1. Juli 2020

Ein Schnitt mit vielen Gesichtern {Ogden Cami}

Hallo ihr Lieben,

ich war ja Anfang des Jahres ein bisschen schlau. Da wusste ich nämlich schon, dass das Jahr turbulent werden wird und es vermutlich besser ist, wenn ich mir die ersten Mittwoche jedes Monats markiere, um den Me Made Mittwoch nicht zu vergessen und rechtzeitig einen Beitrag schreiben zu können. Diese kurze Voraussicht hat sich schon mehrfach bezahlt gemacht, so auch in diesem Monat. Gerade wenn der erste Mittwoch auch noch der erste Tag im Monat ist, kommt es doch immer wieder überraschend. Ich bin doch bestimmt nicht die einzige, die immer noch an den Handknöcheln abzählt, ob ein Monat nun 30 oder 31 Tage hat?

Im letzten Jahr habe ich ja (für mich überraschend) das Ogden Cami lieben gelernt. Dünne Träger und V-Ausschnitt waren über lange Zeit in meinem Schrank nicht existent, mittlerweile vermehren sie sich aber rasant. Aus den beiden vom letzten Jahr sind mittlerweile schon viereinhalb geworden! Und die Neuzugänge stelle ich euch jetzt mal vor. 


Da wäre das schwarze Ogden Cami, eher zurückhaltend und schlicht, könnte man sagen. Dafür aber sehr anpassungsfähig, lässt sich wirklich zu allem kombinieren, jedes Wetter, Rock, Hose, egal, das Top macht alles mit. 


Alle hier vorgestellten Teile habe ich übrigens ohne Verlängerung in Größe 12 zugeschnitten und genäht, da hat sich seit dem letzten Mal nichts geändert. 
Eigentlich ist der Schnitt ja für Webware gedacht, aber ich hatte halt noch so schön fließenden schwarzen Jersey über, der eignet sich perfekt für ein schönes Top, fand ich. Weil es nur ein Reststück von Leggings war, musste ich etwas puzzlen und habe nun eine Mittelnaht im Rückenteil. Das fällt aber bei schwarz ja quasi nicht auf, und weil das Top so locker sitzt, spüre ich es auch nicht. 


Ansonsten habe ich alles gemacht, wie in der Anleitung vorgesehen, also mit Belegteilen genäht und so weiter, keine Jersey-mäßigen Anpassungen gemacht. 
Damit der Ausschnitt nicht zu tief wird, soll immer erstmal nur ein Ende vom Träger befestigt und dann bei einer Anprobe die finale Länge der Träger entschieden werden. Das habe ich hier ganz besonders bedacht, denn die Träger könnten sich ja auch noch ein wenig dehnen, bei dem Material. Bisher sieht aber alles ganz passend aus. 


Zum Glück ist der hintere Ausschnitt dem vorderen bis auf ein paar mm ziemlich ähnlich. Ich hatte nämlich unglücklicherweise das Vorderteil mit Mittelnaht zugeschnitten. Einmal kurz nicht aufgepasst, da war es schon passiert. So trage ich das Top jetzt immer "falsch herum", weil ich die Naht vorne natürlich nicht so gerne haben möchte. Weiß aber nur ich - und jetzt ihr. 


Das Detail mit den gedoppelten Trägern habe ich mir von einem Sport-BH abgeschaut. Gibt dem Ganzen das gewisse etwas, finde ich, und war gar nicht schwer. Ich habe das Top nun schon öfter getragen und mich immer sehr wohl darin gefühlt. Schade ist nur, dass der Stoff überhaupt keine gute Qualität ist und schon pillt. War ein Kauf über Kleinanzeigen und ist deshalb nicht weiter schlimm, aber eben schade. Zum Glück kann ich es ja nochmal nachnähen. 


Die nächste im Bunde ist dieses verruchte Stück. Falls ihr euch fragt, warum ich es nur auf dem Bügel zeige: Der Ausschnitt ist sehr tief. Ich wollte mir für diesen Sommer gerne ein Nachthemd nähen; ein paar Jahre hatte ich mal eines (auch hellblau) das ich sehr mochte, und nun über viele Jahre nicht. Dabei ist das Gefühl recht angenehm, finde ich. Weil ich den Schnitt mag und er so flott genäht ist, hatte ich ihn mir für dieses Projekt auserkoren und wollte ihn einfach verlängern. Passender Stoff war auch da, ein Meter hellblauen Viskose-Leinens schien mir perfekt, denn das Material ist super weich, kühlt angenehm und fließt so schön. Und knittert, wie ihr seht, bügeln war heute nicht drin. 


Neben der notwendigen Verlängerung auf das, was der Stoff maximal hergab (also ein Meter minus der Streifen für die Träger und Ausschnitte) habe ich noch ein wenig mehr abgeändert. Denn für mein Nachthemd wollte ich die Belege gerne eliminieren, das wäre irgendwie unbequem und unschön gewesen, außerdem war der Stoff ja knapp. Stattdessen habe ich alle Ausschnitte mit Schrägband aus dem Stoff eingefasst und bin dabei wie folgt vorgegangen: Ich habe zunächst die beiden Halsausschnitte separat eingefasst, dann die Seitennähte geschlossen. Dann habe ich im Armausschnitt angefangen, diesen einzufassen, und habe den Schrägbandstreifen am Ausschnitt vorbei geführt, dort einfach aufeinandergesteppt und hinten dann wieder angeschlossen. So sind die Träger entstanden und alle offenen Enden verpackt. Kleid gesäumt, fertig war es! Falls ich das nochmal wiederhole, würde ich die Armausschnitte ordentlich nach oben versetzen. Es sitzt so locker, dass da Nachts alles sonst wohin wandert und ich mir morgens was überziehen muss, wenn ich in die Nähe von Fenstern komme. Passend für den Sommer, aber eben auch etwas unpraktisch. 


