherlich einige Verwendung finden. Dieses satte gelb ist aber auch eine herrlich schöne Farbe!


Meine beiden neuen Flatter-Teilchen hänge ich auf die virtuelle Garderobenstange beim Me Made Mittwoch und freue mich schon, dort ein wenig herumzustöbern. 


Happy sewing, 

Julia


20. Juli 2021

Inari Tee x3

 Hallo ihr Lieben, 

heute kann ich endlich einen Blogpost schreiben, der schon länger in meiner Warteliste hängt. Im Dezember habe ich nämlich gleich dreimal den selben Schnitt genäht um die Ergebnisse zu verschenken, allerdings zog es sich dann doch etwas hin, bis ich das letzte Stück übergeben konnte. 

Dass ich zu Weihnachten am Liebsten etwas verschenke, das meine Hände kreiert haben, sollte den länger hier Lesenden unter euch schon mal aufgefallen sein. Und so kam ich bei meiner alljährlichen Ideen-Sammlung im Herbst auf die Idee, drei lieben Freundinnen von mir T-Shirts zu nähen, zu Weihnachten und zum Geburtstag. Ich hatte auch gleich einen Schnitt im Kopf, das Inari Tee war mir im Sommer mehrfach auf anderen Blogs begegnet und mit der lockeren Schnittführung war das Passform-Risiko ausreichend gering.

Dann stolperte ich bei Etsy über diverse Plots, und der Plan war vervollständigt. Ohne Probleme fand ich für alle drei ein passendes Motiv, bestellte Stoffe online und kaufte welche vor Ort, und dann konnte ich auch schon loslegen.

Dieses Modell ist in Gr. 36 - so winzig, für mich und meine Familie nähe ich ja sonst eher so 2-4 Größen größer - und der Stoff kommt von Stoff und Stil. Der Plot passt perfekt zu E. und war glaube ich der erste, den ich aufgebügelt habe. Das war schon ganz schön aufregend! Zum einen natürlich der Anspruch, es gerade und mittig zu platzieren, zum anderen habe ich zuvor noch nie geplottet und hatte Angst, etwas falsch zu machen. Eigentlich war es aber ganz easy, und das Ergebnis hat mich sehr erfreut. Das eigentliche Nähen kam dann danach erst, ich fand es einfacher, die Plots auf dem zugeschnittenen aber noch nicht vernähten Vorderteil zu verewigen.

Während die anderen beiden Shirts in der vom Schnitt angedachten cropped Version, also eher etwas kürzer sind, habe ich das rote Shirt um 18cm verlängert, da C. solche Shirts lieber trägt. Für sie habe ich eine 38 genäht und den Plot ausgewählt, weil wir zuvor über diesen Spruch gesprochen hatten und ihn sehr bestärkend fanden. C. sollte das Shirt zu ihrem Geburtstag im Januar bekommen, aber dank Coroni konnte dieser erst jetzt im Juli nachgefeiert werden. So lag das Shirt ein halbes Jahr eingepackt in meiner Geschenke - Schublade ...

Das grüne Shirt ist dann wieder kürzer und wieder Gr. 36, der Plot vom Motiv ähnlich zum ersten; so wie die beiden Empfängerinnen auch. Viele Gemeinsamkeiten, aber doch jede anders. Bei den anderen Shirts habe ich nach dem Zusammennähen mit der Overlock und dem Säumen mit derselben Maschine den Ausschnitt und die Säume mit der Zwillingsnadel abgesteppt. Bei diesem hier konnte ich das erste mal das flexible Nähgarn Seraflex von Amann Mettler ausprobieren, was war das für eine Freude! Seitdem kommt oft die passende Farbe zum neuen Jersey-Projekt mit in die Einkaufstasche, ich finde so einen einfachen Saum einfach viel schöner als die Zwillingsnadel oder Zick-Zack Stich.

So Nähprojekte für andere sind ja schon immer etwas aufregend, vor allem, wenn man nichts anpassen oder ausprobieren kann. Zum Glück passen aber alle Shirts gut und alle drei haben sich gefreut. Das wiederum macht mich sehr glücklich. Die kurzen Shirts sind mir in der Boulderhalle auch schon begegnet, da muss ich dann immer grinsen. Ich würde sagen, gleich doppelt geglückt, weil ich mich auch jedes Mal freue, wenn es angezogen wird.