Die letzte im Bunde ist fröhlicher und eigentlich schon ganz alt. Im Zusammenhang mit dem Umzug habe ich nämlich auch sehr viel sortiert, ausgemistet, verkauft und verschenkt. Unter anderem habe ich die aussortierten Kleider meiner Mutter und mir bei Kleiderkreisel eingestellt und dabei ist auch das ein oder andere Teil in mein Nähzimmerchen gewandert. Entweder, weil es nicht mehr gut genug war um verkauft zu werden, oder, weil ich den Stoff so schön fand, dass ich daraus selbst etwas haben wollte. Und das hier war so ein Kandidat. 


Ein Vorher-Foto könnt ihr am Freitag im Rahmen des Flickenfreitags auf meinem Instagram-Profil sehen. Es war auch vorher schon ein Top, allerdings recht hoch geschlossen, mit breiten Trägern und kleinen Fältchen am Ausschnitt. Nicht wirklich mein Stil, aber das knallige Türkis und die Herzen haben es mir einfach angetan. Ich dachte direkt an das Ogden Cami, auf Grund der beiden Lagen des Ursprungstops. Vorsichtig habe ich also alles auseinander geschnitten um möglichst wenig vom Stoff zu verlieren. Das Schildchen war noch drin, so weiß ich jetzt, dass ich Viskosejersey und Seide trage. Fühlt sich auch beides wirklich toll an!


Auch hier musste ich natürlich ein bisschen tricksen, das Futter ist nun etwas weniger breit als der Außenstoff, da es aber dehnbar ist, macht das gar nichts aus. Die Länge kam so gerade hin, und die Träger konnte ich auch noch irgendwie auf die Restchen auflegen und zuschneiden. Genäht war es dann ganz flott, der Saum war ja bei beiden Lagen schon fertig, so musste ich nur die Seitennähte schließen, beide Teile am Ausschnitt zusammenfügen und die Träger mit einnähen. Aus alt mach neu, in diesem Fall sehr gut gelungen, finde ich. 


Während die letzten beiden Teile erst vor zwei Wochen entstanden sind, gibt es das schwarze Top schon seit dem letzten Jahr. Es wollte aber nicht alleine auf den Blog und hat noch auf Gesellschaft gewartet, hihi. 

So, nun beende ich mal meine Albernheiten hier und schaue, wer noch so dabei ist beim Me Made Mittwoch. 

Happy sewing, 

Julia


24. Juni 2020

Vom Jumpsuit, der gar keiner war {Springinsfeld}

Hallo ihr Lieben,

ich grüße euch aus meinem Garten. Da hänge ich im Moment recht häufig rum, denn zum einen ist es warm und dann draußen am schönsten, zum anderen haben meine Eltern es richtig geschickt gemacht und sind im Urlaub, während sie neuen Rasen bekommen haben. Jemand darf nun also zwei Stunden morgens und Abends den Sprenkler laufen lassen ... nunja, es gibt auch deutlich schlimmeres, schätze ich. Und so habe ich nun die Zeit, hier zu sitzen und mal wieder einen Blogbeitrag zusammenzuschreiben. 


Wenn das mal nicht ein Aufhänger-Bild ist, oder? So viel Freude, weil es nämlich einen neuen Schnitt von Lotte&Ludwig gibt: Den Springinsfeld Jumpsuit. Noch mehr Freude, weil ich zum ersten Mal zusammen mit einer lieben Freundin Probegenäht habe. Das hat dann noch eine ganz andere Note als das Probenähen an sich: Es ist genauso aufregend, leicht stressig, aber eben auch verbindend und interaktiver. Wir haben gemeinsam Stoff ausgesucht, und weil sie noch nicht so lange näht, habe ich auch immer mal wieder mit ein wenig Rat zur Seite gestanden. Das hat mir jedenfalls gut gefallen, vor allem das gemeinsame Foto Shooting am Ende. Gerne wieder, meine Liebe!


Ich habe ja schon ziemlich viele Schnitte von Svenja, dem kreativen Kopf hinter dem Label Lotte&Ludwig genäht. Sie trifft einfach immer wieder genau meinen Geschmack, ihre Anleitungen sind übersichtlich und verständlich und sie ist eine super nette Person. In den Probenähgruppen findet immer ein so freundlicher und motivierender Austausch statt, da freue ich mich jedes Mal wieder, wenn ich dabei bin. Als ich ihre erste Version des Schnittes sah, war ich sofort Feuer und Flamme. Locker, Leinen, Lässig. Oh ja, genau meins!


Ziemlich schnell hatte ich ein Bild vor Augen, wie mein Jumpsuit aussehen sollte. Ich wollte Leinen, weil ich das Material sehr schätze auf Grund seiner kühlenden Eigenschaften und Bequemlichkeit, aber auch wie einfach es zu verarbeiten ist und wie langlebig. Und dieses Leinen sollte bitte olivgrün sein. Und damit stand ich dann erstmal vor einem Problem. Für den Schnitt eigent sich Viskose-Leinen am besten, reines Leinen könnte auch schnell mal zu steif sein. Bei Stoff&Stil gab es genau den Farbton, den ich im Kopf hatte, aber alles war ausverkauft, selbst meine zweite Wahl. In drei Geschäften vor Ort gab es entweder gar kein Leinen in Grüntönen, oder sehr blasse Farben, die mir auch nicht zusagten. Wir waren ja wie erwähnt zu zweit auf Stoffsuche und hatten schon eine online Bestellung aufgegeben, aus der Not heraus. Da kam dann aber die Nachricht, dass der Versand aktuell bis zu 14 Tagen dauert. Zu lange für die Deadline beim Probenähen. 


Und dann wurden wir zum Glück noch bei Stoffe Volkermann fündig. Da hätte ich mal direkt schauen sollen, eigentlich haben die immer etwas, was mir gefällt. Und noch dazu ziemlich gute Qualität, was sich dann auch am Preis bemerkbar macht. In dem Moment war mir das dann aber auch egal, ich wollte jetzt endlich den Stoff haben und loslegen können, also habe ich mir das reine Leinen für 18 € den Meter eingepackt. Drei Meter sind es geworden, obwohl der Schnitt nur 2,5 verlangt, denn ich hatte Pläne. Und ich bin groß, da kann man auch besser auf Nummer sicher gehen. Normalerweise kann ich die benötigte Stoffmenge gut einschätzen, aber hier haben mir die abgefahrenen Schnittteile für die Träger keine Möglichkeit gegeben, das vorher zu wissen.


Der Schnitt besticht durch viele gut durchdachte Details: Das Oberteil mit Knopfleiste wird mit Belegen versäubert, entweder wie bei Jerseyshirts und Bündchen, Beleg zur Hälfte gebügelt dran, oder aufwändig, wie bei Blusen und Kragensteg oder Manschetten, also erst eine Seite dran, dann umbügeln und die andere Seite. Ähnlich wie Schrägband, eigentlich. Ich habe die aufwändige Variante gewählt weil ich so etwas schon oft gemacht habe und es von innen ordentlicher aussieht. 
Die Träger sind ein wenig das Herzstück des Schnittes und sorgen für den außergewöhnlichen Look. Damit alles gut sitzt, wird übrigens dringend ein Nesselteil empfohlen, was ich auch gemacht habe (da hatte ich einen anderen BH an, dessen Träger auch komplett verdeckt wurden. Der hier sitzt nicht so gut ...). Dadurch lassen sich direkt notwendige Änderungen erkennen und Enttäuschungen vermeiden. Ich habe zum Beispiel bei der Hose schon beim Nesselteil 1,5cm Leibhöhe hinzugegeben und das Oberteil verlängert. Trotzdem musste ich an der Hinterhose die Schrittnaht noch um einen Zentimeter erweitern und hätte auch das Oberteil breiter machen müssen, aber das ist im Rahmen des Probenähens noch geschehen, sodass ich mir das sparen konnte. Außerdem konnte ich durch das Probeteil abschätzen, wie sehr ich die Hosenbeine verlänern  muss (10cm). Ich habe im übrigen im Oberteil eine 42 und in der Hose eine 44 genäht, getreu meinen Maßen. Zwischen verschiedenen Größen zu wechseln ist bei diesem Schnitt kein Problem, das kann man einfach leicht auslaufen lassen zum Bund hin. 


Im Schnitt sind für die Hose Leistentaschen vorgesehen, seitlich genauso wie hinten. Die seitlichen habe ich auch so genäht, aber die hinteren habe ich weggelassen. Nicht, um mir die Arbeit zu sparen (obwohl Leistentaschen echt fummelig sind, sauer darüber war ich also nicht ...) aber ich mag Leistentaschen auf dem Po einfach nicht. Die stehen oft ungünstig auf, der Taschenbeutel schlabbert komisch in der Hose herum und auf so viel Fläche sieht es oft unproportional aus, wenn da nur eine schmale Leiste zu sehen ist. Vielleicht ist das bei kleineren Größen (und Hinterteilen, hehe) anders, aber bei so einer hohen Hose ist das schon viel Raum, der gefüllt werden will, finde ich. Deshalb habe ich mich für aufgesetzte Taschen entschieden. 


Noch ein Vorteil des gemeinsamen Nähens: Es lässt sich wunderbar herumalbern!


Ihr seht, der Jumpsuit macht alles mit :) Ich hatte ihn auch an meiner Geburtstagsfeier an und habe dafür ganz viele liebe Komplimente bekommen, was mich sehr stolz gemacht hat. Ist ja schon eher ein außergewöhnlicher Schnitt und an hohe Hosen taste ich mich ja gerade erst heran, also schön zu hören, dass es nicht nur mir gefällt. 


Total spannend finde ich auch zu sehen, wie unterschiedlich der Schnitt an uns wirkt. Ich bin ein gutes Stück größer und auch breiter, trotzdem finde ich, das wir beide gut angezogen sind. Während ich mich für knöchellange Hosenbeine entschieden habe, hat sie die Wadenlange Version gewählt, um nicht drin zu ertrinken, bildlich gesprochen. Der helle Stoff hat auch einen ganz anderen Look als mein dunklerer. So ein Probenähen ist wirklich praktisch, um alle Facetten von einem Schnitt entdecken zu können! Ich muss auch erwähnen, dass ich sehr stolz bin auf ihr Ergebnis. Gerade ein gestreifter Stoff ist wirklich nicht einfach zu händeln, aber mit den Streifen hat sie wunderbar gespielt. Und trotz des leichten Zeitdrucks, der bei einem Probenähen immer im Hintergrund ist, hat sie es super hinbekommen und sich durch die Anleitung gewurschtelt. Ich hätte mir den Schnitt definitiv nicht zugetraut, als ich auf ihrem Stand war, als: Hut ab. Oder auf?


Wie immer bei Lotte&Ludwig sollte auch dieser Schnitt mit einigen Varianten daherkommen. Svenja hatte schon zu Anfang erwähnt, dass es auch die Möglichkeit gibt einen Zweiteiler zu nähen, und spätestens da war ich dann Feuer und Flamme. Denn eine Hose in diesem Stil wollte ich sowieso für den Sommer nähen, einen schlichten, etwas längeren und geknöpften Rock auch und alles davon einzeln tragen zu können, wie perfekt ist das denn! Trotzdem hatten Oberteil und Hose erstmal Priorität, mit meinen 3m Stoff war ich ja doch eher auf der knappen Seite. Vor dem Zuschnitt dachte ich noch, dass es niemals passen würde, aber dann habe ich ziemlich gut gepuzzlet; und obwohl ich alle Belege auch aus dem Außenstoff zugeschnitten hatte (eigentlich war dafür ein Futterstoff angedacht, aber ich wollte nicht, dass dieser herausschaut) war es mir noch möglich, zumindest einen halblangen Rock zuzuschneiden. 