Was näht ihr so als Geschenke? Eher Accessoires und Deko, oder auch mal Kleidung? Was sind gute Schnitte, die ohne viele Anpassungen oder Anproben funktionieren?


Happy sewing, 

Julia


7. Juli 2021

Cropped Cardigan Marlo

 Hallo ihr Lieben, 


so langsam möchte ich eigentlich aus meinem Rhythmus rauskommen, nur noch monatlich zum Me Made Mittwoch einen Beitrag zu tippen. Mögliche Inhalte und teilweise sogar schon Bilder sind ausreichend vorhanden, es mangelt lediglich an der Zeit. Aber so ein zweiter Post im Monat wäre schon schön, sonst stapeln sich auch einfach die ganzen Dinge, die nicht zum Me Made Mittwoch passen und das ärgert mich dann. Jetzt, wo ich es hier so öffentlich geschrieben habe, macht mir das hoffentlich den nötigen Druck, was zu ändern, hihi.

Nun aber erstmal zum eigentlichen Inhalt. Ich stehe ja schon ewig auf Kriegsfuß mit Cardigans. Genauer: Der richtigen Länge. Ich habe schon einige gestrickt und genäht, die etwas bis über den Hosenbund gingen, so die ganz normale Länge eben. War aber im Endeffekt mit der Optik nie zufrieden, habe viele aufgeribbelt oder verkauft. Was gut ging, sind lange Cardigans, die trage ich gerne. Aber im Sommer, unter einer Jeansjacke zum Beispiel, sieht das einfach nicht gut aus. Und zu Kleidern auch nicht immer. Über Jahre existieren trotzdem nur diese in meinem Schrank. 

Und dann habe ich beim wöchentlichen Sonntagsschnack von Fredi (Seemannsgarn) mit den Neuheiten im Bereich Schnittmuster den Marlo Cardigan entdeckt. Es passiert sehr selten, dass ich mir ein neues Schnittmuster sofort merke, in diesem Fall ist es aber so gewesen. Er hat mich einfach sofort begeistert!

 

Wie immer hat es aber noch eine Weile gedauert, bis ich dann auch so weit war, die gedanklichen Träumereien umzusetzen. Tatsächlich hat in diesem Fall der Stoff das Nähen angeschubst; den habe ich nämlich auf Ebay Kleinanzeigen entdeckt. Ein Baumwollstrick, Bioqualität, von Hamburger Liebe. Eine Firma, die seit kurzem zwar das Label "problematisch" von mir bekommen hat, aber gebraucht zu kaufen kann ich gut vertreten, solange ich mir keine fundierte Meinung gebildet habe. Die Stoffmenge war deutlich geringer als im Schnittmuster angegeben, aber das mache ich ja sowieso meistens. Ein wenig habe ich mit der Farbe noch gehadert. Creme gibt es bisher in meinem Kleiderschrank nicht, ich konnte mir daher nicht so ganz vorstellen, ob mir das Ergebnis gefallen würde und so kombinierbar wäre, wie gedacht. Die Bedenken habe ich dann aber über Bord geworfen - man muss sich auch mal was trauen, dachte ich mir. 

Während der Stoff seine obligatorische Runde durch die Waschmaschine drehte - was war ich froh, dran gedacht zu haben die Kanten einmal mit der Overlock zu versäubern - habe ich schonmal den Schnitt abgepaust. Ich hatte die großen Bögen plotten lassen, das mache ich am Liebsten um dem Kleben aus dem Weg zu gehen. Anhand der Maßtabelle habe ich mich für die Größe 10 entschieden. Da bin ich zwar eher am oberen Ende der Maße, aber da es sich ja um ein Teil mit viel Mehrweite handelt, war das nicht so dramatisch. Außerdem ist Baumwollstrick jetzt nicht unbedingt ein Material, dass seine Form behält, ich habe ein wenig Ausleiern also einkalkuliert.

 

Bei der Ärmellänge war ich zunächst ein wenig unsicher. Diese ist im Schnittmuster nicht angegeben; das finde ich immer ein wenig schade. Die Tabelle mit den "finished measurements", also den Maßen des fertigen Kleidungsstückes zusätzlich zu der Körpermaßtabelle begrüße ich ja immer sehr, aber eine Ärmellänge sollte schon enthalten sein, finde ich. Also habe ich wie gewohnt 5cm Armlänge hinzugefügt, Länge wegnehmen ist schließlich immer einfacher als etwas hinzuzufügen. Achso, vielleicht sollte ich auch erwähnen, dass ich die kurze Version A gewählt habe.