Allerdings auch nur in einer ganz einfachen Variante: Vom übrig gebliebenen Stoff habe ich einen Streifen für den Bund abgeschnitten, dann die offenen kurzen Kanten zu Knopfleisten umgenäht. Den Bund gekürzt auf die passende Länge, den Rock oben gekräuselt, Bund drum, unten gesäumt, fertig. Keine Taschen, was mir sehr schmerzt, sehr gerne hätte ich große aufgesetzte Taschen gehabt. Aber vielleicht fahre ich dafür einfach nochmal in den Stoffladen und hole mir 20cm davon ... das geht ja nachträglich noch. 
Und somit habe ich ein Oberteil, eine Hose und einen Rock aus 3 Metern Stoff genäht. Alles lässt sich miteinander, aber auch mit 80% meines Kleiderschrankes kombinieren. Wenn ich in den nächsten Tagen mal die Muße (und vor allem Zeit!) habe, werde ich ein paar mögliche Outfits festhalten. 
Übrigens habe ich vergessen, das Oberteil zu verlängern, wenn ich mich nun also mehrfach vorbeuge, rutscht es doch hinten aus dem Rock oder der Hose heraus. Kein Drama, aber ärgerlich, denn es shoppt sich auch nicht ganz so sehr über den Bund, wie es gedacht ist. Muss ich den Schnitt wohl nochmal nähen ... 

Den gibt es übrigens als Ebook und Papierschnitt bei Svenja im Shop. Wenn ihr noch mehr Inspiration sucht, schaut unter dem #springinsfeldebook bei Instagram oder in der Lotte&Ludwig Facebook Gruppe, da werden oft nach der Veröffentlichung alle Beiträge geteilt. Es lohnt sich, den Schnitt näher zu betrachten, es ist wirklich ein schönes Projekt mit so viel Hilfestellung. Verschiedene Rockvarianten werden kurz vorgestellt, Varianten der Hose und unglaublich viele Schnittanpassungen werden erklärt, sodass das fertige Teil eigentlich nur gut sitzen kann. Soweit ich weiß haben selbst die verzweifeltsten Probenäher am Ende ein passendes und schönes Teil genäht, egal wie viele Anpassungen nötig waren. Wenn das mal kein Erfolgserlebnis ist. 


Zum Schluss noch ein Danke: An euch, fürs Durchhalten, da sind ja doch viele Worte aus mir herausgesprudelt, an E. fürs gemeinsame Nähen und an V. für die schönen Bilder. Nähen verbindet, und ich bin sehr glücklich darüber. 

Happy sewing, 

Julia

3. Juni 2020

Blaues Basic Shirt im Lost Place

Hallo ihr Lieben,


es war eine Weile still hier, genau genommen einen Monat. Der Umzug ist erfolgreich absolviert, aber hat auch viele Veränderungen mit sich gebracht. Der Arbeitsweg ist länger, wodurch der Tag gefühlt weniger Stunden hat, und natürlich ist unendlich viel zu tun im neuen Heim. Die wenige Freizeit, die mir da noch für mich bleibt, nutze ich lieber fürs Stricken und Nähen als um darüber zu schreiben. Denn ersteres ist für mich Akku aufladen, Erholung und Entspannung, das Bloggen ein netter Zusatz, der mir aber nicht so viel bringt. Noch dazu ist ja die Interaktion auf Blogs weiterhin im Rückzug, was ich traurig finde, aber andersherum auch gut verstehen kann. Ich tippe auch lieber flott eine Antwort auf Instagram anstatt auf einem Blog erstmal umständlich Namen, Website und Email anzugeben damit ich dann einen Kommentar hinterlassen kann. Der soll dann natürlich auch aus mehr bestehen als nur zwei Worten, also lese ich auch oft, ohne zu reagieren. Deshalb kann ich niemandem da etwas vorwerfen, aber schade ist es schon. Ich bin jedenfalls in all den Jahren des Bloggens das erste Mal soweit, zu hinterfragen, ob und wie lange ich das noch machen möchte. Aber erstmal geht es weiter, allein schon, weil es für mich eine tolle Möglichkeit ist, meine eigenen Projekte festzuhalten.

So, nun aber zum Handwerk!



Mitgebracht habe ich heute ein eher "langweiliges" Projekt. Dafür ist die Location ein ausgleichender Inhalt, denke ich. Und, so langweilig diese Basics auch zu nähen und zu zeigen sind, sind es doch die Stücke, die in Dauerschleife getragen werden, zu allem passen und sich so gut im Kleiderschrank machen. Also müssen sie definitiv auch gezeigt werden, diese Alltagshelden!
Ich habe mir aus einem schönen hellblau melierten Jersey den ich auf irgendeinem Reste-Ständer im Stoffladen fand ein einfaches Shirt genäht. 


Der Schnitt kommt aus dem Buch "Alles Jersey - Shirts und Tops" und wird vermutlich mein Standard-Schnitt für T-Shirts dieser Art werden. Es ist jetzt schon das vierte, welches ich aus diesem Schnittmuster mache, und ich trage sie alle unglaublich gerne. 
Dieses bestimmte T-Shirt ist ein Ersatz für ein altes Kaufshirt, dass ich viele Jahre sehr geliebt habe. Es sitzt zwar etwas anders, deutlich lockere und ist auch dünner, aber die Farbe war es, die ich daran so mochte. Ich habe es deutlich länger angezogen als ich wollte, einfach, weil sich kein Ersatz fand. Da habe ich über Pilling großzügig hinweg gesehen.


Aber wie so oft hat sich das Warten bezahlt gemacht und der passende Stoff lief mir über den Weg. Nun ist das alte Kaufshirt zum Sportshirt degradiert worden und darf dort seinen Ruhestand genießen, bevor es irgendwann vollständig ausgedient hat. Und für den Alltag habe ich mir meinen neuen Helden kreiert.


Entstanden sind die Bilder bei dem Besuch eines Lost Places. Das ist ein super spannendes Hobby, bei dem verlassene Gebäude besucht werden. Zusammen mit zwei Freundinnen mache ich dies ab und an, und beim letzten Mal ließ ich den Gedanken fallen, dass diese verfallenen Häuser teilweise super wären um dort Bilder zu machen. Beide stimmten mir zu, und so habe ich für diesen Lost Place dieses Outfit gewählt und die Kamera mitgenommen. Die entstandenen Bilder mag ich sehr, mein liebstes findet ihr auf Instagram. Ich würde es auch gerne hier zeigen, habe es aber irgendwie in den Tiefen meines Computers vergraben und finde es gerade nicht wieder. 


Zum Shirt trage ich übrigens gekaufte Jeans, Second Hand geshoppte Schuhe und meinen selbst gestrickten Cardigan

Der Beitrag wird wie immer am ersten Mittwoch im Monat beim Me made Mittwoch verlinkt, wo es noch viel tollere selbstgeschneiderte Kleidung zu sehen gibt. 

Happy sewing, 

Julia

6. Mai 2020

Wolle und Stoff, alt und neu

Hallo ihr Lieben,

ich will euch mal direkt zu Beginn  mit einer Frage überrumpeln: Lasagne lieber frisch oder aufgewärmt am nächsten Tag? Der Freund hat da einen ganz klaren Favoriten (nächster Tag), wohingegen ich für beide Geschmäcker einen Platz in meinem Herzen habe. 

Was Lasagne nun mit Kleidung zu tun hat, denn darum geht es ja auf dem Blog? Naja, ich wollte mit dieser schicken Metapher den Bogen schlagen zu einer Feststellung: Es muss ja nicht immer etwas neues sein, etwas älter und nochmal aufgewärmt tut's auch. 


Im Moment läuft in der Nähwelt ja der Me Made May, also angezettelt von Sozoblog die weltweite Aktion, so viel selbstgemachtes wie möglich zu tragen, dabei steckt aber jeder Teilnehmende seine Bedingungen selbst. Ich nehme auch wieder daran teil und zeige täglich meine Outfits auf Instagram. Dabei schaue ich natürlich auch bei anderen vorbei und stelle fest, wie inspirierend und schön es ist, all die Kombinationen zu sehen, ganz alltägliche Situationen. Das geht so oft mal unter, weil natürlich die neuen Teile irgendwie interessanter sind und geteilt werden wollen. So geht es mir zumindest, ich freue mich immer sehr, wenn ich etwas neues vorstellen kann. 


Heute komme ich also mit einer Kombination aus alt und neu daher, der Mittelweg, sozusagen. Und nehme mir außerdem wie so oft vor, häufiger mal ältere Kleidungsstücke zu zeigen. Dann lässt sich dazu ja auch viel mehr sagen, was Passform und Qualität angeht, eigentlich also sogar ein viel fundierterer Bericht. 


Neu ist das Musselintuch, meine neue große Liebe. So schnell gemacht, kuschelig, groß, immer und zu allem passend. Es ist bereits mein zweites, und ich hätte gerne noch eins in senfgelb, rostrot, schwarz und vielleicht oliv. Aber das eilt nicht, das gehe ich ganz gemütlich an und warte ab, bis mir der richtige Stoff über den Weg läuft. War hier schließlich auch so, den satt dunkelblauen Stoff habe ich über ebay Kleinanzeigen gekauft. 


Ein Quadrat von 1,4x1,4 Metern war es, perfekt für meinen Plan. Im Gegensatz zum letzten Tuch habe ich es mir hier noch viel einfacher gemacht und nur einmal mit der Overlock rundherum gerattert, fertig war das Tuch. Ich weiß, dass es auch einen Rollsaum gibt, aber dafür hätte ich eine Nadel rausnehmen müssen und der passende Inbusschlüssel war gerade nicht zur Hand, also musste ich auch gar nicht lernen, wie Rollsaum geht. Bei einem der nächsten Tücher wird es dann aber was, bestimmt. 


Ich weiß, dass viele die Quadrate diagonal teilen und somit zwei Tücher daraus machen. Weil ich es aber gerne massig mag um den Hals, falte ich das Rechteck einfach nur diagonal und habe so viel mehr Material um den Hals. Hachja. Also dafür, dass ich hier nur ein einfaches Tuch beschreibe, habe ich schon ganz schön viel geschrieben!

Darunter trage ich zu einer sehr alten gekauften Jeans übrigens meinen Herzchenpullover nach einer Anleitung von Stichfest.


Der ist nun schon einige Jährchen alt und wird immer noch mit Begeisterung getragen. Allerdings hat sich der Halsausschnitt etwas verändert. Offenbar ist mein Hals doch ein wenig zu mimimi für Sockenwolle, sodass ich nachträglich den Halsausschnitt etwas weiter gemacht habe. Das war nicht viel Arbeit, hatte aber einen sehr angenehmen Effekt und außerdem dazu geführt, dass ich den Pullover jetzt auch ohne Bluse drunter tragen mag...


Auf den ersten Blick sieht er nach langweiligem grauen Pullover aus, aber haha, das täuscht! An den Seitennähten findet sich eine Reihe hübscher Lace-Motive, und im Nacken das kleine Herzchen-Detail, das ich sehr mag. 


Viel mehr habe ich jetzt auch gar nicht zu erzählen. Außerdem sind meine Gedanken ein bisschen an der Lasagne hängen geblieben, vielleicht muss ich bald mal wieder eine kochen. 


Ganz viel andere schöne, selbstgemachte Kleidung gibt es wie immer am ersten Mittwoch auf dem Blog vom Me Made Mittwoch!


Happy knitting, happy sewing, 

Julia

14. April 2020

Gefütterte Lederjacke aus alten Jacken

Hallo ihr Lieben,

endlich konnte ich mir mal ein wenig Zeit freischaufeln um diesen Blogbeitrag zu verfassen. Im Moment ist bei mir einfach irre viel los, der Umzug naht mit großen Schritten und auf der Baustelle ist noch immer so viel zu tun. Da war in den letzten zwei Wochen neben Arbeiten, Essen und Duschen eigentlich keine Zeit mehr für irgendetwas anderes. Mittlerweile haben wir aber gut vorgearbeitet, sogar die Wohnung ist schon halb leer. Hoffentlich wird es jetzt also ein wenig entspannter. Ich habe schon eine Woche nicht gestrickt, das fühlt sich unglaublich seltsam an und ist mir noch nie passiert. 
Es kann gut sein, dass es auch in den nächsten Tagen ruhig bleibt hier auf dem Blog. Keine Ahnung, wie das mit dem Internet so klappt, ihr kennt das sicherlich. Und wenn wir erstmal drin sind im Haus gibt es ja auch weiterhin viel zu tun ... also wundert euch nicht. 

Soweit zum Prolog, kommen wir mal zur Sache, das interessiert euch ja auch gar nicht so sehr.