Bei der Anzahl der Schnittteile war ich kurz ein wenig verwirrt ob der Menge dieser, aber das klärte sich dann schnell auf: Für jede Größe gibt es ein Buttonband-Guide, der die Knopflöcher und Knopfposition anzeigt. Außerdem gibt es zwei verschiedene Schnittteile für das Bündchen entlang der vorderen Kante und des Ausschnittes, je nach Dehnbarkeit des Stoffes. Mitgedacht, finde ich sehr gut! 


Dann war ich bereit für den Zuschnitt. Und musste wirklich ordentlich herumschieben und probieren, bis ich alles auf das Stoffstückchen bekommen habe. Statt wie empfohlen 1x2,3 Meter hatte ich nämlich 1x1,6. Geholfen hat, einlagig zuzuschneiden, außerdem habe ich Saum- und Halsbündchen in zwei Teilen zugeschnitten anstatt im Bruch. So passte alles auf den Stoff, auch wenn kaum etwas übrig geblieben ist. Aber so nähe ich ja auch am Liebsten.

Das meiste habe ich auf meiner Nähmaschine genäht, die Nahtzugabe dann mit der Overlock versäubert. Zwei Nadeln mussten dran glauben, als ich danach aber etwas dickere eingebaut habe, hat sie ohne Probleme gearbeitet. Für die Verarbeitung der vorderen Blende gibt es zwei Versionen, hier habe ich mich für die ganz einfache entschieden, bei der das Bündchen einfach angenäht wird und die Nahtzugabe innen sichtbar ist. In der anderen Variante wird wie ein Blusenkragen genäht, also erst eine Seite, dann die andere mit umgeklappter Nahtzugabe, sodass es innen "schön" ist. Ich wusste aber, dass meine Nähmaschine das dafür notwendige Absteppen nicht hinbekommen würde, da ich den Nähfüßchendruck nicht verstellen kann, hat sie mit so dicken und dehnbaren Stoffen oft ihre Probleme. Da ich den Cardigan aber hauptsächlich geschlossen tragen werde, ist mir das eigentlich auch egal. Eine andere Option wäre noch, die Nahtzugabe mit schönem Schrägband einzufassen, aber auch hier wäre das Absteppen das Problem gewesen.


Wie im Schnittmuster vorgegeben, habe ich auch die vordere Blende verstärkt. Da hier die Knopflöcher reinkommen, ist das auf jeden Fall notwendig! Und auch einem unschönen Verziehen des Stoffes wirkt es entgegen. 

Die drei großen Knöpfe habe ich noch in meinem Fundus gefunden. Sie sind Schokoladenbraun und passen ziemlich gut zum Cardigan, finde ich. Ein wenig nervös war ich noch vor den Knopflöchern, in so dickem Material hatte ich bisher auch noch keine genäht. Nachdem ich aber bei meiner Mama perfekt passendes Garn gefunden hatte (wie gesagt, Creme ist sonst nicht so meine Farbe...) habe ich einfach drauf los genäht und es hat wirklich gut geklappt! Was war ich froh.

Und dann war er auch schon fertig, mein Cardigan. Das Nähen war eigentlich eine flotte Sache. Und die erste Anprobe: Erleichterung pur. So gefällt mir ein kurzer Cardigan, und auch die Farbe mag ich total gerne. Er ist erst seit zwei Wochen fertig, aber ich trage ihn seitdem immer mal wieder, weil er schnell übergeworfen ist und irgendwie immer passt. Das war definitiv nicht der letzte nach diesem Schnitt! 

Anfangs war ich ein wenig enttäuscht, weil ich gedacht hatte, dass der Cardigan ziemlich genau auf Taillenhöhe endet. Ich werde bei der nächsten Version ja sehen, ob es am schweren Stoff liegt oder ich den Schnitt noch ein klein wenig kürzen muss. 

Die Fotolocation ist übrigens eine von mir ausgesähte Bienenwiese hinter unserem Garten. Die Samen hatte ich noch übrig und habe sie dort hingeworfen, mich dann nicht weiter darum gekümmert. Und jetzt blüht es so wunderschön, ich freue mich richtig! Da wusste ich sofort, dass ich dort die nötige Farbe für meinen schlichten Cardigan bekomme. 


Happy sewing, 

Julia


2. Juni 2021

Basics mit einer Prise Glück

Hallo ihr Lieben, 

 

heute möchte ich mal von einem Phänomen beim Nähen berichten, das so tatsächlich in allen Kleidungsbereichen vorkommt: Ich habe kaum gute Basic Schnitte. Also, so Standards, die schlicht und einfach sind, wenig Spaß machen aber dann doch am häufigsten angezogen werden. Es gibt noch immer keinen T-Shirt Schnitt, der mich restlos überzeugt, ich suche weiter nach einer guten Leggings, kurze Hose. Ein wenig habe ich mir das also als Thema für dieses Jahr gesetzt, denn obwohl im Bereich Basics die alte Kaufkleidung noch am längsten hergehalten hat, setzt auch da langsam der Verschleiß ein. 

Nachdem ich recht zufriedenstellend einen Schnitt für Unterhosen gefunden habe (übrigens etwas, von dem ich vor einem Jahr noch behauptet habe, dass ich es nie nähen würde ...) packte mich dann doch wieder die Motivation. Am ärgsten sah es im Bereich Tops aus, also trägerlose Jersey Oberteile. Und die trage ich eigentlich das ganze Jahr, im Sommer einfach so, im Winter untendrunter. Bedarf also groß, Bestand eher minimal. Und vor allem ausgeleiert, ausgedünnt usw. 


Ich durfte dann bei meiner Suche nach einem Schnitt feststellen, dass es das, was ich suche, gar nicht sooo oft gibt. Gerade die großen englischsprachigen Schnittmusterhersteller scheinen ihren Fokus eher auf besondere oder aufwändigere Kleidungsstücke gelegt zu haben. Ich wollte ein Top mit Rundhalsausschnitt, leicht tailliert, nicht hauteng aber auch nicht zu locker. 

Fündig wurde ich dann aber beim Schnittmuster Studio mit der Frau Juno. Obwohl die Namensgebung, also das Frau vor jedem Schnitt, mir stark auf die Nerven geht, sahen die Modellfotos genau nach dem aus, was ich suchte. Also bin ich flott in die Stadt gedüst, habe Baumwolljersey in schwarz und grau besorgt (damals noch an der Tür auf der Straße stehend, jetzt könnte ich auch wieder selbst rein gehen!) und nach dem Vorwaschen direkt mit dem Zuschnitt losgelegt. 

 

Laut meinen Maßen lag ich bei Größe L, für meine zusätzliche Länge habe ich wie folgt ein wenig mehr zugegeben: Jeweils einen Zentimeter an den Trägern und der Taille, der Ausschnitt schien mir ein wenig zu hoch, und dann zwei Zentimeter am Saum. 

 

Das Nähen selbst war dann natürlich kein Hexenwerk, wie es ja so oft mit Basics ist sind die schon fast langweilig. Schulter- und Seitennähte schließen, Bündchenstreifen an die Ausschnitte und Saum, fertig. Abgesteppt habe ich aber mit dem dehnbaren Nähgarn Seraflex, das war eine große Freude! Und in schwarz und grau wird es bei mir auch ständig genutzt werden, also eine gute Sache. So konnte ich die Ausschnitte einfach mit Geradstich absteppen und musste weder mit Zickzack, noch mit der Zwillingsnadel kämpfen. 

Das schwarze Top saß schon wirklich sehr gut, nur der Ausschnitt sollte noch ein bisschen tiefer sein, sodass ich beim grauen Top nochmal ca. 3cm rausgeschnitten habe, einfach einen kleinen Halbmond. Eine weitere Änderung gab es da noch, der Stoff erschien mir nämlich deutlich weniger dehnbar, sodass ich den Schnitt 1cm vom Stoffbruch weggelegt habe, um etwas mehr Raum zu gewinnen. Es gab da mal ein Shirt, das ich kaum angezogen bekam, einfach weil der Stoff weniger flexibel war ... nun ja, hier hätte ich es mir sparen können, es sitzt nicht ganz so gut. Eventuell nähe ich einfach ein kleines Fältchen in den Ausschnitt, oder es wird eher ein Top zum Drunterziehen, mal sehen. 