Ich habe mir ein Motorrad gekauft! Okay, Spaß beiseite, auf die Idee würde ich nie kommen. Aber es stand so schön passend da, fühlte sich als genau das passende Foto Zubehör an zu meiner Jacke, da musste ich ein schnelles Bild knipsen (lassen). Der Freund hat mich davon abgehalten, auf die Maschine zu steigen. Vermutlich auch besser so, bei meiner Tollpatschigkeit, und ist ja auch einfach fremdes Eigentum.


Da erzähle ich euch was von zur Sache kommen und tue es doch nicht. Verrücktes Huhn ich. Also gut, auf den Bildern seht ihr ein Projekt, das mich seit langem mal wieder so richtig herausgefordert hat. Entstanden ist es beim Probenähen für Lotte & Ludwig, also handelt es sich bei dem Beitrag, den ihr lest, um Werbung, denn ich habe für den Schnitt ja nichts bezahlt. Der Aufruf zum Probenähen kam genau im passenden Moment um die Ecke, denn für zwei Hochzeiten im Sommer (die hoffentlich stattfinden werden...) habe ich mal wieder geplant, mir mein Outfit selbst zu nähen, und für oben drüber wollte ich gerne eine kurze Jeansjacke nähen (Also, am Körper kurz, nicht an den Armen. Das sähe ja ganz furchtbar seltsam aus). Der Schnitt ist im Prinzip ein klassischer Jeansjackenschnitt mit allen bekannten Details: Seitentaschen, Kragen, vielen Absteppungen, Manschetten, Brusttaschen.


Neben der klassischen und ungefütterten Variante gibt es aber auch die Möglichkeit, die Jacke zu füttern, ganz 80er Jahre mäßig mit Teddyfell zum Beispiel. Und natürlich eignen sich neben Jeans auch alle anderen festen Stoffe, zum Beispiel Cord, Canvas, Oilskin oder auch Leder. Ha, Leder! So kommen wir wieder zurück zu meiner speziellen Jacke. Nachdem für mich ja schon feststand, dass ich eine kurze Jacke aus Jeans nähen wollte, habe ich überlegt wie eine gefütterte Variante für mich aussehen könnte. Nochmal Jeans war mir zu öde, mit Cord stehe ich auch ein wenig auf Kriegsfuß. Durch ein anderes Projekt hatte ich vor kurzem über Dinge nachgedacht, die ich aus alten Lederjacken nähen könnte und so hat sich wohl die Verbindung in meinem Gehirn gebildet, zack, ich wollte eine gefütterte Lederjacke. Und weil ich Leder als Material toll finde, aber nichts kaufen möchte wofür ein Tier seine Haut hergeben muss, habe ich mich auf Kleinanzeigen nach gebrauchten Jacken umgeschaut. Denn noch trauriger, dass eine Kuh, ein Lamm oder sonst irgendein Wesen stirbt finde ich ja, wenn das daraus entstandene Produkt auf den Müll landet und nicht genutzt wird. Deshalb kann ich guten Gewissens Leder Second Hand verarbeiten.


Nach einiger Sucherei habe ich zwei Jacken von ein- und derselben Verkäuferin gefunden, die dann auf meine Bitte hin die Lederarten verglichen hat. Sie sagte, dass sie sich recht ähnlich seien, was mir ausreichte. Für zwei Jacken in XL habe ich mit Versand 22€ bezahlt, Teddystoff und Knöpfe kamen neu dazu, weil auf Grund des Probenähens ja die Zeit ein wenig eilte, sonst hätte ich es auch hier Second Hand versucht. Außerdem dachte ich mir zu dem Zeitpunkt schon, dass die Geschäfte bald schließend werden und hatte so ein "jetzt noch schnell"-Gefühl, was sich bestätigt hat.


Bei so komplizierten Projekten und vor allem beim Probenähen macht es immer Sinn, ein Nesselteil zu nähen, also aus günstigem Stoff die Stücke einmal grob zusammenzutackern. Details wie Taschen und Kragen kann man weglassen, auch reicht oft ein Ärmel aus. Das habe ich in diesem Fall gemacht und daraufhin beschlossen, dass eine 42 für mich gefüttert passen sollte. Damit bin ich aber eher auf der knapperen Seite gelandet, gerade über der Brust spannt es schon ein wenig. Ich hoffe, dass das Material sich da noch ein wenig nachgiebig zeigt; aber wenn ihr dicken Außenstoff und Teddyfutter habt nehmt lieber eine Nummer größer, das passt ja auch ganz gut zur Gesamtoptik.


Bisher klingt alles recht geschmeidig, oder? Tja, ich will ja keine Tatsachen hier verschleiern, also mal Butter bei die Fische. Ich habe mit der Futterjacke begonnen; denn durch die kurze Version kannte ich das Schnittmuster schon und konnte das Futter recht flott runterrattern. In der Probenähgruppe hatten viele berichtet, dass es in ihren Nähecken (oder -zimmern) aussehe, als hätten sie einen Teddybären brutal zerstückelt. Daraufhin habe ich direkt nach dem Zuschnitt alle Teile einmal unter der Overlock durchgezogen. Damit ging es wirklich gut und ich habe kaum Fussel entdeckt.


Nach der Futterjacke kam dann der Zuschnitt der Außenjacke, und da habe ich wirklich gekämpft. Zuerst mussten ja die beiden Jacken zerlegt werden. Ich habe das Futter entfernt und dann vorsichtig entlang der Nähte geschnitten. Bei manchen Stoffen lohnt es sich vielleicht, die alten Nähte aufzutrennen; bei Leder sieht man aber die Einstichstellen und kann diese Bereiche sowieso nicht wiederverwenden, also habe ich mir die Mühe gespart. Ich hatte dann je Jacke die Ärmel, Vorderteile, Rückenteile, Passen und Krägen. Und was habe ich gepuzzlet, um daraus alle benötigten Teile für die Jacke herauszuschneiden! Ein paar Details waren mir nämilch wichtig: Ich wollte gerne eine Rückennaht übernehmen und so wenig schiefe Nähte wie möglich einbauen. Am Ärmel habe ich zum Beispiel eine Quernaht, die nicht durch den Schnitt entstanden ist, sondern weil ich die Schnittteile so auflegen musste das eine alte Naht übernommen wurde. Der Saum sollte auch möglichst nicht gestückelt werden müssen, ebenso wie die Manschetten. Es war ein Kampf, hat aber am Ende geklappt.