 

Weil Basics nähen zwar im Ergebnis viel Freude bringt, beim Nähen aber nicht so sehr, habe ich mich im Anschluss mit einem deutlich interessanteren Projekt belohnt: Der Tasche voll Glück von Lotte&Ludwig. Beim Aufruf zum Probenähen habe ich noch abgewunken, ich finde diese quer über der Brust getragenen Bauchtaschen nämlich eigentlich nicht schön. Eine Freundin von mir hat aber mitgemacht, und einen Tag habe ich ihr ein wenig geholfen, dazwischen ein wenig beraten, war also schon im Thema drin. Und Stück für Stück ist mir aufgefallen, dass es zum einen ein perfektes Geschenk ist, zum anderen eine super Lösung für mein Pendel-Problem. Es nervt mich nämlich sehr, dass ich jedes Mal meinen Rucksack absetzen muss um an mein Ticket/Schlüssel/Dienstausweis usw. zu kommen. Gerade im Sommer, wenn ich keine Jacke mit Taschen trage, ist ja wirklich alles im Rucksack, auch das Handy. Und mir dämmerte, dass so eine Bauchtasche die perfekte Lösung wäre. 

Long story short, nach einem kleinen Ausflug zu meinen Resten ist diese Tasche hier entstanden und seitdem bei jeder Fahrt zur Arbeit mein treuer Begleiter. Sie beherbergt Handy, Schlüssel fürs Haus und die Arbeit, Portemonnaie und mein Strickzeug und ist einfach unglaublich praktisch! So kann ich auch schon am Gleis ein paar Maschen stricken, während ich auf den Zug warte, und alles wichtige ist griffbereit. 

 

Der Außenstoff lag hier noch in meiner Resteschublade. Ich habe lange bezüglich der Farbe überlegt, wollte etwas eher schlichtes haben, aber Jeans oder schwarz war mir dann doch zu öde. Kurz dachte ich über Bordeaux nach, aber ich glaube, mit Khaki habe ich eine gute Wahl getroffen. Das Futter ist ein altes Hemd meines Vaters, das ich behalten habe weil ich das Muster so schön fand. Es passt einfach perfekt zum Außenstoff, finde ich! Die kleinen Gurtband-Reste hatte ich auch da, ebenso wie die Reißverschlüsse. Die passen jetzt nicht zueinander, aber das ist mir ziemlich egal. Das lange Gurtband ist tatsächlich ein alter Gürtel vom Freund, so einer mit D-Ringen, den es oft bei kurzen Hosen dabei gibt. Farblich quasi Bestimmung, oder? Ich hatte also bis auf die Karabiner, D-Ringe und die Leiterschnalle alles zuhause, und diese Teile waren dank Impfausweis auch schnell besorgt.

Von der Aufteilung habe ich es sehr schlicht gehalten. Es gibt die (wirklich schöne) Fronttasche nicht, auch nicht die Klappe davor. Innen gibt es ebenso keine Tasche, nur die an der Rückseite habe ich für mein Handy bestimmt. Ich habe insgesamt auch die kleine Version der Tasche genäht, da hatte ich den Vorteil, sie bei meiner Freundin schonmal anprobieren zu können. Die Große finde ich selbst für meine Körpergröße zu wuchtig, aber das ist vermutlich ebenso Gewöhnung wie die Tasche selbst. 

Leider ist mir beim Nähen ein kleiner Fehler unterlaufen, obwohl ich dachte, darauf zu achten, öffnen die Reißverschlüsse zu verschiedenen Seiten. Auch bei Rucksäcken habe ich gelernt, dass ich eine Seite bevorzuge, weil ich sie immer über dieselbe Schulter auf- und absetze, und auch hier, die Tasche würde ich eigentlich vom Gefühl her auf der anderen Schulter tragen. Dann ist die Öffnung vom vorderen Reißverschluss aber unten, was unpraktisch ist. Ein wenig schade, aber erstaunlicherweise habe ich mich da schnell umgewöhnt.

Habt ihr eure Basic-Schnitte schon gefunden? Welche sind es? Und belohnt ihr euch nach "langweiligen" Nähprojekten auch mit etwas spannenderem?

Meine Tops und Tasche verlinke ich beim heutigen Me Made Mittwoch im Juni und freue mich auf das lange Wochenende, wenn ich die anderen Beiträge lesen kann. 

Happy sewing, 

Julia


5. Mai 2021

Streifenkumulus - Verwertung für Mohair Reste

 Hallo ihr Lieben, 

und Willkommen zum Me Made Mittwoch im Monat Mai! So viele "M" in einem Satz, ich komme mir ganz poetisch vor. 

Mein heutiges Kleidungsstück vereint ja ganz viel, was ich mag. Reste verwerten, zum Beispiel, da bin ich recht gut drin, vor allem bei Wolle. Normalerweise stricke ich aus den Überbleibseln von anderen Projekten ja Babysachen, die lassen sich so schön verschenken (oder aufbewahren).

Allerdings ist Mohair-Garn genau wie andere Fasern mit viel Flausch nicht wirklich geeignet für Babykleidung. Die einzelnen Fasern können sich nämlich vom lose gezwirnten Garn lösen und in Babys Lunge geraten, was nicht ganz so zu empfehlen ist. Deshalb saß ich Anfang des Jahres recht ratlos vor diversen Flausch-Resten, dabei einiges Mohair, das meine Mama mir gegeben hatte, ein wenig Alpaca war auch mit dabei. Vom Pullover meiner Mama waren über zwei Knäul Grau übrig geblieben, ansonsten waren da diverse Blau-Töne, Grün, ein Fitzel rot und Lila. Tja, was tun damit? Zunächst dachte ich an eine Streifenmütze, konnte ich mir gut vorstellen. Nach einer Konfrontation des Garns mit der Waage stellte ich aber fest, dass es fast genug für einen Pullover sein könnte, und dann war ich angefixt.

Ich habe gemalt, die einzelnen Farben abgewogen, überlegt und geplant. Wie würde ich es halbwegs ästhetisch hinbekommen, ohne, dass es zu unruhig werden würde? Die Garnmengen waren sehr unterschiedlich, eigentlich wollte ich aber nicht so viele schmale Streifen wegen der zu vernähenden Fäden. Achso, die Anleitung stand von Anfang an fest, es sollte noch eine Cumulus Bluse werden, die habe ich ja schon so oft gestrickt, da brauche ich fast die Anleitung nicht mehr. Einmal aus dickerem Flausch für meine Mama, dann ohne Flausch für mich, aus Alpaca und dünner für Mama. Irgendwann stricke ich diesen Pullover bestimmt auch nochmal einfarbig flauschig für mich.

Um den verschiedenen Farben das "laute" zu nehmen, wollte ich immer einen Faden Grau und einen Faden bunt zusammen verstricken. Dann wird alles etwas stimmiger, dachte ich mir. Da das Grau aber nicht reichen würde, habe ich meine beiden Strickfreundinnen gefragt und durfte bei Saskia noch ein wenig helles Braun abholen. Ja, und dann ging es los!

Eine grobe Vorgehensweise hatte ich, vom Königsblau war noch sehr viel da, die Streifen mussten also oft vorkommen, andere Garne waren weniger, sodass die Streifen seltener waren. 4-6 Reihen habe ich pro Streifen gestrickt, aber im Endeffekt war das ein absolutes Rebellions-Projekt. Ich habe immer irgendwo mitten in der Runde den Streifen beendet, bzw für 5-10 Maschen den Faden der neuen Farbe mitgestrickt und somit gewechselt. Das Beilaufgarn blieb ja immer dabei, so sind auch keine unschönen Löcher entstanden. 

Das rote Garn war etwas dicker als die anderen, und auch eine Mini-Menge. Erst hatte ich überlegt, es nur an einem Ärmel zu nutzen, aber da ich ja doch eher für Symmetrie bin, ist der Streifen auf die Brust gekommen.

Ich habe Größe M gestrickt, aber Längenangaben ignoriert. Wann der Körper passend war, habe ich durch anprobieren ermittelt; da ja von oben in einem Stück gestrickt wird, ist das jederzeit möglich. Die Ärmel habe ich verlängert, die Abnahmen immer eine Runde später gestrickt (jede 10. statt jede 9. Runde) und wusste vom Pullover meiner Mama, dass nach der letzten Abnahme die Ärmel lang genug sind.

Ganz gleich sind die Streifen in Ärmeln und Körper nicht, aber ich habe mich bemüht, es so passend wie möglich zu machen. Dafür musste ich natürlich nach Beendigung des Körpers erstmal alle Reste halbieren ... Aber da hatte mich schon die Freude auf den fertigen Pullover so gefesselt, dass ich es ohne großes Hadern erledigt habe.

Schlimm an der Anleitung finde ich ja, dass ganz zum Schluss noch der ätzende I-Cord kommt. Ich mag das ja einfach nicht stricken, ganz, ganz schlimm. Ich habe es deshalb hier aufgeteilt, direkt nach Ende des Körpers diesen abgeschlossen, dann den Halsausschnitt und dann die Ärmel gestrickt und jeweils den I-Cord am Ende auch direkt. 