Auch das Nähen selbst war kein Spaziergang. Ich bete meine alte Pfaff ja für ihre Robustheit an, aber hier sind wir gemeinsam an unsere Grenzen gegangen. Wir haben im Nachtdienst genäht, was das Ganze nochmal erschwert hat, da bin ich nämlich zum einen unmotivierter, zum anderen einfach nicht so konzentriert. Aber tagsüber ging es nach dem Schlafen direkt auf die Baustelle, also musste die Nacht herhalten. Zwei Nächte mit je 5-6 Stunden war ich beschäftigt bis endlich das Futter drin war, zu Hause musste dann nur noch der Saum abgesteppt und die Knöpfe befestigt werden. Aber bis ich an diesem Punkt war, habe ich einiges an Nerven gelassen. Die vielen Lagen Leder haben meine Maschine wirklich heiß laufen lassen und ich bin stolz, dass nur eine Nadel gebrochen ist.


Natürlich kann Leder auch nicht gebügelt werden, damit die Absteppungen schön werden  musste ich also sehr langsam arbeiten und den Stoff immer richtig drücken und ziehen. Auch das war am Ende wirklich anstrengend. Am schwierigsten waren die Stellen, wo ich Nähte der Ursprungsjacken übernommen hatte. Die trafen dann im schlimmsten Fall auf neue Nähte und mussten abgesteppt werden ... ich habe sehr viel am Handrad gedreht bei diesem Projekt. Noch ein Aspekt, der das Nähen für mich weniger erfreulich gemacht hat: Die Jacken hatten einen Eigengeruch. So wie manche Sachen aus Second Hand Läden, die riechen einfach so fremd, die muss ich mehrmals waschen bis ich mich darin wohlfühle. Versteht ihr, was ich meine?


Neben den Seitentaschen, die dann doch einfacher waren als gedacht, habe ich mich bei den Brusttaschen für die Fake-Variante entschieden. Unter den Taschenklappen befindet sich also nichts. Hierzu hatte ich eine lustige Unterhaltung mit einem Kollegen, der sich darüber mokierte. Ich habe dann geäußert, dass man doch sowieso nichts in solche Taschen packt, woraufhin er entgegnete, dass er immer sein Portemonnaie oder Schlüssel dort verstaut. Ich habe mich dann korrigiert, das "Frau" Brusttaschen nicht nutzt, er hat dann eingelenkt, das würde vermutlich komisch aussehen, so einseitig ausgebeult.



All meine Mühen haben sich aber gelohnt, ich bin sehr glücklich mit meiner Jacke und habe sie auch schon ein paar Mal getragen bevor es so plötzlich und übergangslos Sommer wurde. Mittlerweile ist es wieder etwas frischer, vielleicht habe ich also noch ein paar Möglichkeiten die Jacke auszuführen bevor es zu warm dafür wird. Aber dann kann ich ja die andere aus dem Probenähen entstandene hervorholen. 

So, nun die hilfreichen Links für euch zum Schluss: Zur Jacke trage ich komplett selfmade: Da wäre die Jeans und hier das Shirt. Die Draufgängerin gibt es als Ebook und Papierschnitt, viele weitere Beispiele findet ihr auf Instagram unter #draufgängerebook oder in der Facebookgruppe von Lotte und Ludwig. Aktuell läuft noch das Probenähen für die Kinder-Variante, danach wird es noch eine für Herren geben und am Schluss dann sicherlich ein Gesamtpaket der Schnittmuster, falls ihr eure ganze Familie einkleiden wollt. Die Anleitung führt euch da auf jeden Fall sehr detailliert durch, wenn ihr also auf der Suche nach einer kleinen Herausforderung seid: Los geht's!


Happy sewing, 

Julia

3. April 2020

Flickenfreitag im April - Inspiration

Hallo ihr Lieben,

na das fängt ja schon mal gut an mit meiner mir persönlich gestellten Vorhabe, jeden Monat passend zur Linkliste ein Tutorial zu posten. Im April muss es leider ausfallen; es ist einfach zu viel los bei mir. Aktuell bestehen meine Tage aus Baumarkt, Baustelle, Arbeit und Haushalt. Ich habe seit vier Tagen nicht gestrickt und noch länger nicht genäht ... da konnte ich leider nichts für euch vorbereiten. 

Deshalb lasse ich euch einfach ein bisschen Inspiration da, so könnt ihr vielleicht neue Ideen bekommen. Der #flickenfreitag auf Instagram ist da zum Beispiel eine Möglichkeit, es gibt aber noch viele weitere Hashtags, zum Beispiel #reparierenstattwegwerfen oder im Englischen #mendingmatters. Alle Links die zu Instagram führen könnt ihr übrigens auch ohne Konto dort durchstöbern. Super interessant ist auch der Feed von froh.natur, die sich sehr viel mit Kunststopfen beschäftigt. Ihr Ebook steht bei mir schon lange auf der Liste, aber ich kaufe mir Ebooks immer erst, wenn ich auch Zeit habe mich damit zu beschäftigen, und ich erwähnte ja oben schon ...

Ich hoffe, ihr hattet mehr Zeit ein geliebtes Teil wieder aufzuwerten?


Happy mending,

Julia




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1. April 2020

Wanda - La Maison Victor

Hallo ihr Lieben,

für den heutigen Blogpost habe ich echt alles gegeben. Die Arbeit ist auf Grund der aktuellen Situation gerade sehr gewöhnungsbedürftig, die Renovierungsarbeiten zusätzlich eine große Menge zu tun. Trotzdem wollte ich unbedingt beim Me Made Mittwoch dabei sein. Die Bilder habe ich kurz nach Sonnenaufgang am Dienstag gemacht, den Text hier schreibe ich jetzt am späten Dienstagabend. Wer genau hinschaut, sieht den Frost auf den Bildern, ich habe ganz schön gebibbert! Aber, wer schöne Blogposts will, muss leiden. 