Herausgekommen ist ein ganz toller, warmer und lockerer Pullover, den ich sehr mag. Der Ausschnitt ist fast etwas weit, da hätte ich den I-Cord durchaus fester stricken können, aber das lässt sich nicht mehr ändern, Flauschgarn ribbel ich nämlich bestimmt nicht auf. Ich trage eh immer ein Top oder Shirt drunter, also keine unerwünschten Einblicke möglich.

Die Fäden habe ich übrigens nicht vernäht, sondern einfach abgeschnitten. Ich sag ja, Rebellions-Projekt! Aber dank der flauschigen Fasern verhakt sich da eh alles sofort, und ich hatte ihn bestimmt schon 10x an, bisher ist mir keine offene Stelle begegnet. Im Endeffekt hatte ich durch das Einstricken der Anfangs- bzw. Endfäden ja auch schon vernäht, sozusagen. War auf jeden Fall erfolgreich.


Die Fotos hat eine liebe Freundin im Garten gemacht, vielen Dank dafür! Das macht direkt mehr Spaß als alleine, und bietet auch mehr Möglichkeiten. 

(Das Projekt findet ihr auch auf Ravelry)


Happy knitting, ihr Lieben!


Julia


7. April 2021

Sweatjacke mit Teddyfell


 Hallo ihr Lieben, 

im letzten Monat war hier viel los, deshalb gab es seit dem letzten Me Made Mittwoch bis zum heutigen auch keinen anderen Beitrag. So langsam ruft der Garten, ich hatte wenig freie Tage, ihr kennt diese Phasen sicherlich. 

Zum Glück dümpelten die Bilder für den heutigen Artikel schon länger auf meiner Festplatte herum, sind sie doch beim letzten Lost Place Ausflug entstanden. Mittlerweile denke ich sogar immer daran, etwas anzuziehen, was ich auf dem Blog noch zeigen möchte, falls sich eine tolle Kulisse ergibt. So wie an diesem Tag. 

 

Industrie-Charme könnte man auch sagen. Zu zeigen habe ich meine neue, flauschig warm kuschelige Sweatjacke, und dieser Kontrast macht sich doch ganz gut, oder? 

Ich habe jetzt viele, viele Jahre ohne Sweatjacke gelebt. Irgendwie hatte ich mal beschlossen, dass mich die Kapuze nervt, die man immer nach dem Jacke anziehen herausfummeln muss und dann in die Kapuze der Jacke manövrieren, und an mir fand ich diese Jacken irgendwie auch nicht gut. Tja, und dann stellte ich irgendwann fest, dass ich eine olle, total ausgewaschene Sweatjacke vom Freund (die dieser aussortiert hatte) immer wieder überzog, weil praktisch, weil gemütlich, weil Wohlfühl-Faktor. Und ich die Optik an mir eigentlich auch mochte. Und damit war das Bedürfnis nach einer eigenen geboren.


 In dieses Bedürfnis spielte dann noch ein Gespräch unter Kollegen rein, in dem wir über Nachtdienst und das damit unweigerlich verbundene Frösteln sprachen. Irgendwann, wenn die Müdigkeit überwiegt, wird es einfach kalt, auch im Sommer. Eine Kollegin erzählte von ihrer Nachtdienst Jacke, eine Sweatjacke mit Flausch innendrin. Und zack hatte ich das Bild von dem olivgrünen Teddystoff vor Augen, der noch in meiner Schublade rumlag. Den hatte ich ursprünglich mal als Futter für eine Winterjacke gekauft und auch schon dafür zugeschnitten, dann aber beim Nähen der eigentlichen Übergangsjacke festgestellt, dass diese mehr als warm genug ist für den Winter. Also habe ich umdisponiert, neues Futter für die andere Jacke gekauft und das Teddyfell eingetütet.


In meiner Bestellung, die ich vor Weihnachten für das Nähen von Geschenken bei Stoff&Stil machte, hüpfte also auch dunkelgrüner Sweat und das passende Bündchen. Das Material lag dann natürlich bis nach Weihnachten hier, um genau zu sein bis Mitte Februar. Erst waren die Geschenke vorrangig, dann kam das mir bekannte Nähtief nach der Geschenkeproduktion. Vor allem hatte ich ja noch keinen Schnitt herausgesucht, sodass ich nicht sofort loslegen konnte. 