Mein Outfit besteht aus einem schon etwas älteren Picea Cardigan, den ich immer noch häufig trage und super gemütlich und kombinierbar finde. Dazu das Musselintuch, auch so ein Allrounder, allein schon wegen der Farbe. Neu ist das untendrunter. 


Bei diesem Kleid hat alles mit dem Stoff angefangen. Vor einiger Zeit habe ich bei Instagram gefragt, ob jemand Sockenwollreste abzugeben hat, aus denen ich so gerne Babysöckchen stricke. Daraufhin meldete sich Christiane bei mir und wollte direkt auch ein paar andere Stoff- und Wollreste an die Frau bringen. Da habe ich nicht nein gesagt, ich liebe es einfach aus Resten noch etwas schönes zu machen, das motiviert mich viel mehr als ein neuer Stoff oder Wolle. Mit dabei waren diese 1,6m Streifenjersey in grau weiß. Von der Haptik sehr schön, weich fallend und hochwertig. 


Deshalb sollte es ein Kleid werden, für ein Shirt viel zu schade. Konkrete Pläne hatte ich nicht sofort, dachte an ein simples T-Shirt Kleid mit kurzen Ärmeln. Als ich dann aber den Stoff anpackte und loslegen wollte, widerstrebte es mir aus unerfindlichen Gründen. Kurz zuvor hatte ich alle meine Schnitte bei Pinterest katalogisiert, auch die aus Zeitschriften. Dabei war ich auf Wanda aus der La Maison Victor 05/16 gestoßen, ein Kleid, das ich schon seitdem ich die Zeitschrift habe gerne nähen wollte. Problemchen: 2,5m Stoff wurden gefordert. Ich weiß ja, dass ich echt gut bin im Schnittmustertetris, also möglichst wenig Stoff verschwenden und alles platzsparend zuschneiden, aber einen ganzen Meter weniger? Hui, da wurde mir glatt ein bisschen flattrig. Trotzdem habe ich es gewagt, den Schnitt in Größe 40 abgepaust (ohne Verlängerung wie sonst üblich) und tatsächlich habe ich alles zugeschnitten bekommen. 


Okay, die Bindebänder sind gestückelt und der Beleg am Hals ist aus einem anderen Stoff, aber beides sind Eigenschaften, die mich absolut nicht stören. Das Nähen war dann mal wieder spannend. Für mich liegen die Anleitungen der La Maison Victor ja relativ mittig zwischen Burda und Indie Schnitten. Zwar mit deutlich mehr Bildern und ausführlicher, aber einen Fehler finde ich eigentlich immer und irgendwie gibt es oft Stellen, die mir unklar sind. So auch hier: In der Anleitung wurden die Bindebänder einlagig verarbeitet, im Zuschneideplan aber doppelt zugeschnitten. Ich habe dann letztendlich das gemacht, was ich persönlich besser fand, und zwar ordentliche Bindebänder. Klar, bei Jersey wäre einlagig auch kein Problem gewesen, die Enden hätten sich eingerollt und nix würde ribbeln, aber trotzdem widerstrebt es mir sehr. 


In der Konstruktion erinnert mich das Kleid ein wenig ans Kielo Wrap Dress mit seinen seitlichen Flügelchen, die durch das Binden erst für den schönen Effekt des Kleides sorgen. Etwas fummeliger zu nähen waren sie, dafür gibt es durch die Streifen einen spannenden Versatz dort. Achso, und einen V-Ausschnitt hat das Kielo natürlich auch nicht, wobei der ja recht einfach abzuändern ist. 


Entgegen meiner Befürchtungen finde ich die Länge des Kleides gut, so wie sie ist. 5cm mehr hätten sicherlich auch nicht geschadet, aber ich finde es auf jeden Fall nicht zu knapp. Mal sehen, wie es im Sommer ohne Strumpfhose wird. Auch die Ärmellänge passt mir so gut. Alle Säume habe ich mit der Zwillingsnadel abgesteppt nachdem ich die Kanten mit der Overlock versäubert habe. Das war übrigens das erste Kleidungsstück, was ich mit Hilfe der Overlock genäht habe! Super spannend und wird mir alleine deshalb in Erinnerung bleiben. 


Der Halsausschnitt wird mit einem Beleg versäubert. Mehr eigentlich nicht. Ich habe nur die Stirn gerunzelt, finde ich doch so schmale Belege schon bei Webware schwierig, aber bei Jersey? Meine Befürchtungen haben sich dann bei der ersten Anprobe bestätigt, der Belege macht was er will und purzelt munter bei jeder Bewegung aus dem Ausschnitt heraus. Ich habe dann mal was neues ausprobiert, anstatt ihn einfach festzusteppen habe ich per Hexenstich den Beleg innen im Kleid befestigt. Diesen Stich sollte ich laut Anleitung nämlich für die Säume nehmen, da fand ich es sinnvoll, ihn auch am Ausschnitt anzuwenden. Bisher habe ich das noch nie gemacht, vielleicht liegt es also an fehlender Übung, aber: Unsichtbar finde ich das nicht, es gibt schon kleine sichtbare Spuren rundherum am Ausschnitt. Auf den Bildern fällt es mehr auf als in Bewegung, aber es hat mich dann doch ausreichend gestört, als dass ich es bei den Säumen nicht mehr wiederholt habe. Vermutlich auch etwas, das bei Webware oder dickeren Stoffen besser funktioniert? Vielleicht sind ja Hexenstich-Erfahrenere unter euch. 

So, das war alles, was mir so zum Kleid eingefallen ist. Könnte lückenhaft sein, mein Projektheft mit allen Notizen ist schon in Kartons verpackt in der neuen Bleibe, ich habe nur das aktuelle Heft hier, und da ich das Kleid im Januar genäht habe ... nun ja. Wenn mir beim Nachsehen noch etwas einfällt, werde ich es nachtragen. 


Ich hoffe, ich finde innerhalb der nächsten Tage die Zeit, eure Beiträge beim Me Made Mittwoch zu durchstöbern. Das macht wirklich Spaß jedes Mal.

Happy sewing, 

Julia