Mit einer Freundin sprach ich dann aber über das Projekt, und ihre Begeisterung für meine Idee löste dann wieder die Nählust aus. Ich überlegte, welchen Schnitt ich nehmen könnte, suchte ein wenig im Internet herum. Nur um festzustellen, dass die Jacke, die ich so gerne trug, ja ein Herrenmodell war, ich also auch einen Herrenschnitt nehmen könnte? Und klar, da war doch Jordan von Pattydoo, für den Bruder genäht, bereits vorhanden. Ich habe die alte Jacke ausgemessen und mit den Fertigmaßen im Schnittmuster (das Beste, was ein Schnittmuster haben kann!) verglichen. Und war erstmal so irritiert, dass ich einen Tag Pause machen musste. Von S bis XL waren die Maße des Kaufmodells nämlich vertreten, sodass ich mich nicht sofort festlegen konnte.

 

Letztendlich ist es dann L geworden - hauptsächlich, weil ich die Schnittteile bereits für den Bruder abgepaust hatte und es halbwegs passen sollte. Nur die Länge der Jacke habe ich in der kleinsten Größe belassen. 

Die Schnittteile waren schon da, zugeschnitten war dann auch schnell, Vorder- und Rückenteil aus Teddyfell habe ich aus den vorhandenen Schnittteilen vom Parka herausbekommen, auch, wenn das Rückenteil eine Naht hat, das ist ja im Futter nicht wichtig (und kann man in dem Flausch eh kaum sehen). 

Einen passenden Reißverschluss hatte ich ebenfalls im Fundus, hurra, es konnte direkt losgehen. Dachte ich. Und saß dann erstmal zehn Minuten vor meinen Schnittteilen, um herauszufinden, wie ich die nun zusammenbekomme ohne unschöne Nahtzugabe innen zu haben. Die Jacke ist nämlich mit Raglan konstruiert, und das war mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen.

Ich habe gegrübelt und gesteckt und herumgewurschtelt, und mich dann für folgende Reihenfolge entschieden:

- Zuerst habe ich beide Kapuzen genäht. Für die innere Kapuze (und auch für den Körper) hatte ich zuvor einen Beleg konstruiert, damit der Flausch nicht im Reißverschluss hängen bleibt und ich die Ösen besser reinbekomme. 

- Bauchtaschen aufgenäht

- Dann habe ich die Seitennähte vom Körper geschlossen und die Rückennaht vom Futter. 

- Das Bündchen aufgeklappt und jeweils mit einer langen Seite an Außenteil bzw. Futter genäht. Aufgeklappt hatte ich dann quasi die äußere Jacke vor mir liegen, unten dran das Bündchen und am anderen langen Ende vom Bündchen die Futterjacke verkehrt herum.

- Dann habe ich beides zusammengeklappt, rechts auf rechts, die Reißverschlussbänder dazwischen genäht und hatte eine oben offene Weste.

Kommt ihr noch mit? Ich hoffe es... mir hätte sowas jeweils geholfen, also halte ich es hier fest.

- Ich habe dann beschlossen, dass mir Nahtzugabe am Ärmel nicht erspart bleibt ohne möglicherweise trennen zu müssen, weil irgendwas nicht klappt, also habe ich das in Kauf genommen. 

- Die Ärmelnähte geschlossen. Bündchen dran.

- Die Raglannähte am Körper, also Futter und Außenstoff, knappkantig aufeinandergesteppt damit sich nichts verschiebt

- Die Ärmel eingenäht, und dann die Kapuze wie einen Blusenkragen dran, also erst am Futter entlang der Halsnaht, dann die Nahtzugabe vom Außenstoff umgebügelt, auf die Halsnaht gesteckt sodass die Nahtzugabe innen liegt und dann abgesteppt von außen.


Mit dem Ergebnis bin ich sowohl sehr glücklich, als auch sehr stolz. Da habe ich schon einiges rumkonstruiert, bis das alles richtig war, eine Herausforderung würde ich sagen. Einige Nähte, die ich mit der Overlock gemacht habe, sind nicht ganz so schön geworden, da habe ich schon mit der Nähmaschine nachgebessert. Aber ansonsten ein Projekt, dass ich definitiv wiederholen würde, einer zweiten Sweatjacke (ohne Futter) steht also nichts im Wege. Sie ist ordentlich warm, das Gefühl im Rücken ist echt mega. 

Und nun husche ich rüber zum Me Made Mittwoch Blog und schaue mal, was es dort zu sehen gibt. 


Happy sewing, 

Julia